Gendern: Ja oder Nein?

Es ist schon ein wenig länger her, dass ich einen Blogartikel verfasst habe. Mir liegen kürzere Beiträge auf Instagram oder Facebook mehr und wenn ich blogge, dann eigentlich über Themen zu meiner Schreiberei, dem Weltenbasteln und Tutorials fürs Zeichnen. Heute widme ich mich einem Thema, über das ich eigentlich nicht schreiben will: Das Gendern!

Der einzige Grund, weshalb ich es doch mache, ist, um im Vorfeld klarzustellen, was meine Leser von mir erwarten dürfen – privat wie auch in meinen Büchern – und weil der Vorstoß in die deutsche Sprache immer aggressiver vor sich geht. Sprache unterliegt keiner Statik, sie ist wandelbar. Darin sind wir uns hoffentlich alle einig. Das muss niemanden gefallen, ist aber unbelegbarer Fakt. Aber was hier seit geraumer Zeit passiert, ist kein langsamer stetiger Wandel einzelner Begriffe, wie man ihn bisher aus der Geschichte kennt. Nein. Es ist ein Prozess, der mit einer Keule von oben herab angetrieben wird und gleich das generische Maskulin aufs Korn nimmt.

Generisches Maskulinum, was ist das?

Unter generisch versteht man den geschlechtsneutralen Gebrauch des Maskulinums, also die männliche Variante eines Wortes. Ein Beispiel ist der Begriff „Mieter“ in Mietverträgen. Er umschließt also alle Personen, die eine Sache mieten, z. B. eine Wohnung. Es sind nicht nur Männer angesprochen. Das ist die Wirkung eines generischen Maskulinums.

Gibt es auch das generisches Femininum?

In der Tat, das existiert. Es ist jünger als sein männliches Gegenstück und trat zum ersten Mal 1984 in den Sprachwissenschaften auf. 2013 gab es einen Vorstoß in die praktische Umsetzung. Das generische Maskulinum sollte also eine 180 Grad Wendung erfahren.  Wirklich durchgesetzt hat es sich bis heute (2021) nicht, weil das generische Maskulinum noch vom Großteil der Bevölkerung gebraucht wird.

Was bedeutet jetzt gendern?

Nun, hierbei geht es darum, geschlechtergerecht zu reden und zu schreiben. Es soll also durch Sprache eine Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden. Darunter fallen also nicht nur Männlein und Weiblein, sondern auch alle anderen Geschlechterrollen in der Gesellschaft.

Ist doch eigentlich gut, oder?

Eigentlich ja, der Ansatz ist löblich. Aber aus der Sicht des generischen Maskulinums unnötig. Wie weiter oben schon steht, bezieht es sich nicht auf das Geschlecht einer Person. Neutraler geht es eigentlich kaum. Aber es gibt offenbar zu viele Leute, die sich alleine an der männlichen Schreibform eines Wortes derart stoßen, dass es ihnen sauer aufstößt.

Wie aus heiterem Himmel wird damit argumentiert, dass Frauen sich durch das generische Maskulin nicht angesprochen fühlen. Ich korrigiere das an dieser Stelle. Nicht alle Frauen sehen das so. Es gibt welche, hoffentlich eine hohe Anzahl davon, die ihre Wertigkeit nicht an der Grammatik einer Sprache bemessen und sich nicht nur auf ihr Geschlecht reduzieren lassen. Ich persönlich fühle mich immer angesprochen, wenn bei gesellschaftlichen Ansprachen das generische Maskulinum verwendet wird. Benachteiligt fühle ich mich in anderen Dingen, aber die betreffen nicht die Sprache, sondern das Denken!

Sprache formt Realität!

Dem Spruch bin ich schon oft begegnet und habe eine etwas andere Einstellung dazu. Sprache bildet eher die Realität ab. Sie verändert nicht das Denken. Die aktuellen Veränderungen rufen derzeit die Initiatoren mit ihrer Interpretation hervor, das generische Maskulinum sei geschlechterfeindlich. Diese Denkweise und die im Zuge dessen entstandene Gendersprache ändert aber nicht das Denken derjenigen, die noch in ihren äußerst patriarchalischen Denkmustern gefangen sind. Denn diese sind es, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft behindern und boykottieren. Wir sehen das noch heute im Beruf und im Privatleben, wenn sich bei verheirateten heterosexuellen Paaren die Frage nach der Aufgabenteilung stellt, sobald das erste Kind im Haushalt ansteht. Wer bleibt daheim? Viel zu oft die Frau. Die Gründe sind vielfältig.

Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Frauen, der von sich aus daheim bleibt, weil er es als lebenserfüllend ansieht. Gibt es, und daran ist auch nichts auszusetzen, wenn das auf Augenhöhe entschieden wurde. Bei anderen ist es eine Finanzfrage, nicht selten in einer Zeit, wo jeder Cent zählt, während die Ausgaben jährlich in die Höhe schnellen, aber das Budget nicht mitwächst. Männer verdienen im Beruf oft mehr. Würde es eine durchweg gleiche Behandlung im Gehalt und Lohn geben, gäbe es vielleicht alleine da schon einen signifikanten Unterschied. Daraus ergäbe sich ein gelebtes Muster und automatisch eine Verschiebung des Gleichgewichtes. Zusätzlich bedarf es aber auch mehr Anreize für die Männer, sich für die Kinder und den Haushalt zu entscheiden.

Klingt sehr vereinfacht, ich weiß. In der Praxis ist sowas immer langwieriger. Aber das soll auch nur zeigen, dass hier die Tat weit mehr bewirken kann als die Sprache, die gerade von oben herab durchgehauen werden soll in der Hoffnung, Ähnliches zu erreichen.

Abgesehen davon, dass ich daran nicht glaube, empfinde ich es als überaus aufdringlich, wie aggressiv dabei vorgegangen wird, als wären wir im Krieg. Seit der Duden vorgeprescht ist und das generische Maskulinum abgeschafft hat mit seinen neuen Einträgen, verstärkt sich die Spaltung in der Gesellschaft rapide. DAS ist es, was dieses Sprachwirrwarr derzeit abbildet.

Es gibt offenbar nur zwei Seiten: Pro oder Contra. Raushalten kann man sich nicht, weil die eigene Mundart, das was man seit Kindertagen gelernt hat, plötzlich falsch und ungerecht sein soll. Ergo ist man quasi gezwungen, sich zu entscheiden. Entweder man gendert oder man lässt es.

Letzteres ist allerdings ein Pulverfaß, das in entsprechender Gesellschaft ähnlich gut hochgehen kann, als wenn man sich in einer Diskussion, die es zuhauf im Internet, im Fernsehen oder Privat gibt, gegen das Gendern ausspricht. Man wird sofort regelrecht mit Anfeindungen niedergeknüppelt. Dabei ist es unwichtig, ob sich eine Frau oder ein Mann (Feindbild schlechthin in diesem Fall) dazu geäußert hat. Selbst sachliche Argumente bringen so gut wie nichts. Ich habe nur wenige Ausnahmen hiervon erlebt. Und DAS schreckt ab. Mindestens genauso wie das schreckliche Schriftbild der Gendersprache. Die Aussprache macht es übrigens auch in keiner Weise besser.

Schlusswort

Aus all den bisher angeführten Gründen und ungenannten, weil es dann doch den Artikel sprengen würde, gebrauche ich privat, beruflich und auch in meinen Geschichte weiterhin das generische Maskulinum. Ich bin erwachsen, habe ein gesundes Selbstbewusstsein, definiere mich nicht über mein Geschlecht, sondern aufgrund der Summe meiner Kenntnisse und Fähigkeiten. DAS ist, was für mich zählt!