Reden wir mal Tacheles: Wie wird man Lektor?

Heute ist es mir ein persönliches Anliegen, über den Werdegang eines Lektoren zu schreiben. Bereits in dem Artikel Freiberuf oder Gewerbe habe ich erwähnt, dass Lektoren Freiberufler und damit selbstständig sind. Aber ich habe nicht erzählt, wie es dazu kommt. In Anbetracht dessen, dass mir immer wieder Beiträge bei Facebook oder Instagram auffallen, wo Kollegen mit ihrer Ausbildung zum Lektor werben und das groß in Szene setzen, ist es an der Zeit, einiges richtig zu stellen. Immerhin wirkt so ein Aushängeschild wie ein Magnet, weil es impliziert, dass da jemand wirklich vom Fach ist und Ahnung hat. Das erwartet man schließlich von jemandem mit Ausbildung und wähnt sich gut aufgehoben.

Auf die meisten Lektoren trifft das auch zu. Aber Obacht! Wenn zu sehr darauf hingewiesen wird, kann etwas faul sein. Schaut also besser einmal mehr und genau hin.

Allgemeines zur Ausbildung!

Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung. Es gibt staatlich anerkannte Berufsausbildungen und die berufliche Weiterbildung in Form von Qualifikationen, weil sie nur einen Teil Fachwissen vermitteln. Eine fundierte Ausbildung ist hier Voraussetzung. Ein Merkmal der staatlich anerkannten Berufsausbildung ist die sog. Ausbildungsverordnung. In ihr werden Lehrinhalte festgehalten. Hinzu kommt ein Ausbildungsrahmenplan, der die zeitliche Abfolge bereitstellt. All das und die Liste der anerkannten Ausbildungsberufe kann beim BiBB (Bundesinstitut für Berufsbildung, https://www.bibb.de) eingesehen werden.

Ein weiteres Merkmal für eine anerkannte Berufsausbildung ist der Schutz der beruflichen Bezeichnung und/oder die Erlaubnis, die Tätigkeit auch ausführen zu dürfen.

Hierzu habe ich drei Beispiele herausgepickt.

Konditor
Der Konditor ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Bezeichnung ist geschützt und es ist Privatpersonen nicht erlaubt, in diesem Rahmen kommerziell tätig zu sein. Im Klartext heißt das, dass man sich ohne diese Ausbildung nicht Konditor schimpfen oder (im heimischen Umfeld) nicht für andere gegen Bezahlung backen darf. Verschenken oder Bereitstellen bei einem Basar ist dagegen aber sehr wohl erlaubt.

Mediendesigner
Auch der Mediendesigner ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Anders als zum Konditor ist es Menschen, die keine fundierte Ausbildung in dem Bereich abgeschlossen haben, durchaus erlaubt, diese Tätigkeit kommerziell anzubieten, aber sie dürfen sich nicht als Mediendesigner bezeichnen.

Lektor
Laut dem BIBB ist der Lektor KEIN anerkannter Ausbildungsberuf und kann daher von jedem ausgeübt werden. Ebenso kann sich jede Person so nennen. Es gibt da keine Verbote oder Grenzen.

Ausbildung zum Lektor

Obwohl der Lektor kein anerkannter Ausbildungsberuf ist, ist es dennoch möglich, sich dahingehend „ausbilden“ zu lassen. Das klingt jetzt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht. Wie vielen bekannt ist, gibt es den Lektor noch heute als Angestellten in Verlagen. Er besetzt einen Posten im Qualitätsmanagement des Verlagssortiments. Schließlich achtet der Lektor auf die Qualität der vom Verlag herausgegebenen Literatur. Aber nicht nur das, er managt in enger Zusammenarbeit mit anderen Verlagsabteilungen (z. B. Marketing, Finanz- und Vertragsabteilung) ganze Buchprojekte. Die gleiche Arbeit fällt auch seinen freiberuflichen Pendants zu.

Für beide, Verlagslektor und freiberuflicher Lektor, gibt es nun drei seriöse Wege des Werdeganges.


1. Studium
Der Weg des Studiums führt über einen der folgenden Studiengänge: Germanistik, Buchwissenschaft oder Buchhandel/Verlagswirtschaft. Voraussetzung für ein Studium ist die Hochschulzugangsberechtigung. Der Abschluss wird als Bachelor of Arts oder Master of Arts bezeichnet.

2. Ausbildung im Buchhandel
Als ausgebildeter Buchhändler erhält man ein umfangreiches Wissen über die vorhandene Literatur, Bezugsquellen und geschäftlichen Abläufe. All das wird bei Verlagen als Vorwissen sehr geschätzt und ist für die Tätigkeit als Lektor nicht unerheblich. Die Kenntnisse der unterschiedlichen Genres und Subgenres sind essentiell.

3. Ausbildung im kaufmännischen Beruf
Für den kaufmännischen Bereich kommen Berufe wie Medienkaufmann in Digital und Print genauso infrage wie Kaufmann für Büromanagement. Beide Berufe bringen ein umfangreiches Wissen in der Programmführung mit sich. Als Lektor muss man zwingend mit einem gewissen Handwerkzeug ausgestattet sein und die Arbeiten heutzutage erfolgen fast nur noch digital, in Wort und Schrift genauso wie in bildlicher Darstellung. Als Kaufmann für Büromanagement lernt man unter anderem noch intensiver in den Bereichen: Vertragsrecht, Finanzrecht, Buchhaltung, Kundenkommunikation, Organisation, Kalkulationen usw. All das wird bei einem Lektor im Verlagswesen und Freiberuf gleichermaßen abverlangt.


Nach erfolgreichem Abschluss von mindestens einer dieser drei Möglichkeiten ist man bei weitem noch kein Lektor, aber es stehen einem die Türen im Verlag offen, wobei Verlage den Uni-Absolventen nicht gerade selten bevorzugen oder gleich selbst die entsprechend anerkannte Ausbildung ausschreiben und dann die Weiterbildung zum Lektor daran knüpfen.

Oder man wählt die freiberufliche Schiene und legt einfach los, weil man sich ja zu jederzeit als Lektor bezeichnen kann, sei es nun mit oder ohne Ausbildung. In dem Fall spart man sich die angeschlossene Fortbildung, die gut und gerne auch noch einmal bis zu 2 Jahre dauern kann, sofern sie nicht parallel zur anerkannten Berufsausbildung gelaufen ist.

Wieso ist die Weiterbildung nötig?

Mit dem Studium oder einer Berufsausbildung hat man bereits einiges an Wissen und an Fertigkeiten gesammelt, die als Lektor unerlässlich sind. Das gilt insbesondere für diejenigen, die freiberuflich arbeiten. Denn sie sind ihr komplettes Büro: Vertrags- und Finanzabteilung in einem. Da sollte man schon wissen, was man tut. Aber das Spezialwissen, das es braucht, um effektiv als Lektor arbeiten zu können, ist bestenfalls in den Anfängen vorhanden. Das ist auch davon abhängig, ob praktische Erfahrung in Form von Praktika oder Volontariat dabei waren. Immerhin gibt es bei jedem Studium und jeder Berufsausbildung auch einen praktischen Teil.

Wer sich für den Verlagsweg entscheidet, ist auf jeden Fall gut beraten, seine praktische Erfahrung bereits während der Ausbildung dort zu suchen. Aber nicht jeder hat das Glück, bei einem Verlag zu landen. Daher ist es angeraten, das nach Abschluss des Studiums nachzuholen. Denn die Arbeit beim Verlag schult das Auge für interne Abläufe und hinsichtlich des Verlagsprogramms. Zudem steckt man dann schon ein gutes Stück in der Materie drinnen und kann sein Wissen sowie die bisher erlangten Fertigkeiten verfeinern.

Wer sich nach einer Berufsausbildung für den Weg der Selbstständigkeit in Form des Freiberufes entscheidet, ohne zuvor groß praktische Erfahrungen im Verlagswesen oder den Buchhandel gemacht zu haben – was auch vorkommt – sollte sich um eine externe Weiterbildung bemühen. Sie erfolgt oft in Form von Berufsqualifikationen und kann von diversen Institutionen ausgeschrieben sein. Die Angebote sollte man tunlichst genau prüfen, weil es auch hier schwarze Schafe gibt. Dazu weiter unten mehr.

Möglich ist es auch, sein Praktikum in einem Lektoratsbüro zu machen. In dem Fall handelt es sich um einen unabhängig tätigen Lektor, der vermutlich noch andere Angestellte hat und daher ein Gewerbe betreibt. Auch das gibt es. Wer sich für den Unterschied Freiberuf und Gewerbe interessiert, darf sich hier einfinden. Es kommt aber auch vor, dass sich angehende Lektoren als Testleser anbieten, um so ihre Erfahrungen auf sehr kostengünstigen Weg zu erlangen.

Zusammenfassung!

Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Lektor gibt es nicht. Der seriöse Zugang erfolgt über ein Studium oder eine fundierte Berufsausbildung und dauert in der Regel bis zu 3 Jahre, verkürzt auf 2 Jahre, wenn es auf dem zweiten Bildungsweg passiert. Ein Abschluss ist in jedem Fall ein Qualitätsmerkmal. Weiterbildungen erfolgen in Verlagen oder durch externe Angebote und werden bei erfolgreichem Abschluss mit Zertifikaten belegt.

Vorsicht bei Ausbildungsversprechen!

Nachdem die Rahmenbedingungen geklärt sind, möchte ich zum Abschluss noch eine Mahnung aussprechen. Es sind immer wieder Angebote im Internet unterwegs, die eine schnelle und kompetente Ausbildung zum Lektor versprechen. Darauf folgen dann nicht selten die eingangs erwähnten Aushängeschilder. Lektoren werben groß mit ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung, um Pluspunkte zu sammeln. Manche benennen dabei sogar noch die (angebliche) Ausbildungsstätte.

Wie die dargelegten Inhalte in diesem Blog zeigen, braucht es seine Zeit, um sich Fachwissen sowie Fertigkeiten anzueignen. Innerhalb weniger Wochen ist das nicht leistbar. Selbst wenn ein gewisses Maß an Grundwissen vorliegt, das aber nicht durch eine der genannten Ausbildungen oder des Studiums gestützt ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass solche Ausbildungsversprechen das halten, was sie im Interesse der späteren Kunden (Autoren) sollten.

Um den Lektoren oder sogar die Ausbildung näher zu beleuchten, ist es angeraten, auf nachstehende Fragen eine Antwort zu bekommen. Kann der Lektor eine Zertifizierung oder etwas Ähnliches vorweisen? Schreiben kann man immerhin viel. Erfolgte die Ausbildung bei einer zertifizierte Lehrkraft bzw. anerkannten Stelle?

Die Überprüfung der Ausbildungsstätte ist insofern sinnvoll, da eine Weiterbildung immer mit vermitteltem Fachwissen einhergeht. Leute, die so etwas machen, werden Trainer genannt oder auch Coaches. Sie sind entweder festangestellt oder selbstständig gewerblich tätig. Allerdings brauchen sie für ihre Tätigkeit eine Trainerlizenz (Zertifizierung) und die Vergabe erfolgt über die IHK. Es sind also erfolgreich abgeschlossene Lehrgänge erforderlich.

Fazit!

Egal was ihr seid, Autoren auf der Suche nach einem Lektor oder jemand, der eine Ausbildung zum Lektor machen möchte, seid vorsichtig und überprüft die Versprechen in den jeweiligen Werbebeiträgen, ganz besonders wenn noch keine einsehbaren Referenzen vorliegen. In der Werbung werden nicht immer die richtigen Bezeichnungen verwendet, sondern das, was gut klingt und eine ähnliche Bedeutung hat, in der Hoffnung, die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Freiberuf oder Gewerbe

Seit ein paar Jahren bin ich schon als Lektorin & Korrektorin unterwegs. Mir ist schon viel begegnet. Ungefähr die Hälfte dessen handelt von Unwissenheit und Beratungsresistenz. Während man Unwissenheit durch Aufklärung ausmerzen kann, ist das bei der Beratungsresistenz leider nicht so. Blöd ist es, wenn beides brüderlich Hand in Hand geht.

Normalerweise meide ich solche negativ Potentiale in der Medienlandschaft. Hin und wieder stolpere ich allerdings doch hinein. Es ist also nicht schwer zu erraten, was mich zu diesem Blog-Artikel bewogen hat, in dem ich einige Punkte für all diejenigen klarstelle, die als Korrektor tätig sein möchten, sei es hauptberuflich oder neben dem Angestelltenverhältnis, oder weil sie sich nur darüber informieren möchten.

Der Einstieg

Lektor oder Korrektor wird man nicht über einen Lehrberuf. Meist kommt man als Quereinsteiger oder durch ein Germanistik-Studium mit diesem Arbeitsumfeld in Verbindung. Letzteres war neben dem Volontariat die Einstiegsmöglichkeit bei Verlagen, um sich in dem Tätigkeitsfeld zu etablieren. Heute ist das eher selten geworden, weil das Outsourcen von Fachkräften günstiger für Unternehmen ist. Verlage bilden da keine Ausnahme.

Wie gesagt fällt der Beruf des Lektors oder Korrektors nicht in den Bereich der Lehrberufe. Daher kann man sich ungestraft ganz einfach so bezeichnen, ohne einen Abschluss vorweisen zu müssen. Das kommt vor allem den Quereinsteigern zugute. Quereinsteiger haben meist auf individuellem Weg ihre Qualifikationen erlangt. Ich setze das jetzt einfach mal voraus und blende die vielen schwarzen Schafe aus, die es aufgrund der Bezeichnungsfreiheit leider auch gibt.

Für beide Berufswege – über den Verlag oder als Quereinsteiger – gibt es jetzt nur die Möglichkeit der Festanstellung oder der Selbstständigkeit. Somit stellt sich die Frage: Bin ich jetzt Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Die Selbstständigkeit!

Es gibt als Selbstständiger genau zwei Möglichkeiten. Entweder man ist Gewerbetreibender oder Freiberufler.


Merksatz:
Ist man nicht das eine, so ist man automatisch das andere.


Das Problem besteht also darin, das eine zumindest auszuschließen, was bei Berufen, die keiner anerkannten Lehre entspringen, zuweilen problematisch sein kann. Am einfachsten ist es, sich die Freiberufe anzusehen. Dieses Feld der Selbstständigkeit ist bedeutend leichter zu überblicken. Der Ansatzpunkt sollte die Gesetzeslage sein. Hierzu gibt es § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG.

Darin steht:

„Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. 2Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe. 3Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. 4Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen;“

(https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html)

All die hier aufgeführten Berufszweige sind sog. Katalogberufe und zeichnen sich durch eine persönliche, hohe schöpferische, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen aus. Wer sich näher mit dem entsprechenden Paragraphen (§ 1 Abs. 2 PartGG) beschäftigen will, geht bitte einmal hier entlang. (https://www.gesetze-im-internet.de/partgg/__1.html)

Halten wir die Katalogberufe noch einmal übersichtlich fest. Da hätten wir:

  • Ärzte, Zahnärzte. Tierärzte,
  • Rechtsanwälte, Patentanwälte,
  • Notare,
  • Vermessungsingenieure, Ingenieure,
  • Architekten,
  • Handelschemiker,
  • Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, vereidigte Buchprüfer, beratende Volks-und Betriebswirte,
  • Heilpraktiker,
  • Dentisten,
  • Krankengymnasten,
  • Journalisten,
  • Bildberichterstatter,
  • Dolmetscher,
  • Übersetzer,
  • Lotsen

Neben den Katalogberufen gibt es weitere Berufe, die laut dem Bundesfinanzhof als Freiberufe gewertet werden. Zu denen gehören:

  • Tätigkeit als Diplom-Informatiker oder Diplom- Mathematiker,
  • Fleischbeschauer,
  • Hebamme, Entbindungspfleger, Diätassistenten,
  • Patentberichterstatter mit wertender Tätigkeit,
  • Prozessagenten,
  • Zahnpraktiker,
  • Gutachter,
  • Altenpfleger, soweit keine hauswirtschaftliche Versorgung der Patienten erfolgt,
  • Ergotherapeuten,
  • Krankenpfleger/Krankenschwestern, soweit keine hauswirtschaftliche Versorgung der Patienten erfolgt,
  • Logopäden,
  • Staatlich geprüfte Masseure, Heilmasseure, soweit diese nicht lediglich oder überwiegend kosmetische oder Schönheitsmassagen durchführen,
  • Medizinische Bademeister, soweit diese auch zur Feststellung des Krankheitsbefunds tätig werden oder persönliche Heilbehandlungen am Körper des Patienten vornehmen,
  • Medizinisch-technische Assistenten,
  • Orthopisten,
  • Psychologische Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche,
  • Podologen,
  • Rettungsassistenten

Aber das ist noch nicht alles. Es gibt noch die sonstigen Selbstständigen, die keine Gewerbetreibenden sind und ebenfalls in die Kategorie Freiberuf fallen. Das wären dann:

  • Testamentsvollstrecker,
  • Vermögens-, Insolvenz-, Vergleichs- oder Zwangsverwalter,
  • Aufsichtsratsmitglied,
  • Schiedsmann,
  • Berufsmäßiger rechtlicher Betreuer,
  • Tagesmutter,
  • Ehrenamtliches Mitglied kommunaler Vertretungen (z.B. Ortsbürgermeister, Landrat, Kreistagsabgeordneter),
  • Einnehmer einer staatlichen Lotterie (wenn diese nicht ausnahmsweise gewerblich sind).

(Quelle der kompletten Auflistung: https://www.buhl.de/steuernsparen/beruf-aus-dem-katalog)

So nun kennen wir die Rahmenbedingungen und wissen, welche Selbstständigen sich als Freiberufler bezeichnen dürfen. Eines fällt sofort auf, die Auflistung kann nicht vollständig sein. Der Korrektor ist dort genauso wenig aufgeführt wie der Lektor oder sogar der Autor. Letztgenannte gelten aufgrund ihres hohen künstlerischen Potentials definitiv als Freiberufler und sind damit eigentlich kein Streitfall (mehr dazu weiter unten), obwohl sich da so manches Finanzamt am Anfang auch gerne einmal querstellt. Denn bei denen wird man sich früher oder später sowieso melden müssen. Selbstständigkeit ist in jedem Fall anmeldepflichtig und dann muss man auch angeben, ob es sich bei der anzumeldenden Tätigkeit um ein Gewerbe oder Freiberuf handelt. Notfalls wird auch eine Erklärung fällig, warum die Anmeldung als Freiberufler erfolgt, wenn die Angabe von der Meinung des Finanzamtes abweicht.

So selten kommt das nicht vor. Dem Finanzamt liegt ja auch die Auflistung der Katalogberufe (siehe oben) vor, die leider nicht zu 100% vollständig ist. Die Beweisführung dürfte einem reinen Korrektor sehr schwer fallen, weil er nicht über die gleiche Kompetenz verfügt wie jemand, der in einem wissenschaftlichen oder pädagogischen Beruf arbeitet. Seine Tätigkeit bezieht sich auf das Auffinden von Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern, also alles, was zu den formellen Textschwächen zählt. Hinzu gesellen sich oft auch Formatierungsfehler. Das ist keine wissenschaftliche, keine künstlerische, keine schriftstellerische (weil man nicht selbst schreibt), keine unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit. Hierbei handelt es sich um reines Handwerk, auch wenn es digital abläuft, und das ist eindeutig gewerblich einzustufen. Wenn man dem Finanzamt also keine stichhaltige Begründung gemäß der gesetzlichen Definition des Freiberufes liefern kann, warum man dennoch kein Gewerbetreibender ist, dann sollte man sich dieses Drama lieber ersparen und ein Gewerbe anmelden.

Aber diese Stellenanzeigen bei Google …!

Den Einwand lese ich in dieser oder ähnlicher Form immer wieder und es wird Zeit, damit einmal aufzuräumen. Suchen wir mittels Google nach Korrektoren, dann erhalten wir Ergebnisse wie nachstehend zitierte Textauszüge:

  • „Ein Korrektor arbeitet in der Regel freiberuflich. Nur noch in wenigen Verlagen sind fest angestellte Korrektoren zu finden – und die Zahl der Stellen wird weiter abgebaut.“
  • „Selbständiger – bzw. freiberuflicher – Korrektor werden ist somit die ideale Alternative zu einem ohnehin rar gesäten Job in einem Verlag.“
  • „Korrektor auf freiberuflicher Basis im Homeoffice (derzeit keine Stelle frei).„

All das wird gerne als Begründung herangezogen, dass der Beruf des Korrektors doch ein Freiberuf ist. Das ist allerdings falsch. Warum erkläre ich gerne. Die Begriffe „Freiberuf“ und „freiberuflich“ sind hier zwei verschiedene Paar Schuhe, werden aber gerne als Synonyme füreinander gebraucht. So kommt es zum Irrglauben, der Korrektor sei ein Freiberuf. In den von mir zitierten Google-Ergebnissen bedeutet der Begriff „freiberuflich“ nichts anderes, als dass es sich nicht um eine feste Anstellung handelt.


Wir erinnern uns: Wer nicht fest angestellt ist, ist selbstständig, und wer darüber hinaus nicht die Anforderungen für einen Freiberuf erfüllt, ist Gewerbetreibender.


Natürlich sollte man in zweiter Instanz fragen, was der Korrektor über sein eigentliches Tätigkeitsfeld noch leistet. Je nach Gewichtung und Sachlage, kann es Ausnahmen von der Einstufung des Gewerbetreibenden geben. Aber das ist dann ein Einzelfall und mit dem zuständigen Finanzamt zu klären.

Eine weitere Anlaufstelle für derlei haarspalterische Fragen kann in diesem Fall auch die KSK (Künstlersozialkasse: https://www.kuenstlersozialkasse.de) sein. Sie sorgt dafür, dass Künstler und Publizisten einen ähnlichen gesetzlichen Sozialversicherungsstandard genießen wie Arbeitnehmer. Korrektoren werden dort nicht aufgenommen, weil Korrektoren keine Freiberufler sind. Lektoren werden bei der KSK jedoch genauso wie Autoren ohne Probleme versichert. Bei Lektoren wird der schöpferische Anteil am schriftlichen Werk ausreichend hoch bewertet, weshalb sie schlussendlich zu den Freiberuflern zählen.

Warum erwähne ich das so explizit? Nun, mir ist schon oft untergekommen, dass so mancher Korrektor behauptet hat, eine künstlerische Eigenleistung an dem Werk seines Kunden erbracht zu haben, nur weil hier und da ein paar stilistische Ausbesserungen vorgenommen worden sind, die in Wahrheit aber in den Bereich der formalen Fehlerquelle (Grammatik) gelegen haben. Ein paar überschaubare grammatikalische oder stilistische Eingriffe machen aus einem Korrektor aber keinen Lektor. Die KSK erfragt vorab definitiv Nachweise über die anzumeldende und zugleich zu versichernde Tätigkeit. So trennt sich dann meist schon die Spreu vom Weizen.

Wer also mit dem Gedanken spielt, sich in Zukunft als Lektor oder nur als Korrektor, weil das von vielen Anwärtern als weniger arbeitsintensiv angesehen wird – das ist übrigens ein Trugschluss – sein monatliches Einkommen aufzubessern oder gleich ganz davon leben zu wollen, sollte sich also als erstes dieser Fragestellung widmen. Im Zweifelsfall muss man sich mit dem Gewerberecht vertraut machen. Scheitert man alleine schon daran oder möchte das aus irgendwelchen Gründen nicht, sollte man die Finger von diesem Berufsstart lassen. Denn als Selbstständiger, egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibender, hat man noch mit ganz anderen rechtlichen Passagen zu kämpfen, allen voran das Vertrags- und Finanzrecht.

Tolino Media: Jetzt auch Printbücher!

Seit einer Weile wartet die Autorenschaft schon darauf, bei Tolino Media ihre Bücher auch in physischer Form veröffentlichen zu können. Jetzt ist es endlich so weit. Tolino Media erweitert seine Distribution auf Taschenbücher und Hardcover.

Da auch ich mich immer brennend für neue Vertriebswege interessiere, habe ich mir das Angebot einmal genau angeschaut und mit epubli sowie Amazon KDP verglichen. Beginnen wir mal von vorne.

Buchprojekte im Vergleich

Wie ihr sehen könnte, kann man nicht nur zwischen eBook und Printbuch unterscheiden, sondern auch ob mit ISBN oder ohne das Projekt angelegt werden soll. Ohne bedeutet, es ist ein privates Buchprojekt ohne den Status einer Veröffentlichung. Ein Probedruck sozusagen.

Die Einstellungen für die beiden Print-Varianten unterscheiden sich minimal, weshalb ich mir gleich die Variante mit der ISBN angeschaut habe. Allerdings überspringe ich die typischen Angaben, die es auch in der eBook-Variante gibt, und komme gleich zum Kern des Ganzen: Ausstattung & Preis.

Das wichtigste an der Ausstattung sind vermutlich die Maße. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen Taschenbuch und Hardcover mit einer beschränkten Auswahl im Format.

Gedruckt werden kann auch in Farbe. Hierzu muss man nur die Anzahl der Farbseiten und ihre Lage angeben. Die Papiersorte ist in jedem Fall auf 90gr cremeweiß/weiß beschränkt. Bei der Laminierung kann zwischen mattiert und glänzend gewählt werden.

Aufgrund der Eingaben (Seitenzahl inklusive) werden die Covermaße berechnet. Zur besseren Darstellung nehme ich ein Beispielbuch mit 500 Seiten. Mein Ergebnis sieht wie folgt aus.

Sogar der Mindest-Verkaufspreis wird erstellt und kann später händisch noch nach oben korrigiert werden. Unterschreiten lässt sich dieser Preis nicht. Für mein Beispielbuch von 500 Seiten erhalte ich den Mindest-Verkaufspreis von satten 15,99 € bei einer Marge von 1,47 €. Wie man zusätzlich sieht, kann man sich Eigenexemplare zu Staffelpreisen besorgen. In dem Fall kostet das Einzelbuch 11,13 €. Der Preis dürfte das kostendeckende Niveau bei diesem Beispiel sein.

Aus Erfahrung weiß ich, das die anderen Distributoren ähnliche Preise erzielen. Also werfen wir einmal einen Blick zu Epubli.

Für dasselbe Beispielbuch erhalte ich einen Verkaufspreis von 16,99 €. Die Marge, die später auch noch versteuert werden muss – Einkommenssteuer lässt grüßen – beläuft sich auf 2,83 € bzw. 1,24 € je nach Verkaufsplattform. Epubli ist also gut 1 € teurer als Tolino Media.

Schauen wir uns jetzt Amazon als Tolino Medias größten Konkurrenten an. Die Zahlen sprechen für sich. Amazon hat leider seine Nase preislich vorne. Die Mindestkosten belaufen sich auf 11 € und sind lediglich kostendeckend. Für den Preis könnte ich laut dem Rechner von KDP das Taschenbuch tatsächlich online stellen, leider ohne Gewinn. Um an die Marge von Tolino Media oder Epubli heranzureichen müsste sich mein Verkaufspreis irgendwo zwischen 13 – und 14 € befinden. Dieser Endpreis schlägt die beiden Konkurrenten eindeutig.

Natürlich sind das nur Schätzwerte und den endgültigen Preis kann man erst in der Preisgestaltung eines angelegten Projektes sehen, was ich jetzt nicht getan habe, weil man dafür zwingend einen Buchblock und ein daran angepasstes Cover benötigt. Viel wird sich daran jedoch nicht ändern.

Was gibt es zu beachten?

Diese Frage ist essentiell, da jeder Distributor seine eigene Regelung besitzt. Die wichtigsten Knackpunkte haben ich einmal aufgelistet und mit den entsprechenden Konkurrenten vergleichen.

  1. Beim ersten Bild ist es euch sicher schon aufgefallen. Es gibt eine einmalige Gebühr für jedes „neue“ Buchprojekt von 14,90 €. Das ist nichts Schlimmes, macht BOD zum Beispiel auch so, wirft jedoch Kosten auf. Epubli hingegen verlangt keine Gebühr (mehr) für die Bereitstellung einer ISBN und liefert auch die Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek, genauso wie Tolino Media und BOD.
  2. Es gibt eine Bearbeitungsschranke. Änderungen am Inhalt, dem Cover und dem Preis sind nach einer Veröffentlichung nicht mehr möglich. Absolut gar nicht! Die einzige Möglichkeit bestünde in einer Neuauflage, also ein „neues“ Projekt für das man wieder 14,90 € zahlen müsste. So etwas Ähnliches kennen viele Autoren bereits von BOD. Auch hier gibt es Änderungen nur gegen Bares. (Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/veroeffentlichung/)
  3. Tolino Media verlangt ein bestimmte Farbprofil für die Cover-Datei. Wer seine Cover also selbst designt wird hier das verlangte Farbprofil installieren und anwenden müssen. Wer einen Coverdesigner beauftragt, wird diese Informationen an jenen weitergeben müssen, um Probleme zu vermeiden. (Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/ueber-kb-add-ons/)

Fazit!

Für mich ist das Angebot von Tolino Media nichts. Sie verzichten zwar auf Exklusivität (https://www.tolino-media.de/so-funktionierts/vorteile/), was ein tolles Plus ist. Aber die Kombination aus Bearbeitungsschranke und einmaligen Gebühren sind ein klares No-Go für mich. Durch Epubli und KDP (Amazon) habe ich den Service von kostenlosen Änderungen am Inhalt, Cover und Preis (nur bei KDP) durchaus schätzen gelernt. Kleine Fehler sind schnell ausgebügelt und bedingen nicht sofort eine Neuauflage mit entsprechender ISBN und Kosten.

Für alle, die anderer Meinung sind und damit gut leben können, für die ist dieses Angebot von Tolino Media zum Printbuch eine konkurrenzfähige Möglichkeit zu Epubli und BOD. Letzteres habe ich in meine Vergleiche kaum einbezogen, doch dieser Distributor rangiert in der Preisgestaltung meist knapp hinter Epubli. Amazon bleibt jedoch derzeit unschlagbar. Einziges Manko hier ist, dass das Buch nicht mit einer weltweiten ISBN ausgestattet ist, außer man hat sich selbst darum gekümmert. Aber das ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung gewesen.

Zwei mögliche Publikationswege: Verlag und Selfpublishing

Gratulation! Du hast dein erstes Buch geschrieben. Du kannst dir auf die Schulter klopfen und stolz darauf sein. Ich meine das ernst. Das schafft nicht jeder. Schreiben ist Handwerk und ein Schreibprojekt zu beenden, erfordert auf jeden Fall Disziplin.

Aber wie geht es nun weiter? Es geht doch weiter, oder? Du hast ja nicht nur für dich selbst geschrieben.

Nö, ich möchte schon gerne veröffentlichen.

Wusste ich es doch. An dieser Stelle sei gewarnt. Es gibt viele Stolpersteine. Und welche das sein werden, liegt an deiner Entscheidung, auf welchem Weg du veröffentlichen willst. Grundsätzlich gibt es für dich zwei Möglichkeiten: Verlag und Selfpublishing.

Verlag

Der klassische Weg zur Buchveröffentlichung führt über einen Verlag und ist somit auch der bequemste, aber leider auch der langatmigste. Als Autor schreibt man sein Buch und gibt die Arbeit danach an andere weiter und kassiert seine Tantiemen. So sieht die Vorstellung noch heute bei sehr vielen aus und sie stimmt zum großen Teil ja auch. Das Ding ist nur, dass es mit dem Schreiben und Weggeben nicht ganz so simpel ist.

Erst einmal musst du den für dein Werk passenden Verlag finden. Verlage führen ein sog. Verlagssortiment, das nach Genre unterteilt ist, und nehmen daher auch nur solche Manuskripte an, die in diese Auswahl fallen. Eingeschränkt wird das jedoch vom wirtschaftlichen Denken des Verlages. Verspricht ein Manuskript wenig bis keinen Umsatz zu generieren, winkt eine Ablehnung, wenn du Glück hast bekommst du sogar eine schriftliche Begründung. Damit würde ich aber nicht rechnen, Verlage werden jährlich mit Bewerbungen für ihr Sortiment überschwemmt. Eine Bewerbung ist dennoch einen Versuch wert.

Dazu musst du auf der Website des von dir ausgesuchten Verlages nach den Kontaktdaten und Einsendebedingungen schauen, vermutlich sogar via eMail erfragen. Da ein Verlag auf den Verkauf von Büchern ausgelegt ist, wird dich diese Information nicht gleich auf der ersten Seite anspringen. Darauf solltest du achten. Es kann passieren, dass von dir verlangt wird, dein Manuskript vorab nach Vorgabe zu formatieren: Schriftart, -größe usw.

Wieso muss ich das machen? Ich kann doch einfach auch so alles hinschicken.

Klar, könntest du das. Aber es gibt einen Grund für solche Anforderungen, die von Verlag zu Verlag unterschiedlich sein können. Auf diese Weise haben alle Einsendungen die gleiche Norm und sind einfach zu handhaben, aber sie geben auch Aufschluss darüber, wie gut du darin bist, Anweisungen zu befolgen, die während der Bearbeitungsphasen (Lektorat/Korrektorat) auf dich warten (können). Wenn du hier schon eigenbrödlerisch daherkommst, sieht es für deine Bewerbung nicht gut aus.

Das ist mir zu viel Aufwand. Dann gehe ich lieber zu einem Verlag, der mich auch so nimmt. Es gibt welche, die fordern einen Autor sichtbar dazu auf, sein Manuskript einzusenden und haben keine großen Anforder…

STOP! Wovon du da redest ist ein DKZV (Druckkostenzuschussverlag), ein schwarzes Schaf in der Buchbranche. Offenbar ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über Folgendes zu reden:

Druckkostenzuschussverlag

Du erkennst einen DKZV (Druckkostenzuschussverlag) daran, dass sie für ihr Versprechen, dein Manuskript ohne großes Wenn und Aber auf den Buchmarkt (ISBN inklusive) zu bringen, Geld verlangen. Ein Verlag nimmt niemals Geld von dir und finanziert alle nötigen Leistungen wie Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Buchsatz, Vertrieb, Lagerung und Marketing aus eigener Tasche. Wenn Geld fließt, dann nur zu dir, niemals von dir weg. Merke dir das gut.

In der Vergangenheit sind viele DKZV’s auf öffentliche Listen gerutscht, die sie als das benennen, was sie sind: schwarze Schafe der Buchbranche. Tja, daraus haben auch sie gelernt und tarnen sich immer besser, z. B. hinter vermeintlich seriösen Websites und elegantem Geschäftsgebaren. Es ist nicht mehr so leicht wie früher, sie zu erkennen, außer sie haben in der Gestaltung ihrer Websites richtig danebengegriffen. Besonders der verführerische Aufruf zum Einsenden jeglicher Manuskripte, weil der Verlag ja händeringend danach sucht, ist von der Hauptseite irgendwo auf eine Unterseite gerutscht und ist bei weitem nicht mehr so auffällig gestaltet. Das Gleiche gilt für die Kosten, die dich dort totsicher erwarten.

Siehst du dich aufmerksam auf solchen Websites um, stößt du spätestens auf einer der Unterseiten auf Sachen wie nachstehend aufgelistet:

„Haben Sie dafür Verständnis, dass wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen können, das uns erreicht.“

„Wir prüfen Ihr eingereichtes Manuskript und machen Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot.“

Das sind jetzt genau zwei Beispiele, die mir noch gut in Erinnerung geblieben sind, als ein DKZV an meine Tür geklopft hat und meine Dienste in Anspruch nehmen wollte. Nach eingehender Prüfung habe ich dankend abgelehnt, weil ich so eine Geldmacherei nicht unterstütze und auch nicht sicher sein kann, ob das mit der Bezahlung an mich so reibungslos verläuft.

Eine solche Wortwahl wie in meinen angeführten Beispielen ist entlarvend, obwohl sie elegant erscheint, richtig professionell eben. Es handelt sich aber um den berühmten Wolf im Schafspelz. Jemand der sich in der kaufmännischen Kommunikation nicht auskennt, wird jetzt vielleicht nicht verstehen, was ich meine. Daher erkläre ich es gerne einmal.

Satz 1:
„Haben Sie dafür Verständnis, dass wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen können, das uns erreicht.“

Hierbei handelt es sich um eine indirekte Aufforderung zum Einsenden deines Manuskriptes und enthält zugleich das Versprechen eine hohe Chance, genommen zu werden. Die Schlüsselwörter sind hier „nicht jedes Manuskript“, was im Umkehrschluss heißt wie: Die meisten Manuskripte nehmen wir aber doch. Eine nähere Erläuterung fehlt fast immer und auch das Sortiment gibt selten Aufschluss, welche Genres unerwünscht sind. Wozu auch? Jedes Manuskript ist eine potentielle Geldquelle.

Satz 2:
„Wir prüfen Ihr eingereichtes Manuskript und machen Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot.“

Mit absoluter Sicherheit wird ein Angebot kommen, nämlich ein Angebot, bei dem der Autor zur Kasse gebeten wird. Denn das bedeutet dieses Wort. Ein Angebot kann auch als Offerte bezeichnet werden. Es beinhaltet stets eine Leistung zu einem gewissen Gegenwert und ist überdies verbindlich für denjenigen, der es ausspricht. Sobald es angenommen wird, kommt ein Vertrag zustanden, nur mal so als Randbemerkung.

Fazit: Du wirst hier auf jeden Fall dein Geld los. Die Qualität des Gegenwertes (deine Veröffentlichung) ist dagegen fraglich.

Ein DKZV hat keinerlei Interesse, dein Buch zu pimpen und in den Medien zu pushen. Ein DKZV verdient an DIR, nicht am Buchverkauf. Das ist ein netter, aber vernachlässigbarer Nebeneffekt, wenn er denn eintrifft.

Erinnerst du dich, was ich weiter oben bei den Verlagen geschrieben habe? Deren Websites sind so aufgebaut, dass sie ihre Bücher anpreisen, weil sie sie verkaufen wollen. Ruf dir mal die Seite von Verlagen wie Heyne, Cornelsen, Bastei Lübbe auf und dann einen wie du ihn erwähnen wolltest. Was fällt dir im Vergleich auf? Die Aufmachung und Ansprache sind komplett unterschiedlich. Gut das sind nun die großen Verlage, aber auch Kleinverlage sind darauf aus, ihre Bücher zu verkaufen, sie haben noch weniger Geld, um all die vielen Autoren, die jährlich auf den Markt drängen, unter Vertrag zu nehmen. Achte also bei Verlagsseiten, die dir nicht bekannt sind, auf genau solche Merkmale.

Seriöse Verlage legen nie den Schwerpunkt darauf, Autoren zu gewinnen, sondern darauf Bücher zu verkaufen!

Bist du dennoch an einen DKZV geraten und kommst irgendwann auf die Idee, deine Veröffentlichung zurückziehen zu wollen und woanders zu veröffentlichen, werden große Probleme auf dich zukommen. Ein DKZV gibt ungerne und vor allem nicht freiwillig seine Rechte an dem Manuskript an dich zurück. Das endet nicht selten mit der Hilfe eines Anwaltes, dauert lange, kostet Nerven und Geld, DEIN Geld. Es gibt genug Autoren, die darauf reingefallen sind und ein Lied davon singen können.

Abgesehen davon endet eine Veröffentlichung über einen DKZV – viele sind bei den Profis der Buchbranche als solche leicht erkennbar – auch mit einem Image-Schaden für dich. Ein seriöser Verlag wird dein Manuskript danach vermutlich nicht mehr in sein Sortiment aufnehmen wollen, sollte das noch immer dein Ziel sein. Außerdem gelangt dein Buch nicht in den stationären Buchhandel. Bücher von DKZV’s findest du dort nicht. Rate mal wieso?

Selfpublishing

Die einzig denkbare Alternative zur Verlagsveröffentlichung ist das Selfpublishing. Und ja, das kostet Geld, dein Geld, und das darf es auch. Selfpublishing oder kurz SP genannt ist nichts anderes als die Eigenpublikation. Umgangssprachlich wird es auch als Selbst- oder Eigenverlag bezeichnet. Wobei das Wort Verlag sehr irreführend ist. Es steckt in der Regel nämlich kein Unternehmen dahinter, sondern du als Autor höchstpersönlich. Wenn du dich also nicht gerade mit einem eigens gegründeten Verlag – das beinhaltet eine Firmengründung – selbstständig gemacht hast, dann ist diese Übersetzung nicht zutreffend.

Aber gut, zurück zum Wesentlichen. Im Selfpublishing kümmerst du dich selbst um all die Prozesse, die normalerweise ein Verlag übernimmt. Somit obliegen auch dir alle anfallenden Kosten. Guck mich nicht so zerknirscht von der Seite an. DAS ist die Aufgabe eines Verlages.

Aber ich habe gehört, dass Selfpublisher schlechte Autoren sind und minderwertige Bücher produzieren.

Das Vorurteil hält sich leider hartnäckig. Noch immer hat das SP einen durchwachsenen Ruf, aber er verbessert sich stetig. Das liegt an den vielen professionellen und seriösen Dienstleistern, die mit hochmotivierten Autoren zusammenarbeiten, um ein möglichst qualitativ hochwertiges Buch auf den Markt zu bringen. Hier hast du – obwohl die Kosten auf deiner Seite liegen – die volle Kontrolle. Du alleine entscheidest, mit wem du zusammenarbeitest und kontrollierst auf diese Weise den Kostenfaktor UND Qualitätsfaktor. Wenn also im SP Schund auf den Markt geworfen wird, dann liegt die Ursache irgendwo auf dem Weg vom Schreiben bis zur Veröffentlichung, sprich an dir und/oder an einem Dienstleister.

Beachte: Niemand wird als Profi geboren und auch Dienstleister können nur mit dem arbeiten, was sie bekommen. Wenn du also gute Arbeit ablieferst, dann können sie daraus viel machen. Voraussetzung ist, sie beherrschen ihr Handwerk so wie du deines.

Den negativ behafteten Ruf hat das Selfpublishing also meist den Autoren zu verdanken, die sich nicht angemessen um die Qualität ihrer Werke kümmern. Besonders zu Anfang war das ein Problem, denn Dienstleister waren Mangelware. Heute ist das zum Glück anders und niemand kann sich herausreden, keine Hilfe bekommen zu haben, weil es keine gibt.

Die Finanzierung dieser Hilfe ist jedoch weiterhin ein Streitthema. Natürlich kostet die Hilfe eines Lektors, Korrektors, Buchsetzers oder Coverdesigners Geld. Würdest du umsonst arbeiten und wüsstest später nicht, wie du Miete, Strom, Versicherung, Essen und all die anderen Ausgaben in deinem Leben bezahlen kannst? Wohl kaum.

Habe ich denn auch Vorteile auf meiner Seite, wenn ich schon alle Kosten tragen muss?

Aber sicher. Dir alleine gehören alle Rechte am Manuskript und die Nutzungsrechte, die du mit den engagierten Dienstleistern vereinbart hast. Darunter fallen die Leistung des Lektorates, Korrektorates, Coverdesigns und Buchsatzes. Die behältst du auch, wenn du dein Werk zwecks Veröffentlichung an einen Distributor (Vertriebler) überstellst.

Stellst du all die Kosten aus dem SP, die du bis hierhin zu tragen hast, denen eines DKZV’s gegenüber, wirst du schnell erkennen, dass das günstiger ist als deren horrende Angebote. Wenn es schon dein Geld kosten soll, dann sei clever.

Ja, das klingt einleuchtend. Und die Dienstleister sind auch alle vertrauenswürdig?

Nicht alle. Leider gibt es auch unter ihnen schwarze Schafe. Damit du gewappnet bist im Dienstleistervergleich, empfehle ich dir meinen Blogartikel mit dem Titel Seriöse von unseriösen Dienstleistern unterscheiden. Dort erkläre ich dir, worauf du auf jeden Fall achten solltest.

Fazit

Generell kann ich das Selfpublishing sehr empfehlen. Du bist frei in deinen Entscheidungen, stehst aber auch überall in der Pflicht, dich selbst zu kümmern. Davor schrecken viele Autoren im ersten Moment zurück und der vermeintlich schlechte Ruf erledigt den Rest. Lass dich von beidem nicht abhalten, wenn es bei einem Verlag nicht klappen sollte.

Ein anständiger SPler beweist, dass er sich auf dem Spielfeld der Publikation behaupten kann, wenn er sich mit den richtigen Dienstleistern zusammentut. Ein SPler macht in dem Moment das Gleiche wie ein Verlag und ist damit ein Konkurrent. Und was macht man mit Konkurrenten? Zum Beispiel diskreditieren.

Nebenbei ist eines auch Fakt: Viele (nicht alle!) Verlage outsourcen selbst. Sie holen sich die Dienstleister (Lektoren, Korrektoren, Coverdesigner usw.) von außen dazu, statt sie intern dauerhaft anzustellen. Es ist kostengünstiger und daher nur logisch für ein Wirtschaftsunternehmen, das seine internen Kosten (Gehalt/Lohn) verringert bzw. niedrig halten will.

Und da sollen die mit Dienstleistern arbeitenden SPler schlechter als Verlage sein, die das Gleiche machen? Klingt nicht einleuchtend, oder? Siehste. Sie sind nicht schlechter, sie sind nur Konkurrenten oder wie man im Kaufmännischen auch gerne sagt „Mitbewerber“ und die kann man in der eigenen Nische selten gebrauchen.

Wie du siehst, steht dir der Weg frei, wie du dein Buch veröffentlichst. Es ist deine Entscheidung, was es werden soll: Verlag oder Selfpublishing.