Buchsatz: Die Programmfrage

In den letzten beiden Blogartikeln habe ich etwas zur verwendeten Schrift, dem Layout und den mehr oder minder beliebten Fehltritten gesagt. Heute möchte ich die Blogreihe mit dem Thema: Software abschließen.

Layoutsoftware: Ja oder Nein?

Die Wahl der richtigen Software ist zu einem regelrechten Streitpunkt geworden, wie so vieles im Selfpublishing. Dabei sollten doch vor allem Autoren wissen, wie wichtig das richtige Handwerkszeug ist. In früheren Zeiten war es die Wahl der richtigen Schreibfeder nebst Tinte und später die des Stiftes. Danach kamen Schreibmaschinen und Schreibprogramme. Jeder Autor wählt noch heute sein bevorzugtes Schreibwerkzeug. So mancher schreibt auch heute noch mit einem Füllfederhalter oder Kugelschreiber. Im Wohlfühlmodus schreibt es sich halt um Längen besser, was nicht zuletzt von den eigenen Schreibfertigkeiten abhängt. So verhält es sich auch beim Buchsatz. Kenntnisse alleine bringen einen nicht weiter, es bedarf auch des richtigen Handwerkzeuges und das ist nun einmal kein Schreibwerkzeug. Die am besten geeignete Software zum Setzen bzw. Gestalten eines Textes ist ein Layoutprogramm, weil es genau für diese Arbeit konzipiert worden ist.

Ja, aber …

Ich kenne viele Einwände und viele fangen mit diesen beiden Worten an. Fast alle Einwände beziehen sich auf Schreibprogramme, die die Textgestaltung mit verschiedenen Funktionen – manche sind sogar sehr umfangreich – möglich machen (sollen). Das ist ein logischer Schritt für Softwaredesigner. So bindet man Kunden, indem man ihnen gleich mehrere Werkzeuge aus einer Hand anbietet und für den herkömmlichen Bürogebrauch ist dagegen auch nichts einzuwenden. Alleine MS Word bietet extrem viele Möglichkeiten in der Textverarbeitung. Alle Berufler, die damit arbeiten, wissen das hoffentlich zu schätzen. Es ist ein Standardprogramm in deutschen Büros geworden und das sogar zu recht. Ebenso ist Papyrus Autor ein hervorragendes Schreib- und Planungsprogramm mit einer soliden Stil- und Rechtschreibprüfung und einiges Features mehr.

Aber die allseits gewünschte eierlegende Wollmilchsau existiert auch in diesem Bereich nicht. Beide Programme und alle ihre Konkurrenten stoßen schon sehr bald an ihre Grenzen, wenn es um die richtige Umsetzung für das fortgeschrittene Layouten von komplizierten Flyern, Broschüren oder gar Büchern geht. Hier haben Layoutprogramme eindeutig die Nase vorne, weil sie mit Tools aufwarten, die ein Schreibprogramm nicht hat oder sich einfacher bzw. gezielter einsetzen lassen. Dafür muss man jedoch damit umgehen können. Das Ergebnis trennt später den Profi vom Amateur und unterstreicht die Qualität der Arbeit.

Ein Vergleich

Lange Rede kurzer Sinn, widmen wir uns kurz einem Vergleich zwischen den Programmen MS Word und seinen Bruder MS Publisher. Ich selbst mag die Programme aus dem Hause Microsoft, nutze sie jedoch gemäß ihrer Stärken, was mitunter bedeutet, dass ich mit mehreren Formaten arbeite. Nachstehend findet ihr einige Screenshots mit Erklärungen. Alle Bilder sind via Klick vergrößerbar.

Die Ansicht

Publisher (1)

Word (1)

Der erste große Unterschied begegnet uns bei der Ansicht eines neuen Projektes mit gleicher Ausgangslage (Format 12,5*19cm, gleiche Maße für Ränder und Bundsteg). Beide Programme können Doppelseiten darstellen, aber nur im Publisher entspricht die Ansicht auch tatsächlich die eines aufgeschlagenes Buches. Bei Word ist das nicht der Fall, die Seiten werden nach nummerischer Abfolge dargestellt und der Bundsteg befindet sich nicht immer in der Mitte. Das hat zur Folge, das jede Doppelseite anders wirkt. Zudem kann mir bei Detailarbeiten der Zoom unschön in die Quere kommen. Während ich beim Publisher bedenkenlos den Zoom beliebig weit nach oben schrauben könnte, ohne die Doppelansicht zu verlieren, versagt Word auf ganzer Linie. Irgendwann springt das Programm auf die 1 Seiten Ansicht zurück.

Funktionsweise

Wirklich interessant wird es aber erst, wenn wir uns mit der Funktionsweise beschäftigen. Im Publisher habe ich die Möglichkeit, von vorneherein die Registerhaltigkeit meiner Texte zu gewährleisten. Das geschieht mit sog. Basislinien, die horizontal verlaufen und bei Bedarf sichtbar gemacht werden können. Der Abstand zueinander und die Lage innerhalb der Doppelseite können nach eigenem Ermessen eingestellt werden und wirken sich auf das gesamte Dokument aus. Zugleich kann ich weitere Hilfslinien definieren. Sie sind in ihrer Funktion magnetisch und erfüllen zwei Aufgaben. Sie dienen der Positionierung von Bildern und Textfeldern, mit denen hier gearbeitet wird. Zudem kann beides nicht durch Unachtsamkeit verrutschen. Es ist also möglich, unterschiedliche Raster aufzubauen und damit das Layout anzufertigen.

Publisher (2)

Publisher (3)

Word hingegen kann das nicht leisten. Es gibt lediglich die Möglichkeit, Gitternetzlinien anzeigen zu lassen. Man erhält die Ansicht eines karierten Blattes. Es ist nützlich, um Grafiken und Bilder an ihren Platz zu ziehen, aber die Nützlichkeit hat ihre Grenzen. Zum einen können die Kästchen (siehe Bild unten) in ihrer Größe nicht eingestellt werden und geben so auch erst einmal die Vergrößerung bzw. Verkleinerung des Bildes vor, also immer kästchenweise. Möchte man abweichende Maße einstellen, bleibt einem nur das Programm-Menü mit dem passenden Unterpunkt. Auch lässt sich der Text daran nicht ausrichten und ist für die Registerhaltigkeit komplett unnütz.

Word (2)

Kommen wir zum Textgeschehen. In einem Detail kann Word im Kurzstreckenspurt punkten: die Verfügbarkeit. Word ist ein Schreibprogramm und daher kann man sofort loslegen mit dem Schreiben. Beim Publisher ist das anders. Ich habe eine Vorlage und muss mir gemäß meiner Ansicht erst einmal ein Textfeld hineinziehen. Ohne Textfelder kann ich hier nichts ausrichten. Aber dieser vermeintliche Nachteil ist der große Vorteil dieses Programms. Ich kann mit den Textfelder genau definieren, wo sich mein Text befindet und ihn individuell gestalten, ganz besonders dann, wenn noch Grafiken hinzukommen.

Beispiel 1: Ausgefallene Überschrift für ein Kapitel

In so einem Fall lege ich zwei Textfelder auf der ersten Seite des neuen Kapitels beginnt. Auf diese Weise trenne ich die Überschrift vom restlichen Text und gebe ihr genug Freiraum. Es kommt auch bei späteren Nacharbeiten, wenn der Buchsatz schon beendet ist, zu keiner Beeinträchtigung in Form von Verschiebungen des restlichen Textes. Die Folge wäre sonst ein zerhauener Buchsatz für das gesamte Kapitel. Um das wieder auszubessern, lässt man unter Umständen viel Zeit und Nerven.

MS Word kann das nicht leisten. Vergrößere ich z. B. auch nur ein Wort in einer Zeile überträgt sich das auf den Zeilenabstand zwischen dieser und der darüberliegenden Zeile und verschiebt mir den nachstehenden Buchsatz des gesamten Kapitels nach unten. Bei Überschriften verhält es sich ähnlich. Wenn zwischen der Überschrift und dem Textkörper nicht genug Platz im Vorfeld durch Leerzeilen oder Abstände eingeplant ist, zerhaut man sich ganz schnell den Buchsatz. Word ist also wenig flexibel, wenn es um nachträgliche Änderungen geht und kann einem sehr viele Probleme bereiten.

Beispiel 2: Briefe in historischen Romanen

Gut, das kommt nicht oft vor, aber dafür vielleicht ähnlich geartete Elemente der Darstellung in anderen Genre. Auch hier kann ich mit mehreren Textfeldern im Publisher arbeiten und die Darstellung ganz individuell anpassen, ohne den Text davor oder danach, zu beeinflussen. Aufgrund der Basislinien und dem daran ausgerichteten Text wird alles gleichmäßig dargestellt. Ich kann sogar hingehen und nur für dieses Textfeld die Verbindung zu den Basislinien kappen, wenn es das Design erforderlich macht. Nachträgliche Änderungen sind hier leicht und sicher erledigt, während ich in Word Probleme zu befürchten habe.

Darstellung vom Ausgangstext und deren Bearbeitung

Anhand eines Blindtextes (Quelle: https://www.blindtextgenerator.de/) möchte ich abschließend zeigen, dass die Darstellung innerhalb der beiden Programme mit gleicher Ausgangslage sich deutlich unterscheidet. Der Blindtext ist bis auf die Schriftart und -größe sowie den Zeilenabstand bzw. die Ausrichtung der Basislinien in beiden Fällen komplett unformatiert. Zudem ist die Absatzkontrolle deaktiviert, die Schusterjungen und Hurenkindern vermeiden soll. Die eingeblendeten Absatzmarken sollen zudem zeigen, dass nirgendwo eine Zeile unterschlagen wurde.

Publisher (4)

Word (3)

Wie man sieht, ergibt sich je nach Programm eine durchaus unterschiedliche Bearbeitungssituation. Im Publisher wird der Text homogener dargestellt als in Word und von vorneherein registerhaltig. Bei Word hapert es da ja schon an der ersten Seite. Sie schließt nicht bündig ab. Je nach Arbeitsvorgabe kann das durchaus zu einem Problem werden. Doch das ist nicht Gegenstand dieses Blogbeitrages.

Der große Vorteil dieser homogeneren Textdarstellung ist der, dass oft kleine Eingriffe genügen, um das Problem zu lösen, und dadurch der Arbeitsaufwand gering gehalten wird. Da sich aber jede Änderung auf den Text danach auswirkt, kann es in beiden Programmen zu unschönen Überraschungen kommen oder zur kompletten Lösung des Problems. Das lässt sich meist vorher nicht sagen und ist stark von der Länge des zu bearbeitenden Absatzes und von der Länge der Worte in einer Zeile abhängig.

Fakt hingegen ist die Verfügbarkeit der Bearbeitungstools, die sich in beiden Programmen ähneln. Sie sind beim Publisher sehr leicht und vor allem dauerhaft darstellbar, während ich bei Word jedes Mal herumklicken muss, um auch nur die kleinste Änderung herbeizuführen, abgesehen von Silbentrennungen und des Umschreiben des Textes. Der Publisher erspart mir so also Zeit und auch Nerven.

Publisher (5)

Word (4)

Schlusswort

Meine Empfehlung für den Buchsatz lautet: Layoutsoftware. Dabei ist es egal, ob es der MS Publisher oder ein anderes Layoutprogramm ist, solange es nur für diese Arbeiten konzipiert wurde. Man erreicht mit keinem Schreibprogramm der Welt die gleiche Qualität für den Buchsatz. Bestenfalls kann man sich dieser Qualität annähern, doch hierfür muss man sein Schreibprogramm sehr gut kennen und wissen, wie sich die einzelnen Formatierungen und Tools sinnvoll einsetzen lassen. Ich stelle immer wieder fest, dass es daran am meisten mangelt. Das ist in sofern interessant, als dass immer wieder vor der Einarbeitung in ein Layoutprogramm zurückgeschreckt wird. Erstens muss man sein Handwerkszeug kennen, um es bestmöglich einzusetzen. Dabei helfen Formatvorlagen, wie sie z. B. von BOD für den Buchsatz bereitgestellt werden, eher wenig weiter, wenn der Nutzer im Umgang mit Word nicht ausreichend versiert ist. Zweitens ist die Qualität des Ergebnisses auf lange Sicht die bessere Entscheidung.

Wer beides nicht realisieren kann oder möchte, dem bleibt entweder nur ein Schnellschuss mit hohen qualitativen Abstrichen, die die (potentiellen) Leser womöglich entsprechend negativ quittieren, oder aber die Arbeit einem Profi zu überlassen. Die Entscheidung trifft wie immer jeder für sich alleine.

Ich hoffe, ich konnte mit dieser Blogreihe einen kleinen verständlichen Einblick in das Thema Buchsatz gewähren.

Buchsatz: Häufige Fehltritte

In meinem letzten Beitrag habe ich mich der Wahl der richtigen Schrift gewidmet. Heute möchte ich ein paar Worte zu den Stolpersteinen fallen lassen, die einem sonst noch im Buchsatz begegnen, und davon gibt es viel, viel mehr, als so mancher denkt. Einige Stolpersteine springen einem direkt ins Auge, während andere beim ersten Hinsehen wenig auffallen. Es kommt ganz auf das eigene geschulte Auge an. An dieser Stelle behaupte ich ganz frech, dass der aufmerksame und wissende Leser sie größtenteils erkennt und dass der ungeübte Leser sie zumindest unterschwellig wahrnimmt, allerdings nicht im positiven Sinn.

Flattersatz statt Blocksatz

Mir scheint es so, als käme der Flattersatz immer seltener vor, aber immer noch zu oft. Klar, er hat den Vorteil, dass Worte, die nicht mehr in eine Zeile passen, einfach in die nächste Zeile geschoben werden. Somit lassen sich unschöne Lücken – auf die komme ich später zu sprechen – vermeiden, aber im Gegenzug sieht der Rand „angefressen“ aus. Selbst wenn man hier mit manuellen Silbentrennungen nacharbeitet, ändert sich nichts daran.

Fakt ist: Flattersatz hat in einem Taschenbuch erst einmal nichts zu suchen. Allenfalls lässt er sich als optisches Stilmittel einsetzen, dann jedoch sehr sparsam und ist nicht zur Darstellung eines ganzen Romans geeignet.

Fehlender Erstzeileneinzug

Ebenfalls auf dem Rückzug der gemachten Fehler seitens Laiensetzer ist der fehlende Erstzeileneinzug. Hierbei ist zu beachten, dass der Einzug nicht den ersten Absatz eines neuen Kapitels betrifft. Jener wird stets bündig gearbeitet. Aber alle Absätze, die danach folgen, erhalten einen Erstzeileneinzug. Seine Funktion beläuft sich auf die leichte Lesbarkeit längerer Textpassagen. Der Leser erhält so die sofort zugängliche Information, wo er eine Pause im Textfluss einlegen und ohne große Suche wieder starten kann. Auf sehr dialoglastigen Seiten mag es einem komisch vorkommen, aber wer schon einmal eine Textwand mit nur einem Absatz je Taschenbuchseite ohne Erstzeileneinzug gesehen und versucht hat, zu lesen, weiß diese Hilfe sehr zu schätzen.

Zu häufige oder seltene Absätze

Absätze erleichtern das Lesen, geben dem Auge also eine Hilfe für Ruhepausen, unterbrechen so den Lesefluss und halten die wörtliche Rede von ein und derselben Person mit eingeschobenen Handlungen zusammen. Sie werden also gezielt gesetzt und nicht immer nach gut dünken. Anfänger begehen oft den Fehler und benutzen diese Möglichkeit, um andere Fehler zu vermeiden, damit kein Schuster, keine Hure auftaucht oder die Registerhaltigkeit gewahrt bleibt. (Gleich mehr dazu.)

Herauskommen dann wahre Textwände, die am besten ohne den erwähnten Erstzeileneinzug wahrhaft erschlagend wirken, oder bei mehreren einzeiligen Sätzen den Lesefluss an den unpassensten Stellen derart unterbrechen, dass das Lesen keinen Spaß mehr macht. Und nein, solche Aussagen wie ‚Ich liebe Absätze‘ haben absolut keine Berechtigung. Es geht bei Absätzen nicht darum, ob man sie liebt, sondern um deren Funktion und sinnigen Einsatz.

Abstände zwischen den Absätzen

Bleiben wir noch kurz bei den Absätzen, denn es gibt in diesem Bereich noch einen weiteren Fehler, den Abstand dazwischen.

Es existiert genau eine Regel: Zwischen Absätzen gibt es keinen gesonderten Abstand.

Die Absätze werden durch ganz normale Zeilenabstände voneinander getrennt. Einzige Ausnahme bilden gestalterische Elemente, wenn es z. B. eine längere Rückblende gibt oder Ähnliches. In Verbindung hiermit kommen auch verschönernde Bildelemente ins Spiel.

Registerhaltigkeit

Das Wort erzeugt nicht gerade bei wenigen Leuten ein oder gleich mehrere Fragezeichen über dem Kopf. Verständlich, denn es stammt aus der Bürotätigkeit und hat etwas mit Registern zu tun: strukturell einheitlich abgelegte Akten. Gelernte Bürokaufleute kennen das Hängeregister und mit dem Bild vor Augen wird vielleicht das Wort greifbarer.

Beim Buchsatz meint man keine einheitliche Ablage, aber einheitlich gestaltete Zeilen. Die Zeilen zweier Seiten im Buch (die linke und die rechte) sollen so in der horizontalen Lage ausgerichtet sein, dass sie linear verlaufen. Das ist aber noch nicht alles. Von der Registerhaltigkeit einer Buchseite wird auch verlangt, dass jede Seite bis zur letzten Zeile beschrieben ist. Einzige Ausnahme bildet hier das Kapitelende. Alle anderen Seiten, vom Kapitelanfang bis zur einschließlich vorletzten Seite, haben bündig unten abzuschließen.

Um dieses Ziel zu erreichen und dabei andere Fehler zu vermeiden wie das plumpe Herumspielen mit zu vielen oder wenigen Absätzen, braucht es typographisches Verständnis und wie man das benutzte Programm dazu bringt, genau das zu erzeugen.

Schuster, Huren und Fliegenschiss

Wie bereits früh erwähnt gibt es immer mal wieder Schuster, Huren und Fliegenschisse in Romanen. Gemeint sind keine Schimpfworte, sondern aus dem einstigen Beruf des Setzers stammende interne Fachbegriffe für ganz bestimmte Fehlertypen. Eine Freundin, die in dem Beruf noch gelernt hat, gab mir für die ersten beiden Begriffe zwei Merksätze mit auf den Weg.

Der Schusterjunge weiß nicht, wohin er geht.

Das Hurenkind weißt nicht, vorher es stammt.

Den Schusterjungen kennzeichnet ein beginnender Absatz auf der letzten Zeile einer Buchseite. Alle anderen Sätze finden sich auf der neuen Seite wieder. So fungiert der Beginn des neuen Absatzes wie ein Einzeiler, der oft genug mitten im Satz abbricht und wegen des Weiterführens auf der nächsten Seite auch noch den Lesefluss unterbricht. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, ist die Unterbrechung des Leseflusses nur bedingt erwünscht.

Beim Hurenkind verhält es sich umgekehrt. Hier ist die letzte Zeile eines Absatzes auf der nächsten Seite angeordnet, ehe sofort ein neuer Absatz anschließt. Auch hier gilt, was ich über den Lesefluss bereits gesagt habe. In einigen Fällen kann das Hurenkind auch zum sog. Fliegenschiss degenerieren.

Den Fliegenschiss erkennt man daran, dass nur wenige Zeichen in die letzte Zeile eines Absatzes gerutscht sind. Passieren kann das mittels Silbentrennung oder mit einem einzelnen kurzen Wort, das nur aus einer Silbe besteht. Letzteres ist meist verkraftbar, während die Trennung eines Wortes wie z. B. „wollte“ in „woll-“ und „te.“ als letztes Wort am Ende des Absatzes einfach nur grausam aussieht.

Silbentrennungen

Silbentrennungen sind an sich keine üblen Kniffe. Sie helfen insbesondere beim Blocksatz, unschöne Lücken zu vermeiden. Allerdings können sie schnell unansehnlich werden, wenn sie in Gestalt von Rudeltieren auftauchen, einen Fliegenschiss verursachen oder unschöne Wortkonstrukte hervorbringen. Ich sage nur: Ur-instinkt oder Urin-stinkt.

Betrachten wir uns einmal eine Buchseite mit den Angaben 12,5 x 19 cm Endformat und einer Zeilenanzahl um die 32. Es wären also maximal 32 Silbentrennungen möglich. Sehr sinnvoll ist das leider nicht und dennoch gibt es Kandidaten im Buchsatz, die 5 und mehr in Reihe geschaltet haben, egal, ob noch weitere auf der gleichen Seite auftauchen oder es sich hierbei um die einzigen handelt. Silbentrennungen unterbrechen nicht nur den Lesefluss, sie sehen ab einer gewissen Anzahl auch echt scheiße aus. Wer es auf die Spitze treiben möchte, produziert dazwischen auch noch einen Gedankenstrich am Ende der Zeile. Die optische Katastrophe ist dann komplett.

Also Augen auf im Umgang mit Silbentrennungen! Es sollten nicht zu viele auf einer Seite vorkommen. In dem von mir erwähnten Beispiel mit 32 Zeilen sind 5 bis maximal 8 Trennungen (persönliche Empfehlung) durchaus akzeptabel. Weniger sind natürlich zu priorisieren.

Lücken im Text

Auf den Stichpunkt haben wohl schon einige gewartet. Ja, das ist der weit bekannte Klassiker unter den Fehltritten im Buchsatz. Besonders häufig tauchen (große) Lücken bei langen Worten innerhalb einer Zeile auf. Aber auch bei vielen kleinen bis mäßig langen Worten kann es zur Lückenbildung kommen. Wie man sie bereinigt, ist situationsbedingt, hängt also vom Text selbst ab. Silbentrennungen sind eine Möglichkeit, Spationierung eine andere. Gelegentlich hilft auch das Verschieben eines Absatzes. Und wenn all das nichts bringt, muss man sich fragen, ob man nicht doch das eine oder andere Füllwort (falls vorhanden) streicht oder den Satz umstellt oder leicht umschreibt. Bevor jedoch neu geschrieben oder umgestellt wird, gilt es, alle anderen Kniffe auszuprobieren. Denn für gewöhnlich wird der Buchsatz erst angegangen, wenn Lektorat und Korrektorat erfolgt sind. Derartige Eingriffe besitzen ein sehr hohes Fehlerpotential.

Schlusswort

Es gibt durchaus noch mehr Fehler, die man beim Buchsatz im gesamten Werk hervorbringen kann. Aber diese Übersicht soll erst einmal genügen, da alleine diese Fehlerquellen einem Setzer schon viel Können – im Umgang mit der richtigen Software – typographisches Wissen sowie ein geschultes Auge abverlangen.

Buchsatz ist nichts, was sich im Vorbeigehen einfach so erledigen lässt, erst recht nicht mit Templates wie sie z. B. von BOD oder anderen Quellen kostenfrei bereitgestellt werden. Solche Templates (z. B. die allseits bekannten Worddokumente) haben nur gewisse Grundeinstellungen, die an das Format geknüpft sind. Darunter fallen das Format selbst (z. B. 12,5 x 19 cm), die Ränder, Aufbau des Buchblockes/Innenlebens, Durchnummerierung der Seiten usw.

Warum wird dann so ein Hilfsmittel bereitgestellt?

Nun die Antwort ist simpel, auch wenn sie dem einen oder anderen jetzt sauer aufstößt. Nehmen wir einmal BOD. BOD ist ein Dienstleister und die Templates eine Seviceleistung, um dem Kunden eine schnelle Veröffentlichung zu ermöglichen, weil dessen Kenntnisse im Umgang mit gewissen Programmen nicht ausreichen. Templates sind ein Marketing-Werkzeug gedacht zur Kundenbindung und nicht, um einem den Buchsatz zu ermöglichen. So einfach ist das.

Wen ich mit dieser abschließenden Antwort nicht verprellt habe, ist herzlich eingeladen, sich auch den abschließenden Artikel durchzulesen, sobald jener erschienen ist. Thematisch wende ich mich dann den Setz- und Schreibprogrammen zu.

Welche Schrift ist geeignet?

Eine essentielle Frage, wenn es darum geht, ein Buch zu setzen. Der ganze Satz steht und fällt mit einer Antwort darauf. Aber auch Schriftgröße und Zeilenabstand sind eng mit dieser Entscheidungsfrage verknüpft. Gemeinsam bilden diese drei Komponenten ein hoffentlich ansehnliches Textbild. Bevor ich anhand eines Blindtextes einige Beispiele anführe, möchte ich kurz aufzählen, worauf es bei der Auswahl der richtigen Schrift in der Belletristik ankommt.

Serifen

Serifen erkennt man an den Linien am Buchstabenende, die quer zur Grundausrichtung verlaufen, z. B. hier beim T. Sie haben die Eigenschaft, das Auge beim Lesen unbewusst zu führen, weshalb sie auf diese Weise den Lesefluss begünstigen. Das ist ein sehr hilfreiches Element in der Belletristik, denn nichts ist schlimmer für den Leser, als aus dem Lesefluss gerissen zu werden. Natürlich gibt es noch mehr Möglichkeiten, die den Lesefluss unterbrechen, aber mit Serifenschriften lässt sich dieser eine Stolperstein schon einmal aus dem Weg räumen.

Kursivschrift

Nicht immer verfügt eine Schrift auch über ein in kursiv gestaltetes Pendant. Hiermit ist nicht einfach die Formatierung „kursiv“ gemeint, die in allen Textverarbeitungsprogrammen standardmäßig enthalten ist (siehe z. B. Word oder Papyrus). Diese Funktion sorgt nur dafür, dass Buchstaben schräg gestellt werden. Schriften, die also nicht über eine eigene Kursivschrift verfügen, sehen in dieser Formatierung oftmals unschön aus. Es gibt wenige Gründe in der Belletristik, die Kursivschrift anzuwenden, aber sobald das geschieht, ist sie eine echte Bereicherung, weil sie sich natürlich liest, elegant aussieht und nicht wie der schiefe Turm von Pisa. Manchmal gilt es aber auch einfach abzuwägen, ob der Nutzen einer integrierten Kursivschrift ausreicht, eine ansonsten andere Wahl ohne Kursivschrift zu verwerfen, die jedoch für den Text an sich besser geeignet ist.

Textunterstützend

Eine Schrift sollte immer so gewählt sein, dass sie den Text sich entfalten lässt, ohne selbst im Vordergrund zu stehen. Es gibt wunderschön verschnörkelte und verspielte Schriften. Leider lenken sie ab einem gewissen Grad der künstlerischen Darbietung vom Lesen ab. Aus dem Grund sind solche Schriften, gerne auch serifenlose, eher für Überschriften geeignet, sofern sie zum Genre passen. Im Genre Romance wird damit gerne gespielt, ebenso mit sehr aufwendig dargestellten Initialen, das sind die übergroßen Buchstaben am Anfang eines Kapitels. Sie werden auch Schmuckinitialen genannt.

Auswahl klassischer Serifenschriften in der Belletristik

Nachstehend sind die Schriften Palatino Linotype, Georgia, Garamont, Goudy Old Style im Vergleich zueinander und auch zur immer noch oft verwendeten Times New Roman dargestellt. Letzteres ist übrigens ein No-Go, aber sie erfreut sich anscheinend noch großer Beliebtheit unter eher unerfahrenen Selfpublishern. Der Grund mag darin liegen, dass diese Schrift sehr eng gefasst ist und sich daher auch überaus gut für den Zeitungsdruck eignet, wofür sie ursprünglich mal entworfen wurde. Wenig beanspruchter Platz spart Seiten und die kosten Geld. Die Rechnung ist simpel, geht jedoch zu Lasten der Lesbarkeit. Times New Roman ist zwar eine Serifenschrift, aber durch ihre sehr eng stehenden Buchstaben unschön fürs lange Lesen. Kurz gesagt: Times New Roman ermüdet die Augen. Die anderen ausgewählten Schriften sind auf jeden Fall ausladender, aber mit dem richtigen Buchsatz lässt sich hier viel herausholen, ohne dabei den Lesefluss anzugreifen oder hohe Kosten in Form von vielen Seiten zu produzieren.

Kommen wir nun zu den Schriftbeispielen anhand eines Blindtextes (Quelle: https://www.lustigonline.de/blindtext/).

Wie bei diesen Beispielen zu sehen ist, unterscheidet sich das Schriftbild grundlegend und verdeutlicht zugleich das Zusammenspiel von Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand. Je nach Wahl der Schrift müssen die letzten beiden Komponenten des Schriftbildes noch angepasst werden.

Garamont ist mit ihren 11pt zu klein für einen Druck und es müsste auch noch der Zeilenabstand vergrößert werden, auf schätzungsweise 1,2 oder 1,3 bei einer Schriftgröße von 11pt.

Georgia dagegen sähe in Schriftgröße 10pt besser aus. Den Zeilenabstand könnte man so lassen bzw. minimal vergrößern. Auch Palatino Linotype eignet sich für den Druck in Schriftgröße 10pt, aber auch in 10,5 oder maximal 11. Sehr positiv im Hinblick auf die Kursivschrift fallen Garamont und Goudy Old Style auf. Hier sieht man, dass sie nicht nur kursiv gestellt werden. Bis auf Times New Roman eignen sich aber auch die anderen Schriften noch für die Nutzung dieser Formatierung.

Ich hoffe, der Einblick in das Zusammenspiel von Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand war interessant, lehrreich und hat das Verständnis für den Buchsatz ein bisschen verbessert. Denn die Klärung der Frage, Welche Schrift ist geeignet?, bildet das Grundgerüst für den Buchsatz, ohne das die Layout bestimmenden Faktoren wie Format, Seitenränder und Bundsteg nicht auskommen und das anschließende Feintuning nicht anlaufen kann.

Was ist der Buchsatz?

Was ein Lektorat oder ein Korrektorat ist, bedarf seltener einer Erklärung als die Erwähnung des Buchsatzes. Alleine das Wort wirft bei vielen Fragen auf. Also klären wir dessen Bedeutung und den Zusammenhang zum Buchaufbau.


Der Buchsatz beginnt beim Buchaufbau

Unter dem Buchsatz versteht man das Layout des Werkes zwischen den Buchdeckeln – dem Cover auf  Vorder- und Rückseite. Dabei unterscheidet man zwischen dem groben Buchaufbau und der feineren Darstellung des darin abgelegten Textes. Zum Aufbau gehören:

  • Titelei (Schmutztitel, Vakatseite(n),
  • Titelblatt und Impressum)
  • Inhaltsverzeichnis
  • Text
  • Anhang

Bei der Titelei kann es zu Abweichungen des verlagsgeprägten Aufbaus (siehe Aufzählung) kommen. Es können – aber müssen nicht – mehrere Vakatseiten verwendet werden. Sie dienen der Platzierung von Widmung, Vorwort usw.

Bei der Titelei kann es zu Abweichungen des verlagsgeprägten Aufbaus (siehe Aufzählung) kommen. Es können – aber müssen nicht – mehrere Vakatseiten verwendet werden. Sie dienen der Platzierung von Widmung, Vorwort usw.

Dagegen ist das Impressum ein gesetzlich vorgeschriebenes Element (§5 TMG). Das Gesetz regelt jedoch nicht dessen Platzierung. Es ist also legitim, das Impressum auch ans Ende des Buches in den Anhang zu setzen.

Das Inhaltsverzeichnis ist in der Belletristik nicht zwingend notwendig, es erleichtert jedoch dem Leser die Orientierung und wird am besten nachfolgend zur Titelseite platziert. Bis zu Beginn des ersten Kapitels, das stets auf einer ungeraden Seite anfängt, tragen die Seiten davor keine Seitenzahl.  Man sagt auch, sie besitzen keine Paginierung oder sind nicht paginiert. Trotzdem werden sie gezählt, sodass mit der ersten Seite des ersten Kapitels die Paginierung nicht mit Null beginnt.

Im Anhang finden sich dagegen meist Quellenangaben, Werbung (siehe Belletristik), ein Nachwort usw. 


Das Herzstück eines Buches

Im Vergleich zum eigentlichen Text sind Titelei und Anhang weniger aufwendig in der Arbeit. Um den Text in eine ansprechende Leseform zu bringen, bedarf es mehr als der einfachen Formatierung von Schriftgröße, Zeilenabstand und Platzierung des Textes auf einer Seite. Achtgeben muss man auf folgende Faktoren:

  • Passende Schriftart und -größe
  • Zeilenabstand
  • Textlücken
  • Registerhaltigkeit der Zeilen, bündig abschließend/spiegelgleich
  • Vermeidung von Formatierungsfehlern, wie
    • Unvorteilhafte Seitenränder
    • Falsche Ausrichtung vom Text, richtig wäre der Blocksatz
    • Eingerückte erste Zeile eines jeden Absatzes; Ausnahme ist der erste Absatz eines neuen Kapitels
    • Keine Leerzeilen zwischen unterschiedlichen Absätzen
    • Hurenkinder
    • Schusterjungen
    • Fliegenschiss
    • Mehrfach aufeinanderfolgende Leerzeichen
    • Fehlende Leerzeichen
    • falsch verwendete Punkte, z. B. drei aufeinanderfolgend als Auslassungszeichen
    • Anzahl und Art von Silbentrennungen
    • Gleichmäßig bündig abschließender Text auf den Seiten; Ausnahme ist die letzte Seite eines Kapitels

Wie anhand der Aufzählung zu sehen ist, gibt es sehr viele Fallstricke und das sind noch nicht einmal alle, über die man beim Setzen eines Buches stolpern kann. Es ist eine Arbeit, die noch immer per Hand ausgeführt wird, zwar mit Unterstützung verschiedenster Programme, aber eben nicht automatisch. Zudem ist sie je nach Buchumfang durchaus zeitaufwendig. Es lohnt sich jedoch, diesen Arbeitsschritt akkurat auszuführen oder ausführen zu lassen. Das Ergebnis ist, bei Beachtung aller Faktoren fürs Setzen, hoch professionell und kann mit Verlagsbüchern konkurrieren.

Ich selbst arbeite mit einem Layoutprogramm. Man kann – die Betonung liegt auf kann – auch mit MS Word (findet rege Benutzung beim Schreiben von Manuskripten) einen Buchsatz hinbekommen. Doch dafür muss man das Programm sehr gut kennen. Allerdings wird man hier an irgendwelchen Stellen des Setzens immer Abzüge hinnehmen müssen oder es müssen komplizierte bzw. verworrene Einstellungen vorgenommen werden, um denselben Effekt wie in einem Layoutprogramm zu erzeugen. 


Das Arbeiten am Buchsatz ist nicht trivial!

Sehr wichtig ist die Registerhaltigkeit von Zeilen. Registerhaltig bedeutet, dass die Zeilen deckungsgleich auf der Vorder- und Rückseite einer jeden Buchseite sein müssen. So beginnt der Text stets auf der gleichen Höhe und schließt bündig unten auf der Seite ab. Ausgenommen sind hierbei nur die Kapitelüberschrift und die letzte Seite eines jeden Kapitels.

Ein immer wiederkehrendes Ärgernis, das man mit einer einzigen Einstellung eben nicht loswerden kann, sind Hurenkinder, Schusterjungen und der Fliegenschiss. Sie sind typografische Fehltritte erster Ordnung und entlarven neben den genauso häufig auftretenden Textlücken den Anfänger unter den Selfpublishern. 

Nicht selten ist die Behebung dieser Fehler umfangreich und gleich ein ganzes Kapitel betroffen. Eine große Textlücke ist behoben und erzeugt als Folge einen oder gleich mehrere der oben genannten drei Fehltritte. Dann werden Sätze verschoben, Worte ausgetauscht, die Spationierung verändert und Absätze zusammen oder auseinandergezogen – wo es passend erscheint – u. v. m. Am Ende soll ein akzeptables Ergebnis stehen. 

Das kann zu einer sehr zeitraubenden Arbeit ausarten. Man stelle sich vor, ein Kapitel umfasst 20 Taschenbuchseiten und auf jeder taucht mindestens ein Fliegenschiss, Hurenkind oder Schusterjunge auf. Daraus kann schnell mehr als eine 1 stündige Mission werden. Dass der Aufwand sich lohnt, ist anhand von verlagsnahen Ergebnissen unbestritten. Jedem der diese Arbeit nicht liegt, sollte sie im Interesse eines professionellen Auftretens in kundige Hände übergeben.