Zwei mögliche Publikationswege: Verlag und Selfpublishing

Gratulation! Du hast dein erstes Buch geschrieben. Du kannst dir auf die Schulter klopfen und stolz darauf sein. Ich meine das ernst. Das schafft nicht jeder. Schreiben ist Handwerk und ein Schreibprojekt zu beenden, erfordert auf jeden Fall Disziplin.

Aber wie geht es nun weiter? Es geht doch weiter, oder? Du hast ja nicht nur für dich selbst geschrieben.

Nö, ich möchte schon gerne veröffentlichen.

Wusste ich es doch. An dieser Stelle sei gewarnt. Es gibt viele Stolpersteine. Und welche das sein werden, liegt an deiner Entscheidung, auf welchem Weg du veröffentlichen willst. Grundsätzlich gibt es für dich zwei Möglichkeiten: Verlag und Selfpublishing.

Verlag

Der klassische Weg zur Buchveröffentlichung führt über einen Verlag und ist somit auch der bequemste, aber leider auch der langatmigste. Als Autor schreibt man sein Buch und gibt die Arbeit danach an andere weiter und kassiert seine Tantiemen. So sieht die Vorstellung noch heute bei sehr vielen aus und sie stimmt zum großen Teil ja auch. Das Ding ist nur, dass es mit dem Schreiben und Weggeben nicht ganz so simpel ist.

Erst einmal musst du den für dein Werk passenden Verlag finden. Verlage führen ein sog. Verlagssortiment, das nach Genre unterteilt ist, und nehmen daher auch nur solche Manuskripte an, die in diese Auswahl fallen. Eingeschränkt wird das jedoch vom wirtschaftlichen Denken des Verlages. Verspricht ein Manuskript wenig bis keinen Umsatz zu generieren, winkt eine Ablehnung, wenn du Glück hast bekommst du sogar eine schriftliche Begründung. Damit würde ich aber nicht rechnen, Verlage werden jährlich mit Bewerbungen für ihr Sortiment überschwemmt. Eine Bewerbung ist dennoch einen Versuch wert.

Dazu musst du auf der Website des von dir ausgesuchten Verlages nach den Kontaktdaten und Einsendebedingungen schauen, vermutlich sogar via eMail erfragen. Da ein Verlag auf den Verkauf von Büchern ausgelegt ist, wird dich diese Information nicht gleich auf der ersten Seite anspringen. Darauf solltest du achten. Es kann passieren, dass von dir verlangt wird, dein Manuskript vorab nach Vorgabe zu formatieren: Schriftart, -größe usw.

Wieso muss ich das machen? Ich kann doch einfach auch so alles hinschicken.

Klar, könntest du das. Aber es gibt einen Grund für solche Anforderungen, die von Verlag zu Verlag unterschiedlich sein können. Auf diese Weise haben alle Einsendungen die gleiche Norm und sind einfach zu handhaben, aber sie geben auch Aufschluss darüber, wie gut du darin bist, Anweisungen zu befolgen, die während der Bearbeitungsphasen (Lektorat/Korrektorat) auf dich warten (können). Wenn du hier schon eigenbrödlerisch daherkommst, sieht es für deine Bewerbung nicht gut aus.

Das ist mir zu viel Aufwand. Dann gehe ich lieber zu einem Verlag, der mich auch so nimmt. Es gibt welche, die fordern einen Autor sichtbar dazu auf, sein Manuskript einzusenden und haben keine großen Anforder…

STOP! Wovon du da redest ist ein DKZV (Druckkostenzuschussverlag), ein schwarzes Schaf in der Buchbranche. Offenbar ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über Folgendes zu reden:

Druckkostenzuschussverlag

Du erkennst einen DKZV (Druckkostenzuschussverlag) daran, dass sie für ihr Versprechen, dein Manuskript ohne großes Wenn und Aber auf den Buchmarkt (ISBN inklusive) zu bringen, Geld verlangen. Ein Verlag nimmt niemals Geld von dir und finanziert alle nötigen Leistungen wie Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Buchsatz, Vertrieb, Lagerung und Marketing aus eigener Tasche. Wenn Geld fließt, dann nur zu dir, niemals von dir weg. Merke dir das gut.

In der Vergangenheit sind viele DKZV’s auf öffentliche Listen gerutscht, die sie als das benennen, was sie sind: schwarze Schafe der Buchbranche. Tja, daraus haben auch sie gelernt und tarnen sich immer besser, z. B. hinter vermeintlich seriösen Websites und elegantem Geschäftsgebaren. Es ist nicht mehr so leicht wie früher, sie zu erkennen, außer sie haben in der Gestaltung ihrer Websites richtig danebengegriffen. Besonders der verführerische Aufruf zum Einsenden jeglicher Manuskripte, weil der Verlag ja händeringend danach sucht, ist von der Hauptseite irgendwo auf eine Unterseite gerutscht und ist bei weitem nicht mehr so auffällig gestaltet. Das Gleiche gilt für die Kosten, die dich dort totsicher erwarten.

Siehst du dich aufmerksam auf solchen Websites um, stößt du spätestens auf einer der Unterseiten auf Sachen wie nachstehend aufgelistet:

„Haben Sie dafür Verständnis, dass wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen können, das uns erreicht.“

„Wir prüfen Ihr eingereichtes Manuskript und machen Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot.“

Das sind jetzt genau zwei Beispiele, die mir noch gut in Erinnerung geblieben sind, als ein DKZV an meine Tür geklopft hat und meine Dienste in Anspruch nehmen wollte. Nach eingehender Prüfung habe ich dankend abgelehnt, weil ich so eine Geldmacherei nicht unterstütze und auch nicht sicher sein kann, ob das mit der Bezahlung an mich so reibungslos verläuft.

Eine solche Wortwahl wie in meinen angeführten Beispielen ist entlarvend, obwohl sie elegant erscheint, richtig professionell eben. Es handelt sich aber um den berühmten Wolf im Schafspelz. Jemand der sich in der kaufmännischen Kommunikation nicht auskennt, wird jetzt vielleicht nicht verstehen, was ich meine. Daher erkläre ich es gerne einmal.

Satz 1:
„Haben Sie dafür Verständnis, dass wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen können, das uns erreicht.“

Hierbei handelt es sich um eine indirekte Aufforderung zum Einsenden deines Manuskriptes und enthält zugleich das Versprechen eine hohe Chance, genommen zu werden. Die Schlüsselwörter sind hier „nicht jedes Manuskript“, was im Umkehrschluss heißt wie: Die meisten Manuskripte nehmen wir aber doch. Eine nähere Erläuterung fehlt fast immer und auch das Sortiment gibt selten Aufschluss, welche Genres unerwünscht sind. Wozu auch? Jedes Manuskript ist eine potentielle Geldquelle.

Satz 2:
„Wir prüfen Ihr eingereichtes Manuskript und machen Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot.“

Mit absoluter Sicherheit wird ein Angebot kommen, nämlich ein Angebot, bei dem der Autor zur Kasse gebeten wird. Denn das bedeutet dieses Wort. Ein Angebot kann auch als Offerte bezeichnet werden. Es beinhaltet stets eine Leistung zu einem gewissen Gegenwert und ist überdies verbindlich für denjenigen, der es ausspricht. Sobald es angenommen wird, kommt ein Vertrag zustanden, nur mal so als Randbemerkung.

Fazit: Du wirst hier auf jeden Fall dein Geld los. Die Qualität des Gegenwertes (deine Veröffentlichung) ist dagegen fraglich.

Ein DKZV hat keinerlei Interesse, dein Buch zu pimpen und in den Medien zu pushen. Ein DKZV verdient an DIR, nicht am Buchverkauf. Das ist ein netter, aber vernachlässigbarer Nebeneffekt, wenn er denn eintrifft.

Erinnerst du dich, was ich weiter oben bei den Verlagen geschrieben habe? Deren Websites sind so aufgebaut, dass sie ihre Bücher anpreisen, weil sie sie verkaufen wollen. Ruf dir mal die Seite von Verlagen wie Heyne, Cornelsen, Bastei Lübbe auf und dann einen wie du ihn erwähnen wolltest. Was fällt dir im Vergleich auf? Die Aufmachung und Ansprache sind komplett unterschiedlich. Gut das sind nun die großen Verlage, aber auch Kleinverlage sind darauf aus, ihre Bücher zu verkaufen, sie haben noch weniger Geld, um all die vielen Autoren, die jährlich auf den Markt drängen, unter Vertrag zu nehmen. Achte also bei Verlagsseiten, die dir nicht bekannt sind, auf genau solche Merkmale.

Seriöse Verlage legen nie den Schwerpunkt darauf, Autoren zu gewinnen, sondern darauf Bücher zu verkaufen!

Bist du dennoch an einen DKZV geraten und kommst irgendwann auf die Idee, deine Veröffentlichung zurückziehen zu wollen und woanders zu veröffentlichen, werden große Probleme auf dich zukommen. Ein DKZV gibt ungerne und vor allem nicht freiwillig seine Rechte an dem Manuskript an dich zurück. Das endet nicht selten mit der Hilfe eines Anwaltes, dauert lange, kostet Nerven und Geld, DEIN Geld. Es gibt genug Autoren, die darauf reingefallen sind und ein Lied davon singen können.

Abgesehen davon endet eine Veröffentlichung über einen DKZV – viele sind bei den Profis der Buchbranche als solche leicht erkennbar – auch mit einem Image-Schaden für dich. Ein seriöser Verlag wird dein Manuskript danach vermutlich nicht mehr in sein Sortiment aufnehmen wollen, sollte das noch immer dein Ziel sein. Außerdem gelangt dein Buch nicht in den stationären Buchhandel. Bücher von DKZV’s findest du dort nicht. Rate mal wieso?

Selfpublishing

Die einzig denkbare Alternative zur Verlagsveröffentlichung ist das Selfpublishing. Und ja, das kostet Geld, dein Geld, und das darf es auch. Selfpublishing oder kurz SP genannt ist nichts anderes als die Eigenpublikation. Umgangssprachlich wird es auch als Selbst- oder Eigenverlag bezeichnet. Wobei das Wort Verlag sehr irreführend ist. Es steckt in der Regel nämlich kein Unternehmen dahinter, sondern du als Autor höchstpersönlich. Wenn du dich also nicht gerade mit einem eigens gegründeten Verlag – das beinhaltet eine Firmengründung – selbstständig gemacht hast, dann ist diese Übersetzung nicht zutreffend.

Aber gut, zurück zum Wesentlichen. Im Selfpublishing kümmerst du dich selbst um all die Prozesse, die normalerweise ein Verlag übernimmt. Somit obliegen auch dir alle anfallenden Kosten. Guck mich nicht so zerknirscht von der Seite an. DAS ist die Aufgabe eines Verlages.

Aber ich habe gehört, dass Selfpublisher schlechte Autoren sind und minderwertige Bücher produzieren.

Das Vorurteil hält sich leider hartnäckig. Noch immer hat das SP einen durchwachsenen Ruf, aber er verbessert sich stetig. Das liegt an den vielen professionellen und seriösen Dienstleistern, die mit hochmotivierten Autoren zusammenarbeiten, um ein möglichst qualitativ hochwertiges Buch auf den Markt zu bringen. Hier hast du – obwohl die Kosten auf deiner Seite liegen – die volle Kontrolle. Du alleine entscheidest, mit wem du zusammenarbeitest und kontrollierst auf diese Weise den Kostenfaktor UND Qualitätsfaktor. Wenn also im SP Schund auf den Markt geworfen wird, dann liegt die Ursache irgendwo auf dem Weg vom Schreiben bis zur Veröffentlichung, sprich an dir und/oder an einem Dienstleister.

Beachte: Niemand wird als Profi geboren und auch Dienstleister können nur mit dem arbeiten, was sie bekommen. Wenn du also gute Arbeit ablieferst, dann können sie daraus viel machen. Voraussetzung ist, sie beherrschen ihr Handwerk so wie du deines.

Den negativ behafteten Ruf hat das Selfpublishing also meist den Autoren zu verdanken, die sich nicht angemessen um die Qualität ihrer Werke kümmern. Besonders zu Anfang war das ein Problem, denn Dienstleister waren Mangelware. Heute ist das zum Glück anders und niemand kann sich herausreden, keine Hilfe bekommen zu haben, weil es keine gibt.

Die Finanzierung dieser Hilfe ist jedoch weiterhin ein Streitthema. Natürlich kostet die Hilfe eines Lektors, Korrektors, Buchsetzers oder Coverdesigners Geld. Würdest du umsonst arbeiten und wüsstest später nicht, wie du Miete, Strom, Versicherung, Essen und all die anderen Ausgaben in deinem Leben bezahlen kannst? Wohl kaum.

Habe ich denn auch Vorteile auf meiner Seite, wenn ich schon alle Kosten tragen muss?

Aber sicher. Dir alleine gehören alle Rechte am Manuskript und die Nutzungsrechte, die du mit den engagierten Dienstleistern vereinbart hast. Darunter fallen die Leistung des Lektorates, Korrektorates, Coverdesigns und Buchsatzes. Die behältst du auch, wenn du dein Werk zwecks Veröffentlichung an einen Distributor (Vertriebler) überstellst.

Stellst du all die Kosten aus dem SP, die du bis hierhin zu tragen hast, denen eines DKZV’s gegenüber, wirst du schnell erkennen, dass das günstiger ist als deren horrende Angebote. Wenn es schon dein Geld kosten soll, dann sei clever.

Ja, das klingt einleuchtend. Und die Dienstleister sind auch alle vertrauenswürdig?

Nicht alle. Leider gibt es auch unter ihnen schwarze Schafe. Damit du gewappnet bist im Dienstleistervergleich, empfehle ich dir meinen Blogartikel mit dem Titel Seriöse von unseriösen Dienstleistern unterscheiden. Dort erkläre ich dir, worauf du auf jeden Fall achten solltest.

Fazit

Generell kann ich das Selfpublishing sehr empfehlen. Du bist frei in deinen Entscheidungen, stehst aber auch überall in der Pflicht, dich selbst zu kümmern. Davor schrecken viele Autoren im ersten Moment zurück und der vermeintlich schlechte Ruf erledigt den Rest. Lass dich von beidem nicht abhalten, wenn es bei einem Verlag nicht klappen sollte.

Ein anständiger SPler beweist, dass er sich auf dem Spielfeld der Publikation behaupten kann, wenn er sich mit den richtigen Dienstleistern zusammentut. Ein SPler macht in dem Moment das Gleiche wie ein Verlag und ist damit ein Konkurrent. Und was macht man mit Konkurrenten? Zum Beispiel diskreditieren.

Nebenbei ist eines auch Fakt: Viele (nicht alle!) Verlage outsourcen selbst. Sie holen sich die Dienstleister (Lektoren, Korrektoren, Coverdesigner usw.) von außen dazu, statt sie intern dauerhaft anzustellen. Es ist kostengünstiger und daher nur logisch für ein Wirtschaftsunternehmen, das seine internen Kosten (Gehalt/Lohn) verringert bzw. niedrig halten will.

Und da sollen die mit Dienstleistern arbeitenden SPler schlechter als Verlage sein, die das Gleiche machen? Klingt nicht einleuchtend, oder? Siehste. Sie sind nicht schlechter, sie sind nur Konkurrenten oder wie man im Kaufmännischen auch gerne sagt „Mitbewerber“ und die kann man in der eigenen Nische selten gebrauchen.

Wie du siehst, steht dir der Weg frei, wie du dein Buch veröffentlichst. Es ist deine Entscheidung, was es werden soll: Verlag oder Selfpublishing.

Seriöse von unseriösen Dienstleistern unterscheiden.

Seit das Selfpublishing aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, boomt der Dienstleistungssektor an allen Ecken und Enden. Die Arbeiten, die normalerweise ein Verlag übernimmt – Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, eBook-Erstellung, Coverdesign, Vertrieb und Marketing – obliegen im Selfpublishing den Autoren. Natürlich ist niemand ein Multitalent. Es bleibt also die Wahl, jemanden dafür zu engagieren und damit regulär in Vorkasse zu treten, so wie Verlage es machen, oder das eigene Werk mit vermutlich übermäßig vielen Schwächen zu veröffentlichen. Letzteres zieht häufig und vor allem schnell eine negative Reaktion nach sich. Es empfiehlt sich also nicht.

Outsourcende Autoren stehen nun vor der Frage: Woran erkenne ich einen seriösen Dienstleister?

Diese Frage sollte sich wirklich jeder stellen und nicht leichtfertig außer Acht lassen, denn man kann im Zeitalter des Internets sehr schnell auf schwarze Schafe hereinfallen. Erst kürzlich musste ich lesen, wie wieder jemand auf einen sog. Lektoren-Kollegen hereingefallen ist.

Geld weg. Keine Leistung.

Übler kann eine Auftragserteilung gar nicht laufen, denkt ihr? Oh doch.

Geld weg. Keine Leistung UND keine Kontaktdaten!

Somit sind natürlich auch Ansprüche schwer durchzusetzen. Wie will man jemanden anmahnen, den Fall an ein Inkasso-Unternehmen übergeben oder gar zivilrechtlich verklagen, wenn man absolut nichts in der Hand hat? Ja, solche Fälle sind möglich.

Damit euch das nicht passiert, gebe ich euch eine ausführliche Hilfestellung. Für den einen oder anderen sind die nachstehenden Erläuterungen Alltag, aber für manche eben nicht. Und vielleicht ist selbst für erfahrene Autoren noch ein Stück neues Wissen dabei.

Hürde 1

Bei der Suche nach Lektoren und Co. werdet ihr recht schnell fündig. Anfragen und Gesuche z. B. bei Facebook und Instagram bleiben nie unbeantwortet. Legt euch eine Liste dieser Ergebnisse an. Sie sollte für den Anfang folgende Punkte enthalten:

  • Namen
  • Account (FB und/oder Instagram)
  • Website

Anhand dieser Punkte könnt ihr bereits aussieben. Viele Autoren gehen hin und treffen ihre Vorentscheidung aufgrund von Preisvorstellungen. Das ist mitunter eine der ersten Fragen. Leistung darf möglichst wenig kosten. Ich kann das bis zu einem gewissen Punkt auch verstehen, aber dieses Kriterium solltet ihr euch besser für sehr viel später aufheben. Im Vorfeld ist etwas anderes wichtig.

Ein seriöser Dienstleister sorgt für grundlegende Transparenz und das fängt beim Namen und Account bzw. Fanpage an. Wenn ihr hier kein Impressum oder einen Fantasienamen vorfindet: Finger weg! Ausgenommen sind Künstlernamen, die können sogar im Personalausweis eingetragen sein und sind rechtlich anerkannt. Damit dürfen sogar Verträge abgeschlossen werden. Achtet dennoch auf Quellen zu bürgerlichen Namen.

Gleiches gilt, wenn die Chronik auf Facebook nicht einsehbar ist, weil man nicht befreundet ist. Einzige Ausnahme, diesen Dienstleister nicht sofort zu ignorieren, wäre hier ein Link zu dessen beruflicher Website. Diese solltet ihr auf jeden Fall auf folgende Punkte prüfen:

  • Datenschutzerklärung
  • Impressum
  • Transportverschlüsselung

Mir ist klar, dass besonders die Datenschutzerklärung jeden Website-Betreiber vor eine große Herausforderung stellt, aber wer mit seiner Tätigkeit seinen Lebensunterhalt bestreiten will und dafür eine Website benötigt, wird diese gesetzliche Hürde nehmen müssen. Außerdem gibt es im Internet Anbieter, die einem kostenlos ein Grundgerüst bereitstellen. Für alles andere muss ein Anwalt konsultiert werden, wenn man selbst nicht durchsteigt und auf Nummer sicher gehen will. So ist das Geschäftsleben und seriöse Dienstleister sind halt Geschäftsleute.

Gleiches gilt doppelt und dreifach für das Impressum. Es muss rechtsgültig angelegt sein. Mehr dazu findet ihr bei der IHK. Seid ihr der Annahme, dass es sich um die Adresse eines Impressum-Services handelt, seid vorsichtig. Wer hier nicht mit offenen Karten spielt, aber alle nötigen Daten zur Auftragsbearbeitung seiner Kunden verlangt, handelt mindestens zweifelhaft und im schlimmsten Fall unseriös.

Achtet auch auf die Transportverschlüsselung (https) in der Eingabezeile eures Browsers, besonders, wenn auf der Website via Formulare Daten übermittelt werden. Steht vor dem www nur ein http können beim Senden eure Daten von Dritten abgegriffen werden. Datenklau will wohl niemand.

Hürde 2

Nach dieser Aussiebung gibt es sicher noch einige potentielle Bewerber. Aber auch jetzt ist die Preisfrage noch nicht relevant. Viel mehr solltet ihr euer Augenmerk nun auf folgende Punkte richten:

  • Referenzen
  • Qualifikationen
  • Offensichtliche Fehler
  • Angebote

Referenzen zeigen einem, ob bereits ähnliche Werke wie das eigene bearbeitet worden sind. Sie lassen sich im Internet auch ausfindig machen. Der berühmte Blick ins Buch offeriert einem zudem das Impressum. Für gewöhnlich werden alle Mitwirkenden hier neben dem Autor genannt. Solche Nachweise verschaffen Sicherheit und Vertrauen und sind ein wichtiger Fingerzeig, ob der Dienstleister seriös ist.


Kurzer Ausflug in Sachen Impressum von Büchern:

Natürlich gibt es in der Praxis auch immer wieder Fälle, wo Mitwirkende nicht im Impressum genannt werden wollen oder das Impressum nicht vorne im Buch auftaucht, sondern hinten. Beides ist rechtlich gestattet. Es besteht keine Pflicht zur Nennung von Mitwirkenden im Impressum und auch keine, die das Impressum vorne in das Buch zwingt. Es muss nur leicht aufzufinden sein und das ist sowohl vorne als auch am Ende des Buches der Fall. Was jedoch zu den Pflichtangaben bei Impressen in Büchern zählt sind die postalische Anschrift des Herausgebers, im Selfpublishing sind damit Autoren gemeint, und noch Druckerei bzw. Vertrieb. Letztere sind Bestandteil einer separaten Vertragsfrage.


Start-Ups verfügen hingegen selten über Referenzen. Hier helfen die Qualifikationen oder Arbeitsproben weiter. Letzteres fällt unter die Rubrik „Angebote“ und stellt keine Pflicht dar. Wenn ein Lektor oder Korrektor keine Arbeitsprobe anfertigen möchte, besteht darauf kein Anspruch.

Aber Achtung: Arbeitsproben müssen nicht kostenlos erfolgen! Fragt vorher nach, wenn auf der Website dazu nichts steht.

Noch etwas fällt in die Rubrik Angebot, nämlich die Auflistung der Inhalte. Seit vorsichtig, wenn z. B. großzügig von Lektorat und Korrektorat gesprochen wird, aber nicht aufgelistet ist, was für eine Leistung euch erwartet. Die Berufsbezeichnung ist nämlich nicht das einzige, was hier nicht geschützt ist. Auch die Inhalte solcher Angebote variieren. Ähnliches gilt für alle anderen Dienstleistungen. Macht euch vor Auftragserteilung schlau und lasst euch das schriftlich geben. Kommt es später zu Problemen im Bereich Leistungserbringung und Bezahlung, dann habt ihr etwas in der Hand.

Springen euch beim Durchstöbern der Website schon auffällig viele Fehler und andere Ungereimtheiten an, dann ist das kein gutes Zeichen. Anbieter mit Schwerpunkt auf Korrektorate sollten sorgfältiger vorgehen. Hier wäre ich vorsichtig und es muss die Frage erlaubt sein, ob der Anbieter sein Handwerk versteht, denn die Website ist dessen Aushängeschild, dessen Visitenkarte. Das Gleiche gilt übrigens für das Verfassen von Werbebeiträgen bei Facebook, Instagram und Co. Wer für sich und seine Angebote wirbt, sollte nicht über so etwas Banales wie Fehler in der Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung stolpern.

Hürde 3

Jetzt kommen wir zum Nadelöhr der Auswahl. Es ist äußerst wichtig, um am Ende nicht doch noch auf unseriöse Anbieter hereinzufallen. Eine Website die über keine Preislisten verfügt, ist erst einmal nicht auffällig. Preise lassen sich erfragen, ebenso wie Zahlungsmodalitäten. Außerdem solltet ihr die Bearbeitungsmethoden erfragen und welches Format das eingereichte Manuskript haben soll.

Im Bereich des Lektorates und Korrektorates lassen Autoren gerne im Vorfeld eine Arbeitsprobe anfertigen, um die Art und Weise kennenzulernen, wie der jeweilige Lektor oder Korrektor arbeitet. Für diesen wiederum ist sie wichtig, um den Arbeitsaufwand abzuschätzen, der sein Honorar bestimmt. Bei so einer Anfrage, die übrigens unverbindlich ist, solltet ihr darauf bestehen, mit der Arbeitsprobe einen ordentlich ausgestellten Kostenvoranschlag zu bekommen.

Ein Vorteil des Kostenvoranschlages ist die damit einhergehende Verbindlichkeit, wenn der Autor aufgrund dessen den Auftrag erteilt. Der vereinbarte Preis darf höchstens um 15 % von der Rechnungssumme abweichen, ohne Rechtsfolgen auszulösen. Weiterführende Informationen findet ihr übrigens bei der IHK.

Noch ein Vorteil ist, ihr habt (nochmals) die Kontaktdaten eures möglichen Vertragspartners in den Händen. Ohne die könnte es im schlimmsten Fall – den sich niemand wünscht – eng werden. Schwarze Schafe neigen nicht dazu, ordentliche Kostenvoranschläge oder gar Rechnungen auszustellen. Übrigens gehören folgende Punkte in eine ordentlich ausgestellte Rechnung und auch in Kostenvoranschläge:

  • Anschrift vom Dienstleister und potentiellen Auftraggeber
  • Datum
  • Steuernummer (Dienstleister)
  • Rechnungs- bzw. Auftragsnummer (nur auf Rechnungen)
  • Inhalte der Dienstleistung
  • Der zu erwartende Preis inkl. Berechnungsgrundlage
  • Information zur Umsatzsteuerpflicht oder der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UstG
  • Zahlungsmodalitäten nebst Fristen

Eine feste Form ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber wird von allen Unternehmen in Gestalt eines DIN normierten Geschäftsbriefes benutzt. So auch bei mir. Schaut euch nur mal die letzte Rechnung eures DSL Anbieters genau an. Bei Lektoren, Korrektoren und Co. könnt ihr hingegen auf eine formlose Variante stoßen. Das ist in Ordnung, allerdings muss sie die oben aufgeführten Punkte beinhalten. Weiterführende Informationen zum Thema Rechnungen gibt es bei der IHK.

Wenn ihr bis hierhin ausgesiebt habt, könnt ihr die Preisfrage entscheiden lassen. Denn ab hier ist die Wahrscheinlichkeit gering, an den falschen Dienstleister geraten zu sein.

Zusammenfassung

Es gibt also 3 Hürden, die ein Dienstleister im Bereich Selfpublishing meistern sollte. Damit verbunden ist eine Menge Input. Damit ihr bei Bedarf den ganzen Artikel nicht noch einmal durchscrollen müsst, stelle ich euch die wichtigsten Eckpunkte zusammen. Eure Checkliste sollte folgende Punkte umfassen:

  • Namen
  • Account (FB und/oder Instagram)
  • Website
    • Impressum
    • Datenschutzerklärung
    • Sicherheitszertifikat (https – Verschlüsselung)
    • Referenzen
    • Qualifikationen
    • Offensichtliche Fehler
    • Angebote
  • Geschäftlicher Schriftverkehr
    • Anschrift vom Dienstleister und potentiellen Auftraggeber
    • Datum
    • Steuernummer (Dienstleister)
    • Rechnungs- bzw. Auftragsnummer
    • Inhalte der Dienstleistung
    • Der zu erwartende Preis inkl. Berechnungsgrundlage
    • Information zur Umsatzsteuerpflicht oder der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UstG
    • Zahlungsmodalitäten nebst Fristen

Wenn ihr die von mir aufgeführten und erläuterten Punkte beherzigt, dürftet ihr vor sehr vielen unschönen Erfahrungen geschützt sein. Ausnahmen betätigen natürlich immer die Regel, aber mit dieser Checkliste steht ihr gut da.

Und jetzt wünsche ich euch viel Erfolg bei der Suche nach einem Dienstleister, der euren Ansprüchen gerecht wird und seriös ist.

Gendern: Ja oder Nein?

Es ist schon ein wenig länger her, dass ich einen Blogartikel verfasst habe. Mir liegen kürzere Beiträge auf Instagram oder Facebook mehr und wenn ich blogge, dann eigentlich über Themen zu meiner Schreiberei, dem Weltenbasteln und Tutorials fürs Zeichnen. Heute widme ich mich einem Thema, über das ich eigentlich nicht schreiben will: Das Gendern!

Der einzige Grund, weshalb ich es doch mache, ist, um im Vorfeld klarzustellen, was meine Leser von mir erwarten dürfen – privat wie auch in meinen Büchern – und weil der Vorstoß in die deutsche Sprache immer aggressiver vor sich geht. Sprache unterliegt keiner Statik, sie ist wandelbar. Darin sind wir uns hoffentlich alle einig. Das muss niemanden gefallen, ist aber unbelegbarer Fakt. Aber was hier seit geraumer Zeit passiert, ist kein langsamer stetiger Wandel einzelner Begriffe, wie man ihn bisher aus der Geschichte kennt. Nein. Es ist ein Prozess, der mit einer Keule von oben herab angetrieben wird und gleich das generische Maskulin aufs Korn nimmt.

Generisches Maskulinum, was ist das?

Unter generisch versteht man den geschlechtsneutralen Gebrauch des Maskulinums, also die männliche Variante eines Wortes. Ein Beispiel ist der Begriff „Mieter“ in Mietverträgen. Er umschließt also alle Personen, die eine Sache mieten, z. B. eine Wohnung. Es sind nicht nur Männer angesprochen. Das ist die Wirkung eines generischen Maskulinums.

Gibt es auch das generisches Femininum?

In der Tat, das existiert. Es ist jünger als sein männliches Gegenstück und trat zum ersten Mal 1984 in den Sprachwissenschaften auf. 2013 gab es einen Vorstoß in die praktische Umsetzung. Das generische Maskulinum sollte also eine 180 Grad Wendung erfahren.  Wirklich durchgesetzt hat es sich bis heute (2021) nicht, weil das generische Maskulinum noch vom Großteil der Bevölkerung gebraucht wird.

Was bedeutet jetzt gendern?

Nun, hierbei geht es darum, geschlechtergerecht zu reden und zu schreiben. Es soll also durch Sprache eine Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden. Darunter fallen also nicht nur Männlein und Weiblein, sondern auch alle anderen Geschlechterrollen in der Gesellschaft.

Ist doch eigentlich gut, oder?

Eigentlich ja, der Ansatz ist löblich. Aber aus der Sicht des generischen Maskulinums unnötig. Wie weiter oben schon steht, bezieht es sich nicht auf das Geschlecht einer Person. Neutraler geht es eigentlich kaum. Aber es gibt offenbar zu viele Leute, die sich alleine an der männlichen Schreibform eines Wortes derart stoßen, dass es ihnen sauer aufstößt.

Wie aus heiterem Himmel wird damit argumentiert, dass Frauen sich durch das generische Maskulin nicht angesprochen fühlen. Ich korrigiere das an dieser Stelle. Nicht alle Frauen sehen das so. Es gibt welche, hoffentlich eine hohe Anzahl davon, die ihre Wertigkeit nicht an der Grammatik einer Sprache bemessen und sich nicht nur auf ihr Geschlecht reduzieren lassen. Ich persönlich fühle mich immer angesprochen, wenn bei gesellschaftlichen Ansprachen das generische Maskulinum verwendet wird. Benachteiligt fühle ich mich in anderen Dingen, aber die betreffen nicht die Sprache, sondern das Denken!

Sprache formt Realität!

Dem Spruch bin ich schon oft begegnet und habe eine etwas andere Einstellung dazu. Sprache bildet eher die Realität ab. Sie verändert nicht das Denken. Die aktuellen Veränderungen rufen derzeit die Initiatoren mit ihrer Interpretation hervor, das generische Maskulinum sei geschlechterfeindlich. Diese Denkweise und die im Zuge dessen entstandene Gendersprache ändert aber nicht das Denken derjenigen, die noch in ihren äußerst patriarchalischen Denkmustern gefangen sind. Denn diese sind es, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft behindern und boykottieren. Wir sehen das noch heute im Beruf und im Privatleben, wenn sich bei verheirateten heterosexuellen Paaren die Frage nach der Aufgabenteilung stellt, sobald das erste Kind im Haushalt ansteht. Wer bleibt daheim? Viel zu oft die Frau. Die Gründe sind vielfältig.

Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Frauen, der von sich aus daheim bleibt, weil er es als lebenserfüllend ansieht. Gibt es, und daran ist auch nichts auszusetzen, wenn das auf Augenhöhe entschieden wurde. Bei anderen ist es eine Finanzfrage, nicht selten in einer Zeit, wo jeder Cent zählt, während die Ausgaben jährlich in die Höhe schnellen, aber das Budget nicht mitwächst. Männer verdienen im Beruf oft mehr. Würde es eine durchweg gleiche Behandlung im Gehalt und Lohn geben, gäbe es vielleicht alleine da schon einen signifikanten Unterschied. Daraus ergäbe sich ein gelebtes Muster und automatisch eine Verschiebung des Gleichgewichtes. Zusätzlich bedarf es aber auch mehr Anreize für die Männer, sich für die Kinder und den Haushalt zu entscheiden.

Klingt sehr vereinfacht, ich weiß. In der Praxis ist sowas immer langwieriger. Aber das soll auch nur zeigen, dass hier die Tat weit mehr bewirken kann als die Sprache, die gerade von oben herab durchgehauen werden soll in der Hoffnung, Ähnliches zu erreichen.

Abgesehen davon, dass ich daran nicht glaube, empfinde ich es als überaus aufdringlich, wie aggressiv dabei vorgegangen wird, als wären wir im Krieg. Seit der Duden vorgeprescht ist und das generische Maskulinum abgeschafft hat mit seinen neuen Einträgen, verstärkt sich die Spaltung in der Gesellschaft rapide. DAS ist es, was dieses Sprachwirrwarr derzeit abbildet.

Es gibt offenbar nur zwei Seiten: Pro oder Contra. Raushalten kann man sich nicht, weil die eigene Mundart, das was man seit Kindertagen gelernt hat, plötzlich falsch und ungerecht sein soll. Ergo ist man quasi gezwungen, sich zu entscheiden. Entweder man gendert oder man lässt es.

Letzteres ist allerdings ein Pulverfaß, das in entsprechender Gesellschaft ähnlich gut hochgehen kann, als wenn man sich in einer Diskussion, die es zuhauf im Internet, im Fernsehen oder Privat gibt, gegen das Gendern ausspricht. Man wird sofort regelrecht mit Anfeindungen niedergeknüppelt. Dabei ist es unwichtig, ob sich eine Frau oder ein Mann (Feindbild schlechthin in diesem Fall) dazu geäußert hat. Selbst sachliche Argumente bringen so gut wie nichts. Ich habe nur wenige Ausnahmen hiervon erlebt. Und DAS schreckt ab. Mindestens genauso wie das schreckliche Schriftbild der Gendersprache. Die Aussprache macht es übrigens auch in keiner Weise besser.

Schlusswort

Aus all den bisher angeführten Gründen und ungenannten, weil es dann doch den Artikel sprengen würde, gebrauche ich privat, beruflich und auch in meinen Geschichte weiterhin das generische Maskulinum. Ich bin erwachsen, habe ein gesundes Selbstbewusstsein, definiere mich nicht über mein Geschlecht, sondern aufgrund der Summe meiner Kenntnisse und Fähigkeiten. DAS ist, was für mich zählt!

Neue Vertriebskanäle bei Tolino Media

Habt ihr es schon mitbekommen? Tolino Media hat sein Spektrum der zu beliefernden Shops deutlich erweitert (https://www.tolino-media.de/so-funktionierts/vertriebspartner/). Neu hinzugekommen sind u. a. Kobo, Barnes & Nobles, Apple Books, Google Play, Amazon. Ja, ihr lest richtig, der große Konkurrent Amazon ist auch dabei. Wegen ihm ist ja ursprünglich die Tolino Allianz erst entstanden. Das war im März 2013 der Fall. Seither hält sich die Allianz sogar recht gut und hat nun einen geschickten Schachzug hingelegt: einen großangelegten Vorstoß auf den virtuellen Buchmarkt (eBooks).

Doch was bedeutet das nun für jeden einzelnen Autor und die Konkurrenz von Tolino Media?

Nehmen wir diesen Vorstoß doch einmal genau unter die Lupe und beginnen im Kleinen beim Spielraum für die hauseigenen Autoren. Interessant ist, dass Tolino Media seinen Autoren einen gewissen Spielraum bei der Auswahl der Vertriebskanäle einräumt. Bisher gab es nur die Option, die Shops der Tolino Allianz, Skoobe und die Ausleihe als Vertriebsweg zu nutzen. Jetzt existieren zusätzlich noch Amazon als separate Option und die oben schon erwähnten Shops als weitere Sammeloption. Via Klick lassen sich diese Vertriebskanäle von der Belieferung ein- oder ausschließen.

Positives für den Autor

Fast alles aus einer Hand! Gute Gesamtmargen für hochpreisige Bücher! Die Möglichkeit auf eine Leseflat außerhalb von Kindle Unlimited! Schnellere Auszahlung des Autoren-Honorares, weil die Auszahlungssumme schneller erreicht werden kann als durch separate Belieferung durch den Autor. Größere Freiheit bei Gratisaktionen als bei Amazon und das sogar flächendeckend.  

Im Vergleich zu Kindle Unlimited stehen einem Autor hier deutlich mehr Gratistage zur Verfügung. 5 Gratistage zu je 90 Tage sind für einen KU-Autor drin. Bei Tolino Media könnte man glatte 31 Tage dafür erhalten, sofern man das denn möchte. Einziger Haken an der Sache ist, nach so einer Gratisaktion hat man eine 4 wöchige Sperre, ehe man wieder eine Gratisaktion ausführen kann. Ermöglicht wird dies durch zeitlich begrenzte Aktionspreise. Hierunter findet sich die 0,00 € Kategorie.

Überdies haben höherpreisige Bücher bei Thalia und Co. auch ein besseres Ranking, da anders als bei Amazon nicht die Anzahl der Verkäufe ausschlaggebend ist, sondern deren Erlös. Günstige Titel im Bereich von 0,99 € bis 2,89 € können hier erst ab einer gewissen Verkaufsmenge mithalten, denn die besten Erlöse erzielen Titel erst bei einer Preisgrenze von 2,99 € (70% vom Nettoverkaufspreis). Alle Bücher, die weniger kosten, bringen dem Autor nur eine Marge von 40 % vom Nettoverkaufspreis ein. Immerhin sind das noch 5% mehr als bei Amazon für diesen Preisbereich. (Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/#wie-viel-autorenhonorar-erhalte-ich)

Transparente und monatliche Auszahlungen ab einer Höhe von 20 € runden das Gesamtpaket inklusive einer guten Kommunikation mit dem Support ab.

Negatives für den Autor

Natürlich zwackt sich Tolino Media seinen Teil vom Verkaufserlös jedes Buches ab. So ist die Einzelmarge im Vergleich zu der aus separat belieferten Shops geringer. Kindle Unlimited wäre somit gesehen auch Geschichte, wenn man die Leseflat von Skoobe mitnehmen möchte. Hier heißt es: entweder oder! Beides simultan geht nicht für ein und dasselbe Buch.

Allerdings ist Skoobe so eine Sache. Zum einen werden die Titel nur 1x die Woche und zudem händisch ins System eingepflegt. Es erfolgt also eine Vorsortierung durch Mitarbeiter. Nicht alles, was Tolino Media einreicht, wird auch bei Skoobe zum Flateratelesen bereitgestellt. Diese Information erhielt ich auf Nachfrage vom Tolino-Support. Ein Recht darauf, bei Skoobe mit seinem Buch gelistet zu werden, obwohl die Option zum Ausliefern ausgewählt wurde und die Auslieferung erfolgt ist, besteht seitens des Autors leider nicht. Das ist ein großer Nachteil im Vergleich zu Kindle Unlimited.

Die Konkurrenz!

Tja, die dürfte etwas mit den Zähnen knirschen. Zur Konkurrenz zählen z. B. Bookrix, BOD, und neobooks. Ihre Vertriebskanäle funktionieren ähnlich. Außerdem beliefern sie die großen Shops wie Weltbild, Thalia und Co. über Tolino Media. Wie man sieht, hat Tolino-Media hier eine Schlüsselposition. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes. So erklären sich auch die vergleichsweise geringeren Margen für Autoren, die über BOD, Bookrix und neobooks gehen. Tolino Media lässt sich für den „Einlass“ natürlich bezahlen und die Bezahlung Erfolg von den Verkaufserlösen eines jeden Buches.

Dadurch wiegt der Vorstoß zu den anderen Shops, die schon lange von der Konkurrenz mitabgedeckt werden als besonders heftig. Selbst wenn Tolino Media hier keine Schlüsselposition einnimmt, gräbt die Allianz seiner Konkurrenz hier das Wasser ab. Das ist genau dann der Fall, wenn sich jetzt Autoren dazu entscheiden, wegen der höheren Margen bei den Shops der Tolino Allianz zu wechseln, da nun weitere Vertriebsoptionen bestehen, die es vorher so nicht gab, aber höchst willkommen sind.  

Für wen ist Tolino Media nun als Vertriebspartner geeignet?

Eigentlich für Autoren, die (fast) alles aus einer Hand bevorzugen UND denen Kindle Unlimited absolut nichts bringt UND die mit einer Qualitätsprüfung seitens Tolino Media keine Probleme haben. Hier werden im Vorfeld ein paar faule Äpfel ausgesiebt. Eine detaillierte Aufzählung der Punkte der Qualitätssicherung findet sich unter: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/#gibt-es-eine-pr%c3%bcfung-der-hochgeladenen-ebooks.

Nach wie vor ist es aber noch immer eine gute Option, Amazon separat zu beliefern, allerdings ohne Möglichkeit von Kindle unlimited. Der Marge-Unterschied und der leichte Zugang zu KDP sprechen für sich.

Nachdem nun neue Würfel auf dem Spielfeld des Marketings gefallen sind, lohnt es sich vielleicht für den einen oder anderen, seine Strategie zu überdenken. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ihr mir eure Entscheidung mitteilt. Bleibt alles beim Alten oder wird sich etwas ändern, in welche Richtung und aus welchen Gründen?

Unscheinbare Verben

und ihre (Aus)Wirkung!

Mir ist schon einige Male etwas zu unscheinbaren Verben zu Ohren gekommen, dem ich, jüngst angefeuert durch einen FB-Beitrag in einer Autorengruppe, einen gesonderten Artikel widmen möchte. Sprechen wir heute doch einmal über „Unscheinbare Verben und was für eine Wirkung sie erzielen“. Beginnen wir mit einer Definition.

Was sind unscheinbare Verben?

Als unscheinbar werden Verben bezeichnet, die im Text „untergehen“, also nicht mehr aktiv wahrgenommen werden, beinahe unsichtbar sind. Hierzu zählen z. B. sagenantworten oder fragen, aber auch machen oder gehen. Ihr seht, diese Verben sind sehr geläufig und zählen zum Allgemeinwissen, stellen Grundpfeiler der Kommunikation dar. Jeder kennt sie, sei es in der Mutter- oder Fremdsprache.

Aber wieso sind sie dann unscheinbar oder gehen unter, wenn sie doch so wichtig sind?

Die Antwort ist simpel. Weil es sehr gebräuchliche Verben sind. Etwas, das immer da ist, wird kaum noch registriert, sondern als gegenwärtig sogar vorausgesetzt. Das gilt auch im gewissen Kontext für das geschriebene Wort. Als Leser erwartet man diese Verben in ihrer richtigen Konjugation, aber liest auch einfach darüber hinweg.

Daher findet sich in vielen Schreibratgebern die Empfehlung wieder, möglichst nur diese Basisverben in Geschichten zu benutzen. Grund: Alles andere stört den Lesefluss.

Meine Meinung dazu: Bullshit!

Bevor jetzt ein Aufschrei folgt, erkläre ich mich gerne. Das Handwerkszeug eines jeden Autors ist die Sprache, jedes Wort, das er/sie niederschreibt kann so viel mehr transportieren als die reine Bedeutung. Mit dem richtigen Wort lässt sich Stimmung greifbar einfangen und davon lebt eine Geschichte.

Dialoge sind recht häufig in Geschichten und natürlich stoßen wir da auch auf Inquits und eingeschobene Handlungen einer oder mehrerer Figuren. Wenn ich nun dauernd unscheinbare Verben verwende, mögen sie zwar untergehen und den Lesefluss nicht behindern, aber das Süppchen, das der Autor da köchelt, schmeckt gelinde gesagt sehr fade. Schauen wir uns dazu doch einfach ein kleines Beispiel an.

Eine aus dem Kontext gerissene und auf die Schnelle aus den Fingern gesogene Szene nach dem Beispiel eines Schreibratgebers.

Bsp. 1:

„Magst du noch auf einen Kaffee mit zu mir kommen?“, fragte Mark und lief rot an.
„Hm, ist es noch weit bis zu dir?“, fragte Klara unentschlossen.
„Nein, ich wohne am Ende der Straße“, antwortete Mark. „Wir sind in höchstens 5 Minuten da.“
„Dann gerne“, sagte Klara zustimmend.

So oder so ähnlich sind mir Dialoge schon untergekommen, die sich an diese Regel gehalten haben. Möglichst einfache Wortwahl mit einfachem Satzbau. Im Prinzip ist an der Klarheit von Sätzen nichts auszusetzen, aber hierbei kommt keine Stimmung auf. Es gibt neben den unscheinbaren Verben noch andere Problempunkte: dauernde Personenbenennung, gleiche Dialogabfolge (wörtliche Rede + Inquit).

Spendieren wir der Szene doch ein wenig Stimmung.

Bsp. 2:

„Magst du noch auf einen Kaffee mit zu mir kommen?“, nuschelte Mark und lief rot an.
Klara sah unentschlossen zu ihm auf. „Hm, ist es noch weit bis zu dir?“
„Nein, ich wohne am Ende der Straße“, entgegnete er stotternd. „Wir sind in höchstens 5 Minuten da.“
„Dann gerne.“

Erkennt ihr die Wirkung der Worte? In dem Dialog ist Mark – so wie in Bsp. 1 auch schon – ein eher schüchterner Junge, der seine Herzdame um etwas mehr Zeit mit ihm bittet.

1. Satz: Durch die Verwendung von „nuscheln“ wird das noch einmal verdeutlicht und auch gesagt, wie er Klara fragt. Die Tonlage kann man sich hierbei auch gut vorstellen, ohne sie vielleicht gesondert zu beschreiben, wozu auch viele Autoren neigen, weil sie unscheinbare Verben benutzen.

2. Satz: Umgestaltung. Klara handelt nun aktiv und dadurch wird ein Inquit unnötig. Dass sie etwas fragt, wird schon alleine durch das ? deutlich.

3. Satz: Da Mark ein sehr schüchterner Junge ist, kann ihn so eine Reaktion wie von Klara zusätzlich verunsichern. Also ist es nur logisch, die Wortwahl entsprechend anzupassen. Dies kann wie in meinem Beispiel durch das Inquit „entgegnete er stotternd“ herbeigeführt werden. Gleichzeitig ist hier auch sein Name nicht noch einmal erwähnt, was bloß eine reine Wortwiederholung auf engem Raum wäre.

4. Satz: Inquit ersatzlos gestrichen. Das mögen auch einige Autoren zuerst nicht. Aber ich frage mich wieso, wenn doch klar ist, wer spricht und es ansonsten nur hieße „antwortete Person X“. Unscheinbarer geht es nicht und da man es eh laut Schreibratgeber überlesen hätte, macht es keinen Sinn, unnötige Worte zu verwenden. Sie fressen nur kostspieligen Platz.

Und hat euch die Verwendung der Synonyme aus dem Lesefluss gerissen?

Sollte die Antwort nun wider Erwarten Ja lauten, bitte ich euch, einmal genau zu überlegen, wieso das so ist. Nicht selten ist eine Störung des Leseflusses darauf zurückzuführen, dass man gewisse Worte nicht kennt und sich deren Sinn auch nicht aus dem Kontext ergeben. Darin dürfte meiner Meinung nach auch der Grund liegen, weshalb in Schreibratgebern dafür plädiert wird, möglichst unscheinbare Verben zu verwenden. Immerhin bilden sie die Kommunikationsbasis und gehören zum Allgemeinwissen. Missverständnisse sind da verflucht selten.

Eigentlich ist das ja ein gut gemeinter Ansatz für angehende Autoren, überhaupt erst einmal eine Geschichte bis zur Vollendung zu bringen. Eine überaus große Hürde übrigens. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass sich dieser antrainierte Minimalismus festigt und es anschließend zu keiner Weiterentwicklung der eigenen Erzählfähigkeit kommt. Das wiederum färbt irgendwann natürlich auch auf die Leserschaft ab. Mehren sich solche Geschichten auf dem Buchmarkt, reduziert sich automatisch mit der Zeit der Wortschatz der entsprechenden Zielgruppe. So kommt es dann zu folgendem Bumerangeffekt: Geschichten mit einer hohen Wortvielfalt werden als schwierig(er) lesbar empfunden – vorausgesetzt natürlich die Texte sind ansonsten einwandfrei geschrieben worden.

Aus meiner Sicht ist das ein äußerst negativer Effekt, denn jede Sprache gibt so viel her, wenn die richtigen Worte an der richtigen Stelle benutzt werden. Sie sind die Magie des Autors, um zu verzaubern und wahre Wunder zu vollbringen. Lasst dieses Talent nicht verkümmern und nutzt an passender Stelle, was die Sprache euch bietet.

Zeichnen im Auftrag: Fantasykarte

Es gibt so viele unterschiedliche Stile, dass ich mich beim Betrachten manchmal nicht entscheiden kann, welche Karte von welchem Künstler ich nun schöner finde. Das hat bei mir geradezu die Lust geweckt, das auch schaffen zu können. Allerdings war es absolut nicht leicht, meinen eigenen Stil zu finden, geschweige denn, die Techniken zu lernen. Aber … ich habe es geschafft!

Seither sind in meiner Freizeit einige Karten von meiner Fantasywelt entstanden. Fertige Karten und ausgewählte Arbeitsschritte meiner aktuellen Arbeit zeige ich gerne auf Facebook und Instagram. So kam es, dass ich mit einem Autorenkollegen Anfang Herbst 2020 ins Gespräch kam. Gebraucht wurde eine Fantasy-Karte für ein neues Projekt: Ein Fantasy-Roman. Also wurde ich gefragt, ob ich nicht vielleicht eine passende Karte zeichnen könne und was ich dafür als Bezahlung verlange.

Ich fand mich in einer komplett neuen Situation wieder. Bisher ist noch niemand auf mich zugekommen und wollte mich als Cartographer engagieren. Nach einigem Hin und Her des Überlegens willigte ich ein und wir besprachen die Details. Es sollte eine isometrische Karte passend für die Doppelseite eines Taschenbuches werden, gehalten in schwarz-weiß bzw. Graustufen.

Werdegang

Von nichts, kommt nicht. Oder wie in diesem Fall: Ohne Vorlage, keine Karte. Also bat ich um eine Skizze. Nicht jeder ist zeichnerisch begabt und das verlange ich auch nicht. Für mich ist es nur wichtig zu erkennen, was wo liegt und womit ich es zu tun habe. So erhielt ich folgende Skizze, die ich mit Erlaubnis meines Autorenkollegen für meine Schilderungen benutzen darf.

Neben dieser Skizze erhielt ich sehr viel gestalterische Freiheit. O-Ton: „Wenn du meinst, hier muss ein Berg, Wald oder etwas anderes hin, dann mach das.“ Oder anders ausgedrückt, ich durfte mich austoben und dass auch noch bei einem sehr großzügig bemessene Zeitfaktor. Ich hatte nach Auftragseingang ca. 3 ½ Monate Zeit, vermutlich sogar mehr. Das ist insofern wichtig, weil hier sehr viel zu tun war und ich dank meiner gestalterischen Freiheit das eine oder andere Mal Zwischenergebnisse weitergeleitet habe, die wir besprechen mussten. Hierfür kann einiges an Zeit ins Land gehen.

Nachstehend habe ich eine Auswahl verschiedener Ergebnisse auf dem Weg zur fertigen Karte zusammengestellt.

Wie unschwer zu erkennen ist, gibt es von Bild 1 zu 2 (oben links nach Oben rechts) einige Änderungen. Zum einen wurden sie durch meinen Autorenkollegen angeregt und zum Teil von mir. Auffallend ist auch das Farbbild (Nr. 3). Schließlich sollte es keine Farbkarte werden. Der Grund ist leicht erklärt. Ich arbeite ab dem Punkt des Schattierens gerne in Farbe. Farben erhöhen mir den Kontrast und ich kann das fertige Bild später in Graustufen umwandeln. Für mich bedeutet das weniger Aufwand und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Mir hat die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht. Ich zeichne gerne und so habe ich mir überlegt, den Auftrag als Testlauf anzusehen. Ab sofort stehe ich gerne für weitere Aufträge dieser Art zur Verfügung. Solange ich eine Vorlage bekomme, kann ich alles realisieren: Eine Weltenkarte, einen Kontinenten, Detailkarten von Gebieten oder auch eine Städtekarte. Das Ergebnis ist am Ende auf jeden Fall ein Unikat. In meinem hoffentlich noch weiter wachsendem Kartenraum sind ältere und neue Werke von mir ausgestellt.

Buchsatz: Die Programmfrage

In den letzten beiden Blogartikeln habe ich etwas zur verwendeten Schrift, dem Layout und den mehr oder minder beliebten Fehltritten gesagt. Heute möchte ich die Blogreihe mit dem Thema: Software abschließen.

Layoutsoftware: Ja oder Nein?

Die Wahl der richtigen Software ist zu einem regelrechten Streitpunkt geworden, wie so vieles im Selfpublishing. Dabei sollten doch vor allem Autoren wissen, wie wichtig das richtige Handwerkszeug ist. In früheren Zeiten war es die Wahl der richtigen Schreibfeder nebst Tinte und später die des Stiftes. Danach kamen Schreibmaschinen und Schreibprogramme. Jeder Autor wählt noch heute sein bevorzugtes Schreibwerkzeug. So mancher schreibt auch heute noch mit einem Füllfederhalter oder Kugelschreiber. Im Wohlfühlmodus schreibt es sich halt um Längen besser, was nicht zuletzt von den eigenen Schreibfertigkeiten abhängt. So verhält es sich auch beim Buchsatz. Kenntnisse alleine bringen einen nicht weiter, es bedarf auch des richtigen Handwerkzeuges und das ist nun einmal kein Schreibwerkzeug. Die am besten geeignete Software zum Setzen bzw. Gestalten eines Textes ist ein Layoutprogramm, weil es genau für diese Arbeit konzipiert worden ist.

Ja, aber …

Ich kenne viele Einwände und viele fangen mit diesen beiden Worten an. Fast alle Einwände beziehen sich auf Schreibprogramme, die die Textgestaltung mit verschiedenen Funktionen – manche sind sogar sehr umfangreich – möglich machen (sollen). Das ist ein logischer Schritt für Softwaredesigner. So bindet man Kunden, indem man ihnen gleich mehrere Werkzeuge aus einer Hand anbietet und für den herkömmlichen Bürogebrauch ist dagegen auch nichts einzuwenden. Alleine MS Word bietet extrem viele Möglichkeiten in der Textverarbeitung. Alle Berufler, die damit arbeiten, wissen das hoffentlich zu schätzen. Es ist ein Standardprogramm in deutschen Büros geworden und das sogar zu recht. Ebenso ist Papyrus Autor ein hervorragendes Schreib- und Planungsprogramm mit einer soliden Stil- und Rechtschreibprüfung und einiges Features mehr.

Aber die allseits gewünschte eierlegende Wollmilchsau existiert auch in diesem Bereich nicht. Beide Programme und alle ihre Konkurrenten stoßen schon sehr bald an ihre Grenzen, wenn es um die richtige Umsetzung für das fortgeschrittene Layouten von komplizierten Flyern, Broschüren oder gar Büchern geht. Hier haben Layoutprogramme eindeutig die Nase vorne, weil sie mit Tools aufwarten, die ein Schreibprogramm nicht hat oder sich einfacher bzw. gezielter einsetzen lassen. Dafür muss man jedoch damit umgehen können. Das Ergebnis trennt später den Profi vom Amateur und unterstreicht die Qualität der Arbeit.

Ein Vergleich

Lange Rede kurzer Sinn, widmen wir uns kurz einem Vergleich zwischen den Programmen MS Word und seinen Bruder MS Publisher. Ich selbst mag die Programme aus dem Hause Microsoft, nutze sie jedoch gemäß ihrer Stärken, was mitunter bedeutet, dass ich mit mehreren Formaten arbeite. Nachstehend findet ihr einige Screenshots mit Erklärungen. Alle Bilder sind via Klick vergrößerbar.

Die Ansicht

Publisher (1)

Word (1)

Der erste große Unterschied begegnet uns bei der Ansicht eines neuen Projektes mit gleicher Ausgangslage (Format 12,5*19cm, gleiche Maße für Ränder und Bundsteg). Beide Programme können Doppelseiten darstellen, aber nur im Publisher entspricht die Ansicht auch tatsächlich die eines aufgeschlagenes Buches. Bei Word ist das nicht der Fall, die Seiten werden nach nummerischer Abfolge dargestellt und der Bundsteg befindet sich nicht immer in der Mitte. Das hat zur Folge, das jede Doppelseite anders wirkt. Zudem kann mir bei Detailarbeiten der Zoom unschön in die Quere kommen. Während ich beim Publisher bedenkenlos den Zoom beliebig weit nach oben schrauben könnte, ohne die Doppelansicht zu verlieren, versagt Word auf ganzer Linie. Irgendwann springt das Programm auf die 1 Seiten Ansicht zurück.

Funktionsweise

Wirklich interessant wird es aber erst, wenn wir uns mit der Funktionsweise beschäftigen. Im Publisher habe ich die Möglichkeit, von vorneherein die Registerhaltigkeit meiner Texte zu gewährleisten. Das geschieht mit sog. Basislinien, die horizontal verlaufen und bei Bedarf sichtbar gemacht werden können. Der Abstand zueinander und die Lage innerhalb der Doppelseite können nach eigenem Ermessen eingestellt werden und wirken sich auf das gesamte Dokument aus. Zugleich kann ich weitere Hilfslinien definieren. Sie sind in ihrer Funktion magnetisch und erfüllen zwei Aufgaben. Sie dienen der Positionierung von Bildern und Textfeldern, mit denen hier gearbeitet wird. Zudem kann beides nicht durch Unachtsamkeit verrutschen. Es ist also möglich, unterschiedliche Raster aufzubauen und damit das Layout anzufertigen.

Publisher (2)

Publisher (3)

Word hingegen kann das nicht leisten. Es gibt lediglich die Möglichkeit, Gitternetzlinien anzeigen zu lassen. Man erhält die Ansicht eines karierten Blattes. Es ist nützlich, um Grafiken und Bilder an ihren Platz zu ziehen, aber die Nützlichkeit hat ihre Grenzen. Zum einen können die Kästchen (siehe Bild unten) in ihrer Größe nicht eingestellt werden und geben so auch erst einmal die Vergrößerung bzw. Verkleinerung des Bildes vor, also immer kästchenweise. Möchte man abweichende Maße einstellen, bleibt einem nur das Programm-Menü mit dem passenden Unterpunkt. Auch lässt sich der Text daran nicht ausrichten und ist für die Registerhaltigkeit komplett unnütz.

Word (2)

Kommen wir zum Textgeschehen. In einem Detail kann Word im Kurzstreckenspurt punkten: die Verfügbarkeit. Word ist ein Schreibprogramm und daher kann man sofort loslegen mit dem Schreiben. Beim Publisher ist das anders. Ich habe eine Vorlage und muss mir gemäß meiner Ansicht erst einmal ein Textfeld hineinziehen. Ohne Textfelder kann ich hier nichts ausrichten. Aber dieser vermeintliche Nachteil ist der große Vorteil dieses Programms. Ich kann mit den Textfelder genau definieren, wo sich mein Text befindet und ihn individuell gestalten, ganz besonders dann, wenn noch Grafiken hinzukommen.

Beispiel 1: Ausgefallene Überschrift für ein Kapitel

In so einem Fall lege ich zwei Textfelder auf der ersten Seite des neuen Kapitels beginnt. Auf diese Weise trenne ich die Überschrift vom restlichen Text und gebe ihr genug Freiraum. Es kommt auch bei späteren Nacharbeiten, wenn der Buchsatz schon beendet ist, zu keiner Beeinträchtigung in Form von Verschiebungen des restlichen Textes. Die Folge wäre sonst ein zerhauener Buchsatz für das gesamte Kapitel. Um das wieder auszubessern, lässt man unter Umständen viel Zeit und Nerven.

MS Word kann das nicht leisten. Vergrößere ich z. B. auch nur ein Wort in einer Zeile überträgt sich das auf den Zeilenabstand zwischen dieser und der darüberliegenden Zeile und verschiebt mir den nachstehenden Buchsatz des gesamten Kapitels nach unten. Bei Überschriften verhält es sich ähnlich. Wenn zwischen der Überschrift und dem Textkörper nicht genug Platz im Vorfeld durch Leerzeilen oder Abstände eingeplant ist, zerhaut man sich ganz schnell den Buchsatz. Word ist also wenig flexibel, wenn es um nachträgliche Änderungen geht und kann einem sehr viele Probleme bereiten.

Beispiel 2: Briefe in historischen Romanen

Gut, das kommt nicht oft vor, aber dafür vielleicht ähnlich geartete Elemente der Darstellung in anderen Genre. Auch hier kann ich mit mehreren Textfeldern im Publisher arbeiten und die Darstellung ganz individuell anpassen, ohne den Text davor oder danach, zu beeinflussen. Aufgrund der Basislinien und dem daran ausgerichteten Text wird alles gleichmäßig dargestellt. Ich kann sogar hingehen und nur für dieses Textfeld die Verbindung zu den Basislinien kappen, wenn es das Design erforderlich macht. Nachträgliche Änderungen sind hier leicht und sicher erledigt, während ich in Word Probleme zu befürchten habe.

Darstellung vom Ausgangstext und deren Bearbeitung

Anhand eines Blindtextes (Quelle: https://www.blindtextgenerator.de/) möchte ich abschließend zeigen, dass die Darstellung innerhalb der beiden Programme mit gleicher Ausgangslage sich deutlich unterscheidet. Der Blindtext ist bis auf die Schriftart und -größe sowie den Zeilenabstand bzw. die Ausrichtung der Basislinien in beiden Fällen komplett unformatiert. Zudem ist die Absatzkontrolle deaktiviert, die Schusterjungen und Hurenkindern vermeiden soll. Die eingeblendeten Absatzmarken sollen zudem zeigen, dass nirgendwo eine Zeile unterschlagen wurde.

Publisher (4)

Word (3)

Wie man sieht, ergibt sich je nach Programm eine durchaus unterschiedliche Bearbeitungssituation. Im Publisher wird der Text homogener dargestellt als in Word und von vorneherein registerhaltig. Bei Word hapert es da ja schon an der ersten Seite. Sie schließt nicht bündig ab. Je nach Arbeitsvorgabe kann das durchaus zu einem Problem werden. Doch das ist nicht Gegenstand dieses Blogbeitrages.

Der große Vorteil dieser homogeneren Textdarstellung ist der, dass oft kleine Eingriffe genügen, um das Problem zu lösen, und dadurch der Arbeitsaufwand gering gehalten wird. Da sich aber jede Änderung auf den Text danach auswirkt, kann es in beiden Programmen zu unschönen Überraschungen kommen oder zur kompletten Lösung des Problems. Das lässt sich meist vorher nicht sagen und ist stark von der Länge des zu bearbeitenden Absatzes und von der Länge der Worte in einer Zeile abhängig.

Fakt hingegen ist die Verfügbarkeit der Bearbeitungstools, die sich in beiden Programmen ähneln. Sie sind beim Publisher sehr leicht und vor allem dauerhaft darstellbar, während ich bei Word jedes Mal herumklicken muss, um auch nur die kleinste Änderung herbeizuführen, abgesehen von Silbentrennungen und des Umschreiben des Textes. Der Publisher erspart mir so also Zeit und auch Nerven.

Publisher (5)

Word (4)

Schlusswort

Meine Empfehlung für den Buchsatz lautet: Layoutsoftware. Dabei ist es egal, ob es der MS Publisher oder ein anderes Layoutprogramm ist, solange es nur für diese Arbeiten konzipiert wurde. Man erreicht mit keinem Schreibprogramm der Welt die gleiche Qualität für den Buchsatz. Bestenfalls kann man sich dieser Qualität annähern, doch hierfür muss man sein Schreibprogramm sehr gut kennen und wissen, wie sich die einzelnen Formatierungen und Tools sinnvoll einsetzen lassen. Ich stelle immer wieder fest, dass es daran am meisten mangelt. Das ist in sofern interessant, als dass immer wieder vor der Einarbeitung in ein Layoutprogramm zurückgeschreckt wird. Erstens muss man sein Handwerkszeug kennen, um es bestmöglich einzusetzen. Dabei helfen Formatvorlagen, wie sie z. B. von BOD für den Buchsatz bereitgestellt werden, eher wenig weiter, wenn der Nutzer im Umgang mit Word nicht ausreichend versiert ist. Zweitens ist die Qualität des Ergebnisses auf lange Sicht die bessere Entscheidung.

Wer beides nicht realisieren kann oder möchte, dem bleibt entweder nur ein Schnellschuss mit hohen qualitativen Abstrichen, die die (potentiellen) Leser womöglich entsprechend negativ quittieren, oder aber die Arbeit einem Profi zu überlassen. Die Entscheidung trifft wie immer jeder für sich alleine.

Ich hoffe, ich konnte mit dieser Blogreihe einen kleinen verständlichen Einblick in das Thema Buchsatz gewähren.

Buchsatz: Häufige Fehltritte

In meinem letzten Beitrag habe ich mich der Wahl der richtigen Schrift gewidmet. Heute möchte ich ein paar Worte zu den Stolpersteinen fallen lassen, die einem sonst noch im Buchsatz begegnen, und davon gibt es viel, viel mehr, als so mancher denkt. Einige Stolpersteine springen einem direkt ins Auge, während andere beim ersten Hinsehen wenig auffallen. Es kommt ganz auf das eigene geschulte Auge an. An dieser Stelle behaupte ich ganz frech, dass der aufmerksame und wissende Leser sie größtenteils erkennt und dass der ungeübte Leser sie zumindest unterschwellig wahrnimmt, allerdings nicht im positiven Sinn.

Flattersatz statt Blocksatz

Mir scheint es so, als käme der Flattersatz immer seltener vor, aber immer noch zu oft. Klar, er hat den Vorteil, dass Worte, die nicht mehr in eine Zeile passen, einfach in die nächste Zeile geschoben werden. Somit lassen sich unschöne Lücken – auf die komme ich später zu sprechen – vermeiden, aber im Gegenzug sieht der Rand „angefressen“ aus. Selbst wenn man hier mit manuellen Silbentrennungen nacharbeitet, ändert sich nichts daran.

Fakt ist: Flattersatz hat in einem Taschenbuch erst einmal nichts zu suchen. Allenfalls lässt er sich als optisches Stilmittel einsetzen, dann jedoch sehr sparsam und ist nicht zur Darstellung eines ganzen Romans geeignet.

Fehlender Erstzeileneinzug

Ebenfalls auf dem Rückzug der gemachten Fehler seitens Laiensetzer ist der fehlende Erstzeileneinzug. Hierbei ist zu beachten, dass der Einzug nicht den ersten Absatz eines neuen Kapitels betrifft. Jener wird stets bündig gearbeitet. Aber alle Absätze, die danach folgen, erhalten einen Erstzeileneinzug. Seine Funktion beläuft sich auf die leichte Lesbarkeit längerer Textpassagen. Der Leser erhält so die sofort zugängliche Information, wo er eine Pause im Textfluss einlegen und ohne große Suche wieder starten kann. Auf sehr dialoglastigen Seiten mag es einem komisch vorkommen, aber wer schon einmal eine Textwand mit nur einem Absatz je Taschenbuchseite ohne Erstzeileneinzug gesehen und versucht hat, zu lesen, weiß diese Hilfe sehr zu schätzen.

Zu häufige oder seltene Absätze

Absätze erleichtern das Lesen, geben dem Auge also eine Hilfe für Ruhepausen, unterbrechen so den Lesefluss und halten die wörtliche Rede von ein und derselben Person mit eingeschobenen Handlungen zusammen. Sie werden also gezielt gesetzt und nicht immer nach gut dünken. Anfänger begehen oft den Fehler und benutzen diese Möglichkeit, um andere Fehler zu vermeiden, damit kein Schuster, keine Hure auftaucht oder die Registerhaltigkeit gewahrt bleibt. (Gleich mehr dazu.)

Herauskommen dann wahre Textwände, die am besten ohne den erwähnten Erstzeileneinzug wahrhaft erschlagend wirken, oder bei mehreren einzeiligen Sätzen den Lesefluss an den unpassensten Stellen derart unterbrechen, dass das Lesen keinen Spaß mehr macht. Und nein, solche Aussagen wie ‚Ich liebe Absätze‘ haben absolut keine Berechtigung. Es geht bei Absätzen nicht darum, ob man sie liebt, sondern um deren Funktion und sinnigen Einsatz.

Abstände zwischen den Absätzen

Bleiben wir noch kurz bei den Absätzen, denn es gibt in diesem Bereich noch einen weiteren Fehler, den Abstand dazwischen.

Es existiert genau eine Regel: Zwischen Absätzen gibt es keinen gesonderten Abstand.

Die Absätze werden durch ganz normale Zeilenabstände voneinander getrennt. Einzige Ausnahme bilden gestalterische Elemente, wenn es z. B. eine längere Rückblende gibt oder Ähnliches. In Verbindung hiermit kommen auch verschönernde Bildelemente ins Spiel.

Registerhaltigkeit

Das Wort erzeugt nicht gerade bei wenigen Leuten ein oder gleich mehrere Fragezeichen über dem Kopf. Verständlich, denn es stammt aus der Bürotätigkeit und hat etwas mit Registern zu tun: strukturell einheitlich abgelegte Akten. Gelernte Bürokaufleute kennen das Hängeregister und mit dem Bild vor Augen wird vielleicht das Wort greifbarer.

Beim Buchsatz meint man keine einheitliche Ablage, aber einheitlich gestaltete Zeilen. Die Zeilen zweier Seiten im Buch (die linke und die rechte) sollen so in der horizontalen Lage ausgerichtet sein, dass sie linear verlaufen. Das ist aber noch nicht alles. Von der Registerhaltigkeit einer Buchseite wird auch verlangt, dass jede Seite bis zur letzten Zeile beschrieben ist. Einzige Ausnahme bildet hier das Kapitelende. Alle anderen Seiten, vom Kapitelanfang bis zur einschließlich vorletzten Seite, haben bündig unten abzuschließen.

Um dieses Ziel zu erreichen und dabei andere Fehler zu vermeiden wie das plumpe Herumspielen mit zu vielen oder wenigen Absätzen, braucht es typographisches Verständnis und wie man das benutzte Programm dazu bringt, genau das zu erzeugen.

Schuster, Huren und Fliegenschiss

Wie bereits früh erwähnt gibt es immer mal wieder Schuster, Huren und Fliegenschisse in Romanen. Gemeint sind keine Schimpfworte, sondern aus dem einstigen Beruf des Setzers stammende interne Fachbegriffe für ganz bestimmte Fehlertypen. Eine Freundin, die in dem Beruf noch gelernt hat, gab mir für die ersten beiden Begriffe zwei Merksätze mit auf den Weg.

Der Schusterjunge weiß nicht, wohin er geht.

Das Hurenkind weißt nicht, vorher es stammt.

Den Schusterjungen kennzeichnet ein beginnender Absatz auf der letzten Zeile einer Buchseite. Alle anderen Sätze finden sich auf der neuen Seite wieder. So fungiert der Beginn des neuen Absatzes wie ein Einzeiler, der oft genug mitten im Satz abbricht und wegen des Weiterführens auf der nächsten Seite auch noch den Lesefluss unterbricht. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, ist die Unterbrechung des Leseflusses nur bedingt erwünscht.

Beim Hurenkind verhält es sich umgekehrt. Hier ist die letzte Zeile eines Absatzes auf der nächsten Seite angeordnet, ehe sofort ein neuer Absatz anschließt. Auch hier gilt, was ich über den Lesefluss bereits gesagt habe. In einigen Fällen kann das Hurenkind auch zum sog. Fliegenschiss degenerieren.

Den Fliegenschiss erkennt man daran, dass nur wenige Zeichen in die letzte Zeile eines Absatzes gerutscht sind. Passieren kann das mittels Silbentrennung oder mit einem einzelnen kurzen Wort, das nur aus einer Silbe besteht. Letzteres ist meist verkraftbar, während die Trennung eines Wortes wie z. B. „wollte“ in „woll-“ und „te.“ als letztes Wort am Ende des Absatzes einfach nur grausam aussieht.

Silbentrennungen

Silbentrennungen sind an sich keine üblen Kniffe. Sie helfen insbesondere beim Blocksatz, unschöne Lücken zu vermeiden. Allerdings können sie schnell unansehnlich werden, wenn sie in Gestalt von Rudeltieren auftauchen, einen Fliegenschiss verursachen oder unschöne Wortkonstrukte hervorbringen. Ich sage nur: Ur-instinkt oder Urin-stinkt.

Betrachten wir uns einmal eine Buchseite mit den Angaben 12,5 x 19 cm Endformat und einer Zeilenanzahl um die 32. Es wären also maximal 32 Silbentrennungen möglich. Sehr sinnvoll ist das leider nicht und dennoch gibt es Kandidaten im Buchsatz, die 5 und mehr in Reihe geschaltet haben, egal, ob noch weitere auf der gleichen Seite auftauchen oder es sich hierbei um die einzigen handelt. Silbentrennungen unterbrechen nicht nur den Lesefluss, sie sehen ab einer gewissen Anzahl auch echt scheiße aus. Wer es auf die Spitze treiben möchte, produziert dazwischen auch noch einen Gedankenstrich am Ende der Zeile. Die optische Katastrophe ist dann komplett.

Also Augen auf im Umgang mit Silbentrennungen! Es sollten nicht zu viele auf einer Seite vorkommen. In dem von mir erwähnten Beispiel mit 32 Zeilen sind 5 bis maximal 8 Trennungen (persönliche Empfehlung) durchaus akzeptabel. Weniger sind natürlich zu priorisieren.

Lücken im Text

Auf den Stichpunkt haben wohl schon einige gewartet. Ja, das ist der weit bekannte Klassiker unter den Fehltritten im Buchsatz. Besonders häufig tauchen (große) Lücken bei langen Worten innerhalb einer Zeile auf. Aber auch bei vielen kleinen bis mäßig langen Worten kann es zur Lückenbildung kommen. Wie man sie bereinigt, ist situationsbedingt, hängt also vom Text selbst ab. Silbentrennungen sind eine Möglichkeit, Spationierung eine andere. Gelegentlich hilft auch das Verschieben eines Absatzes. Und wenn all das nichts bringt, muss man sich fragen, ob man nicht doch das eine oder andere Füllwort (falls vorhanden) streicht oder den Satz umstellt oder leicht umschreibt. Bevor jedoch neu geschrieben oder umgestellt wird, gilt es, alle anderen Kniffe auszuprobieren. Denn für gewöhnlich wird der Buchsatz erst angegangen, wenn Lektorat und Korrektorat erfolgt sind. Derartige Eingriffe besitzen ein sehr hohes Fehlerpotential.

Schlusswort

Es gibt durchaus noch mehr Fehler, die man beim Buchsatz im gesamten Werk hervorbringen kann. Aber diese Übersicht soll erst einmal genügen, da alleine diese Fehlerquellen einem Setzer schon viel Können – im Umgang mit der richtigen Software – typographisches Wissen sowie ein geschultes Auge abverlangen.

Buchsatz ist nichts, was sich im Vorbeigehen einfach so erledigen lässt, erst recht nicht mit Templates wie sie z. B. von BOD oder anderen Quellen kostenfrei bereitgestellt werden. Solche Templates (z. B. die allseits bekannten Worddokumente) haben nur gewisse Grundeinstellungen, die an das Format geknüpft sind. Darunter fallen das Format selbst (z. B. 12,5 x 19 cm), die Ränder, Aufbau des Buchblockes/Innenlebens, Durchnummerierung der Seiten usw.

Warum wird dann so ein Hilfsmittel bereitgestellt?

Nun die Antwort ist simpel, auch wenn sie dem einen oder anderen jetzt sauer aufstößt. Nehmen wir einmal BOD. BOD ist ein Dienstleister und die Templates eine Seviceleistung, um dem Kunden eine schnelle Veröffentlichung zu ermöglichen, weil dessen Kenntnisse im Umgang mit gewissen Programmen nicht ausreichen. Templates sind ein Marketing-Werkzeug gedacht zur Kundenbindung und nicht, um einem den Buchsatz zu ermöglichen. So einfach ist das.

Wen ich mit dieser abschließenden Antwort nicht verprellt habe, ist herzlich eingeladen, sich auch den abschließenden Artikel durchzulesen, sobald jener erschienen ist. Thematisch wende ich mich dann den Setz- und Schreibprogrammen zu.

Welche Schrift ist geeignet?

Eine essentielle Frage, wenn es darum geht, ein Buch zu setzen. Der ganze Satz steht und fällt mit einer Antwort darauf. Aber auch Schriftgröße und Zeilenabstand sind eng mit dieser Entscheidungsfrage verknüpft. Gemeinsam bilden diese drei Komponenten ein hoffentlich ansehnliches Textbild. Bevor ich anhand eines Blindtextes einige Beispiele anführe, möchte ich kurz aufzählen, worauf es bei der Auswahl der richtigen Schrift in der Belletristik ankommt.

Serifen

Serifen erkennt man an den Linien am Buchstabenende, die quer zur Grundausrichtung verlaufen, z. B. hier beim T. Sie haben die Eigenschaft, das Auge beim Lesen unbewusst zu führen, weshalb sie auf diese Weise den Lesefluss begünstigen. Das ist ein sehr hilfreiches Element in der Belletristik, denn nichts ist schlimmer für den Leser, als aus dem Lesefluss gerissen zu werden. Natürlich gibt es noch mehr Möglichkeiten, die den Lesefluss unterbrechen, aber mit Serifenschriften lässt sich dieser eine Stolperstein schon einmal aus dem Weg räumen.

Kursivschrift

Nicht immer verfügt eine Schrift auch über ein in kursiv gestaltetes Pendant. Hiermit ist nicht einfach die Formatierung „kursiv“ gemeint, die in allen Textverarbeitungsprogrammen standardmäßig enthalten ist (siehe z. B. Word oder Papyrus). Diese Funktion sorgt nur dafür, dass Buchstaben schräg gestellt werden. Schriften, die also nicht über eine eigene Kursivschrift verfügen, sehen in dieser Formatierung oftmals unschön aus. Es gibt wenige Gründe in der Belletristik, die Kursivschrift anzuwenden, aber sobald das geschieht, ist sie eine echte Bereicherung, weil sie sich natürlich liest, elegant aussieht und nicht wie der schiefe Turm von Pisa. Manchmal gilt es aber auch einfach abzuwägen, ob der Nutzen einer integrierten Kursivschrift ausreicht, eine ansonsten andere Wahl ohne Kursivschrift zu verwerfen, die jedoch für den Text an sich besser geeignet ist.

Textunterstützend

Eine Schrift sollte immer so gewählt sein, dass sie den Text sich entfalten lässt, ohne selbst im Vordergrund zu stehen. Es gibt wunderschön verschnörkelte und verspielte Schriften. Leider lenken sie ab einem gewissen Grad der künstlerischen Darbietung vom Lesen ab. Aus dem Grund sind solche Schriften, gerne auch serifenlose, eher für Überschriften geeignet, sofern sie zum Genre passen. Im Genre Romance wird damit gerne gespielt, ebenso mit sehr aufwendig dargestellten Initialen, das sind die übergroßen Buchstaben am Anfang eines Kapitels. Sie werden auch Schmuckinitialen genannt.

Auswahl klassischer Serifenschriften in der Belletristik

Nachstehend sind die Schriften Palatino Linotype, Georgia, Garamont, Goudy Old Style im Vergleich zueinander und auch zur immer noch oft verwendeten Times New Roman dargestellt. Letzteres ist übrigens ein No-Go, aber sie erfreut sich anscheinend noch großer Beliebtheit unter eher unerfahrenen Selfpublishern. Der Grund mag darin liegen, dass diese Schrift sehr eng gefasst ist und sich daher auch überaus gut für den Zeitungsdruck eignet, wofür sie ursprünglich mal entworfen wurde. Wenig beanspruchter Platz spart Seiten und die kosten Geld. Die Rechnung ist simpel, geht jedoch zu Lasten der Lesbarkeit. Times New Roman ist zwar eine Serifenschrift, aber durch ihre sehr eng stehenden Buchstaben unschön fürs lange Lesen. Kurz gesagt: Times New Roman ermüdet die Augen. Die anderen ausgewählten Schriften sind auf jeden Fall ausladender, aber mit dem richtigen Buchsatz lässt sich hier viel herausholen, ohne dabei den Lesefluss anzugreifen oder hohe Kosten in Form von vielen Seiten zu produzieren.

Kommen wir nun zu den Schriftbeispielen anhand eines Blindtextes (Quelle: https://www.lustigonline.de/blindtext/).

Wie bei diesen Beispielen zu sehen ist, unterscheidet sich das Schriftbild grundlegend und verdeutlicht zugleich das Zusammenspiel von Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand. Je nach Wahl der Schrift müssen die letzten beiden Komponenten des Schriftbildes noch angepasst werden.

Garamont ist mit ihren 11pt zu klein für einen Druck und es müsste auch noch der Zeilenabstand vergrößert werden, auf schätzungsweise 1,2 oder 1,3 bei einer Schriftgröße von 11pt.

Georgia dagegen sähe in Schriftgröße 10pt besser aus. Den Zeilenabstand könnte man so lassen bzw. minimal vergrößern. Auch Palatino Linotype eignet sich für den Druck in Schriftgröße 10pt, aber auch in 10,5 oder maximal 11. Sehr positiv im Hinblick auf die Kursivschrift fallen Garamont und Goudy Old Style auf. Hier sieht man, dass sie nicht nur kursiv gestellt werden. Bis auf Times New Roman eignen sich aber auch die anderen Schriften noch für die Nutzung dieser Formatierung.

Ich hoffe, der Einblick in das Zusammenspiel von Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand war interessant, lehrreich und hat das Verständnis für den Buchsatz ein bisschen verbessert. Denn die Klärung der Frage, Welche Schrift ist geeignet?, bildet das Grundgerüst für den Buchsatz, ohne das die Layout bestimmenden Faktoren wie Format, Seitenränder und Bundsteg nicht auskommen und das anschließende Feintuning nicht anlaufen kann.

Tolino Media – Ein Erfahrungsbericht

Anfang des Jahres habe ich euch berichtet, dass ich meine Serie aus KDP select genommen habe, um sie über Tolino Media der breiten Masse an Lesern zugänglich zu machen. Heute gebe ich dazu meine Erfahrungen weiter und ziehe mein Fazit.

Listung in den Shops

Hierzu kann ich mich nur positiv äußern. Meine eBooks sind problemlos und vor allem sehr zügig eingestellt worden. Das von Tolino kommunizierte Zeitfenster zur Prüfung der Daten ist großzügig bemessen und noch nie bis ans Limit ausgereizt worden. Binnen zwei Tagen (unter der Woche) sind meine eBooks in den angeschlossenen Tolino-Shops erhältlich. Thalia war mit einer der schnellsten Shops und reagiert zu Bestzeiten innerhalb von 24h auf Änderungen jeglicher Art.

Abrechnungen

Dieser Part ist wohl für jeden sehr wichtig. Abrechnungen müssen transparent und zuverlässig sein. Das ist bei Tolino Media definitiv der Fall. Verkäufe werden nach Plattform, Datum, Erlösen oder Menge aufgeführt. Im Grunde ist das Verkaufsdashboard in der Funktion so aufgebaut wie bei vielen Distributoren. Nur das Outfit kann sich mal mehr oder weniger unterscheiden und arbeitet natürlich zeitversetzt. Anders als bei Amazon aktualisiert es sich am WE nicht, wie ich festgestellt habe, aber ansonsten 1x am Tag. Verantwortlich hierfür sind die Shops, die am WE nur auf Sparflamme laufen.

Marketing-Maßnahmen

Autoren bei Tolino Media haben die Möglichkeit, mit der Marketing-Abteilung Werbeplätze abzusprechen. Voraussetzung hierfür ist das Vorhandensein selbiger. Man sollte früh den Kontakt suchen, denn Werbeplätze sind heiß begehrt und meist mit wochenlanger Vorlaufzeit versehen. Meist handelt es sich um Rabattaktionen die mindestens 50% vom VK betragen müssen. Dafür wird man dann auf Seiten der Shops sichtbar hervorgehoben. Je nach Werbeplatz kann man auch im Newsletter aufgeführt werden.

Die Dauer ist hingegen sehr unterschiedlich. Manche Werbeplätze laufen ein paar Tage, mache wieder über eine Woche. Langfristig angelegte Werbestrategien sind hier also von Vorteil. Kurzfristig lässt sich wenig reißen. Einzig und alleine eigens auf die Beine gestellte Preis-Aktionen, die man im Dashboard hinterlegen kann, sind die Ausnahme. Nachteilig ist jedoch, dass man keinen Werbeplatz mit Hervorhebung in den Shops bekommt. Logisch, oder? Allerdings funktioniert auch hier die Umsetzung tadellos.

Skoobe

Skoobe ist eine Plattform für Vielleser via Flatsystem, ähnlich wie Kindle Unlimited bei Amazon. Hier musste ich erfahren, dass es immer mal wieder zu Problemen kommt. Regulär nimmt Skoobe 1x in der Woche neue Titel in sein Sortiment auf, das gilt auch für Änderungen oder auch Löschungen. Die Übermittlung der gelesenen Buchseiten und damit die Berechnung des Honorares für Autoren gestaltet sich hin und wieder schwierig. Tolino hat Vorgaben, wann die Berechnung jeden Monat erfolgt. Liegen die Daten seitens Skoobe nicht vor, wird die Abrechnung ohne jene erstellt. Als Autor erhält man im Dashboard eine Ankündigung dazu, die nicht zu übersehen ist. Man tappt also nicht im Dunkeln; noch ein Pluspunkt bei Tolino Media. Sowas ist natürlich unschön und leider erfährt man nicht woran das liegt. Über technische Probleme bis zum „Weiß der Geier was“ kann alles dafür verantwortlich sein. Generell wirkt Skoobe auf mich schon ein wenig unzuverlässig, was das angeht. Überzeugen konnte mich die Plattform leider nicht, auch was die Ausleihen angeht.

Fazit

Es fällt durchwachsen aus, trotz der eigentlich guten Zusammenarbeit. Aber das liegt nicht an Tolino Media. Ich kann den Distributor jedem empfehlen, wenn außerhalb von KDP veröffentlich werden soll. In den ersten Monaten hat es für mich wirklich so ausgesehen, als würde es für meine Serie dort gut laufen. Es gab ein paar tolle Marketingmaßnahmen, die nur leider keinen langanhaltenden Effekt gezeigt haben. Und auch die letzte Preis-Aktion mit Werbeplatz und von mir gekaufter Werbung auf anderen Plattformen lief absolut gar nicht. Das ist erst wenige Wochen her.

Natürlich kann es hierfür viele Gründe geben, alleine die derzeitige Pandemie ist wohl ein wirklich starker Faktor. Nichts und Niemand sind davon verschont geblieben. Und letztlich muss ich auch darüber nachdenken, ob meine Zielgruppe einfach zu klein ist, als dass es einen Unterschied macht, ob ich meine Serie gleich in vielen Shops zum Verkauf anbiete oder es lasse.

Selbst wenn Amazon für viele ein rotes Tuch ist und sich noch nie mit Ruhm bekleckert hat, wenn es um das Arbeitsrecht und Co. geht, so ist der Online-Riese leider noch die beste Anlaufstelle für Selfpublisher. Ihr lest es schon heraus und liegt richtig. Meine Serie ist gerade dabei, wieder bei KU einzuziehen. Leicht fiel mir die Entscheidung nicht, aber alles so weiter laufen zu lassen, macht für mich auch keinen Sinn.