Neue Vertriebskanäle bei Tolino Media

Habt ihr es schon mitbekommen? Tolino Media hat sein Spektrum der zu beliefernden Shops deutlich erweitert (https://www.tolino-media.de/so-funktionierts/vertriebspartner/). Neu hinzugekommen sind u. a. Kobo, Barnes & Nobles, Apple Books, Google Play, Amazon. Ja, ihr lest richtig, der große Konkurrent Amazon ist auch dabei. Wegen ihm ist ja ursprünglich die Tolino Allianz erst entstanden. Das war im März 2013 der Fall. Seither hält sich die Allianz sogar recht gut und hat nun einen geschickten Schachzug hingelegt: einen großangelegten Vorstoß auf den virtuellen Buchmarkt (eBooks).

Doch was bedeutet das nun für jeden einzelnen Autor und die Konkurrenz von Tolino Media?

Nehmen wir diesen Vorstoß doch einmal genau unter die Lupe und beginnen im Kleinen beim Spielraum für die hauseigenen Autoren. Interessant ist, dass Tolino Media seinen Autoren einen gewissen Spielraum bei der Auswahl der Vertriebskanäle einräumt. Bisher gab es nur die Option, die Shops der Tolino Allianz, Skoobe und die Ausleihe als Vertriebsweg zu nutzen. Jetzt existieren zusätzlich noch Amazon als separate Option und die oben schon erwähnten Shops als weitere Sammeloption. Via Klick lassen sich diese Vertriebskanäle von der Belieferung ein- oder ausschließen.

Positives für den Autor

Fast alles aus einer Hand! Gute Gesamtmargen für hochpreisige Bücher! Die Möglichkeit auf eine Leseflat außerhalb von Kindle Unlimited! Schnellere Auszahlung des Autoren-Honorares, weil die Auszahlungssumme schneller erreicht werden kann als durch separate Belieferung durch den Autor. Größere Freiheit bei Gratisaktionen als bei Amazon und das sogar flächendeckend.  

Im Vergleich zu Kindle Unlimited stehen einem Autor hier deutlich mehr Gratistage zur Verfügung. 5 Gratistage zu je 90 Tage sind für einen KU-Autor drin. Bei Tolino Media könnte man glatte 31 Tage dafür erhalten, sofern man das denn möchte. Einziger Haken an der Sache ist, nach so einer Gratisaktion hat man eine 4 wöchige Sperre, ehe man wieder eine Gratisaktion ausführen kann. Ermöglicht wird dies durch zeitlich begrenzte Aktionspreise. Hierunter findet sich die 0,00 € Kategorie.

Überdies haben höherpreisige Bücher bei Thalia und Co. auch ein besseres Ranking, da anders als bei Amazon nicht die Anzahl der Verkäufe ausschlaggebend ist, sondern deren Erlös. Günstige Titel im Bereich von 0,99 € bis 2,89 € können hier erst ab einer gewissen Verkaufsmenge mithalten, denn die besten Erlöse erzielen Titel erst bei einer Preisgrenze von 2,99 € (70% vom Nettoverkaufspreis). Alle Bücher, die weniger kosten, bringen dem Autor nur eine Marge von 40 % vom Nettoverkaufspreis ein. Immerhin sind das noch 5% mehr als bei Amazon für diesen Preisbereich. (Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/#wie-viel-autorenhonorar-erhalte-ich)

Transparente und monatliche Auszahlungen ab einer Höhe von 20 € runden das Gesamtpaket inklusive einer guten Kommunikation mit dem Support ab.

Negatives für den Autor

Natürlich zwackt sich Tolino Media seinen Teil vom Verkaufserlös jedes Buches ab. So ist die Einzelmarge im Vergleich zu der aus separat belieferten Shops geringer. Kindle Unlimited wäre somit gesehen auch Geschichte, wenn man die Leseflat von Skoobe mitnehmen möchte. Hier heißt es: entweder oder! Beides simultan geht nicht für ein und dasselbe Buch.

Allerdings ist Skoobe so eine Sache. Zum einen werden die Titel nur 1x die Woche und zudem händisch ins System eingepflegt. Es erfolgt also eine Vorsortierung durch Mitarbeiter. Nicht alles, was Tolino Media einreicht, wird auch bei Skoobe zum Flateratelesen bereitgestellt. Diese Information erhielt ich auf Nachfrage vom Tolino-Support. Ein Recht darauf, bei Skoobe mit seinem Buch gelistet zu werden, obwohl die Option zum Ausliefern ausgewählt wurde und die Auslieferung erfolgt ist, besteht seitens des Autors leider nicht. Das ist ein großer Nachteil im Vergleich zu Kindle Unlimited.

Die Konkurrenz!

Tja, die dürfte etwas mit den Zähnen knirschen. Zur Konkurrenz zählen z. B. Bookrix, BOD, und neobooks. Ihre Vertriebskanäle funktionieren ähnlich. Außerdem beliefern sie die großen Shops wie Weltbild, Thalia und Co. über Tolino Media. Wie man sieht, hat Tolino-Media hier eine Schlüsselposition. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes. So erklären sich auch die vergleichsweise geringeren Margen für Autoren, die über BOD, Bookrix und neobooks gehen. Tolino Media lässt sich für den „Einlass“ natürlich bezahlen und die Bezahlung Erfolg von den Verkaufserlösen eines jeden Buches.

Dadurch wiegt der Vorstoß zu den anderen Shops, die schon lange von der Konkurrenz mitabgedeckt werden als besonders heftig. Selbst wenn Tolino Media hier keine Schlüsselposition einnimmt, gräbt die Allianz seiner Konkurrenz hier das Wasser ab. Das ist genau dann der Fall, wenn sich jetzt Autoren dazu entscheiden, wegen der höheren Margen bei den Shops der Tolino Allianz zu wechseln, da nun weitere Vertriebsoptionen bestehen, die es vorher so nicht gab, aber höchst willkommen sind.  

Für wen ist Tolino Media nun als Vertriebspartner geeignet?

Eigentlich für Autoren, die (fast) alles aus einer Hand bevorzugen UND denen Kindle Unlimited absolut nichts bringt UND die mit einer Qualitätsprüfung seitens Tolino Media keine Probleme haben. Hier werden im Vorfeld ein paar faule Äpfel ausgesiebt. Eine detaillierte Aufzählung der Punkte der Qualitätssicherung findet sich unter: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/#gibt-es-eine-pr%c3%bcfung-der-hochgeladenen-ebooks.

Nach wie vor ist es aber noch immer eine gute Option, Amazon separat zu beliefern, allerdings ohne Möglichkeit von Kindle unlimited. Der Marge-Unterschied und der leichte Zugang zu KDP sprechen für sich.

Nachdem nun neue Würfel auf dem Spielfeld des Marketings gefallen sind, lohnt es sich vielleicht für den einen oder anderen, seine Strategie zu überdenken. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ihr mir eure Entscheidung mitteilt. Bleibt alles beim Alten oder wird sich etwas ändern, in welche Richtung und aus welchen Gründen?