Reden wir mal Tacheles: Wie wird man Lektor?

Heute ist es mir ein persönliches Anliegen, über den Werdegang eines Lektoren zu schreiben. Bereits in dem Artikel Freiberuf oder Gewerbe habe ich erwähnt, dass Lektoren Freiberufler und damit selbstständig sind. Aber ich habe nicht erzählt, wie es dazu kommt. In Anbetracht dessen, dass mir immer wieder Beiträge bei Facebook oder Instagram auffallen, wo Kollegen mit ihrer Ausbildung zum Lektor werben und das groß in Szene setzen, ist es an der Zeit, einiges richtig zu stellen. Immerhin wirkt so ein Aushängeschild wie ein Magnet, weil es impliziert, dass da jemand wirklich vom Fach ist und Ahnung hat. Das erwartet man schließlich von jemandem mit Ausbildung und wähnt sich gut aufgehoben.

Auf die meisten Lektoren trifft das auch zu. Aber Obacht! Wenn zu sehr darauf hingewiesen wird, kann etwas faul sein. Schaut also besser einmal mehr und genau hin.

Allgemeines zur Ausbildung!

Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung. Es gibt staatlich anerkannte Berufsausbildungen und die berufliche Weiterbildung in Form von Qualifikationen, weil sie nur einen Teil Fachwissen vermitteln. Eine fundierte Ausbildung ist hier Voraussetzung. Ein Merkmal der staatlich anerkannten Berufsausbildung ist die sog. Ausbildungsverordnung. In ihr werden Lehrinhalte festgehalten. Hinzu kommt ein Ausbildungsrahmenplan, der die zeitliche Abfolge bereitstellt. All das und die Liste der anerkannten Ausbildungsberufe kann beim BiBB (Bundesinstitut für Berufsbildung, https://www.bibb.de) eingesehen werden.

Ein weiteres Merkmal für eine anerkannte Berufsausbildung ist der Schutz der beruflichen Bezeichnung und/oder die Erlaubnis, die Tätigkeit auch ausführen zu dürfen.

Hierzu habe ich drei Beispiele herausgepickt.

Konditor
Der Konditor ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Bezeichnung ist geschützt und es ist Privatpersonen nicht erlaubt, in diesem Rahmen kommerziell tätig zu sein. Im Klartext heißt das, dass man sich ohne diese Ausbildung nicht Konditor schimpfen oder (im heimischen Umfeld) nicht für andere gegen Bezahlung backen darf. Verschenken oder Bereitstellen bei einem Basar ist dagegen aber sehr wohl erlaubt.

Mediendesigner
Auch der Mediendesigner ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Anders als zum Konditor ist es Menschen, die keine fundierte Ausbildung in dem Bereich abgeschlossen haben, durchaus erlaubt, diese Tätigkeit kommerziell anzubieten, aber sie dürfen sich nicht als Mediendesigner bezeichnen.

Lektor
Laut dem BIBB ist der Lektor KEIN anerkannter Ausbildungsberuf und kann daher von jedem ausgeübt werden. Ebenso kann sich jede Person so nennen. Es gibt da keine Verbote oder Grenzen.

Ausbildung zum Lektor

Obwohl der Lektor kein anerkannter Ausbildungsberuf ist, ist es dennoch möglich, sich dahingehend „ausbilden“ zu lassen. Das klingt jetzt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht. Wie vielen bekannt ist, gibt es den Lektor noch heute als Angestellten in Verlagen. Er besetzt einen Posten im Qualitätsmanagement des Verlagssortiments. Schließlich achtet der Lektor auf die Qualität der vom Verlag herausgegebenen Literatur. Aber nicht nur das, er managt in enger Zusammenarbeit mit anderen Verlagsabteilungen (z. B. Marketing, Finanz- und Vertragsabteilung) ganze Buchprojekte. Die gleiche Arbeit fällt auch seinen freiberuflichen Pendants zu.

Für beide, Verlagslektor und freiberuflicher Lektor, gibt es nun drei seriöse Wege des Werdeganges.


1. Studium
Der Weg des Studiums führt über einen der folgenden Studiengänge: Germanistik, Buchwissenschaft oder Buchhandel/Verlagswirtschaft. Voraussetzung für ein Studium ist die Hochschulzugangsberechtigung. Der Abschluss wird als Bachelor of Arts oder Master of Arts bezeichnet.

2. Ausbildung im Buchhandel
Als ausgebildeter Buchhändler erhält man ein umfangreiches Wissen über die vorhandene Literatur, Bezugsquellen und geschäftlichen Abläufe. All das wird bei Verlagen als Vorwissen sehr geschätzt und ist für die Tätigkeit als Lektor nicht unerheblich. Die Kenntnisse der unterschiedlichen Genres und Subgenres sind essentiell.

3. Ausbildung im kaufmännischen Beruf
Für den kaufmännischen Bereich kommen Berufe wie Medienkaufmann in Digital und Print genauso infrage wie Kaufmann für Büromanagement. Beide Berufe bringen ein umfangreiches Wissen in der Programmführung mit sich. Als Lektor muss man zwingend mit einem gewissen Handwerkzeug ausgestattet sein und die Arbeiten heutzutage erfolgen fast nur noch digital, in Wort und Schrift genauso wie in bildlicher Darstellung. Als Kaufmann für Büromanagement lernt man unter anderem noch intensiver in den Bereichen: Vertragsrecht, Finanzrecht, Buchhaltung, Kundenkommunikation, Organisation, Kalkulationen usw. All das wird bei einem Lektor im Verlagswesen und Freiberuf gleichermaßen abverlangt.


Nach erfolgreichem Abschluss von mindestens einer dieser drei Möglichkeiten ist man bei weitem noch kein Lektor, aber es stehen einem die Türen im Verlag offen, wobei Verlage den Uni-Absolventen nicht gerade selten bevorzugen oder gleich selbst die entsprechend anerkannte Ausbildung ausschreiben und dann die Weiterbildung zum Lektor daran knüpfen.

Oder man wählt die freiberufliche Schiene und legt einfach los, weil man sich ja zu jederzeit als Lektor bezeichnen kann, sei es nun mit oder ohne Ausbildung. In dem Fall spart man sich die angeschlossene Fortbildung, die gut und gerne auch noch einmal bis zu 2 Jahre dauern kann, sofern sie nicht parallel zur anerkannten Berufsausbildung gelaufen ist.

Wieso ist die Weiterbildung nötig?

Mit dem Studium oder einer Berufsausbildung hat man bereits einiges an Wissen und an Fertigkeiten gesammelt, die als Lektor unerlässlich sind. Das gilt insbesondere für diejenigen, die freiberuflich arbeiten. Denn sie sind ihr komplettes Büro: Vertrags- und Finanzabteilung in einem. Da sollte man schon wissen, was man tut. Aber das Spezialwissen, das es braucht, um effektiv als Lektor arbeiten zu können, ist bestenfalls in den Anfängen vorhanden. Das ist auch davon abhängig, ob praktische Erfahrung in Form von Praktika oder Volontariat dabei waren. Immerhin gibt es bei jedem Studium und jeder Berufsausbildung auch einen praktischen Teil.

Wer sich für den Verlagsweg entscheidet, ist auf jeden Fall gut beraten, seine praktische Erfahrung bereits während der Ausbildung dort zu suchen. Aber nicht jeder hat das Glück, bei einem Verlag zu landen. Daher ist es angeraten, das nach Abschluss des Studiums nachzuholen. Denn die Arbeit beim Verlag schult das Auge für interne Abläufe und hinsichtlich des Verlagsprogramms. Zudem steckt man dann schon ein gutes Stück in der Materie drinnen und kann sein Wissen sowie die bisher erlangten Fertigkeiten verfeinern.

Wer sich nach einer Berufsausbildung für den Weg der Selbstständigkeit in Form des Freiberufes entscheidet, ohne zuvor groß praktische Erfahrungen im Verlagswesen oder den Buchhandel gemacht zu haben – was auch vorkommt – sollte sich um eine externe Weiterbildung bemühen. Sie erfolgt oft in Form von Berufsqualifikationen und kann von diversen Institutionen ausgeschrieben sein. Die Angebote sollte man tunlichst genau prüfen, weil es auch hier schwarze Schafe gibt. Dazu weiter unten mehr.

Möglich ist es auch, sein Praktikum in einem Lektoratsbüro zu machen. In dem Fall handelt es sich um einen unabhängig tätigen Lektor, der vermutlich noch andere Angestellte hat und daher ein Gewerbe betreibt. Auch das gibt es. Wer sich für den Unterschied Freiberuf und Gewerbe interessiert, darf sich hier einfinden. Es kommt aber auch vor, dass sich angehende Lektoren als Testleser anbieten, um so ihre Erfahrungen auf sehr kostengünstigen Weg zu erlangen.

Zusammenfassung!

Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Lektor gibt es nicht. Der seriöse Zugang erfolgt über ein Studium oder eine fundierte Berufsausbildung und dauert in der Regel bis zu 3 Jahre, verkürzt auf 2 Jahre, wenn es auf dem zweiten Bildungsweg passiert. Ein Abschluss ist in jedem Fall ein Qualitätsmerkmal. Weiterbildungen erfolgen in Verlagen oder durch externe Angebote und werden bei erfolgreichem Abschluss mit Zertifikaten belegt.

Vorsicht bei Ausbildungsversprechen!

Nachdem die Rahmenbedingungen geklärt sind, möchte ich zum Abschluss noch eine Mahnung aussprechen. Es sind immer wieder Angebote im Internet unterwegs, die eine schnelle und kompetente Ausbildung zum Lektor versprechen. Darauf folgen dann nicht selten die eingangs erwähnten Aushängeschilder. Lektoren werben groß mit ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung, um Pluspunkte zu sammeln. Manche benennen dabei sogar noch die (angebliche) Ausbildungsstätte.

Wie die dargelegten Inhalte in diesem Blog zeigen, braucht es seine Zeit, um sich Fachwissen sowie Fertigkeiten anzueignen. Innerhalb weniger Wochen ist das nicht leistbar. Selbst wenn ein gewisses Maß an Grundwissen vorliegt, das aber nicht durch eine der genannten Ausbildungen oder des Studiums gestützt ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass solche Ausbildungsversprechen das halten, was sie im Interesse der späteren Kunden (Autoren) sollten.

Um den Lektoren oder sogar die Ausbildung näher zu beleuchten, ist es angeraten, auf nachstehende Fragen eine Antwort zu bekommen. Kann der Lektor eine Zertifizierung oder etwas Ähnliches vorweisen? Schreiben kann man immerhin viel. Erfolgte die Ausbildung bei einer zertifizierte Lehrkraft bzw. anerkannten Stelle?

Die Überprüfung der Ausbildungsstätte ist insofern sinnvoll, da eine Weiterbildung immer mit vermitteltem Fachwissen einhergeht. Leute, die so etwas machen, werden Trainer genannt oder auch Coaches. Sie sind entweder festangestellt oder selbstständig gewerblich tätig. Allerdings brauchen sie für ihre Tätigkeit eine Trainerlizenz (Zertifizierung) und die Vergabe erfolgt über die IHK. Es sind also erfolgreich abgeschlossene Lehrgänge erforderlich.

Fazit!

Egal was ihr seid, Autoren auf der Suche nach einem Lektor oder jemand, der eine Ausbildung zum Lektor machen möchte, seid vorsichtig und überprüft die Versprechen in den jeweiligen Werbebeiträgen, ganz besonders wenn noch keine einsehbaren Referenzen vorliegen. In der Werbung werden nicht immer die richtigen Bezeichnungen verwendet, sondern das, was gut klingt und eine ähnliche Bedeutung hat, in der Hoffnung, die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Freiberuf oder Gewerbe

Seit ein paar Jahren bin ich schon als Lektorin & Korrektorin unterwegs. Mir ist schon viel begegnet. Ungefähr die Hälfte dessen handelt von Unwissenheit und Beratungsresistenz. Während man Unwissenheit durch Aufklärung ausmerzen kann, ist das bei der Beratungsresistenz leider nicht so. Blöd ist es, wenn beides brüderlich Hand in Hand geht.

Normalerweise meide ich solche negativ Potentiale in der Medienlandschaft. Hin und wieder stolpere ich allerdings doch hinein. Es ist also nicht schwer zu erraten, was mich zu diesem Blog-Artikel bewogen hat, in dem ich einige Punkte für all diejenigen klarstelle, die als Korrektor tätig sein möchten, sei es hauptberuflich oder neben dem Angestelltenverhältnis, oder weil sie sich nur darüber informieren möchten.

Der Einstieg

Lektor oder Korrektor wird man nicht über einen Lehrberuf. Meist kommt man als Quereinsteiger oder durch ein Germanistik-Studium mit diesem Arbeitsumfeld in Verbindung. Letzteres war neben dem Volontariat die Einstiegsmöglichkeit bei Verlagen, um sich in dem Tätigkeitsfeld zu etablieren. Heute ist das eher selten geworden, weil das Outsourcen von Fachkräften günstiger für Unternehmen ist. Verlage bilden da keine Ausnahme.

Wie gesagt fällt der Beruf des Lektors oder Korrektors nicht in den Bereich der Lehrberufe. Daher kann man sich ungestraft ganz einfach so bezeichnen, ohne einen Abschluss vorweisen zu müssen. Das kommt vor allem den Quereinsteigern zugute. Quereinsteiger haben meist auf individuellem Weg ihre Qualifikationen erlangt. Ich setze das jetzt einfach mal voraus und blende die vielen schwarzen Schafe aus, die es aufgrund der Bezeichnungsfreiheit leider auch gibt.

Für beide Berufswege – über den Verlag oder als Quereinsteiger – gibt es jetzt nur die Möglichkeit der Festanstellung oder der Selbstständigkeit. Somit stellt sich die Frage: Bin ich jetzt Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Die Selbstständigkeit!

Es gibt als Selbstständiger genau zwei Möglichkeiten. Entweder man ist Gewerbetreibender oder Freiberufler.


Merksatz:
Ist man nicht das eine, so ist man automatisch das andere.


Das Problem besteht also darin, das eine zumindest auszuschließen, was bei Berufen, die keiner anerkannten Lehre entspringen, zuweilen problematisch sein kann. Am einfachsten ist es, sich die Freiberufe anzusehen. Dieses Feld der Selbstständigkeit ist bedeutend leichter zu überblicken. Der Ansatzpunkt sollte die Gesetzeslage sein. Hierzu gibt es § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG.

Darin steht:

„Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. 2Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe. 3Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. 4Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen;“

(https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html)

All die hier aufgeführten Berufszweige sind sog. Katalogberufe und zeichnen sich durch eine persönliche, hohe schöpferische, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen aus. Wer sich näher mit dem entsprechenden Paragraphen (§ 1 Abs. 2 PartGG) beschäftigen will, geht bitte einmal hier entlang. (https://www.gesetze-im-internet.de/partgg/__1.html)

Halten wir die Katalogberufe noch einmal übersichtlich fest. Da hätten wir:

  • Ärzte, Zahnärzte. Tierärzte,
  • Rechtsanwälte, Patentanwälte,
  • Notare,
  • Vermessungsingenieure, Ingenieure,
  • Architekten,
  • Handelschemiker,
  • Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, vereidigte Buchprüfer, beratende Volks-und Betriebswirte,
  • Heilpraktiker,
  • Dentisten,
  • Krankengymnasten,
  • Journalisten,
  • Bildberichterstatter,
  • Dolmetscher,
  • Übersetzer,
  • Lotsen

Neben den Katalogberufen gibt es weitere Berufe, die laut dem Bundesfinanzhof als Freiberufe gewertet werden. Zu denen gehören:

  • Tätigkeit als Diplom-Informatiker oder Diplom- Mathematiker,
  • Fleischbeschauer,
  • Hebamme, Entbindungspfleger, Diätassistenten,
  • Patentberichterstatter mit wertender Tätigkeit,
  • Prozessagenten,
  • Zahnpraktiker,
  • Gutachter,
  • Altenpfleger, soweit keine hauswirtschaftliche Versorgung der Patienten erfolgt,
  • Ergotherapeuten,
  • Krankenpfleger/Krankenschwestern, soweit keine hauswirtschaftliche Versorgung der Patienten erfolgt,
  • Logopäden,
  • Staatlich geprüfte Masseure, Heilmasseure, soweit diese nicht lediglich oder überwiegend kosmetische oder Schönheitsmassagen durchführen,
  • Medizinische Bademeister, soweit diese auch zur Feststellung des Krankheitsbefunds tätig werden oder persönliche Heilbehandlungen am Körper des Patienten vornehmen,
  • Medizinisch-technische Assistenten,
  • Orthopisten,
  • Psychologische Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche,
  • Podologen,
  • Rettungsassistenten

Aber das ist noch nicht alles. Es gibt noch die sonstigen Selbstständigen, die keine Gewerbetreibenden sind und ebenfalls in die Kategorie Freiberuf fallen. Das wären dann:

  • Testamentsvollstrecker,
  • Vermögens-, Insolvenz-, Vergleichs- oder Zwangsverwalter,
  • Aufsichtsratsmitglied,
  • Schiedsmann,
  • Berufsmäßiger rechtlicher Betreuer,
  • Tagesmutter,
  • Ehrenamtliches Mitglied kommunaler Vertretungen (z.B. Ortsbürgermeister, Landrat, Kreistagsabgeordneter),
  • Einnehmer einer staatlichen Lotterie (wenn diese nicht ausnahmsweise gewerblich sind).

(Quelle der kompletten Auflistung: https://www.buhl.de/steuernsparen/beruf-aus-dem-katalog)

So nun kennen wir die Rahmenbedingungen und wissen, welche Selbstständigen sich als Freiberufler bezeichnen dürfen. Eines fällt sofort auf, die Auflistung kann nicht vollständig sein. Der Korrektor ist dort genauso wenig aufgeführt wie der Lektor oder sogar der Autor. Letztgenannte gelten aufgrund ihres hohen künstlerischen Potentials definitiv als Freiberufler und sind damit eigentlich kein Streitfall (mehr dazu weiter unten), obwohl sich da so manches Finanzamt am Anfang auch gerne einmal querstellt. Denn bei denen wird man sich früher oder später sowieso melden müssen. Selbstständigkeit ist in jedem Fall anmeldepflichtig und dann muss man auch angeben, ob es sich bei der anzumeldenden Tätigkeit um ein Gewerbe oder Freiberuf handelt. Notfalls wird auch eine Erklärung fällig, warum die Anmeldung als Freiberufler erfolgt, wenn die Angabe von der Meinung des Finanzamtes abweicht.

So selten kommt das nicht vor. Dem Finanzamt liegt ja auch die Auflistung der Katalogberufe (siehe oben) vor, die leider nicht zu 100% vollständig ist. Die Beweisführung dürfte einem reinen Korrektor sehr schwer fallen, weil er nicht über die gleiche Kompetenz verfügt wie jemand, der in einem wissenschaftlichen oder pädagogischen Beruf arbeitet. Seine Tätigkeit bezieht sich auf das Auffinden von Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern, also alles, was zu den formellen Textschwächen zählt. Hinzu gesellen sich oft auch Formatierungsfehler. Das ist keine wissenschaftliche, keine künstlerische, keine schriftstellerische (weil man nicht selbst schreibt), keine unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit. Hierbei handelt es sich um reines Handwerk, auch wenn es digital abläuft, und das ist eindeutig gewerblich einzustufen. Wenn man dem Finanzamt also keine stichhaltige Begründung gemäß der gesetzlichen Definition des Freiberufes liefern kann, warum man dennoch kein Gewerbetreibender ist, dann sollte man sich dieses Drama lieber ersparen und ein Gewerbe anmelden.

Aber diese Stellenanzeigen bei Google …!

Den Einwand lese ich in dieser oder ähnlicher Form immer wieder und es wird Zeit, damit einmal aufzuräumen. Suchen wir mittels Google nach Korrektoren, dann erhalten wir Ergebnisse wie nachstehend zitierte Textauszüge:

  • „Ein Korrektor arbeitet in der Regel freiberuflich. Nur noch in wenigen Verlagen sind fest angestellte Korrektoren zu finden – und die Zahl der Stellen wird weiter abgebaut.“
  • „Selbständiger – bzw. freiberuflicher – Korrektor werden ist somit die ideale Alternative zu einem ohnehin rar gesäten Job in einem Verlag.“
  • „Korrektor auf freiberuflicher Basis im Homeoffice (derzeit keine Stelle frei).„

All das wird gerne als Begründung herangezogen, dass der Beruf des Korrektors doch ein Freiberuf ist. Das ist allerdings falsch. Warum erkläre ich gerne. Die Begriffe „Freiberuf“ und „freiberuflich“ sind hier zwei verschiedene Paar Schuhe, werden aber gerne als Synonyme füreinander gebraucht. So kommt es zum Irrglauben, der Korrektor sei ein Freiberuf. In den von mir zitierten Google-Ergebnissen bedeutet der Begriff „freiberuflich“ nichts anderes, als dass es sich nicht um eine feste Anstellung handelt.


Wir erinnern uns: Wer nicht fest angestellt ist, ist selbstständig, und wer darüber hinaus nicht die Anforderungen für einen Freiberuf erfüllt, ist Gewerbetreibender.


Natürlich sollte man in zweiter Instanz fragen, was der Korrektor über sein eigentliches Tätigkeitsfeld noch leistet. Je nach Gewichtung und Sachlage, kann es Ausnahmen von der Einstufung des Gewerbetreibenden geben. Aber das ist dann ein Einzelfall und mit dem zuständigen Finanzamt zu klären.

Eine weitere Anlaufstelle für derlei haarspalterische Fragen kann in diesem Fall auch die KSK (Künstlersozialkasse: https://www.kuenstlersozialkasse.de) sein. Sie sorgt dafür, dass Künstler und Publizisten einen ähnlichen gesetzlichen Sozialversicherungsstandard genießen wie Arbeitnehmer. Korrektoren werden dort nicht aufgenommen, weil Korrektoren keine Freiberufler sind. Lektoren werden bei der KSK jedoch genauso wie Autoren ohne Probleme versichert. Bei Lektoren wird der schöpferische Anteil am schriftlichen Werk ausreichend hoch bewertet, weshalb sie schlussendlich zu den Freiberuflern zählen.

Warum erwähne ich das so explizit? Nun, mir ist schon oft untergekommen, dass so mancher Korrektor behauptet hat, eine künstlerische Eigenleistung an dem Werk seines Kunden erbracht zu haben, nur weil hier und da ein paar stilistische Ausbesserungen vorgenommen worden sind, die in Wahrheit aber in den Bereich der formalen Fehlerquelle (Grammatik) gelegen haben. Ein paar überschaubare grammatikalische oder stilistische Eingriffe machen aus einem Korrektor aber keinen Lektor. Die KSK erfragt vorab definitiv Nachweise über die anzumeldende und zugleich zu versichernde Tätigkeit. So trennt sich dann meist schon die Spreu vom Weizen.

Wer also mit dem Gedanken spielt, sich in Zukunft als Lektor oder nur als Korrektor, weil das von vielen Anwärtern als weniger arbeitsintensiv angesehen wird – das ist übrigens ein Trugschluss – sein monatliches Einkommen aufzubessern oder gleich ganz davon leben zu wollen, sollte sich also als erstes dieser Fragestellung widmen. Im Zweifelsfall muss man sich mit dem Gewerberecht vertraut machen. Scheitert man alleine schon daran oder möchte das aus irgendwelchen Gründen nicht, sollte man die Finger von diesem Berufsstart lassen. Denn als Selbstständiger, egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibender, hat man noch mit ganz anderen rechtlichen Passagen zu kämpfen, allen voran das Vertrags- und Finanzrecht.

Zwei mögliche Publikationswege: Verlag und Selfpublishing

Gratulation! Du hast dein erstes Buch geschrieben. Du kannst dir auf die Schulter klopfen und stolz darauf sein. Ich meine das ernst. Das schafft nicht jeder. Schreiben ist Handwerk und ein Schreibprojekt zu beenden, erfordert auf jeden Fall Disziplin.

Aber wie geht es nun weiter? Es geht doch weiter, oder? Du hast ja nicht nur für dich selbst geschrieben.

Nö, ich möchte schon gerne veröffentlichen.

Wusste ich es doch. An dieser Stelle sei gewarnt. Es gibt viele Stolpersteine. Und welche das sein werden, liegt an deiner Entscheidung, auf welchem Weg du veröffentlichen willst. Grundsätzlich gibt es für dich zwei Möglichkeiten: Verlag und Selfpublishing.

Verlag

Der klassische Weg zur Buchveröffentlichung führt über einen Verlag und ist somit auch der bequemste, aber leider auch der langatmigste. Als Autor schreibt man sein Buch und gibt die Arbeit danach an andere weiter und kassiert seine Tantiemen. So sieht die Vorstellung noch heute bei sehr vielen aus und sie stimmt zum großen Teil ja auch. Das Ding ist nur, dass es mit dem Schreiben und Weggeben nicht ganz so simpel ist.

Erst einmal musst du den für dein Werk passenden Verlag finden. Verlage führen ein sog. Verlagssortiment, das nach Genre unterteilt ist, und nehmen daher auch nur solche Manuskripte an, die in diese Auswahl fallen. Eingeschränkt wird das jedoch vom wirtschaftlichen Denken des Verlages. Verspricht ein Manuskript wenig bis keinen Umsatz zu generieren, winkt eine Ablehnung, wenn du Glück hast bekommst du sogar eine schriftliche Begründung. Damit würde ich aber nicht rechnen, Verlage werden jährlich mit Bewerbungen für ihr Sortiment überschwemmt. Eine Bewerbung ist dennoch einen Versuch wert.

Dazu musst du auf der Website des von dir ausgesuchten Verlages nach den Kontaktdaten und Einsendebedingungen schauen, vermutlich sogar via eMail erfragen. Da ein Verlag auf den Verkauf von Büchern ausgelegt ist, wird dich diese Information nicht gleich auf der ersten Seite anspringen. Darauf solltest du achten. Es kann passieren, dass von dir verlangt wird, dein Manuskript vorab nach Vorgabe zu formatieren: Schriftart, -größe usw.

Wieso muss ich das machen? Ich kann doch einfach auch so alles hinschicken.

Klar, könntest du das. Aber es gibt einen Grund für solche Anforderungen, die von Verlag zu Verlag unterschiedlich sein können. Auf diese Weise haben alle Einsendungen die gleiche Norm und sind einfach zu handhaben, aber sie geben auch Aufschluss darüber, wie gut du darin bist, Anweisungen zu befolgen, die während der Bearbeitungsphasen (Lektorat/Korrektorat) auf dich warten (können). Wenn du hier schon eigenbrödlerisch daherkommst, sieht es für deine Bewerbung nicht gut aus.

Das ist mir zu viel Aufwand. Dann gehe ich lieber zu einem Verlag, der mich auch so nimmt. Es gibt welche, die fordern einen Autor sichtbar dazu auf, sein Manuskript einzusenden und haben keine großen Anforder…

STOP! Wovon du da redest ist ein DKZV (Druckkostenzuschussverlag), ein schwarzes Schaf in der Buchbranche. Offenbar ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über Folgendes zu reden:

Druckkostenzuschussverlag

Du erkennst einen DKZV (Druckkostenzuschussverlag) daran, dass sie für ihr Versprechen, dein Manuskript ohne großes Wenn und Aber auf den Buchmarkt (ISBN inklusive) zu bringen, Geld verlangen. Ein Verlag nimmt niemals Geld von dir und finanziert alle nötigen Leistungen wie Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Buchsatz, Vertrieb, Lagerung und Marketing aus eigener Tasche. Wenn Geld fließt, dann nur zu dir, niemals von dir weg. Merke dir das gut.

In der Vergangenheit sind viele DKZV’s auf öffentliche Listen gerutscht, die sie als das benennen, was sie sind: schwarze Schafe der Buchbranche. Tja, daraus haben auch sie gelernt und tarnen sich immer besser, z. B. hinter vermeintlich seriösen Websites und elegantem Geschäftsgebaren. Es ist nicht mehr so leicht wie früher, sie zu erkennen, außer sie haben in der Gestaltung ihrer Websites richtig danebengegriffen. Besonders der verführerische Aufruf zum Einsenden jeglicher Manuskripte, weil der Verlag ja händeringend danach sucht, ist von der Hauptseite irgendwo auf eine Unterseite gerutscht und ist bei weitem nicht mehr so auffällig gestaltet. Das Gleiche gilt für die Kosten, die dich dort totsicher erwarten.

Siehst du dich aufmerksam auf solchen Websites um, stößt du spätestens auf einer der Unterseiten auf Sachen wie nachstehend aufgelistet:

„Haben Sie dafür Verständnis, dass wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen können, das uns erreicht.“

„Wir prüfen Ihr eingereichtes Manuskript und machen Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot.“

Das sind jetzt genau zwei Beispiele, die mir noch gut in Erinnerung geblieben sind, als ein DKZV an meine Tür geklopft hat und meine Dienste in Anspruch nehmen wollte. Nach eingehender Prüfung habe ich dankend abgelehnt, weil ich so eine Geldmacherei nicht unterstütze und auch nicht sicher sein kann, ob das mit der Bezahlung an mich so reibungslos verläuft.

Eine solche Wortwahl wie in meinen angeführten Beispielen ist entlarvend, obwohl sie elegant erscheint, richtig professionell eben. Es handelt sich aber um den berühmten Wolf im Schafspelz. Jemand der sich in der kaufmännischen Kommunikation nicht auskennt, wird jetzt vielleicht nicht verstehen, was ich meine. Daher erkläre ich es gerne einmal.

Satz 1:
„Haben Sie dafür Verständnis, dass wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen können, das uns erreicht.“

Hierbei handelt es sich um eine indirekte Aufforderung zum Einsenden deines Manuskriptes und enthält zugleich das Versprechen eine hohe Chance, genommen zu werden. Die Schlüsselwörter sind hier „nicht jedes Manuskript“, was im Umkehrschluss heißt wie: Die meisten Manuskripte nehmen wir aber doch. Eine nähere Erläuterung fehlt fast immer und auch das Sortiment gibt selten Aufschluss, welche Genres unerwünscht sind. Wozu auch? Jedes Manuskript ist eine potentielle Geldquelle.

Satz 2:
„Wir prüfen Ihr eingereichtes Manuskript und machen Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot.“

Mit absoluter Sicherheit wird ein Angebot kommen, nämlich ein Angebot, bei dem der Autor zur Kasse gebeten wird. Denn das bedeutet dieses Wort. Ein Angebot kann auch als Offerte bezeichnet werden. Es beinhaltet stets eine Leistung zu einem gewissen Gegenwert und ist überdies verbindlich für denjenigen, der es ausspricht. Sobald es angenommen wird, kommt ein Vertrag zustanden, nur mal so als Randbemerkung.

Fazit: Du wirst hier auf jeden Fall dein Geld los. Die Qualität des Gegenwertes (deine Veröffentlichung) ist dagegen fraglich.

Ein DKZV hat keinerlei Interesse, dein Buch zu pimpen und in den Medien zu pushen. Ein DKZV verdient an DIR, nicht am Buchverkauf. Das ist ein netter, aber vernachlässigbarer Nebeneffekt, wenn er denn eintrifft.

Erinnerst du dich, was ich weiter oben bei den Verlagen geschrieben habe? Deren Websites sind so aufgebaut, dass sie ihre Bücher anpreisen, weil sie sie verkaufen wollen. Ruf dir mal die Seite von Verlagen wie Heyne, Cornelsen, Bastei Lübbe auf und dann einen wie du ihn erwähnen wolltest. Was fällt dir im Vergleich auf? Die Aufmachung und Ansprache sind komplett unterschiedlich. Gut das sind nun die großen Verlage, aber auch Kleinverlage sind darauf aus, ihre Bücher zu verkaufen, sie haben noch weniger Geld, um all die vielen Autoren, die jährlich auf den Markt drängen, unter Vertrag zu nehmen. Achte also bei Verlagsseiten, die dir nicht bekannt sind, auf genau solche Merkmale.

Seriöse Verlage legen nie den Schwerpunkt darauf, Autoren zu gewinnen, sondern darauf Bücher zu verkaufen!

Bist du dennoch an einen DKZV geraten und kommst irgendwann auf die Idee, deine Veröffentlichung zurückziehen zu wollen und woanders zu veröffentlichen, werden große Probleme auf dich zukommen. Ein DKZV gibt ungerne und vor allem nicht freiwillig seine Rechte an dem Manuskript an dich zurück. Das endet nicht selten mit der Hilfe eines Anwaltes, dauert lange, kostet Nerven und Geld, DEIN Geld. Es gibt genug Autoren, die darauf reingefallen sind und ein Lied davon singen können.

Abgesehen davon endet eine Veröffentlichung über einen DKZV – viele sind bei den Profis der Buchbranche als solche leicht erkennbar – auch mit einem Image-Schaden für dich. Ein seriöser Verlag wird dein Manuskript danach vermutlich nicht mehr in sein Sortiment aufnehmen wollen, sollte das noch immer dein Ziel sein. Außerdem gelangt dein Buch nicht in den stationären Buchhandel. Bücher von DKZV’s findest du dort nicht. Rate mal wieso?

Selfpublishing

Die einzig denkbare Alternative zur Verlagsveröffentlichung ist das Selfpublishing. Und ja, das kostet Geld, dein Geld, und das darf es auch. Selfpublishing oder kurz SP genannt ist nichts anderes als die Eigenpublikation. Umgangssprachlich wird es auch als Selbst- oder Eigenverlag bezeichnet. Wobei das Wort Verlag sehr irreführend ist. Es steckt in der Regel nämlich kein Unternehmen dahinter, sondern du als Autor höchstpersönlich. Wenn du dich also nicht gerade mit einem eigens gegründeten Verlag – das beinhaltet eine Firmengründung – selbstständig gemacht hast, dann ist diese Übersetzung nicht zutreffend.

Aber gut, zurück zum Wesentlichen. Im Selfpublishing kümmerst du dich selbst um all die Prozesse, die normalerweise ein Verlag übernimmt. Somit obliegen auch dir alle anfallenden Kosten. Guck mich nicht so zerknirscht von der Seite an. DAS ist die Aufgabe eines Verlages.

Aber ich habe gehört, dass Selfpublisher schlechte Autoren sind und minderwertige Bücher produzieren.

Das Vorurteil hält sich leider hartnäckig. Noch immer hat das SP einen durchwachsenen Ruf, aber er verbessert sich stetig. Das liegt an den vielen professionellen und seriösen Dienstleistern, die mit hochmotivierten Autoren zusammenarbeiten, um ein möglichst qualitativ hochwertiges Buch auf den Markt zu bringen. Hier hast du – obwohl die Kosten auf deiner Seite liegen – die volle Kontrolle. Du alleine entscheidest, mit wem du zusammenarbeitest und kontrollierst auf diese Weise den Kostenfaktor UND Qualitätsfaktor. Wenn also im SP Schund auf den Markt geworfen wird, dann liegt die Ursache irgendwo auf dem Weg vom Schreiben bis zur Veröffentlichung, sprich an dir und/oder an einem Dienstleister.

Beachte: Niemand wird als Profi geboren und auch Dienstleister können nur mit dem arbeiten, was sie bekommen. Wenn du also gute Arbeit ablieferst, dann können sie daraus viel machen. Voraussetzung ist, sie beherrschen ihr Handwerk so wie du deines.

Den negativ behafteten Ruf hat das Selfpublishing also meist den Autoren zu verdanken, die sich nicht angemessen um die Qualität ihrer Werke kümmern. Besonders zu Anfang war das ein Problem, denn Dienstleister waren Mangelware. Heute ist das zum Glück anders und niemand kann sich herausreden, keine Hilfe bekommen zu haben, weil es keine gibt.

Die Finanzierung dieser Hilfe ist jedoch weiterhin ein Streitthema. Natürlich kostet die Hilfe eines Lektors, Korrektors, Buchsetzers oder Coverdesigners Geld. Würdest du umsonst arbeiten und wüsstest später nicht, wie du Miete, Strom, Versicherung, Essen und all die anderen Ausgaben in deinem Leben bezahlen kannst? Wohl kaum.

Habe ich denn auch Vorteile auf meiner Seite, wenn ich schon alle Kosten tragen muss?

Aber sicher. Dir alleine gehören alle Rechte am Manuskript und die Nutzungsrechte, die du mit den engagierten Dienstleistern vereinbart hast. Darunter fallen die Leistung des Lektorates, Korrektorates, Coverdesigns und Buchsatzes. Die behältst du auch, wenn du dein Werk zwecks Veröffentlichung an einen Distributor (Vertriebler) überstellst.

Stellst du all die Kosten aus dem SP, die du bis hierhin zu tragen hast, denen eines DKZV’s gegenüber, wirst du schnell erkennen, dass das günstiger ist als deren horrende Angebote. Wenn es schon dein Geld kosten soll, dann sei clever.

Ja, das klingt einleuchtend. Und die Dienstleister sind auch alle vertrauenswürdig?

Nicht alle. Leider gibt es auch unter ihnen schwarze Schafe. Damit du gewappnet bist im Dienstleistervergleich, empfehle ich dir meinen Blogartikel mit dem Titel Seriöse von unseriösen Dienstleistern unterscheiden. Dort erkläre ich dir, worauf du auf jeden Fall achten solltest.

Fazit

Generell kann ich das Selfpublishing sehr empfehlen. Du bist frei in deinen Entscheidungen, stehst aber auch überall in der Pflicht, dich selbst zu kümmern. Davor schrecken viele Autoren im ersten Moment zurück und der vermeintlich schlechte Ruf erledigt den Rest. Lass dich von beidem nicht abhalten, wenn es bei einem Verlag nicht klappen sollte.

Ein anständiger SPler beweist, dass er sich auf dem Spielfeld der Publikation behaupten kann, wenn er sich mit den richtigen Dienstleistern zusammentut. Ein SPler macht in dem Moment das Gleiche wie ein Verlag und ist damit ein Konkurrent. Und was macht man mit Konkurrenten? Zum Beispiel diskreditieren.

Nebenbei ist eines auch Fakt: Viele (nicht alle!) Verlage outsourcen selbst. Sie holen sich die Dienstleister (Lektoren, Korrektoren, Coverdesigner usw.) von außen dazu, statt sie intern dauerhaft anzustellen. Es ist kostengünstiger und daher nur logisch für ein Wirtschaftsunternehmen, das seine internen Kosten (Gehalt/Lohn) verringert bzw. niedrig halten will.

Und da sollen die mit Dienstleistern arbeitenden SPler schlechter als Verlage sein, die das Gleiche machen? Klingt nicht einleuchtend, oder? Siehste. Sie sind nicht schlechter, sie sind nur Konkurrenten oder wie man im Kaufmännischen auch gerne sagt „Mitbewerber“ und die kann man in der eigenen Nische selten gebrauchen.

Wie du siehst, steht dir der Weg frei, wie du dein Buch veröffentlichst. Es ist deine Entscheidung, was es werden soll: Verlag oder Selfpublishing.

Seriöse von unseriösen Dienstleistern unterscheiden.

Seit das Selfpublishing aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, boomt der Dienstleistungssektor an allen Ecken und Enden. Die Arbeiten, die normalerweise ein Verlag übernimmt – Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, eBook-Erstellung, Coverdesign, Vertrieb und Marketing – obliegen im Selfpublishing den Autoren. Natürlich ist niemand ein Multitalent. Es bleibt also die Wahl, jemanden dafür zu engagieren und damit regulär in Vorkasse zu treten, so wie Verlage es machen, oder das eigene Werk mit vermutlich übermäßig vielen Schwächen zu veröffentlichen. Letzteres zieht häufig und vor allem schnell eine negative Reaktion nach sich. Es empfiehlt sich also nicht.

Outsourcende Autoren stehen nun vor der Frage: Woran erkenne ich einen seriösen Dienstleister?

Diese Frage sollte sich wirklich jeder stellen und nicht leichtfertig außer Acht lassen, denn man kann im Zeitalter des Internets sehr schnell auf schwarze Schafe hereinfallen. Erst kürzlich musste ich lesen, wie wieder jemand auf einen sog. Lektoren-Kollegen hereingefallen ist.

Geld weg. Keine Leistung.

Übler kann eine Auftragserteilung gar nicht laufen, denkt ihr? Oh doch.

Geld weg. Keine Leistung UND keine Kontaktdaten!

Somit sind natürlich auch Ansprüche schwer durchzusetzen. Wie will man jemanden anmahnen, den Fall an ein Inkasso-Unternehmen übergeben oder gar zivilrechtlich verklagen, wenn man absolut nichts in der Hand hat? Ja, solche Fälle sind möglich.

Damit euch das nicht passiert, gebe ich euch eine ausführliche Hilfestellung. Für den einen oder anderen sind die nachstehenden Erläuterungen Alltag, aber für manche eben nicht. Und vielleicht ist selbst für erfahrene Autoren noch ein Stück neues Wissen dabei.

Hürde 1

Bei der Suche nach Lektoren und Co. werdet ihr recht schnell fündig. Anfragen und Gesuche z. B. bei Facebook und Instagram bleiben nie unbeantwortet. Legt euch eine Liste dieser Ergebnisse an. Sie sollte für den Anfang folgende Punkte enthalten:

  • Namen
  • Account (FB und/oder Instagram)
  • Website

Anhand dieser Punkte könnt ihr bereits aussieben. Viele Autoren gehen hin und treffen ihre Vorentscheidung aufgrund von Preisvorstellungen. Das ist mitunter eine der ersten Fragen. Leistung darf möglichst wenig kosten. Ich kann das bis zu einem gewissen Punkt auch verstehen, aber dieses Kriterium solltet ihr euch besser für sehr viel später aufheben. Im Vorfeld ist etwas anderes wichtig.

Ein seriöser Dienstleister sorgt für grundlegende Transparenz und das fängt beim Namen und Account bzw. Fanpage an. Wenn ihr hier kein Impressum oder einen Fantasienamen vorfindet: Finger weg! Ausgenommen sind Künstlernamen, die können sogar im Personalausweis eingetragen sein und sind rechtlich anerkannt. Damit dürfen sogar Verträge abgeschlossen werden. Achtet dennoch auf Quellen zu bürgerlichen Namen.

Gleiches gilt, wenn die Chronik auf Facebook nicht einsehbar ist, weil man nicht befreundet ist. Einzige Ausnahme, diesen Dienstleister nicht sofort zu ignorieren, wäre hier ein Link zu dessen beruflicher Website. Diese solltet ihr auf jeden Fall auf folgende Punkte prüfen:

  • Datenschutzerklärung
  • Impressum
  • Transportverschlüsselung

Mir ist klar, dass besonders die Datenschutzerklärung jeden Website-Betreiber vor eine große Herausforderung stellt, aber wer mit seiner Tätigkeit seinen Lebensunterhalt bestreiten will und dafür eine Website benötigt, wird diese gesetzliche Hürde nehmen müssen. Außerdem gibt es im Internet Anbieter, die einem kostenlos ein Grundgerüst bereitstellen. Für alles andere muss ein Anwalt konsultiert werden, wenn man selbst nicht durchsteigt und auf Nummer sicher gehen will. So ist das Geschäftsleben und seriöse Dienstleister sind halt Geschäftsleute.

Gleiches gilt doppelt und dreifach für das Impressum. Es muss rechtsgültig angelegt sein. Mehr dazu findet ihr bei der IHK. Seid ihr der Annahme, dass es sich um die Adresse eines Impressum-Services handelt, seid vorsichtig. Wer hier nicht mit offenen Karten spielt, aber alle nötigen Daten zur Auftragsbearbeitung seiner Kunden verlangt, handelt mindestens zweifelhaft und im schlimmsten Fall unseriös.

Achtet auch auf die Transportverschlüsselung (https) in der Eingabezeile eures Browsers, besonders, wenn auf der Website via Formulare Daten übermittelt werden. Steht vor dem www nur ein http können beim Senden eure Daten von Dritten abgegriffen werden. Datenklau will wohl niemand.

Hürde 2

Nach dieser Aussiebung gibt es sicher noch einige potentielle Bewerber. Aber auch jetzt ist die Preisfrage noch nicht relevant. Viel mehr solltet ihr euer Augenmerk nun auf folgende Punkte richten:

  • Referenzen
  • Qualifikationen
  • Offensichtliche Fehler
  • Angebote

Referenzen zeigen einem, ob bereits ähnliche Werke wie das eigene bearbeitet worden sind. Sie lassen sich im Internet auch ausfindig machen. Der berühmte Blick ins Buch offeriert einem zudem das Impressum. Für gewöhnlich werden alle Mitwirkenden hier neben dem Autor genannt. Solche Nachweise verschaffen Sicherheit und Vertrauen und sind ein wichtiger Fingerzeig, ob der Dienstleister seriös ist.


Kurzer Ausflug in Sachen Impressum von Büchern:

Natürlich gibt es in der Praxis auch immer wieder Fälle, wo Mitwirkende nicht im Impressum genannt werden wollen oder das Impressum nicht vorne im Buch auftaucht, sondern hinten. Beides ist rechtlich gestattet. Es besteht keine Pflicht zur Nennung von Mitwirkenden im Impressum und auch keine, die das Impressum vorne in das Buch zwingt. Es muss nur leicht aufzufinden sein und das ist sowohl vorne als auch am Ende des Buches der Fall. Was jedoch zu den Pflichtangaben bei Impressen in Büchern zählt sind die postalische Anschrift des Herausgebers, im Selfpublishing sind damit Autoren gemeint, und noch Druckerei bzw. Vertrieb. Letztere sind Bestandteil einer separaten Vertragsfrage.


Start-Ups verfügen hingegen selten über Referenzen. Hier helfen die Qualifikationen oder Arbeitsproben weiter. Letzteres fällt unter die Rubrik „Angebote“ und stellt keine Pflicht dar. Wenn ein Lektor oder Korrektor keine Arbeitsprobe anfertigen möchte, besteht darauf kein Anspruch.

Aber Achtung: Arbeitsproben müssen nicht kostenlos erfolgen! Fragt vorher nach, wenn auf der Website dazu nichts steht.

Noch etwas fällt in die Rubrik Angebot, nämlich die Auflistung der Inhalte. Seit vorsichtig, wenn z. B. großzügig von Lektorat und Korrektorat gesprochen wird, aber nicht aufgelistet ist, was für eine Leistung euch erwartet. Die Berufsbezeichnung ist nämlich nicht das einzige, was hier nicht geschützt ist. Auch die Inhalte solcher Angebote variieren. Ähnliches gilt für alle anderen Dienstleistungen. Macht euch vor Auftragserteilung schlau und lasst euch das schriftlich geben. Kommt es später zu Problemen im Bereich Leistungserbringung und Bezahlung, dann habt ihr etwas in der Hand.

Springen euch beim Durchstöbern der Website schon auffällig viele Fehler und andere Ungereimtheiten an, dann ist das kein gutes Zeichen. Anbieter mit Schwerpunkt auf Korrektorate sollten sorgfältiger vorgehen. Hier wäre ich vorsichtig und es muss die Frage erlaubt sein, ob der Anbieter sein Handwerk versteht, denn die Website ist dessen Aushängeschild, dessen Visitenkarte. Das Gleiche gilt übrigens für das Verfassen von Werbebeiträgen bei Facebook, Instagram und Co. Wer für sich und seine Angebote wirbt, sollte nicht über so etwas Banales wie Fehler in der Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung stolpern.

Hürde 3

Jetzt kommen wir zum Nadelöhr der Auswahl. Es ist äußerst wichtig, um am Ende nicht doch noch auf unseriöse Anbieter hereinzufallen. Eine Website die über keine Preislisten verfügt, ist erst einmal nicht auffällig. Preise lassen sich erfragen, ebenso wie Zahlungsmodalitäten. Außerdem solltet ihr die Bearbeitungsmethoden erfragen und welches Format das eingereichte Manuskript haben soll.

Im Bereich des Lektorates und Korrektorates lassen Autoren gerne im Vorfeld eine Arbeitsprobe anfertigen, um die Art und Weise kennenzulernen, wie der jeweilige Lektor oder Korrektor arbeitet. Für diesen wiederum ist sie wichtig, um den Arbeitsaufwand abzuschätzen, der sein Honorar bestimmt. Bei so einer Anfrage, die übrigens unverbindlich ist, solltet ihr darauf bestehen, mit der Arbeitsprobe einen ordentlich ausgestellten Kostenvoranschlag zu bekommen.

Ein Vorteil des Kostenvoranschlages ist die damit einhergehende Verbindlichkeit, wenn der Autor aufgrund dessen den Auftrag erteilt. Der vereinbarte Preis darf höchstens um 15 % von der Rechnungssumme abweichen, ohne Rechtsfolgen auszulösen. Weiterführende Informationen findet ihr übrigens bei der IHK.

Noch ein Vorteil ist, ihr habt (nochmals) die Kontaktdaten eures möglichen Vertragspartners in den Händen. Ohne die könnte es im schlimmsten Fall – den sich niemand wünscht – eng werden. Schwarze Schafe neigen nicht dazu, ordentliche Kostenvoranschläge oder gar Rechnungen auszustellen. Übrigens gehören folgende Punkte in eine ordentlich ausgestellte Rechnung und auch in Kostenvoranschläge:

  • Anschrift vom Dienstleister und potentiellen Auftraggeber
  • Datum
  • Steuernummer (Dienstleister)
  • Rechnungs- bzw. Auftragsnummer (nur auf Rechnungen)
  • Inhalte der Dienstleistung
  • Der zu erwartende Preis inkl. Berechnungsgrundlage
  • Information zur Umsatzsteuerpflicht oder der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UstG
  • Zahlungsmodalitäten nebst Fristen

Eine feste Form ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber wird von allen Unternehmen in Gestalt eines DIN normierten Geschäftsbriefes benutzt. So auch bei mir. Schaut euch nur mal die letzte Rechnung eures DSL Anbieters genau an. Bei Lektoren, Korrektoren und Co. könnt ihr hingegen auf eine formlose Variante stoßen. Das ist in Ordnung, allerdings muss sie die oben aufgeführten Punkte beinhalten. Weiterführende Informationen zum Thema Rechnungen gibt es bei der IHK.

Wenn ihr bis hierhin ausgesiebt habt, könnt ihr die Preisfrage entscheiden lassen. Denn ab hier ist die Wahrscheinlichkeit gering, an den falschen Dienstleister geraten zu sein.

Zusammenfassung

Es gibt also 3 Hürden, die ein Dienstleister im Bereich Selfpublishing meistern sollte. Damit verbunden ist eine Menge Input. Damit ihr bei Bedarf den ganzen Artikel nicht noch einmal durchscrollen müsst, stelle ich euch die wichtigsten Eckpunkte zusammen. Eure Checkliste sollte folgende Punkte umfassen:

  • Namen
  • Account (FB und/oder Instagram)
  • Website
    • Impressum
    • Datenschutzerklärung
    • Sicherheitszertifikat (https – Verschlüsselung)
    • Referenzen
    • Qualifikationen
    • Offensichtliche Fehler
    • Angebote
  • Geschäftlicher Schriftverkehr
    • Anschrift vom Dienstleister und potentiellen Auftraggeber
    • Datum
    • Steuernummer (Dienstleister)
    • Rechnungs- bzw. Auftragsnummer
    • Inhalte der Dienstleistung
    • Der zu erwartende Preis inkl. Berechnungsgrundlage
    • Information zur Umsatzsteuerpflicht oder der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UstG
    • Zahlungsmodalitäten nebst Fristen

Wenn ihr die von mir aufgeführten und erläuterten Punkte beherzigt, dürftet ihr vor sehr vielen unschönen Erfahrungen geschützt sein. Ausnahmen betätigen natürlich immer die Regel, aber mit dieser Checkliste steht ihr gut da.

Und jetzt wünsche ich euch viel Erfolg bei der Suche nach einem Dienstleister, der euren Ansprüchen gerecht wird und seriös ist.

Gendern: Ja oder Nein?

Es ist schon ein wenig länger her, dass ich einen Blogartikel verfasst habe. Mir liegen kürzere Beiträge auf Instagram oder Facebook mehr und wenn ich blogge, dann eigentlich über Themen zu meiner Schreiberei, dem Weltenbasteln und Tutorials fürs Zeichnen. Heute widme ich mich einem Thema, über das ich eigentlich nicht schreiben will: Das Gendern!

Der einzige Grund, weshalb ich es doch mache, ist, um im Vorfeld klarzustellen, was meine Leser von mir erwarten dürfen – privat wie auch in meinen Büchern – und weil der Vorstoß in die deutsche Sprache immer aggressiver vor sich geht. Sprache unterliegt keiner Statik, sie ist wandelbar. Darin sind wir uns hoffentlich alle einig. Das muss niemanden gefallen, ist aber unbelegbarer Fakt. Aber was hier seit geraumer Zeit passiert, ist kein langsamer stetiger Wandel einzelner Begriffe, wie man ihn bisher aus der Geschichte kennt. Nein. Es ist ein Prozess, der mit einer Keule von oben herab angetrieben wird und gleich das generische Maskulin aufs Korn nimmt.

Generisches Maskulinum, was ist das?

Unter generisch versteht man den geschlechtsneutralen Gebrauch des Maskulinums, also die männliche Variante eines Wortes. Ein Beispiel ist der Begriff „Mieter“ in Mietverträgen. Er umschließt also alle Personen, die eine Sache mieten, z. B. eine Wohnung. Es sind nicht nur Männer angesprochen. Das ist die Wirkung eines generischen Maskulinums.

Gibt es auch das generisches Femininum?

In der Tat, das existiert. Es ist jünger als sein männliches Gegenstück und trat zum ersten Mal 1984 in den Sprachwissenschaften auf. 2013 gab es einen Vorstoß in die praktische Umsetzung. Das generische Maskulinum sollte also eine 180 Grad Wendung erfahren.  Wirklich durchgesetzt hat es sich bis heute (2021) nicht, weil das generische Maskulinum noch vom Großteil der Bevölkerung gebraucht wird.

Was bedeutet jetzt gendern?

Nun, hierbei geht es darum, geschlechtergerecht zu reden und zu schreiben. Es soll also durch Sprache eine Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden. Darunter fallen also nicht nur Männlein und Weiblein, sondern auch alle anderen Geschlechterrollen in der Gesellschaft.

Ist doch eigentlich gut, oder?

Eigentlich ja, der Ansatz ist löblich. Aber aus der Sicht des generischen Maskulinums unnötig. Wie weiter oben schon steht, bezieht es sich nicht auf das Geschlecht einer Person. Neutraler geht es eigentlich kaum. Aber es gibt offenbar zu viele Leute, die sich alleine an der männlichen Schreibform eines Wortes derart stoßen, dass es ihnen sauer aufstößt.

Wie aus heiterem Himmel wird damit argumentiert, dass Frauen sich durch das generische Maskulin nicht angesprochen fühlen. Ich korrigiere das an dieser Stelle. Nicht alle Frauen sehen das so. Es gibt welche, hoffentlich eine hohe Anzahl davon, die ihre Wertigkeit nicht an der Grammatik einer Sprache bemessen und sich nicht nur auf ihr Geschlecht reduzieren lassen. Ich persönlich fühle mich immer angesprochen, wenn bei gesellschaftlichen Ansprachen das generische Maskulinum verwendet wird. Benachteiligt fühle ich mich in anderen Dingen, aber die betreffen nicht die Sprache, sondern das Denken!

Sprache formt Realität!

Dem Spruch bin ich schon oft begegnet und habe eine etwas andere Einstellung dazu. Sprache bildet eher die Realität ab. Sie verändert nicht das Denken. Die aktuellen Veränderungen rufen derzeit die Initiatoren mit ihrer Interpretation hervor, das generische Maskulinum sei geschlechterfeindlich. Diese Denkweise und die im Zuge dessen entstandene Gendersprache ändert aber nicht das Denken derjenigen, die noch in ihren äußerst patriarchalischen Denkmustern gefangen sind. Denn diese sind es, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft behindern und boykottieren. Wir sehen das noch heute im Beruf und im Privatleben, wenn sich bei verheirateten heterosexuellen Paaren die Frage nach der Aufgabenteilung stellt, sobald das erste Kind im Haushalt ansteht. Wer bleibt daheim? Viel zu oft die Frau. Die Gründe sind vielfältig.

Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Frauen, der von sich aus daheim bleibt, weil er es als lebenserfüllend ansieht. Gibt es, und daran ist auch nichts auszusetzen, wenn das auf Augenhöhe entschieden wurde. Bei anderen ist es eine Finanzfrage, nicht selten in einer Zeit, wo jeder Cent zählt, während die Ausgaben jährlich in die Höhe schnellen, aber das Budget nicht mitwächst. Männer verdienen im Beruf oft mehr. Würde es eine durchweg gleiche Behandlung im Gehalt und Lohn geben, gäbe es vielleicht alleine da schon einen signifikanten Unterschied. Daraus ergäbe sich ein gelebtes Muster und automatisch eine Verschiebung des Gleichgewichtes. Zusätzlich bedarf es aber auch mehr Anreize für die Männer, sich für die Kinder und den Haushalt zu entscheiden.

Klingt sehr vereinfacht, ich weiß. In der Praxis ist sowas immer langwieriger. Aber das soll auch nur zeigen, dass hier die Tat weit mehr bewirken kann als die Sprache, die gerade von oben herab durchgehauen werden soll in der Hoffnung, Ähnliches zu erreichen.

Abgesehen davon, dass ich daran nicht glaube, empfinde ich es als überaus aufdringlich, wie aggressiv dabei vorgegangen wird, als wären wir im Krieg. Seit der Duden vorgeprescht ist und das generische Maskulinum abgeschafft hat mit seinen neuen Einträgen, verstärkt sich die Spaltung in der Gesellschaft rapide. DAS ist es, was dieses Sprachwirrwarr derzeit abbildet.

Es gibt offenbar nur zwei Seiten: Pro oder Contra. Raushalten kann man sich nicht, weil die eigene Mundart, das was man seit Kindertagen gelernt hat, plötzlich falsch und ungerecht sein soll. Ergo ist man quasi gezwungen, sich zu entscheiden. Entweder man gendert oder man lässt es.

Letzteres ist allerdings ein Pulverfaß, das in entsprechender Gesellschaft ähnlich gut hochgehen kann, als wenn man sich in einer Diskussion, die es zuhauf im Internet, im Fernsehen oder Privat gibt, gegen das Gendern ausspricht. Man wird sofort regelrecht mit Anfeindungen niedergeknüppelt. Dabei ist es unwichtig, ob sich eine Frau oder ein Mann (Feindbild schlechthin in diesem Fall) dazu geäußert hat. Selbst sachliche Argumente bringen so gut wie nichts. Ich habe nur wenige Ausnahmen hiervon erlebt. Und DAS schreckt ab. Mindestens genauso wie das schreckliche Schriftbild der Gendersprache. Die Aussprache macht es übrigens auch in keiner Weise besser.

Schlusswort

Aus all den bisher angeführten Gründen und ungenannten, weil es dann doch den Artikel sprengen würde, gebrauche ich privat, beruflich und auch in meinen Geschichte weiterhin das generische Maskulinum. Ich bin erwachsen, habe ein gesundes Selbstbewusstsein, definiere mich nicht über mein Geschlecht, sondern aufgrund der Summe meiner Kenntnisse und Fähigkeiten. DAS ist, was für mich zählt!

Zeichnen im Auftrag: Fantasykarte

Es gibt so viele unterschiedliche Stile, dass ich mich beim Betrachten manchmal nicht entscheiden kann, welche Karte von welchem Künstler ich nun schöner finde. Das hat bei mir geradezu die Lust geweckt, das auch schaffen zu können. Allerdings war es absolut nicht leicht, meinen eigenen Stil zu finden, geschweige denn, die Techniken zu lernen. Aber … ich habe es geschafft!

Seither sind in meiner Freizeit einige Karten von meiner Fantasywelt entstanden. Fertige Karten und ausgewählte Arbeitsschritte meiner aktuellen Arbeit zeige ich gerne auf Facebook und Instagram. So kam es, dass ich mit einem Autorenkollegen Anfang Herbst 2020 ins Gespräch kam. Gebraucht wurde eine Fantasy-Karte für ein neues Projekt: Ein Fantasy-Roman. Also wurde ich gefragt, ob ich nicht vielleicht eine passende Karte zeichnen könne und was ich dafür als Bezahlung verlange.

Ich fand mich in einer komplett neuen Situation wieder. Bisher ist noch niemand auf mich zugekommen und wollte mich als Cartographer engagieren. Nach einigem Hin und Her des Überlegens willigte ich ein und wir besprachen die Details. Es sollte eine isometrische Karte passend für die Doppelseite eines Taschenbuches werden, gehalten in schwarz-weiß bzw. Graustufen.

Werdegang

Von nichts, kommt nicht. Oder wie in diesem Fall: Ohne Vorlage, keine Karte. Also bat ich um eine Skizze. Nicht jeder ist zeichnerisch begabt und das verlange ich auch nicht. Für mich ist es nur wichtig zu erkennen, was wo liegt und womit ich es zu tun habe. So erhielt ich folgende Skizze, die ich mit Erlaubnis meines Autorenkollegen für meine Schilderungen benutzen darf.

Neben dieser Skizze erhielt ich sehr viel gestalterische Freiheit. O-Ton: „Wenn du meinst, hier muss ein Berg, Wald oder etwas anderes hin, dann mach das.“ Oder anders ausgedrückt, ich durfte mich austoben und dass auch noch bei einem sehr großzügig bemessene Zeitfaktor. Ich hatte nach Auftragseingang ca. 3 ½ Monate Zeit, vermutlich sogar mehr. Das ist insofern wichtig, weil hier sehr viel zu tun war und ich dank meiner gestalterischen Freiheit das eine oder andere Mal Zwischenergebnisse weitergeleitet habe, die wir besprechen mussten. Hierfür kann einiges an Zeit ins Land gehen.

Nachstehend habe ich eine Auswahl verschiedener Ergebnisse auf dem Weg zur fertigen Karte zusammengestellt.

Wie unschwer zu erkennen ist, gibt es von Bild 1 zu 2 (oben links nach Oben rechts) einige Änderungen. Zum einen wurden sie durch meinen Autorenkollegen angeregt und zum Teil von mir. Auffallend ist auch das Farbbild (Nr. 3). Schließlich sollte es keine Farbkarte werden. Der Grund ist leicht erklärt. Ich arbeite ab dem Punkt des Schattierens gerne in Farbe. Farben erhöhen mir den Kontrast und ich kann das fertige Bild später in Graustufen umwandeln. Für mich bedeutet das weniger Aufwand und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Mir hat die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht. Ich zeichne gerne und so habe ich mir überlegt, den Auftrag als Testlauf anzusehen. Ab sofort stehe ich gerne für weitere Aufträge dieser Art zur Verfügung. Solange ich eine Vorlage bekomme, kann ich alles realisieren: Eine Weltenkarte, einen Kontinenten, Detailkarten von Gebieten oder auch eine Städtekarte. Das Ergebnis ist am Ende auf jeden Fall ein Unikat. In meinem hoffentlich noch weiter wachsendem Kartenraum sind ältere und neue Werke von mir ausgestellt.

Tolino Media – Ein Erfahrungsbericht

Anfang des Jahres habe ich euch berichtet, dass ich meine Serie aus KDP select genommen habe, um sie über Tolino Media der breiten Masse an Lesern zugänglich zu machen. Heute gebe ich dazu meine Erfahrungen weiter und ziehe mein Fazit.

Listung in den Shops

Hierzu kann ich mich nur positiv äußern. Meine eBooks sind problemlos und vor allem sehr zügig eingestellt worden. Das von Tolino kommunizierte Zeitfenster zur Prüfung der Daten ist großzügig bemessen und noch nie bis ans Limit ausgereizt worden. Binnen zwei Tagen (unter der Woche) sind meine eBooks in den angeschlossenen Tolino-Shops erhältlich. Thalia war mit einer der schnellsten Shops und reagiert zu Bestzeiten innerhalb von 24h auf Änderungen jeglicher Art.

Abrechnungen

Dieser Part ist wohl für jeden sehr wichtig. Abrechnungen müssen transparent und zuverlässig sein. Das ist bei Tolino Media definitiv der Fall. Verkäufe werden nach Plattform, Datum, Erlösen oder Menge aufgeführt. Im Grunde ist das Verkaufsdashboard in der Funktion so aufgebaut wie bei vielen Distributoren. Nur das Outfit kann sich mal mehr oder weniger unterscheiden und arbeitet natürlich zeitversetzt. Anders als bei Amazon aktualisiert es sich am WE nicht, wie ich festgestellt habe, aber ansonsten 1x am Tag. Verantwortlich hierfür sind die Shops, die am WE nur auf Sparflamme laufen.

Marketing-Maßnahmen

Autoren bei Tolino Media haben die Möglichkeit, mit der Marketing-Abteilung Werbeplätze abzusprechen. Voraussetzung hierfür ist das Vorhandensein selbiger. Man sollte früh den Kontakt suchen, denn Werbeplätze sind heiß begehrt und meist mit wochenlanger Vorlaufzeit versehen. Meist handelt es sich um Rabattaktionen die mindestens 50% vom VK betragen müssen. Dafür wird man dann auf Seiten der Shops sichtbar hervorgehoben. Je nach Werbeplatz kann man auch im Newsletter aufgeführt werden.

Die Dauer ist hingegen sehr unterschiedlich. Manche Werbeplätze laufen ein paar Tage, mache wieder über eine Woche. Langfristig angelegte Werbestrategien sind hier also von Vorteil. Kurzfristig lässt sich wenig reißen. Einzig und alleine eigens auf die Beine gestellte Preis-Aktionen, die man im Dashboard hinterlegen kann, sind die Ausnahme. Nachteilig ist jedoch, dass man keinen Werbeplatz mit Hervorhebung in den Shops bekommt. Logisch, oder? Allerdings funktioniert auch hier die Umsetzung tadellos.

Skoobe

Skoobe ist eine Plattform für Vielleser via Flatsystem, ähnlich wie Kindle Unlimited bei Amazon. Hier musste ich erfahren, dass es immer mal wieder zu Problemen kommt. Regulär nimmt Skoobe 1x in der Woche neue Titel in sein Sortiment auf, das gilt auch für Änderungen oder auch Löschungen. Die Übermittlung der gelesenen Buchseiten und damit die Berechnung des Honorares für Autoren gestaltet sich hin und wieder schwierig. Tolino hat Vorgaben, wann die Berechnung jeden Monat erfolgt. Liegen die Daten seitens Skoobe nicht vor, wird die Abrechnung ohne jene erstellt. Als Autor erhält man im Dashboard eine Ankündigung dazu, die nicht zu übersehen ist. Man tappt also nicht im Dunkeln; noch ein Pluspunkt bei Tolino Media. Sowas ist natürlich unschön und leider erfährt man nicht woran das liegt. Über technische Probleme bis zum „Weiß der Geier was“ kann alles dafür verantwortlich sein. Generell wirkt Skoobe auf mich schon ein wenig unzuverlässig, was das angeht. Überzeugen konnte mich die Plattform leider nicht, auch was die Ausleihen angeht.

Fazit

Es fällt durchwachsen aus, trotz der eigentlich guten Zusammenarbeit. Aber das liegt nicht an Tolino Media. Ich kann den Distributor jedem empfehlen, wenn außerhalb von KDP veröffentlich werden soll. In den ersten Monaten hat es für mich wirklich so ausgesehen, als würde es für meine Serie dort gut laufen. Es gab ein paar tolle Marketingmaßnahmen, die nur leider keinen langanhaltenden Effekt gezeigt haben. Und auch die letzte Preis-Aktion mit Werbeplatz und von mir gekaufter Werbung auf anderen Plattformen lief absolut gar nicht. Das ist erst wenige Wochen her.

Natürlich kann es hierfür viele Gründe geben, alleine die derzeitige Pandemie ist wohl ein wirklich starker Faktor. Nichts und Niemand sind davon verschont geblieben. Und letztlich muss ich auch darüber nachdenken, ob meine Zielgruppe einfach zu klein ist, als dass es einen Unterschied macht, ob ich meine Serie gleich in vielen Shops zum Verkauf anbiete oder es lasse.

Selbst wenn Amazon für viele ein rotes Tuch ist und sich noch nie mit Ruhm bekleckert hat, wenn es um das Arbeitsrecht und Co. geht, so ist der Online-Riese leider noch die beste Anlaufstelle für Selfpublisher. Ihr lest es schon heraus und liegt richtig. Meine Serie ist gerade dabei, wieder bei KU einzuziehen. Leicht fiel mir die Entscheidung nicht, aber alles so weiter laufen zu lassen, macht für mich auch keinen Sinn.

Wie viel Realität ist in Fantasy enthalten?

Manchmal ist es schon beängstigend, wie viel von der einen Sache in der anderen enthalten ist, sogar gänzlich unbeabsichtigt. Niemals hätte ich gedacht, dass ausgerechnet meine Geschichten, die fernab jeglicher Realität spielen, doch so nah dran sein können. Es gibt nicht einmal Menschen in meiner Romanwelt und die ist auch noch durchdrungen von Magie.

Aber der Reihe nach.

Ich bin Fantasy-Fan durch und durch, seien es Bücher, Spiele oder Filme. Als Kind bin ich in andere Welten abgetaucht und habe mir das Interesse dafür bis heute bewahrt. Ich bin ein Entdecker & Abenteurer. Wen wundert es also, dass meine Geschichten in der Fantasy angesiedelt sind und genau dieses Interesse wiedergeben? Niemanden, mich am allerwenigsten. Das Subgenre Highfantasy ist mir von allen sogar das liebste.

Fantasy kennt keine Grenzen. Es ist also alles möglich, alles erlaubt.

Beim „Erschaffen“ und „Niederschreiben“ halte ich mich nur an den Grundsatz: Es muss nachvollziehbar sein. Auf dieser Basis entsteht mein Regelwerk, das sich quer durch meine Geschichten zieht und das ich dem Leser, so gut es geht, transparent darlege.

Mein Erstling – die Episoden um die Handlung „Im Schatten des Jaotar“ – ist bereits ein paar Jährchen alt, ebenso die Folge-Episoden zum Abschnitt „Die schwarzen Steine“. Und die ersten beiden Episoden der weitergesponnenen Handlung „Das Bündnis der Fünf“ sind 2019 bzw. Frühjahr 2020 erschienen. Sie erzählen von dem Abenteuer zweier junger Manori, Angehörige eines Naturvolkes. Aus heiterem Himmel bricht eine unbekannte Krankheit über sie herein und mehrere Bestien machen ihnen das Leben schwer.

Trotz aller fantastischer Elemente lässt sich ein Bezug zu unserer Realität, zu unserer Lage in der Corona-Zeit herstellen, der mir bis vor kurzem nicht wirklich aufgefallen ist. Vielleicht wollte mir diese Parallele auch nicht auffallen, doch das hat sich irgendwie geändert. Ich kann nicht einmal sagen, wodurch oder wann. Plötzlich war die Verknüpfung da.

Tauschen wir die unbekannte Krankheit gegen unser pandemisches Virus aus und die Bestien gegen ein anti-demokratischen Übels, hätten wir beinahe das Grundkonzept unserer Situation.

In der Geschichte ziehen meine mutigen Helden aus, um die Bestien zu bekämpfen, aber haben diese “Krankheit“ leider mit auf ihrer Reise. Wie sich rausstellen wird, ist es keine typische Krankheit, aber sie gefährdet den Zusammenhalt, stellt jeden einzelnen auf die Probe. Lichtblicke hier sind Freundschaften, Mitgefühl, Selbstdiziplin und den Mut, das zu tun, was getan werden muss, um die eigenen Leute zu schützen. Aber es geht auch um Verluste, Kämpfe/Schlachten, Abschiede, Konsequenzen, verschiedene Meinungen, um Schwäche und Angst und auch um die Versuchung, eine Abkürzung nehmen zu wollen, die allerdings ins Verderben führt.

Na, kommt euch da einiges von bekannt vor? Mir schon. Auf der einen Seite macht es mir Angst, auf der anderen Seite gibt es aber auch Anlass auf Hoffnung. Ich bin mir nur noch nicht im Klaren darüber, wie die Gewichtung aus meiner Perspektive aussieht. Anders sieht es mit dem Ende meiner Geschichte aus. Ich kenne es in groben Zügen, die Feinheiten ergeben sich noch, soll heißen, die letzte Episode befindet sich derzeit in Arbeit.

Wenn jetzt eine Fee zu mir käme – und ich glaube nicht an Feen – und mir einen Wunsch offerieren würde, wüsste ich, woran ich den Ausgang unserer Lage orientieren lassen würde. Es wäre nicht exakt 1:1; immerhin schreibe ich Fantasy und inzwischen sollte klar sein, dass ich mich in meinen Geschichten eigentlich fernab jeder Realität bewege. Falls es auch hier eine klitzekleine Parallele gäbe, würde mich das ein bisschen zuversichtlicher in die Zukunft blicken lassen, denn in unserer Realität wartet noch ein Haufen anderer Probleme auf uns, die uns Menschen das Genick für immer brechen können.

Und? Wie viel Realität steck in deiner Fantasy-Geschichte?

Was ist Mainstream?

Diese Frage werden sich vermutlich schon einige von euch gestellt haben. Immerhin bezeichne ich meine Bücher, meine Geschichten, als non-Mainstream. Eine wortwörtliche Übersetzung, der Begriff entstammt dem Englischen, hilft leider nicht weiter. Mit „Hauptströmung“ lässt sich in der Bücherwelt wenig anfangen, wenngleich es schon ein kleiner Fingerzeig ist. Mainstream ist vielmehr als kultureller Geschmack einer breiten Masse zu verstehen oder kurz gesagt Massenkultur.

Woran erkennt man Mainstream?

Gute Frage und zugleich eine sehr wichtige. Es gibt eine Reihe an Punkten, die einem helfen, ein Werk als Mainstream oder non-Mainstream einzuordnen. Geschichten sind allgemeinhin in Genre und Subgenre unterteilt. Einige Genre sind bei der breiten Masse richtig gefragt, während andere nur wenig gelesen werden. Das ist schon einmal ein guter Indikator dafür, es mit einem Mainstreamwerk zu tun zu haben, aber noch längst kein Beweis. Es lohnt sich daher, genauer hinzusehen.

Massentaugliche Geschichten besitzen ähnliche Erzählstrukturen, Abläufe, Handlungen, Charakterprofile und Charakterkombinationen. Es gibt also ein Schema F, nach dem sog. Mainstream-Autoren schreiben, weil diese Art der Geschichte gut bei den Lesern ankommt. Es wird also der Lesegeschmack einer breiten Masse bedient. Anders als bei einem kurzfristigen (Mode) Trend kann sich der Mainstream in der Bücherwelt lange konsequent halten.

Sehr oft bereitet ein Hype einem Werk den Weg in den Mainstream. Spätestens wenn andere Autoren ähnliche Werke veröffentlichen, weil das Ursprungswerk eingeschlagen hat wie eine Bombe, ist das ein sicheres Zeichen für den Mainstream. Handlung, Ablauf der Geschichte und die Charaktere variieren zwar, aber nur im engen Rahmen und besitzen eine unverkennbare wiederkehrende Ähnlichkeit, die die breite Masse an Lesern anzieht, sogar genreübergreifend.

Was unterscheidet den Mainstream vom non-Mainstream?

Individualität findet sich im Mainstream so gut wie nie und wenn dann in so geringen Mengen, dass es nicht zum Alleinstellungsmerkmal taugt, um sich von der breiten Masse abzuheben. Das aber wäre nötig, um die Grenze zu durchbrechen. Wenige Autoren gehen gerne das Risiko einer zu starken Abwandlung oder gar einer kompletten Neukreation ein. Leser sind Gewohnheitsmenschen, das muss man sich eingestehen und akzeptieren. Nicht umsonst haben es neue Genre oder gar Genremischungen schwer am Buchmarkt Fuß zu fassen. Leser von etwas Neuem zu überzeugen, ist schwer. Wenn das aber gelingt, kann daraus eine gut belesene Nische werden oder sogar mehr. Da steckt man nicht drinnen. Ein großes Hindernis ist natürlich der Lesegeschmack. Sind die Vorlieben der breiten Masse in einer Neukreation zwar bedient, aber zusätzlich mit Elementen verknüpft, die sie nicht oder kaum annehmen, kann ein Autor oder die Werbung zum Werk noch so grandios sein. Das Buch wird es schwer haben und nicht zum Mainstream zählen.

Gibt es Autoren, die bewusst non-Mainstream schreiben?

Ja, natürlich. Dafür gibt es unterschiedliche Motive. Für mich war das eine bewusste Entscheidung. Ich wollte mit meinen Geschichten und dem Setting dahinter hervorstechen, nicht gewöhnlich sein und etwas Neues bieten, zeigen, dass es mehr gibt, als auf dem Buchmarkt existiert. Fantasy ist ein so wunderbares Genre, grenzenlos an Möglichkeiten, ein riesiges Gebiet, um sich als Autor auszutoben, seiner Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen. Ich wollte nie in einer kleinen und exakt abgesteckten Bubble sitzen.

Außerdem kann ich nicht nach dem Geschmack anderer Leute schreiben. Ich schreibe, was mich interessiert, wie ich Geschichten liebe. Das fühlt sich für mich viel besser an, als wenn ich mich verbiegen müsste. So erreiche ich sicher nicht viele Leser, aber die, die ich erreiche, bei denen kann ich zu 90% sicher sein, den gleichen Lesegeschmack getroffen zu haben. Es gibt nämlich nicht wenige Leser, die nach einer gewissen Zeit gesättigt sind vom Mainstream und dann nach Abwechslung suchen, entweder zeitweilig oder auf Dauer. Einige davon finden ihren Weg zu mir. Ihr esst auch nicht jeden Tag das gleiche Gericht, oder?

Was ist nun besser: Mainstream oder Non-Mainstream?

Das kann ich beim besten Willen nicht sagen, da mit der Entscheidung immer der persönliche Lesegeschmack einhergeht. Ich empfinde Mainstream als langweilig und vorhersehbar, weil Mainstream – siehe weiter oben – einen schematischen Aufbau besitzt. Ich möchte aber Überraschungen, Spannung, Neues erleben und entdecken. Dabei darf es gerne auch eine Liebesbeziehung geben, ich komme aber auch gut ohne klar und oftmals ist mir das sogar lieber, weil Liebesgeschichten als überaus mainstreamig (fast) überall eingebaut werden. Gut, ich habe auch eine in meinen Geschichten eingebaut, doch die kommt nur am Rande vor und dient meinen Protagonisten als zusätzlicher Motivationsschub, hat also eine richtige Funktion in meinem Plot. Außerdem ist der Rest vom Setting so sehr abseits vom Mainstream, dass ich mir diesen Luxus einfach gegönnt habe.

Zum Abschluss meines Artikels möchte ich noch ein Beispiel hervorkramen, das jeder kennt:
Harry Potter.

Als damals Harry Potter rauskam, habe ich die Bücher gerne gelesen. Heute zählt Harry Potter tatsächlich zum Mainstream. Das sieht man daran, dass Autoren mit ähnlich gestrickten Werken nachgezogen sind und die sich relativ gut verkauft haben und es teilweise noch tun. Aber sie reichen meiner Meinung nicht an das Original heran. So ist das übrigens mit vielen „Nacheiferern“ und anhand dieses Beispiels sieht man sehr schön, dass ein kreatives Werk, das zuvor niemand wollte, mit der Zeit einen neuen Mainstream begründen kann und von Kopien unerreicht bleibt. Insofern denke ich, lohnt es sich nur bedingt, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, und ist wohl nur für diejenigen lukrativ, die gewisse Vorgaben beim Schreiben brauchen und im Jahr eine gewisse Anzahl an Werken abliefern müssen. Für wahre Kreativbomben unter den Autoren ist Mainstream eher weniger geeignet.

Wechsel zu Tolino Media

Wer meine Beiträge auf Facebook und Instagram der letzten Zeit mitverfolgt hat, wird wissen, dass ich einen schweren Schritt unternommen habe. Ich habe neobooks den Rücken gekehrt und mich letztlich für Tolino Media entschieden. Was zu dieser Entscheidung geführt hat, möchte ich euch in diesem Blogartikel erklären. So trivial ist das nämlich nicht und leicht fiel mir nach meinen letzten Erfahrungen mit neobooks die Entscheidung auch nicht.

  • Transparenz in der Honorar-Berechnung
  • Zügige Abrechnung (vom Vormonat)
  • Auslieferung an die großen Onlineshops
  • Belieferung von Onleihe und Flat-Rate-Plattform
  • Pflichtexemplar für die DNB
  • Übersichtliches und modernes Dashboard
  • Höhere Marge

Transparenz in der Honorar-Berechnung

Dieser Punkt war mir besonders wichtig, alleine schon, weil ich wissen will, wie viel ich neben den normalen Verkäufen theoretisch verdienen kann, da ja nicht nur Onlineshops als Vertriebsweg auswählbar sind. Bei neobooks gibt es diese Möglichkeiten zwar auch, aber sie halten sich sehr damit zurück, wie das Honorar für den Autor berechnet wird. Das ist bei Tolino-Media anders. Ich kann sogar anhand von Rechenbeispielen genau nachvollziehen, wie sich meine Marge berechnet. Der Support bei neobooks ist auf mehrmaliges Nachfragen nur schwer dazu in der Lage und wimmelt einen gerne ab.

Zügige Abrechnung

Hier lässt sich Tolino Media nicht lange bitten. Genau wie bei Amazon, wird für den jeweiligen Vormonat abgerechnet. Kein Wunder, ist Amazon ja der direkte Konkurrent oder wie man auf dem Markt diplomatisch sagt „Mitbewerber“.

Ich erhalte also die Abrechnung für Dezember schon im Januar und nicht wie bei anderen Distributoren (neobooks oder bookrix) erst im Februar. Natürlich gibt es auch eine Auszahlungsgrenze (20,- €) aber die ist in Ordnung, weil relativ schnell zu erreichen.

Auslieferung an die großen Onlineshops

Genau um die geht es mir. Sie bilden in der Summe ein doch recht großes Stück vom Marktkuchen, auch wenn Amazon als gewaltiger Riese dagegen steht. Ausklammern kann man Amazon von der Belieferung nicht, weil … ihr habt es vielleicht schon erraten … Amazon von Tolino Media nicht beliefert wird. Der Konzern ist schließlich der Konkurr … äh … größte Mitbewerber auf dem Buchmarkt. Ist doch klar, dass der nicht beliefert wird. Das kann ich aber nach wie vor selbst erledigen. Zu den belieferten Onlineshops zählen dagegen:

  • Thalia
  • Weltbild
  • Hugendubel
  • Bücher.de
  • eBook.de
  • Osiander.de
  • Mayersche
  • meine Buchhandlung

Kobo ist leider nicht aufgezählt, aber der Onlineshop bietet Autoren die Möglichkeit an, ihn selbst zu beliefern. Ob ich das auch noch angehe, wird sich zeigen. Ich bin mit der Aufstellung oben erst einmal ganz zufrieden.

Belieferung von Onleihe und Flat-Rate-Plattform

Ja, ihr lest richtig. Es sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zum besseren Verständnis habe ich euch den passenden Textauszug aus den FAQ bei Tolino-Media kopiert. Dort findet ihr auch ein transparentes Rechenbeispiel. Das Autorenhonorar ist bei gleichbleibendem Verkaufspreis nur minimal kleiner, weil noch eine gesonderte Gebühr abgezogen wird.

Wählen Sie auf der Vertriebskanalseite die Bibliotheksoption aus, stellen Sie Ihr Buch der Onleihe der Firma DiviBib zur Verfügung (www.onleihe.net). Büchereien im In- und Ausland können für ihre digitale Bibliothek, die sie ihren Kunden anbieten, bei der Onleihe Exemplare eines Titels einkaufen (ein sogenannter Lizenzkauf). Hat eine örtliche Bücherei oder Bibliothek eine Lizenz eines Titels erworben, kann das eBook fortan von den Kunden der Bibliothek ausgeliehen werden.
Der Ausleihvorgang ist vergleichbar mit dem Ausleihen eines gedruckten Buchs: Möchte eine Bibliothek ein Buch beispielsweise fünfmal gleichzeitig zur Ausleihe anbieten, muss das Buch auch fünfmal zum Ausleihen in der Bibliothek vorhanden sein. Auf eure eBooks übertragen bedeutet das, dass die Bibliothek entsprechend auch fünf Lizenzen eines eBooks erwerben muss.

(Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/#was-ist-die-onleihe-divibib-ekz-und-was-gibt-es-bei-der-auslieferung-zu-beachten)

Skoobe dürfte einigen ein Begriff sein. Es ist eine Plattform, die nach dem klassischen Flat-Rate-Modell aufgebaut ist, ähnlich wie Kindle Unlimited von Amazon. Wer es genauer wissen möchte, auch hinsichtlich der Preisgestaltung, darf nachstehenden Link gerne benutzen. https://www.tolino-media.de/hilfe/FAQ/#was-ist-skoobe-und-was-gibt-es-bei-der-auslieferung-zu-beachten

Pflichtexemplar für die DNB

Die Ablieferung des Pflichtexemplars ist ein großer Pluspunkt, auch dass man sich aktiv dafür entscheiden muss, damit Tolino-Media sofort von sich aus handelt. Bei neobooks und Co. bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sie das von sich aus machen oder erst reagieren, wenn die DNB sich regt.

Ein Manko hat das Ganze aber trotzdem. Dieser Vorgang ist nur 1x möglich. Wird ein eBook öfters aktualisiert, dann erhält die DNB keine weiteren Exemplare, nach der in Auftrag gegebenen Übermittlung des Pflichtexemplars. Aber das ist kein Weltuntergang. Jeder Autor kann das auch manuell übernehmen. Wie das abläuft, erklärt die DNB auf Anfrage.

Übersichtliches und modernes Dashboard

Das bekommt man natürlich nur zu Gesicht, wenn man sich registriert und einloggt. Ich kann es jedem nur empfehlen, zumal damit keinerlei Pflichten oder Kosten verbunden sind. Schaut es euch selbst an. Ich bin von der Aufmachung sehr angetan. Sie verspricht höchste Transparenz auf einen Blick, nicht zu vergleichen mit der von neobooks oder bookrix, wo ich mich ebenfalls im Hintergrund vor kurzem rumgetrieben habe, um mir einen Überblick zu verschaffen.

Höhere Marge

Dieser Punkt sowie keine Vertragslaufzeit, keine anfallenden Kosten und das jederzeit Änderungen am ebook möglich sind, sind für mich neben der Transparenz sehr wichtige Entscheidungsgründe gewesen. Dadurch, dass Tolino Media die großen Shops vorrangig bedient, hängt niemand mehr dazwischen, wenn es um die Abrechnung geht. Das ist bei neobooks anders gewesen. Dort konnte man entweder Amazon oder Tolino Media von einer Belieferung ausschließen.

Das bedeutet im Klartext: Neobooks liefert die eBooks an Tolino Media (wenn nicht ausgeschlossen) und von dort gelangen sie in die angeschlossenen Onlineshops. Jedem sollte klar sein, dass Tolino Media sich bei Erlösen vorab auch bedient, den Rest an neobooks weiter leitet und dann noch einmal 30% einbehalten werden und die letzten 70% an den Autor gehen. Diese Vorgehensweise schmälert natürlich das Autoren-Honorar. Ergo habe ich bei realisierten Verkäufen durch Tolino Media automatisch mehr Geld in der Tasche.

Allerdings sollte man genau hinsehen, ab wann man bei Tolino Media auch die 70% Erlös bekommt, mit der sie werben. Da verhält es sich ähnlich wie bei Amazon. Titel mit einem VK von unter 2,99 € bringen dem Autor nur 40% Erlös ein, bei Amazon sind es sogar bloß 35%. Hier sieht man sehr schön, dass Tolino Media seinen Mitbewerber Amazon stark im Auge behält. Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen und denken, sie hätten abgekupfert. Hinter Tolino Media steht eine eigene Strategie, die sich besonders im Ranking der belieferten Shops zeigt. Machen wir einmal einen kurzen Ausflug dorthin. Ist zwar gerade nicht mein vorrangiges Thema, aber es passt durchaus hierhin.

Das Ranking-System von Thalia und Co.

Jeder weiß, dass die großen Onlineshops vor allem Verlagstitel verkaufen und die stehen in der Gesellschaft sehr oft noch für Qualität, obwohl auch die in den letzten Jahren mehr und mehr nachgelassen hat. Bei Thalia z. B. gibt es eine Kategorie namens Self-Publishing (nach Genre unterteilt) nur für SP-Titel. Das erhöht die Sichtbarkeit für Selfpublisher, so deren Aussage. Oberflächlich betrachtet mag das genau den gegenteiligen Anschein erwecken. Nicht gerade wenige Autoren fühlen sich in die hinterste Ecke geschoben. So einfach ist das aber auch wieder nicht.

Werfen wir mal einen Blick auf die Mechanismen, die das Ranking bei Thalia und Co. bereithält. Einen ausführlichen Beitrag dazu findet ihr hier (https://blog.tolino-media.de/2020/01/bestseller-listen-und-trenddaten-ein-ueberblick/). Der Punkt auf den es ankommt ist der Umsatz. Amazon dagegen gewichtet nach Absatz und einigen anderen Faktoren. Das bedeutet:

Je teurer ein Buch ist, umso mehr Umsatz (Cash/Kohle/Zaster) kommt dabei herum.

So kann ein teures Buch bei Thalia und Co. trotzdem oben im Ranking stehen, wenn es nicht so oft verkauft wird, als ein deutlich günstigeres Buch. Letzteres überholt erst, wenn die Verkäufe den Umsatz des zum Vergleich stehenden teuren Buches toppen oder die anderen Einflussfaktoren begünstigend einwirken.

Jetzt sind die eBooks von Verlagen fast immer genauso teuer wie ihre Print-Ausgabe. Es dürfte wohl einleuchten, weshalb das so ist, wobei das nicht der einzige Grund ist, aber doch ein entscheidender. Auf diesem Weg sichern sich Verlage die Verkäufe, weil sie noch immer über ein deutlich positiveres Emage verfügen als Selfpublisher, welches zwar seit Jahren steigt, aber es herrscht noch ein spürbares Ungleichgewicht zu Lasten der SPler vor.

Genau dieser Knackpunkt sorgt dafür, dass SP-Titel im direkten Wettbewerb bei den Tolino-Media-Shops schlechter abschneiden. In ihrer eigenen Kategorie sind sie jedoch unter sich und auch Kunden wissen, was diese Kategorie „Selfpublisher“ für sie bereithält. Gezieltes Suchen ist hier das Stichwort.

Es ist in meinen Augen ein wohlgemeinter Kompromiss, der aber leider nicht die gleiche Qualität mit sich bringt, wie es bei Amazon der Fall ist. Aber hinsichtlich der Ranking-Mechanismen das beste, was machbar war, schätze ich. Wer diese Spielregeln kennt, kann überlegen, sie für sich zu nutzen, sie in sein Marketing einbauen.

Was also müsste man tun, um das Ranking für sich zu nutzen?

Das Problem ist die Preisgestaltung vieler Selfpublisher. Wir alle kennen die Strategie mit 99 ct Titeln auf den Markt vorzustoßen, um sich Sichtbarkeit zu verschaffen. Im Marketing ist diese Vorstoß-Taktik ein alter Hut, aber auf Amazon zuweilen sehr erfolgsbehaftet, im Gegensatz zu den Tolino-Media-Shops. Woran das liegt, wisst ihr ja nun. Da hilft dann auch nicht mehr die Kategorie „Self-Publisher“, weil auch dort das Rankingsystem nach Umsatz gewichtet. Teurere SP-Titel haben also die Nase vor den 99 ct Titeln ihrer Kategorie vorne, müssen aber im Shop noch immer mit Verlagstiteln konkurrieren.

So entsteht ein Teufelskreis, den man jedoch durchbrechen kann, indem man seine eigenen Preise anhebt.

Klingt so simpel, hat aber auch wieder gravierende Auswirkungen. Im Marketing gilt nämlich:

Steigt der Preis, schwinden die Kunden.
Sinkt der Preis, kommen die Kunden.

Hier ist eine ausgefeilte Marketing-Strategie (abgestimmt auf USP, Qualität, Zielgruppe usw.) mitunter das A und O und selbst dann gibt es keine Garantie auf Erfolg. Es wird jeder Selfpublisher für sich herausfinden müssen, was besser passt: Amazon mit seiner KU und der Möglichkeit auf den All-Star-Bonus oder Tolino Media mit seiner Marktfülle (was Amazon ohne KDP select ja nicht ausschließt) und einer sehr wahrscheinlich anders gelagerten Kundschaft und Skoobe sowie die Onleihe als Gegenstück zur KU.

Ich bin in der glücklichen Lage auf beides nicht verzichten zu müssen. Während meine Sammelbände weiterhin bei Amazon in der KU zu finden sind, werden die Episoden-Titel meiner Highfantasy-Serie über Tolino Media vertrieben werden und sind nebenbei auch ganz normal bei Amazon erhältlich. Zudem nutze ich Skoobe, was mir erlaubt, auch meine Episoden im Flat-Rate-Modell anzubieten, nur halt an anderer Front. Ob mir die Onleihe etwas einbringt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Immerhin sind es hier Bibliotheken die Lizenzen einkaufen und die sind zumeist noch konservativer eingestellt als der gewöhnliche Buchhandel.

Den von mir in die Wege geleiteten Spagat schafft bei Weitem nicht jeder und auch ich muss zusehen, ob das auf Dauer den gewünschten Erfolg einbringt. Aber meine Zielgruppe ist klein und ich möchte sie nicht künstlich schmälern, indem ich mich ausschließlich an Amazon binde.

Die Zeit wird zeigen, ob die Entscheidung richtig war. Wenn Interesse besteht, werde ich gerne den einen oder anderen Erfahrungsbericht zur Zusammenarbeit mit Tolino Media verfassen.