Von Hamstern und leeren Regalen

Ursprünglich hatte ich eine kürzere Version des nun folgenden Artikels geschrieben und ihn zwei Mal auf Facebook auf meinem Account gepostet. Jedes Mal ist der Beitrag inklusive der Quellenangaben für meine Darlegungen binnen 1h spurlos verschwunden. Woran das liegt? Ich habe keine Ahnung. Aber damit das nicht noch einmal passiert, entschied ich mich dazu, meinen Text noch ausführlicher auszuarbeiten und ihn auf meinen Blog zu veröffentlichen. Zugegeben, das Thema ist jetzt nicht unbedingt mit den anderen Themen auf meiner Website kompatibel. Aber es ist wichtig und ich interessiere mich ja nicht nur für belletristische Literatur und die künstlerische Darstellung von Landkarten.

Und immer wieder grüßt das Murmeltier
oder in unserem Falle der Hamster.

Es ist ein Dauerbrenner geworden, die Meldung über leere Regale im Supermarkt. Es vergeht keine Woche, in der nicht gefühlt ein Dutzend Male irgendein Medienblatt darüber berichtet, dass Ware X knapp wird und wir mit leeren Regalen und Warenknappheit rechnen müssen. Wisst ihr, was mir in dieser ganzen Berichterstattung fehlt? Eine gute Darlegung der Hintergründe. Ich lese dort Panikmache und der Krieg in der Ukraine sei schuld. Das ist derzeit das Todschlagargument schlechthin. Jetzt stellt sich mir aber die Frage: Ist das alles? Schließlich kommen ja nicht alle Waren, die mit Abwesenheit im Supermarkt glänzen, aus der Ukraine.

Bei meinen Einkäufen achte ich durchaus darauf, was wann nicht da ist. Auch ich muss mich darauf einstellen, das zu kaufen, was da ist, und nicht unbedingt das, was ich gerne hätte. Und dabei fällt mir auf, dass auch Waren ausverkauft sind, die aus Übersee kommen oder der heimischen Produktion entspringen. Zu den Waren aus Übersee gehört z. B. der Reis. Von einem Tag auf den anderen ist bei uns der Reis heiß begehrt und fehlt im Regal. Zuerst war es nur das Billigsortiment und dann auch die teureren Marken. Schaue ich eine Armlänge im Regal weiter, wo Grundnahrungsmittel wie Erbsen und Linsen stehen, könnte ich mich frei bedienen.

Eine Beobachtung, die mich beinahe zum Lachen brachte, habe ich neulich dann aber bei den Hygieneprodukten gemacht. Nein, es war nicht das Toilettenpapier. Das ist ein alter Hut. Das ganze Sortiment an Mundspülungen war weg, alles bis auf die teure Parodontax-Mundspülung. Bei solchen Merkwürdigkeiten kann man schon einmal nachdenklich werden. Also bin ich der Sache nachgegangen und bei meiner Recherche auf verschiedene Störfaktoren in der Lieferkette gestoßen. Welche das sind und wie alles miteinander zusammenhängt, habe ich euch nachstehend einmal leicht verdaulich aufgedröselt und mit Quellenangaben versehen.

Störfaktor 1: Corona-Pandemie

Ihr könnt es nicht mehr lesen, ich weiß, aber da müssen wir nun durch. Es spielt an dieser Stelle auch absolut keine Rolle, ob ihr daran glaubt oder nicht. Fakt ist, die Pandemie hat hier einen entscheidenden Einfluss genommen. Und all das begann vor zwei Jahren.

Durch den Import und Export sind besonders die Schifffahrtswege und die angefahrenen Häfen interessant. Als die Pandemie ausgerufen wurde, gab es mit der Zeit allerlei Maßnahmen in Form von Sicherheits- und Hygienekonzepten, die es einzuhalten galt. Das ist noch heute so. Diese Konzepte bedeuten eines, einen Mehraufwand an Zeit, weil der Warenübergang besonders sorgfältig abgewickelt werden muss. Wer schon einmal einen vollbeladenen Frachter in Hamburgs Hafen gesehen hat, weiß, das kann unter normalen Bedingungen schon seine Zeit dauern. Jetzt hat ein Hafen auch noch eine feste Zahl an Anlegestellen. Sind die belegt, kommt kein weiterer Frachter mehr in den Hafen rein. Ergo entsteht eine Warteschlange.

Wenn wir mal an 2020 und 2021 zurückdenken, haben wir leichte Auswirkungen solcher Warteschlangen schon zu spüren bekommen. Dieser Zustand dauert weiterhin an. (Quelle: https://www.logistik-watchblog.de/neuheiten/3468-gestoerte-lieferketten-containerschiffe-stauen-deutschen-haefen.html) Sicherheits- und Hygienekonzepte lassen grüßen.

Aber auch anderswo kommt es wegen der Pandemie zu Staus. Schaut euch mal an, was derzeit in China los ist (https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/corona-stau-im-hafen-von-shanghai-lieferengpaesse-in-deutschland,T3iRLUl) Frachter benötigen von dort bis zu uns etwa 30 bis 40 Tage. Dabei nehmen sie eine ganz bestimme Route, den Suez-Kanal.

Störfaktor 2: Ever Given und der Suez-Kanal

Ich sehe schon ein paar ungläubige Blicke auf mir ruhen. Aber lasst mich erklären. Im März 2021 steckte der Frachter Ever Given so unglücklich im Suez Kanal fest, dass für satte 6 Tage diese Passage zum Mittelmeer mit seinen Häfen nicht befahren werden konnte. Nichts ging vor, nichts ging zurück. Frachter die dort feststeckten, steckten fest. Alle anderen nahmen den viel weiteren Weg über die Südspitze Afrikas. Ein überaus langer, sprich zeitaufwendiger, und noch dazu gefährlicher Umweg. Da war es eben nicht mit den weiter oben erwähnten 30 bis 40 Tagen Seeweg getan. Verdoppeln wir den Zeitraum mal eben. 80 bis 90 Tage, umgerechnet sind das 3 Monate oder sogar mehr, je nach Schwierigkeiten, für die Warenanlieferung von China zu uns nach Europa.

Wer möchte kann sich mal über das Kap der guten Hoffnung informieren. Seeleute mögen diese Route überhaupt nicht. Hier ein kleiner Auszug aus den Aufzeichnungen von Wikipedia.

Unmittelbar an der Küste erstreckt sich eine Felsenlandschaft, die sich unter Wasser auf das Meer ausdehnt. Ein Großteil der Felsen befindet sich 50 cm bis 3 m unter der Wasseroberfläche und kann bei Niedrigwasser sichtbar werden. Neben den Felsen an sich geht eine weitere Gefahr von den starken Winden am Kap aus, die, selbst wenn ein Segelschiff diesen Ort eigentlich weit genug umfährt, es wieder in Richtung Küste drücken, so dass es dann auf die Felsen auflaufen kann. Dies wurde schon mindestens 23 Schiffen zum Verhängnis, die dort als Wracks auf dem Meeresgrund liegen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kap_der_Guten_Hoffnung

Doch zurück zu den Ereignissen am Suez-Kanal. Sie nahmen mehrschichtigen Einfluss auf Europas Lieferketten, nicht nur für Deutschland, worauf sich meine Betrachtung vorrangig fokussiert. Wir haben hier zum einen eine zeitlich verzögerte Warenlieferung zu verzeichnen: unpassierbare Route und den Umweg über das Kap. Derweil konnten andere Lieferwege wie z. B. zwischen den USA und Europa nahtlos weiterlaufen. Als dann die Frachter durch den Stau am Suez-Kanal aufgeholt hatten, konkurrierten sie natürlich mit den Frachtern der anderen Routen. Der Stau an europäischen Häfen verstärkte sich. Die bis heute andauernden Auswirkungen waren in der Zeit zwischen November und Dezember am präsentesten in den Medien. Alle hatten Angst um ihre Weihnachtsgeschenke. Es gab Lieferengpässe bei den unterschiedlichsten Warengruppen. Jetzt ist fast ein ganzes Jahr vergangen. Man sollte meinen, dass sich der Einfluss aus den Ereignissen im Suez-Kanal abgeschwächt hätte. Vielleicht wäre das der Fall, wenn die Pandemie nicht wäre (siehe obiges Beispiel von China) und nicht noch ein weiterer Störfaktor dazugekommen wäre.

Störfaktor Nr.3: Der Krieg in der Ukraine

Als wenn die Wechselwirkung aus zeitlicher Verzögerung bei der Warenabfertigung an den Häfen durch die Pandemie und der Blockierung des Suez-Kanals nicht schon schlimm genug wäre, kommt jetzt seit Februar 2022 noch der Krieg in der Ukraine dazu. Und dieser Faktor ist mindestens so schwerwiegend wie die beiden anderen zusammen. Insofern stimmt es schon, dass die Medien hier einen Grund für leere Regale sehen, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Schließlich kommen nicht alle Waren aus der Ukraine zu uns. Der eingangs von mir stark frequentierte Reis stammt aus China. Und wie es in den dortigen Häfen aussieht, habe ich euch nun auch dargelegt.

Doch zurück zur Ukraine. Sie ist einer der größten Exporteure von Weizen und Sonnenblumenöl. Im Hafen von Mariupol (Mittelmeer) werden seit Wochen keine Waren mehr umgeschlagen. Das bedeutet auch, dass alle anderen Frachter, die aus dem Suez-Kanal kommen, um mit Europa Handel zu treiben, auf andere Häfen ausweichen müssen und sich dort Warteschlangen bilden bzw. sich die Staus verschärfen. Auch der Anbau und die Ernte diverser Rohstoffe in der Ukraine ist hinfällig. Die Menschen fliehen aus dem Land, bis auf jene die bleiben, um es zu verteidigen. Unter den Verteidigern, sind eine Menge Einheimischer, vorwiegend Männer, weil sie zum aktiven Dienst an der Waffe eingezogen wurden. Darunter finden sich alle möglichen Berufe wieder, so auch LKW-Fahrer, die grenzübergreifend für den Transport von Waren zuständig waren. Das hat ebenso Auswirkungen auf die Situation in deutschen Märkten.

Zu nennen wäre hier auch Russland. Es ist der weltweit größte Exporteur von Weizen. Sehr viele Staaten boykottieren Russland. Die Folge ist ein Einfuhrstopp (zahlreicher) russischer Waren in die Länder, die den Boykott unterstützen, also nicht nur Weizen. Hierbei schneidet Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern – vorwiegend dritte Welt Länder – besser ab, aber auch wir spüren hier diesen Wegfall. Allerdings hat auch Russland einen Lieferstopp eingeführt. (Quelle: Bis zum Sommer: Russland schränkt Getreideexporte ein | tagesschau.de)

Fazit

Aus dieser sehr dynamischen Konstellation haben wir nun folgende Konsequenzen. Der Frachterstau in den Häfen kann nicht schnell genug bewältigt werden und die Häfen selbst haben eine festgelegte Lagerkapazität. Sind die Lager voll, können die Frachter nicht mehr entladen werden. Die Lager können aber nur entleert werden, wenn die Frachter neue Ware aufnehmen und nicht nur leere Container oder die gelieferten Waren abgeholt und weiter zum Endverbraucher transportiert werden. Das geschieht auf den Straßen oder den Seewegen (Binnenschifffahrt).

Aufgrund der Pandemie und des Krieges fällt an allen Ecken und Enden Personal aus, sei es für den Transport oder für das Abfertigen an den Häfen. Hinzu gesellen sich jetzt noch gestiegene Sprit- und Energiepreise, die den Speditionen das Leben zusätzlich schwer machen. Personal- und Lohnkürzungen sind zukünftige mögliche Folgen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Exkurs in Sachen Weizen

Weil Weizen eine der Getreidesorten ist, dessen Fehlen uns im Supermarkt besonders auffällt, möchte ich an dieser Stelle ein gesondertes Schlusswort verfassen.

In den Medien wurde in der letzten Zeit des Öfteren berichtet, Deutschland könne seinen Weizenbedarf fast ausschließlich durch Eigenanbau decken. Warum dann die leeren Regale? Die Lieferwege sind innerhalb Deutschlands doch extrem klein im Vergleich zu den Transportrouten auf See oder über mehrere Staaten hinweg. Was bei all dieser Berichterstattung allerdings verschwiegen wird, ist, dass Weizen nicht gleich Weizen ist. Mehr als die Hälfte des angebauten Weizens in Deutschland ist Futter für Tiere der Bauern. Um zu verstehen, wieso das so ist, muss man ein wenig Ahnung von Landwirtschaft haben. Weizen, der für menschliche Nahrungsmittel verwendet wird, benötigt z. B. einen gewissen Eiweißgehalt. Diesen Eiweißgehalt erhält man nur mit der richtigen Düngung. (Quelle: https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/hat-deutschland-genug-getreide-um-versorgen-fakten-591301)

Deutschland bezieht seinen Dünger übrigens aus Russland. Aber das ist derzeit nicht das Kernproblem. Auch die örtlichen Bedingungen, also der Boden auf dem Weizen angebaut werden soll, Klima usw. sind entscheidend. Nicht jeder Standort eignet sich also für den Anbau der Art von Weizen, wie wir ihn fürs Backen von Brot usw. bräuchten. Außerdem schreibt das Agrarministerium die Nutzung der potentiellen Anbauflächen vor und verbaut den Bauern dadurch einiges an Möglichkeiten, was sich wiederum in fehlender Ernte niederschlägt und am Ende auch uns Verbraucher trifft. Wie das alles zusammenpasst, erklärt ein Bauer an dieser Stelle: https://www.facebook.com/BauernBannerInfo/videos/5302260756504083/

Ich hoffe, dieser für meine Website eher ungewöhnliche Blogbeitrag war aufschlussreich für euch. Mir hat die Betrachtung an einigen Stellen ebenfalls neues Wissen beschert. Allerdings lassen mich die ganzen Umstände auch ein wenig unschlüssig ob der verzwickten Situation zurück.

Eure Rike Moor.

PS: Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller Punkte, die dieses doch sehr umfangreiche Thema zu bieten hat.

Hochlandspinne

Die Hochlandspinnen sind eine besonders große Spinnenart. Ihr bepelzter Körper erreicht bei männlichen Exemplaren eine Ausdehnung von einer Armlänge. Zusammenmit den acht Beinen erreichen sie jedoch eine gut doppelt so große Spannweite. Weibliche Exemplare sind dagegen um einiges größer. Beide Geschlechter sind erdfarben bis schwarz gefärbt. Bei Weibchen kommen in der Paarungszeit noch rote Streifen an den Beinen hinzu.

Bis auf wenige Ausnahmen bewohnen sie die Tropen Onars und nur die hochgelegenen Vorgebirgsregionen. Das brachte ihnen ihren Namen ein. Als Lauerjäger verstecken sie sich in mit Netzen ausgekleideten Höhlen und Erdmulden. Gelegentlich wird auch die umliegende Vegetation mit eingesponnen. Männchen bilden Zusammenschlüsse von bis zu einem Dutzend Tiere – ein Grund, weshalb ihr Revier sehr groß ist – während die Weibchen Einzelgänger sind.

Zur Paarungszeit suchen die Männchen in ihren Gruppen die Nähe der Weibchen. Es ist ein lebensgefährliches Unterfangen, bei dem nur wenige Männchen überleben.

Staubfalter

Staubfalter sind eher unscheinbare nachtaktive Schmetterlinge. Meist sind sie von mausgrauer bis gelber Farbe mit einer Kreiszeichnung auf den Flügeln. Sie haben einen gedrungenen Rumpf und breite kräftige Flügel. Ihre Spannweite von einer Flügelspitze zur nächsten beträgt nicht mehr als eine Handbreit, meist kleiner.

Den Tag verbringen sie geschützt in großen Blütenständen, die sich nur nachts öffnen. In ihrer Ruhezeit kommen sie mit den Pollen der Blüten in Kontakt. Wenn sie in der Nacht umherfliegen, sieht es aus, als würde Staub von ihnen abfallen.

Darrangas

Darrangas sind eine Kreuzung aus Baum und Busch. Ihr Wuchs ist knorrig und sie bleiben im Vergleich zu anderen Baumarten des Dschungels relativ klein. Bevorzugt siedeln sie sich an felsigen Kanten von Abhängen und Schluchten an, manchmal auf tiefer gesetzten Vorsprüngen. Ihre feinen bis mäßig dick ausgebildeten Wurzeln bohren sich mitunter durch brüchiges Gestein und können mehr doppelt so lang werden wie der Baum hoch ist.

In ihrem stark belaubten Geäst finden sich nicht selten die Nester der grünen Baumameise, auch grüner Tod genannt.

Reden wir mal Tacheles: Wie wird man Lektor?

Heute ist es mir ein persönliches Anliegen, über den Werdegang eines Lektoren zu schreiben. Bereits in dem Artikel Freiberuf oder Gewerbe habe ich erwähnt, dass Lektoren Freiberufler und damit selbstständig sind. Aber ich habe nicht erzählt, wie es dazu kommt. In Anbetracht dessen, dass mir immer wieder Beiträge bei Facebook oder Instagram auffallen, wo Kollegen mit ihrer Ausbildung zum Lektor werben und das groß in Szene setzen, ist es an der Zeit, einiges richtig zu stellen. Immerhin wirkt so ein Aushängeschild wie ein Magnet, weil es impliziert, dass da jemand wirklich vom Fach ist und Ahnung hat. Das erwartet man schließlich von jemandem mit Ausbildung und wähnt sich gut aufgehoben.

Auf die meisten Lektoren trifft das auch zu. Aber Obacht! Wenn zu sehr darauf hingewiesen wird, kann etwas faul sein. Schaut also besser einmal mehr und genau hin.

Allgemeines zur Ausbildung!

Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung. Es gibt staatlich anerkannte Berufsausbildungen und die berufliche Weiterbildung in Form von Qualifikationen, weil sie nur einen Teil Fachwissen vermitteln. Eine fundierte Ausbildung ist hier Voraussetzung. Ein Merkmal der staatlich anerkannten Berufsausbildung ist die sog. Ausbildungsverordnung. In ihr werden Lehrinhalte festgehalten. Hinzu kommt ein Ausbildungsrahmenplan, der die zeitliche Abfolge bereitstellt. All das und die Liste der anerkannten Ausbildungsberufe kann beim BiBB (Bundesinstitut für Berufsbildung, https://www.bibb.de) eingesehen werden.

Ein weiteres Merkmal für eine anerkannte Berufsausbildung ist der Schutz der beruflichen Bezeichnung und/oder die Erlaubnis, die Tätigkeit auch ausführen zu dürfen.

Hierzu habe ich drei Beispiele herausgepickt.

Konditor
Der Konditor ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Bezeichnung ist geschützt und es ist Privatpersonen nicht erlaubt, in diesem Rahmen kommerziell tätig zu sein. Im Klartext heißt das, dass man sich ohne diese Ausbildung nicht Konditor schimpfen oder (im heimischen Umfeld) nicht für andere gegen Bezahlung backen darf. Verschenken oder Bereitstellen bei einem Basar ist dagegen aber sehr wohl erlaubt.

Mediendesigner
Auch der Mediendesigner ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Anders als zum Konditor ist es Menschen, die keine fundierte Ausbildung in dem Bereich abgeschlossen haben, durchaus erlaubt, diese Tätigkeit kommerziell anzubieten, aber sie dürfen sich nicht als Mediendesigner bezeichnen.

Lektor
Laut dem BIBB ist der Lektor KEIN anerkannter Ausbildungsberuf und kann daher von jedem ausgeübt werden. Ebenso kann sich jede Person so nennen. Es gibt da keine Verbote oder Grenzen.

Ausbildung zum Lektor

Obwohl der Lektor kein anerkannter Ausbildungsberuf ist, ist es dennoch möglich, sich dahingehend „ausbilden“ zu lassen. Das klingt jetzt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht. Wie vielen bekannt ist, gibt es den Lektor noch heute als Angestellten in Verlagen. Er besetzt einen Posten im Qualitätsmanagement des Verlagssortiments. Schließlich achtet der Lektor auf die Qualität der vom Verlag herausgegebenen Literatur. Aber nicht nur das, er managt in enger Zusammenarbeit mit anderen Verlagsabteilungen (z. B. Marketing, Finanz- und Vertragsabteilung) ganze Buchprojekte. Die gleiche Arbeit fällt auch seinen freiberuflichen Pendants zu.

Für beide, Verlagslektor und freiberuflicher Lektor, gibt es nun drei seriöse Wege des Werdeganges.


1. Studium
Der Weg des Studiums führt über einen der folgenden Studiengänge: Germanistik, Buchwissenschaft oder Buchhandel/Verlagswirtschaft. Voraussetzung für ein Studium ist die Hochschulzugangsberechtigung. Der Abschluss wird als Bachelor of Arts oder Master of Arts bezeichnet.

2. Ausbildung im Buchhandel
Als ausgebildeter Buchhändler erhält man ein umfangreiches Wissen über die vorhandene Literatur, Bezugsquellen und geschäftlichen Abläufe. All das wird bei Verlagen als Vorwissen sehr geschätzt und ist für die Tätigkeit als Lektor nicht unerheblich. Die Kenntnisse der unterschiedlichen Genres und Subgenres sind essentiell.

3. Ausbildung im kaufmännischen Beruf
Für den kaufmännischen Bereich kommen Berufe wie Medienkaufmann in Digital und Print genauso infrage wie Kaufmann für Büromanagement. Beide Berufe bringen ein umfangreiches Wissen in der Programmführung mit sich. Als Lektor muss man zwingend mit einem gewissen Handwerkzeug ausgestattet sein und die Arbeiten heutzutage erfolgen fast nur noch digital, in Wort und Schrift genauso wie in bildlicher Darstellung. Als Kaufmann für Büromanagement lernt man unter anderem noch intensiver in den Bereichen: Vertragsrecht, Finanzrecht, Buchhaltung, Kundenkommunikation, Organisation, Kalkulationen usw. All das wird bei einem Lektor im Verlagswesen und Freiberuf gleichermaßen abverlangt.


Nach erfolgreichem Abschluss von mindestens einer dieser drei Möglichkeiten ist man bei weitem noch kein Lektor, aber es stehen einem die Türen im Verlag offen, wobei Verlage den Uni-Absolventen nicht gerade selten bevorzugen oder gleich selbst die entsprechend anerkannte Ausbildung ausschreiben und dann die Weiterbildung zum Lektor daran knüpfen.

Oder man wählt die freiberufliche Schiene und legt einfach los, weil man sich ja zu jederzeit als Lektor bezeichnen kann, sei es nun mit oder ohne Ausbildung. In dem Fall spart man sich die angeschlossene Fortbildung, die gut und gerne auch noch einmal bis zu 2 Jahre dauern kann, sofern sie nicht parallel zur anerkannten Berufsausbildung gelaufen ist.

Wieso ist die Weiterbildung nötig?

Mit dem Studium oder einer Berufsausbildung hat man bereits einiges an Wissen und an Fertigkeiten gesammelt, die als Lektor unerlässlich sind. Das gilt insbesondere für diejenigen, die freiberuflich arbeiten. Denn sie sind ihr komplettes Büro: Vertrags- und Finanzabteilung in einem. Da sollte man schon wissen, was man tut. Aber das Spezialwissen, das es braucht, um effektiv als Lektor arbeiten zu können, ist bestenfalls in den Anfängen vorhanden. Das ist auch davon abhängig, ob praktische Erfahrung in Form von Praktika oder Volontariat dabei waren. Immerhin gibt es bei jedem Studium und jeder Berufsausbildung auch einen praktischen Teil.

Wer sich für den Verlagsweg entscheidet, ist auf jeden Fall gut beraten, seine praktische Erfahrung bereits während der Ausbildung dort zu suchen. Aber nicht jeder hat das Glück, bei einem Verlag zu landen. Daher ist es angeraten, das nach Abschluss des Studiums nachzuholen. Denn die Arbeit beim Verlag schult das Auge für interne Abläufe und hinsichtlich des Verlagsprogramms. Zudem steckt man dann schon ein gutes Stück in der Materie drinnen und kann sein Wissen sowie die bisher erlangten Fertigkeiten verfeinern.

Wer sich nach einer Berufsausbildung für den Weg der Selbstständigkeit in Form des Freiberufes entscheidet, ohne zuvor groß praktische Erfahrungen im Verlagswesen oder den Buchhandel gemacht zu haben – was auch vorkommt – sollte sich um eine externe Weiterbildung bemühen. Sie erfolgt oft in Form von Berufsqualifikationen und kann von diversen Institutionen ausgeschrieben sein. Die Angebote sollte man tunlichst genau prüfen, weil es auch hier schwarze Schafe gibt. Dazu weiter unten mehr.

Möglich ist es auch, sein Praktikum in einem Lektoratsbüro zu machen. In dem Fall handelt es sich um einen unabhängig tätigen Lektor, der vermutlich noch andere Angestellte hat und daher ein Gewerbe betreibt. Auch das gibt es. Wer sich für den Unterschied Freiberuf und Gewerbe interessiert, darf sich hier einfinden. Es kommt aber auch vor, dass sich angehende Lektoren als Testleser anbieten, um so ihre Erfahrungen auf sehr kostengünstigen Weg zu erlangen.

Zusammenfassung!

Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Lektor gibt es nicht. Der seriöse Zugang erfolgt über ein Studium oder eine fundierte Berufsausbildung und dauert in der Regel bis zu 3 Jahre, verkürzt auf 2 Jahre, wenn es auf dem zweiten Bildungsweg passiert. Ein Abschluss ist in jedem Fall ein Qualitätsmerkmal. Weiterbildungen erfolgen in Verlagen oder durch externe Angebote und werden bei erfolgreichem Abschluss mit Zertifikaten belegt.

Vorsicht bei Ausbildungsversprechen!

Nachdem die Rahmenbedingungen geklärt sind, möchte ich zum Abschluss noch eine Mahnung aussprechen. Es sind immer wieder Angebote im Internet unterwegs, die eine schnelle und kompetente Ausbildung zum Lektor versprechen. Darauf folgen dann nicht selten die eingangs erwähnten Aushängeschilder. Lektoren werben groß mit ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung, um Pluspunkte zu sammeln. Manche benennen dabei sogar noch die (angebliche) Ausbildungsstätte.

Wie die dargelegten Inhalte in diesem Blog zeigen, braucht es seine Zeit, um sich Fachwissen sowie Fertigkeiten anzueignen. Innerhalb weniger Wochen ist das nicht leistbar. Selbst wenn ein gewisses Maß an Grundwissen vorliegt, das aber nicht durch eine der genannten Ausbildungen oder des Studiums gestützt ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass solche Ausbildungsversprechen das halten, was sie im Interesse der späteren Kunden (Autoren) sollten.

Um den Lektoren oder sogar die Ausbildung näher zu beleuchten, ist es angeraten, auf nachstehende Fragen eine Antwort zu bekommen. Kann der Lektor eine Zertifizierung oder etwas Ähnliches vorweisen? Schreiben kann man immerhin viel. Erfolgte die Ausbildung bei einer zertifizierte Lehrkraft bzw. anerkannten Stelle?

Die Überprüfung der Ausbildungsstätte ist insofern sinnvoll, da eine Weiterbildung immer mit vermitteltem Fachwissen einhergeht. Leute, die so etwas machen, werden Trainer genannt oder auch Coaches. Sie sind entweder festangestellt oder selbstständig gewerblich tätig. Allerdings brauchen sie für ihre Tätigkeit eine Trainerlizenz (Zertifizierung) und die Vergabe erfolgt über die IHK. Es sind also erfolgreich abgeschlossene Lehrgänge erforderlich.

Fazit!

Egal was ihr seid, Autoren auf der Suche nach einem Lektor oder jemand, der eine Ausbildung zum Lektor machen möchte, seid vorsichtig und überprüft die Versprechen in den jeweiligen Werbebeiträgen, ganz besonders wenn noch keine einsehbaren Referenzen vorliegen. In der Werbung werden nicht immer die richtigen Bezeichnungen verwendet, sondern das, was gut klingt und eine ähnliche Bedeutung hat, in der Hoffnung, die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Freiberuf oder Gewerbe

Seit ein paar Jahren bin ich schon als Lektorin & Korrektorin unterwegs. Mir ist schon viel begegnet. Ungefähr die Hälfte dessen handelt von Unwissenheit und Beratungsresistenz. Während man Unwissenheit durch Aufklärung ausmerzen kann, ist das bei der Beratungsresistenz leider nicht so. Blöd ist es, wenn beides brüderlich Hand in Hand geht.

Normalerweise meide ich solche negativ Potentiale in der Medienlandschaft. Hin und wieder stolpere ich allerdings doch hinein. Es ist also nicht schwer zu erraten, was mich zu diesem Blog-Artikel bewogen hat, in dem ich einige Punkte für all diejenigen klarstelle, die als Korrektor tätig sein möchten, sei es hauptberuflich oder neben dem Angestelltenverhältnis, oder weil sie sich nur darüber informieren möchten.

Der Einstieg

Lektor oder Korrektor wird man nicht über einen Lehrberuf. Meist kommt man als Quereinsteiger oder durch ein Germanistik-Studium mit diesem Arbeitsumfeld in Verbindung. Letzteres war neben dem Volontariat die Einstiegsmöglichkeit bei Verlagen, um sich in dem Tätigkeitsfeld zu etablieren. Heute ist das eher selten geworden, weil das Outsourcen von Fachkräften günstiger für Unternehmen ist. Verlage bilden da keine Ausnahme.

Wie gesagt fällt der Beruf des Lektors oder Korrektors nicht in den Bereich der Lehrberufe. Daher kann man sich ungestraft ganz einfach so bezeichnen, ohne einen Abschluss vorweisen zu müssen. Das kommt vor allem den Quereinsteigern zugute. Quereinsteiger haben meist auf individuellem Weg ihre Qualifikationen erlangt. Ich setze das jetzt einfach mal voraus und blende die vielen schwarzen Schafe aus, die es aufgrund der Bezeichnungsfreiheit leider auch gibt.

Für beide Berufswege – über den Verlag oder als Quereinsteiger – gibt es jetzt nur die Möglichkeit der Festanstellung oder der Selbstständigkeit. Somit stellt sich die Frage: Bin ich jetzt Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Die Selbstständigkeit!

Es gibt als Selbstständiger genau zwei Möglichkeiten. Entweder man ist Gewerbetreibender oder Freiberufler.


Merksatz:
Ist man nicht das eine, so ist man automatisch das andere.


Das Problem besteht also darin, das eine zumindest auszuschließen, was bei Berufen, die keiner anerkannten Lehre entspringen, zuweilen problematisch sein kann. Am einfachsten ist es, sich die Freiberufe anzusehen. Dieses Feld der Selbstständigkeit ist bedeutend leichter zu überblicken. Der Ansatzpunkt sollte die Gesetzeslage sein. Hierzu gibt es § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG.

Darin steht:

„Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. 2Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe. 3Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. 4Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen;“

(https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html)

All die hier aufgeführten Berufszweige sind sog. Katalogberufe und zeichnen sich durch eine persönliche, hohe schöpferische, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen aus. Wer sich näher mit dem entsprechenden Paragraphen (§ 1 Abs. 2 PartGG) beschäftigen will, geht bitte einmal hier entlang. (https://www.gesetze-im-internet.de/partgg/__1.html)

Halten wir die Katalogberufe noch einmal übersichtlich fest. Da hätten wir:

  • Ärzte, Zahnärzte. Tierärzte,
  • Rechtsanwälte, Patentanwälte,
  • Notare,
  • Vermessungsingenieure, Ingenieure,
  • Architekten,
  • Handelschemiker,
  • Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, vereidigte Buchprüfer, beratende Volks-und Betriebswirte,
  • Heilpraktiker,
  • Dentisten,
  • Krankengymnasten,
  • Journalisten,
  • Bildberichterstatter,
  • Dolmetscher,
  • Übersetzer,
  • Lotsen

Neben den Katalogberufen gibt es weitere Berufe, die laut dem Bundesfinanzhof als Freiberufe gewertet werden. Zu denen gehören:

  • Tätigkeit als Diplom-Informatiker oder Diplom- Mathematiker,
  • Fleischbeschauer,
  • Hebamme, Entbindungspfleger, Diätassistenten,
  • Patentberichterstatter mit wertender Tätigkeit,
  • Prozessagenten,
  • Zahnpraktiker,
  • Gutachter,
  • Altenpfleger, soweit keine hauswirtschaftliche Versorgung der Patienten erfolgt,
  • Ergotherapeuten,
  • Krankenpfleger/Krankenschwestern, soweit keine hauswirtschaftliche Versorgung der Patienten erfolgt,
  • Logopäden,
  • Staatlich geprüfte Masseure, Heilmasseure, soweit diese nicht lediglich oder überwiegend kosmetische oder Schönheitsmassagen durchführen,
  • Medizinische Bademeister, soweit diese auch zur Feststellung des Krankheitsbefunds tätig werden oder persönliche Heilbehandlungen am Körper des Patienten vornehmen,
  • Medizinisch-technische Assistenten,
  • Orthopisten,
  • Psychologische Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche,
  • Podologen,
  • Rettungsassistenten

Aber das ist noch nicht alles. Es gibt noch die sonstigen Selbstständigen, die keine Gewerbetreibenden sind und ebenfalls in die Kategorie Freiberuf fallen. Das wären dann:

  • Testamentsvollstrecker,
  • Vermögens-, Insolvenz-, Vergleichs- oder Zwangsverwalter,
  • Aufsichtsratsmitglied,
  • Schiedsmann,
  • Berufsmäßiger rechtlicher Betreuer,
  • Tagesmutter,
  • Ehrenamtliches Mitglied kommunaler Vertretungen (z.B. Ortsbürgermeister, Landrat, Kreistagsabgeordneter),
  • Einnehmer einer staatlichen Lotterie (wenn diese nicht ausnahmsweise gewerblich sind).

(Quelle der kompletten Auflistung: https://www.buhl.de/steuernsparen/beruf-aus-dem-katalog)

So nun kennen wir die Rahmenbedingungen und wissen, welche Selbstständigen sich als Freiberufler bezeichnen dürfen. Eines fällt sofort auf, die Auflistung kann nicht vollständig sein. Der Korrektor ist dort genauso wenig aufgeführt wie der Lektor oder sogar der Autor. Letztgenannte gelten aufgrund ihres hohen künstlerischen Potentials definitiv als Freiberufler und sind damit eigentlich kein Streitfall (mehr dazu weiter unten), obwohl sich da so manches Finanzamt am Anfang auch gerne einmal querstellt. Denn bei denen wird man sich früher oder später sowieso melden müssen. Selbstständigkeit ist in jedem Fall anmeldepflichtig und dann muss man auch angeben, ob es sich bei der anzumeldenden Tätigkeit um ein Gewerbe oder Freiberuf handelt. Notfalls wird auch eine Erklärung fällig, warum die Anmeldung als Freiberufler erfolgt, wenn die Angabe von der Meinung des Finanzamtes abweicht.

So selten kommt das nicht vor. Dem Finanzamt liegt ja auch die Auflistung der Katalogberufe (siehe oben) vor, die leider nicht zu 100% vollständig ist. Die Beweisführung dürfte einem reinen Korrektor sehr schwer fallen, weil er nicht über die gleiche Kompetenz verfügt wie jemand, der in einem wissenschaftlichen oder pädagogischen Beruf arbeitet. Seine Tätigkeit bezieht sich auf das Auffinden von Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern, also alles, was zu den formellen Textschwächen zählt. Hinzu gesellen sich oft auch Formatierungsfehler. Das ist keine wissenschaftliche, keine künstlerische, keine schriftstellerische (weil man nicht selbst schreibt), keine unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit. Hierbei handelt es sich um reines Handwerk, auch wenn es digital abläuft, und das ist eindeutig gewerblich einzustufen. Wenn man dem Finanzamt also keine stichhaltige Begründung gemäß der gesetzlichen Definition des Freiberufes liefern kann, warum man dennoch kein Gewerbetreibender ist, dann sollte man sich dieses Drama lieber ersparen und ein Gewerbe anmelden.

Aber diese Stellenanzeigen bei Google …!

Den Einwand lese ich in dieser oder ähnlicher Form immer wieder und es wird Zeit, damit einmal aufzuräumen. Suchen wir mittels Google nach Korrektoren, dann erhalten wir Ergebnisse wie nachstehend zitierte Textauszüge:

  • „Ein Korrektor arbeitet in der Regel freiberuflich. Nur noch in wenigen Verlagen sind fest angestellte Korrektoren zu finden – und die Zahl der Stellen wird weiter abgebaut.“
  • „Selbständiger – bzw. freiberuflicher – Korrektor werden ist somit die ideale Alternative zu einem ohnehin rar gesäten Job in einem Verlag.“
  • „Korrektor auf freiberuflicher Basis im Homeoffice (derzeit keine Stelle frei).„

All das wird gerne als Begründung herangezogen, dass der Beruf des Korrektors doch ein Freiberuf ist. Das ist allerdings falsch. Warum erkläre ich gerne. Die Begriffe „Freiberuf“ und „freiberuflich“ sind hier zwei verschiedene Paar Schuhe, werden aber gerne als Synonyme füreinander gebraucht. So kommt es zum Irrglauben, der Korrektor sei ein Freiberuf. In den von mir zitierten Google-Ergebnissen bedeutet der Begriff „freiberuflich“ nichts anderes, als dass es sich nicht um eine feste Anstellung handelt.


Wir erinnern uns: Wer nicht fest angestellt ist, ist selbstständig, und wer darüber hinaus nicht die Anforderungen für einen Freiberuf erfüllt, ist Gewerbetreibender.


Natürlich sollte man in zweiter Instanz fragen, was der Korrektor über sein eigentliches Tätigkeitsfeld noch leistet. Je nach Gewichtung und Sachlage, kann es Ausnahmen von der Einstufung des Gewerbetreibenden geben. Aber das ist dann ein Einzelfall und mit dem zuständigen Finanzamt zu klären.

Eine weitere Anlaufstelle für derlei haarspalterische Fragen kann in diesem Fall auch die KSK (Künstlersozialkasse: https://www.kuenstlersozialkasse.de) sein. Sie sorgt dafür, dass Künstler und Publizisten einen ähnlichen gesetzlichen Sozialversicherungsstandard genießen wie Arbeitnehmer. Korrektoren werden dort nicht aufgenommen, weil Korrektoren keine Freiberufler sind. Lektoren werden bei der KSK jedoch genauso wie Autoren ohne Probleme versichert. Bei Lektoren wird der schöpferische Anteil am schriftlichen Werk ausreichend hoch bewertet, weshalb sie schlussendlich zu den Freiberuflern zählen.

Warum erwähne ich das so explizit? Nun, mir ist schon oft untergekommen, dass so mancher Korrektor behauptet hat, eine künstlerische Eigenleistung an dem Werk seines Kunden erbracht zu haben, nur weil hier und da ein paar stilistische Ausbesserungen vorgenommen worden sind, die in Wahrheit aber in den Bereich der formalen Fehlerquelle (Grammatik) gelegen haben. Ein paar überschaubare grammatikalische oder stilistische Eingriffe machen aus einem Korrektor aber keinen Lektor. Die KSK erfragt vorab definitiv Nachweise über die anzumeldende und zugleich zu versichernde Tätigkeit. So trennt sich dann meist schon die Spreu vom Weizen.

Wer also mit dem Gedanken spielt, sich in Zukunft als Lektor oder nur als Korrektor, weil das von vielen Anwärtern als weniger arbeitsintensiv angesehen wird – das ist übrigens ein Trugschluss – sein monatliches Einkommen aufzubessern oder gleich ganz davon leben zu wollen, sollte sich also als erstes dieser Fragestellung widmen. Im Zweifelsfall muss man sich mit dem Gewerberecht vertraut machen. Scheitert man alleine schon daran oder möchte das aus irgendwelchen Gründen nicht, sollte man die Finger von diesem Berufsstart lassen. Denn als Selbstständiger, egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibender, hat man noch mit ganz anderen rechtlichen Passagen zu kämpfen, allen voran das Vertrags- und Finanzrecht.

Tolino Media: Jetzt auch Printbücher!

Seit einer Weile wartet die Autorenschaft schon darauf, bei Tolino Media ihre Bücher auch in physischer Form veröffentlichen zu können. Jetzt ist es endlich so weit. Tolino Media erweitert seine Distribution auf Taschenbücher und Hardcover.

Da auch ich mich immer brennend für neue Vertriebswege interessiere, habe ich mir das Angebot einmal genau angeschaut und mit epubli sowie Amazon KDP verglichen. Beginnen wir mal von vorne.

Buchprojekte im Vergleich

Wie ihr sehen könnte, kann man nicht nur zwischen eBook und Printbuch unterscheiden, sondern auch ob mit ISBN oder ohne das Projekt angelegt werden soll. Ohne bedeutet, es ist ein privates Buchprojekt ohne den Status einer Veröffentlichung. Ein Probedruck sozusagen.

Die Einstellungen für die beiden Print-Varianten unterscheiden sich minimal, weshalb ich mir gleich die Variante mit der ISBN angeschaut habe. Allerdings überspringe ich die typischen Angaben, die es auch in der eBook-Variante gibt, und komme gleich zum Kern des Ganzen: Ausstattung & Preis.

Das wichtigste an der Ausstattung sind vermutlich die Maße. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen Taschenbuch und Hardcover mit einer beschränkten Auswahl im Format.

Gedruckt werden kann auch in Farbe. Hierzu muss man nur die Anzahl der Farbseiten und ihre Lage angeben. Die Papiersorte ist in jedem Fall auf 90gr cremeweiß/weiß beschränkt. Bei der Laminierung kann zwischen mattiert und glänzend gewählt werden.

Aufgrund der Eingaben (Seitenzahl inklusive) werden die Covermaße berechnet. Zur besseren Darstellung nehme ich ein Beispielbuch mit 500 Seiten. Mein Ergebnis sieht wie folgt aus.

Sogar der Mindest-Verkaufspreis wird erstellt und kann später händisch noch nach oben korrigiert werden. Unterschreiten lässt sich dieser Preis nicht. Für mein Beispielbuch von 500 Seiten erhalte ich den Mindest-Verkaufspreis von satten 15,99 € bei einer Marge von 1,47 €. Wie man zusätzlich sieht, kann man sich Eigenexemplare zu Staffelpreisen besorgen. In dem Fall kostet das Einzelbuch 11,13 €. Der Preis dürfte das kostendeckende Niveau bei diesem Beispiel sein.

Aus Erfahrung weiß ich, das die anderen Distributoren ähnliche Preise erzielen. Also werfen wir einmal einen Blick zu Epubli.

Für dasselbe Beispielbuch erhalte ich einen Verkaufspreis von 16,99 €. Die Marge, die später auch noch versteuert werden muss – Einkommenssteuer lässt grüßen – beläuft sich auf 2,83 € bzw. 1,24 € je nach Verkaufsplattform. Epubli ist also gut 1 € teurer als Tolino Media.

Schauen wir uns jetzt Amazon als Tolino Medias größten Konkurrenten an. Die Zahlen sprechen für sich. Amazon hat leider seine Nase preislich vorne. Die Mindestkosten belaufen sich auf 11 € und sind lediglich kostendeckend. Für den Preis könnte ich laut dem Rechner von KDP das Taschenbuch tatsächlich online stellen, leider ohne Gewinn. Um an die Marge von Tolino Media oder Epubli heranzureichen müsste sich mein Verkaufspreis irgendwo zwischen 13 – und 14 € befinden. Dieser Endpreis schlägt die beiden Konkurrenten eindeutig.

Natürlich sind das nur Schätzwerte und den endgültigen Preis kann man erst in der Preisgestaltung eines angelegten Projektes sehen, was ich jetzt nicht getan habe, weil man dafür zwingend einen Buchblock und ein daran angepasstes Cover benötigt. Viel wird sich daran jedoch nicht ändern.

Was gibt es zu beachten?

Diese Frage ist essentiell, da jeder Distributor seine eigene Regelung besitzt. Die wichtigsten Knackpunkte haben ich einmal aufgelistet und mit den entsprechenden Konkurrenten vergleichen.

  1. Beim ersten Bild ist es euch sicher schon aufgefallen. Es gibt eine einmalige Gebühr für jedes „neue“ Buchprojekt von 14,90 €. Das ist nichts Schlimmes, macht BOD zum Beispiel auch so, wirft jedoch Kosten auf. Epubli hingegen verlangt keine Gebühr (mehr) für die Bereitstellung einer ISBN und liefert auch die Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek, genauso wie Tolino Media und BOD.
  2. Es gibt eine Bearbeitungsschranke. Änderungen am Inhalt, dem Cover und dem Preis sind nach einer Veröffentlichung nicht mehr möglich. Absolut gar nicht! Die einzige Möglichkeit bestünde in einer Neuauflage, also ein „neues“ Projekt für das man wieder 14,90 € zahlen müsste. So etwas Ähnliches kennen viele Autoren bereits von BOD. Auch hier gibt es Änderungen nur gegen Bares. (Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/veroeffentlichung/)
  3. Tolino Media verlangt ein bestimmte Farbprofil für die Cover-Datei. Wer seine Cover also selbst designt wird hier das verlangte Farbprofil installieren und anwenden müssen. Wer einen Coverdesigner beauftragt, wird diese Informationen an jenen weitergeben müssen, um Probleme zu vermeiden. (Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/ueber-kb-add-ons/)

Fazit!

Für mich ist das Angebot von Tolino Media nichts. Sie verzichten zwar auf Exklusivität (https://www.tolino-media.de/so-funktionierts/vorteile/), was ein tolles Plus ist. Aber die Kombination aus Bearbeitungsschranke und einmaligen Gebühren sind ein klares No-Go für mich. Durch Epubli und KDP (Amazon) habe ich den Service von kostenlosen Änderungen am Inhalt, Cover und Preis (nur bei KDP) durchaus schätzen gelernt. Kleine Fehler sind schnell ausgebügelt und bedingen nicht sofort eine Neuauflage mit entsprechender ISBN und Kosten.

Für alle, die anderer Meinung sind und damit gut leben können, für die ist dieses Angebot von Tolino Media zum Printbuch eine konkurrenzfähige Möglichkeit zu Epubli und BOD. Letzteres habe ich in meine Vergleiche kaum einbezogen, doch dieser Distributor rangiert in der Preisgestaltung meist knapp hinter Epubli. Amazon bleibt jedoch derzeit unschlagbar. Einziges Manko hier ist, dass das Buch nicht mit einer weltweiten ISBN ausgestattet ist, außer man hat sich selbst darum gekümmert. Aber das ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung gewesen.

Making of Sinderion

Schon einmal habe ich Einblick in die Erstellung einer Karte gegeben. Beim letzten Mal war es ein Schwarz-Weiß-Druck für ein Buch. Die Karte heißt Ayja und ist im Kartenraum zu finden. Heute lade ich euch zum Making of der Farbkarte namens Sinderion ein. Viel Vergnügen!

PS: Wer es noch nicht weiß, ich arbeite mit der Freeware GIMP.

Ausgangslage

Bei Sinderion handelt es sich um eine Rollenspielwelt, die im privaten Umfeld für gemeinsame Spieleabende erdacht wurde. Wie es die Umstände so mit sich bringen, existiert hierfür keine käufliche Spielegrundlage. Alles wird aus privater Hand erstellt, inspiriert durch bestehende Spielewelten und den dazugehörigen Regelwerken. Das ist insofern kein Problem, wenn diejenigen das nötige Knowhow besitzen. Bei der Erstellung einer professionellen Karte ist meistens Schluss. So kam ich zu der Ehre, Sinderion ein Gesicht geben zu dürfen, dass nicht wie bei Inkarnate Massenware ist. Versteht mich nicht falsch, Inkarnate ist technisch ein tolles Online-Programm, aber wenig individuell und eben auf Masse ausgelegt. Ich dagegen setze die Wünsche meiner Kunden punktgenau um.

Gewünscht war in diesem Fall eine Übersichtskarte – also keine Tabletop Oberfläche – in Din A3 Format, geeignet für den Farbdruck. Natürlich bekam ich auch eine Skizze, die ich mit freundlicher Erlaubnis meines Kunden präsentieren darf.

Erste Schritte

Nach einem ausführlichen Briefing ist meine erste Handlung, die Datei überhaupt anzulegen. Dabei berücksichtige ich die Druckmaße ebenso wie die nötige Auflösung. Aus dem Grund muss ich vor Beginn der Arbeiten wissen, wofür die Karte gedacht ist. Farbdrucke benötigen eine höhere Auflösung (mind. 300 dpi) als Schwarz-Weiß-Drucke (mindestes 150 dpi). Ebenso darf die Auflösung für eine reine digitale Veröffentlichung kleiner sein als beim Druck. Mit diesen Einstellungen steht und fällt der Werdegang. Denn aus einer Karte, die zuvor für rein digitale Zwecke erstellt wurde, kann ich nicht so einfach eine für den Druck machen.

Wenn die Datei in ihren Grundinformationen besteht, beginne ich damit, eine Basis ausgehend von der mir überreichten Skizze zu modellieren. Das beinhaltet zuallererst die Umrisse der Ländereien in Abgrenzung zum Meer. Anschließend kommen topographische Elemente hinzu: Berge, Hügel, Flüsse, Wälder, Lage von Städten/Ortschaften usw. Dieser Arbeitsschritt kann mitunter ziemlich lange dauern. Es kommt darauf an, wie viele optische Informationen mir schon vorliegen. Je mehr ich selbst „erdenken“ muss, umso länger dauert dieser Schritt. Ebenso zieht sich die Arbeitszeit in die Länge, je mehr Details erarbeitet werden müssen. Rückfragen sind in dieser Phase sehr wahrscheinlich.

Mein vorläufiges Ergebnis, den sog. Rohling, lege ich meinem Auftraggeber als Sichtkontrolle vor und bitte um Kritik sowie Änderungswünsche.

Nach der Sichtkontrolle setze ich nicht nur die Änderungswünsche um, sondern verfeinere auch noch die Darstellung, wo es nötig ist. Das Ergebnis sah in diesem Fall wie folgt aus:

Anklicken zum Vergrößern

Der Karte Leben einhauchen

Nachdem die Topographie in Größe, Ausdehnung und Erscheinung ihren Platz gefunden hat, beginne ich damit, der Karte Tiefe zu verleihen. Hierbei helfen mir Schatten- und Lichteffekte. Das Meer bekommt seine Untiefen sowie Küstenbereiche und das Land ebenso seine Höhen und Tiefen. Hierbei spielt der Einfallswinkel vom Licht eine zentrale Rolle. Die nachstehenden Bilder verdeutlichen die Arbeitsschritte. Zur genaueren Betrachtung können auch diese mit einem Klick vergrößert werden.

Hierauf erfolgt auch wieder eine Sichtkontrolle. Natürlich kann es auch jetzt vorkommen, dass noch Änderungswünsche bestehen. Sie an dieser Stelle des Arbeitsprozesses einzupflegen, ist zwar etwas aufwändiger, aber machbar.

Das Make-Up

Jetzt kommt der Farbtopf zum Einsatz. Ich arbeite mit wenigen Farben, auch wenn die fertige Karte das nicht immer erahnen lässt. Die Licht- und Schatteneffekte aus dem vorherigen Schritt helfen mir aus einer Farbe mehrere Abstufungen entstehen zu lassen.

Die nachstehenden Bilder sollen das einmal demonstrieren. Links seht ihr nur die verwendeten Farben, rechts daneben was die Licht- und Schatteneffekte daraus machen. Auch die Bilder lassen sich mit einem Klick vergrößern.

Für das Feintuning muss ich Farbübergänge verwischen oder hin und wieder eine Mischfarbe erstellen. Ganz nebenbei finden angepasste Symbole (Städte) ihren Platz auf der Karte.

Beschriftung

Das Platzieren von Namen ist eine Kunst für sich und GIMP ist dafür einfach untauglich, wie ich in der Vergangenheit immer wieder feststellen durfte. Daher habe ich mir Inkscape (ebenfalls Freeware) geholt. Es ist ein vektorbasiertes Zeichenprogramm und für den Zweck der Kartenbeschriftung bestens geeignet. Mit nur wenigen Klicks schafft es, wofür ich in GIMP umständlich hantieren müsste, und erzeugt mir auch noch eine deutlich bessere Qualität.

So kann ich Schriften an schwungvollen Linien ausrichten, drehen, schrumpfen, unterschneiden, vergrößern … kurz gesagt die perfekte Größe & Positionierung erzeugen. Die auf diese Weise angelegten Schriftzüge kann ich nun in Gimp verwenden und dort weiterbearbeiten. Hierzu zählen Effekte wie Farbe, Schattierung usw. Damit ihr das besser versteht, habe ich euch eine Bilderstrecke mit den Zwischenschritten zusammengestellt.

Auch hier könnt ihr jedes Bild einzeln anklicken und damit vergrößern.

Letzte Schritte

Wie bereits aufgefallen sein dürfte, ist der Rahmen zwischenzeitlich mitentstanden. Denn was noch fehlt sind die Legende und ein Kompass. Für die Positionierung ist spätestens jetzt ein Rahmen unerlässlich. Es gibt viele Darstellungsmöglichkeiten. Meine Lieblingsansicht ist die hier verwendete. Sie ist einfach in der Aufmachung, aber zugleich sehr passend.

Zum krönenden Abschluss signiere ich meine Arbeit noch.

Ich hoffe, euch hat das kleine Making of gefallen. Wenn ihr meinen Stil mögt und auch eine Fantasykarte von mir designt haben wollt, schreibt mich an. Die Kontaktmöglichkeit findet ihr im Feed dieser Website und eine Preisliste könnt ihr hier einsehen.

Eure Rike

Gimp-Tutorial: Höhenkarte

Moin allerseits und willkommen zu einem neuen Tutorial für den Bereich Kartengestaltung. Heute zeige ich euch, wie man aus einer (pseudo)isometrischen Ansicht eine Höhenkarte in Top Down-Ansicht (Draufsicht) erstellt. Wieso pseudoisometrisch? Nun ganz einfach. Die meisten Landkarten, die ich im Fantasybereich zu sehen bekomme, sind nicht zu 100% isometrisch gezeichnet. Meine Karte vom Kontinent Onar ist da keine Ausnahme. Ich habe damals einfach die Umrisse der Draufsicht aus der Weltenkarte genommen und die Topographie hineingezeichnet. Bei konsequent umgesetzter Isometrie hätte ich auch die Umrisse für das Land an diese Perspektive anpassen müssen, was ich nicht gemacht habe.

Der Grund für diese Vorgehensweise ist denkbar einfach. Die Draufsicht gibt sämtliche Informationen wider, während man bei 100%iger Isometrie von schräg oben auf eine Landschaft schaut und man damit nicht alles sieht. Die Karte verschluckt also einiges an Information. Also ist es am einfachsten, wenn man die Topographie einigermaßen isometrisch darstellt und das Land selbst in der Draufsicht belässt.

Diese Darstellung wird aber beiden Ansichten nicht vollständig gerecht und nicht immer ist die Topographie für den neutralen Betrachter (also meine Website-Besucher und Leser) nachvollziehbar. Besonders gemerkt habe ich das an meinem Fluss-System, für das ich bei meiner Karte bislang an einigen Stellen kritisiert wurde. Hierbei muss ich sagen, es liegen innerweltliche Gründe für diese Gestaltung vor und man kann in einer Fantasy-Welt eben nicht erwarten, dass alle Gesetzmäßigkeiten, wie wir sie aus der Realität kennen, auch dort gelten. Allen Erklärungen zum trotz halten sich ein paar Kritiken, weshalb ich das als einen weiteren Grund ansah, mich endlich an eine Höhenkarte zu wagen, die ein wenig mehr vom Gefälle der Topographie offenlegt, noch immer nicht alles, weil vieles erst in der Detailansicht klar wird, aber immerhin mehr als bei der aktuell isometrischen Ansicht.

So, und wie das funktioniert, erkläre ich euch jetzt und setze dabei voraus, dass ihr wisst wie GIMP oder ein gleichgeartetes Grafikprogramm funktioniert. Ich wünsche euch viel Vergnügen.

Schritt 1: Gebirgsgrenze

Klickt die Bilder an, um sie in der vergrößerten Ansicht zu betrachten. Das gilt auch für alle anderen, die noch folgen.

Das nebenstehende Bild präsentiert meine Ausgangslage.  Darüber lege ich eine neue transparente Ebene an, auf der ich die Grenzen der Gebirgsregionen einzeichne. Hier ist etwas räumliches Sehen gefragt, weil mir die Rückseite der Berge versagt bleibt. Zugleich gehe ich hin und zeichne diese Grenzen (rote Linien) etwas großzügiger, wo ich meine, dass es dem Verlauf zugutekommt, aber in der isometrischen Ansicht nicht so richtig ersichtlich ist.

Mein Ergebnis seht ihr auf dem unteren Bild.

Schritt 2: Gebirge

Jetzt definiere ich den höchsten Punkt im Gebirge. Dazwischen verlaufen weitere Höhenlinien, die ich ebenfalls einzeichnen sollte. Bei dieser Arbeit ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wer sich schwertut, die einzelnen Höhenlinien auseinanderzuhalten, kann auf unterschiedliche Farben zurückgreifen oder die Bereiche mit Zahlen versehen. Ich habe es bei den Höhenlinien belassen, wie das nächste Bild zeigt.

Der besseren Sichtbarkeit halber erfolgt die Darstellung auf hellem, einfarbigen Untergrund mit dunklen Linien. Gleichzeitig nehme ich damit schon eine Einteilung für die späteren Höhenangaben vor und benenne die Regionen wie folgt:

  • Hochgebirge (hohes)
  • Hochgebirge (niederes)
  • Mittelgebirge (hohes)
  • Mittelgebirge (tiefes)
  • Vorgebirge

Wer sich in dieser Thematik nicht so gut auskennt, sollte im Vorfeld ein wenig über Gebirge und deren Einteilung hinsichtlich Höhenmeter recherchieren. Das hilft an dieser Stelle ungemein.

Schritt 3: Umgebenes Land

Jetzt ist das restliche Land an der Reihe, denn auch hier haben wir unterschiedliche Höhen. Es ist wichtig, auf jeden Fall eine grobe Einteilung vorzunehmen. Für den Anfang reichen 2 grundlegende Bereiche:

  • Küste,
  • Flachland (alles zwischen Küste und Gebirge)

Bei mir sind es gleich 5 geworden, wie das nebenstehende Bild zeigt, weil ich sonst zu viel freie Fläche habe. Das Land würde sonst viel zu flach wirken, obwohl es das ja gar nicht ist. Meine Einteilung für das umliegende Land lautet also:

  • Küste
  • Tiefland 1
  • Tiefland 2
  • Hochland 1
  • Hochland 2

Das Tief- und das Hochland habe ich also jeweils in zwei unterschiedliche Zonen geteilt.

Schritt 4: Farbe für die Höhenlinien

Um jetzt eine plastische Ansicht zu erhalten, brauche ich Farbabstufungen. Meine Wahl fiel auf verschiedene Grautöne, genauso viele wie ich Höhenbereiche habe. Laut meiner Auflistung in Schritt 2 und 3 sind es genau 10 Höhenstufen.

Ob jetzt das niedrigste Level den hellsten oder dunkelsten Wert hat, macht an dieser Stelle noch keinen Unterschied. Mir hat es mehr zugesagt, den dunkelsten Punkt mit dem höchsten Bereich zu verbinden. Bei den Graustufen achte ich nur darauf, dass sie sich nicht zu sehr unterscheiden, aber ich die Grenze immer noch erkennen kann.

Hierzu erstelle ich drei weitere transparente Ebenen. Eine nenne ich „Land“, die andere „Gebirge“ und die letzte „Land-Kontrast“. Letztere dient mir nur als Kontroll-Ebene und ist nichts weiter als eine einfarbige Landmasse. Ich habe sie bei der Erstellung meiner isometrischen Landkarte erhalten und einfach nur in dieses Projekt kopiert. Idealerweise hat sie eine Färbung, die sich von den gewählten Graustufen (oder für was ihr euch entscheidet) abhebt.

Warum das so sein sollte, erfahrt ihr gleich noch. Wichtig ist, dann die Ebenen nun folgende Anordnung in eurem Ebenendialog haben.

  • Höhenlinien
  • Gebirgs-Ebene
  • Land-Ebene
  • Land-Kontrast
  • (pseudo)Isometrische Landkarte (ausgeblendet)

Um nicht über die Landesgrenzen zu zeichnen, gehe ich auf die Ebene Land-Kontrast und öffne für sie im Ebenendialog das Auswahlmenü. Dort klicke ich auf „Auswahl aus Alphakanal“. Jetzt ist das komplette Land mit einer Ameisenlinie umrundet. Das kennzeichnet die aktive Auswahl und mit der kann ich jetzt in allen anderen Ebenen in genau diesem Bereich arbeiten, ohne über die Grenzen zu zeichnen.

Auf der Landebene bringe ich nun alle Grautöne auf, die ich den Höhenbereichen für das Land bis zu den Gebirgszonen zugeteilt habe. Anschließend verfahre ich für die Gebirgs-Ebene genauso. Jetzt blende ich die Ebene mit den Höhenlinien aus. Dank der Kontrast-Ebene sehe ich nun genau, wo noch sog. Pixelfehler liegen. Sie zeigen an, wo ich unsauber gearbeitet habe. Die Bereiche kann ich am besten beheben, indem ich hineinzoome und die Grautöne anpasse. Deaktiviere ich die Ebene mit den Höhenlinien stoße ich unweigerlich auf Pixelfehler, weil mir die Linien einen winzigen Teil meiner Karte verdecken, den ich nicht mit einem meiner Grautöne erwischt habe. Also muss auch hier nachgebessert werden. Es ist eine richtige Frimelarbeit. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Hinweis: Von allen Ebenen, die ich weiter bearbeite, lege ich in regelmäßigen Abständen ein Backup an und ziehe sie im Ebenendialog nach unten. Das mache ich jetzt auch mit der Gebirgs- und Landebene.

Schritt 5: Höhe modellieren

Um nun die Höhe darzustellen, noch ist es ja nur eine platte Ansicht, vereine ich die vormals angelegte Gebirgs- und Landebene. Da bei mir der höchste Punkt mit dem dunkelsten Grauton versehen ist, invertiere ich jetzt noch das Farbmuster. Auch hier überprüfe ich im Zoom noch einmal, ob sich dadurch Pixelfehler eingeschlichen haben und behebe sie notfalls von Hand.

An dieser Stelle ist es wichtig, den Gaußschen Weichzeichner über diese eine Eben laufen zu lassen. Er ist unter Filter -> „Weichzeichnen“ zu finden. Hier stelle ich mir einen Wert ein, der einen sanften Farbverlauf der Graustufen erzeugt. Anschließend überprüfe ich noch die äußeren Randbereiche. Durch das Weichzeichnen entstehen – oh Wunder – Pixelfehler. Damit ich nicht von Hand korrigieren muss, erzeuge ich aus meinen Backup-Ebenen eine neue Graustufen-Ebene und lege sie unter die aktuelle. Pixelfehler adíeu.

Anschließend gehe ich auf Filter und wähle unter „Verzerren“ die Funktion „Relief“ aus. Dieser Filter ist der Grund, warum ich meine Farbstufen invertiert habe. Hätte ich den höchsten Punkt mit der dunkelsten Farbe versehen, erzeugt mir der Filter das Negativ einer Höhenkarte, wie ich sie jetzt herstellen möchte. Probiert es mal aus, dann wisst ihr, was ich meine.

Die Funktion „Relief“ eröffnet uns ein neues Fenster mit verschiedenen Reglern: Azimut, Erhebung, Tiefe. In der Echtzeitvorschau kann man sehr gut sehen, was passiert, wenn ich sie verschiebe.

Tadaaa! Und schon haben wir eine ansehnliche Höhenkarte. Leider lassen sich die dunklen Flecken, die durch einen integrierten Schatteneffekt erzeugt werden, nicht ausblenden oder korrigieren. Man kann ihn höchstens mit den Einstellungen ein wenig abschwächen.

Ganz wichtig: Prägungstyp „Bumpmap (Originalfarben beibehalten)“ auswählen. Damit bleiben die Graustufen erhalten bzw. die Farbe, die ihr euch gewählt habt.

Um jetzt noch etwas Farbe ins Spiel zu bringen, lege ich eine neue transparente Ebene an und fülle sie mit einer mir gefälligen Farbe und stelle den Ebenenmodus auf „Überlagern“. Mit dem Schieber für die Transparenz kann ich so noch an der Sättigung drehen. Zum Schluss erarbeite ich mir noch meine Legende, damit man die Karte auch lesen kann. Der Vollständigkeit halber folgen Flüsse, Seen, Kartenrahmen und der Name.

Tja, und das war es auch schon. Auf diese Weise könnt ihr ein Ergebnis wie das meine erzielen. Es ist viel Arbeit, aber sie lohnt sich. Wie ihr vielleicht beim Vergleich des Ausgangsbildes und dem Ergebnis seht, hat sich eine Konstellation im Flusssystem auf dem Westkontinent geändert.

Bei der Ausarbeitung der Höhen habe ich gemerkt, dass mir diese Variante besser gefällt und auch vom Gefälle her durchaus möglich ist. Das war bei der isometrischen Ansicht nicht der Fall bzw. habe ich vorher nicht erkannt, weil eben alles mehr oder weniger flach wirkt, einen Umstand, den ich weiter oben schon einmal angesprochen habe. Aufgrund dieser Arbeit habe ich gelernt, dass es auch für mich besser wäre, vorher oder zumindest nach dem ersten isometrischen Entwurf, eine Höhenkarte anzufertigen und die Daten miteinander abzugleichen.

Ein Beinbruch ist diese Änderung nun nicht. Sie hat keine Auswirkung auf meine Geschichten. Aber es resultiert daraus eine neue Arbeit, nämlich die Überarbeitung der isometrischen Karte, die dieses Mal sogar eine voll isometrische Ansicht bekommen soll. Wie das funktioniert, zeige ich euch dann in einem anderen Tutorial, sobald die Karte fertig ist und das wird leider seine Zeit dauern, weil dafür meine karge Freizeit herhalten muss.

Ich freue mich, wenn euch dieses Tutorial gefallen hat und ihr auch bei meinem nächsten dabei seid. hinterlasst mir gerne hier oder auf Instagram oder Facebook eure Kommentare oder vielleicht sogar Fragen, die ihr zur Gestaltung einer Landkarte habt.

Eure Rike.

Gimp und die Vignette

Zur Abwechslung bin ich heute mal wieder im Bereich der Bildbearbeitung unterwegs und möchte euch einen einfachen Kniff zeigen, wie ihr eine Vignette in euer Bild zaubert. Damit wir auf den gleichen Arbeitsstand sind, installiert bitte die neueste Version von Gimp. Zurzeit ist das die 2.10.24. Erhältlich ist die Freeware hier.

Schnappt euch nun ein x-beliebiges Bild und öffnet es in Gimp. Meines sieht so aus:

Quelle: Pixabay.com

Mir kommt das Bild ein wenig zu blass vor und ich mir sicher bin, dass das der Vignette nicht zuträglich ist. Also peppe ich es zuvor ein wenig auf. Hierzu dubliziere ich das Original und arbeite im Dublikat weiter. Das andere Bild ist mein Backup für den Fall, dass ich eines brauche. Man weiß ja nie.

Unter dem Menüpunkt „Farben“ wähle ich die Funktion „Werte“ aus. Für gewöhnlich reicht es, die beiden äußeren Reglern ein wenig in die Mitte zu verschieben. Mit bestätigen schließe ich den Prozess ab. Anschließend schraube ich noch ein wenig an der Sättigung, ebenfalls unter dem gleichen Menüpunkt zu finden. Das Ergebnis seht ihr nachstehend im Vergleich zum Original. Um den ganzen Vergleich zu sehen, verschiebt dazu bitte den Regler mit den Pfeiltasten.

Jetzt erstelle ich über dem bearbeiteten Bild eine neue transparente Ebene, benenne sie mit „Vignette“ und gehe zum Menüpunkt Filter. Dort wähle ich unter „Licht und Schatten“ den Filter „Vignette“ aus.

Es öffnet sich ein Fenster und eine vorgegebene Vignette erscheint über dem Bild.

Je nach Arbeitsweise kann man jetzt die Eingabefelder im separaten Fenster nutzen oder die ovalen Grenzlinien im Bild verschieben.

Ich für meinen Teil habe die schwarzen Kanten weitestgehend an den Bildrand geschoben und anschließend das innere Oval ein wenig angepasst. Meine eingestellten Werte entnehmt ihr bitte dem nachstehenden Bild. Einfach die entsprechenden Bilder anklicken und in der vergrößerten Version betrachten. Die Werte sollten noch lesbar sein.

Keine Sorge, das Fenster und die Kreise verschwinden, sobald die Vignette erstellt wurde. Das sieht dann so aus:

Mit dem Ein- und Ausblenden der verschiedenen Ebenen, die ich erstellt habe, zeigt sich sehr gut, dass die vorherige Bildbearbeitung den Effekt der Vignette deutlich hervorhebt. Falls also mal die Vignette nicht so recht zur Geltung kommt, könnte es auch am Ausgangsbild selbst liegen.

Viel Spaß bei der Bildbearbeitung.

Eure Rike.