Buchsatz: Die Programmfrage

In den letzten beiden Blogartikeln habe ich etwas zur verwendeten Schrift, dem Layout und den mehr oder minder beliebten Fehltritten gesagt. Heute möchte ich die Blogreihe mit dem Thema: Software abschließen.

Layoutsoftware: Ja oder Nein?

Die Wahl der richtigen Software ist zu einem regelrechten Streitpunkt geworden, wie so vieles im Selfpublishing. Dabei sollten doch vor allem Autoren wissen, wie wichtig das richtige Handwerkszeug ist. In früheren Zeiten war es die Wahl der richtigen Schreibfeder nebst Tinte und später die des Stiftes. Danach kamen Schreibmaschinen und Schreibprogramme. Jeder Autor wählt noch heute sein bevorzugtes Schreibwerkzeug. So mancher schreibt auch heute noch mit einem Füllfederhalter oder Kugelschreiber. Im Wohlfühlmodus schreibt es sich halt um Längen besser, was nicht zuletzt von den eigenen Schreibfertigkeiten abhängt. So verhält es sich auch beim Buchsatz. Kenntnisse alleine bringen einen nicht weiter, es bedarf auch des richtigen Handwerkzeuges und das ist nun einmal kein Schreibwerkzeug. Die am besten geeignete Software zum Setzen bzw. Gestalten eines Textes ist ein Layoutprogramm, weil es genau für diese Arbeit konzipiert worden ist.

Ja, aber …

Ich kenne viele Einwände und viele fangen mit diesen beiden Worten an. Fast alle Einwände beziehen sich auf Schreibprogramme, die die Textgestaltung mit verschiedenen Funktionen – manche sind sogar sehr umfangreich – möglich machen (sollen). Das ist ein logischer Schritt für Softwaredesigner. So bindet man Kunden, indem man ihnen gleich mehrere Werkzeuge aus einer Hand anbietet und für den herkömmlichen Bürogebrauch ist dagegen auch nichts einzuwenden. Alleine MS Word bietet extrem viele Möglichkeiten in der Textverarbeitung. Alle Berufler, die damit arbeiten, wissen das hoffentlich zu schätzen. Es ist ein Standardprogramm in deutschen Büros geworden und das sogar zu recht. Ebenso ist Papyrus Autor ein hervorragendes Schreib- und Planungsprogramm mit einer soliden Stil- und Rechtschreibprüfung und einiges Features mehr.

Aber die allseits gewünschte eierlegende Wollmilchsau existiert auch in diesem Bereich nicht. Beide Programme und alle ihre Konkurrenten stoßen schon sehr bald an ihre Grenzen, wenn es um die richtige Umsetzung für das fortgeschrittene Layouten von komplizierten Flyern, Broschüren oder gar Büchern geht. Hier haben Layoutprogramme eindeutig die Nase vorne, weil sie mit Tools aufwarten, die ein Schreibprogramm nicht hat oder sich einfacher bzw. gezielter einsetzen lassen. Dafür muss man jedoch damit umgehen können. Das Ergebnis trennt später den Profi vom Amateur und unterstreicht die Qualität der Arbeit.

Ein Vergleich

Lange Rede kurzer Sinn, widmen wir uns kurz einem Vergleich zwischen den Programmen MS Word und seinen Bruder MS Publisher. Ich selbst mag die Programme aus dem Hause Microsoft, nutze sie jedoch gemäß ihrer Stärken, was mitunter bedeutet, dass ich mit mehreren Formaten arbeite. Nachstehend findet ihr einige Screenshots mit Erklärungen. Alle Bilder sind via Klick vergrößerbar.

Die Ansicht

Publisher (1)

Word (1)

Der erste große Unterschied begegnet uns bei der Ansicht eines neuen Projektes mit gleicher Ausgangslage (Format 12,5*19cm, gleiche Maße für Ränder und Bundsteg). Beide Programme können Doppelseiten darstellen, aber nur im Publisher entspricht die Ansicht auch tatsächlich die eines aufgeschlagenes Buches. Bei Word ist das nicht der Fall, die Seiten werden nach nummerischer Abfolge dargestellt und der Bundsteg befindet sich nicht immer in der Mitte. Das hat zur Folge, das jede Doppelseite anders wirkt. Zudem kann mir bei Detailarbeiten der Zoom unschön in die Quere kommen. Während ich beim Publisher bedenkenlos den Zoom beliebig weit nach oben schrauben könnte, ohne die Doppelansicht zu verlieren, versagt Word auf ganzer Linie. Irgendwann springt das Programm auf die 1 Seiten Ansicht zurück.

Funktionsweise

Wirklich interessant wird es aber erst, wenn wir uns mit der Funktionsweise beschäftigen. Im Publisher habe ich die Möglichkeit, von vorneherein die Registerhaltigkeit meiner Texte zu gewährleisten. Das geschieht mit sog. Basislinien, die horizontal verlaufen und bei Bedarf sichtbar gemacht werden können. Der Abstand zueinander und die Lage innerhalb der Doppelseite können nach eigenem Ermessen eingestellt werden und wirken sich auf das gesamte Dokument aus. Zugleich kann ich weitere Hilfslinien definieren. Sie sind in ihrer Funktion magnetisch und erfüllen zwei Aufgaben. Sie dienen der Positionierung von Bildern und Textfeldern, mit denen hier gearbeitet wird. Zudem kann beides nicht durch Unachtsamkeit verrutschen. Es ist also möglich, unterschiedliche Raster aufzubauen und damit das Layout anzufertigen.

Publisher (2)

Publisher (3)

Word hingegen kann das nicht leisten. Es gibt lediglich die Möglichkeit, Gitternetzlinien anzeigen zu lassen. Man erhält die Ansicht eines karierten Blattes. Es ist nützlich, um Grafiken und Bilder an ihren Platz zu ziehen, aber die Nützlichkeit hat ihre Grenzen. Zum einen können die Kästchen (siehe Bild unten) in ihrer Größe nicht eingestellt werden und geben so auch erst einmal die Vergrößerung bzw. Verkleinerung des Bildes vor, also immer kästchenweise. Möchte man abweichende Maße einstellen, bleibt einem nur das Programm-Menü mit dem passenden Unterpunkt. Auch lässt sich der Text daran nicht ausrichten und ist für die Registerhaltigkeit komplett unnütz.

Word (2)

Kommen wir zum Textgeschehen. In einem Detail kann Word im Kurzstreckenspurt punkten: die Verfügbarkeit. Word ist ein Schreibprogramm und daher kann man sofort loslegen mit dem Schreiben. Beim Publisher ist das anders. Ich habe eine Vorlage und muss mir gemäß meiner Ansicht erst einmal ein Textfeld hineinziehen. Ohne Textfelder kann ich hier nichts ausrichten. Aber dieser vermeintliche Nachteil ist der große Vorteil dieses Programms. Ich kann mit den Textfelder genau definieren, wo sich mein Text befindet und ihn individuell gestalten, ganz besonders dann, wenn noch Grafiken hinzukommen.

Beispiel 1: Ausgefallene Überschrift für ein Kapitel

In so einem Fall lege ich zwei Textfelder auf der ersten Seite des neuen Kapitels beginnt. Auf diese Weise trenne ich die Überschrift vom restlichen Text und gebe ihr genug Freiraum. Es kommt auch bei späteren Nacharbeiten, wenn der Buchsatz schon beendet ist, zu keiner Beeinträchtigung in Form von Verschiebungen des restlichen Textes. Die Folge wäre sonst ein zerhauener Buchsatz für das gesamte Kapitel. Um das wieder auszubessern, lässt man unter Umständen viel Zeit und Nerven.

MS Word kann das nicht leisten. Vergrößere ich z. B. auch nur ein Wort in einer Zeile überträgt sich das auf den Zeilenabstand zwischen dieser und der darüberliegenden Zeile und verschiebt mir den nachstehenden Buchsatz des gesamten Kapitels nach unten. Bei Überschriften verhält es sich ähnlich. Wenn zwischen der Überschrift und dem Textkörper nicht genug Platz im Vorfeld durch Leerzeilen oder Abstände eingeplant ist, zerhaut man sich ganz schnell den Buchsatz. Word ist also wenig flexibel, wenn es um nachträgliche Änderungen geht und kann einem sehr viele Probleme bereiten.

Beispiel 2: Briefe in historischen Romanen

Gut, das kommt nicht oft vor, aber dafür vielleicht ähnlich geartete Elemente der Darstellung in anderen Genre. Auch hier kann ich mit mehreren Textfeldern im Publisher arbeiten und die Darstellung ganz individuell anpassen, ohne den Text davor oder danach, zu beeinflussen. Aufgrund der Basislinien und dem daran ausgerichteten Text wird alles gleichmäßig dargestellt. Ich kann sogar hingehen und nur für dieses Textfeld die Verbindung zu den Basislinien kappen, wenn es das Design erforderlich macht. Nachträgliche Änderungen sind hier leicht und sicher erledigt, während ich in Word Probleme zu befürchten habe.

Darstellung vom Ausgangstext und deren Bearbeitung

Anhand eines Blindtextes (Quelle: https://www.blindtextgenerator.de/) möchte ich abschließend zeigen, dass die Darstellung innerhalb der beiden Programme mit gleicher Ausgangslage sich deutlich unterscheidet. Der Blindtext ist bis auf die Schriftart und -größe sowie den Zeilenabstand bzw. die Ausrichtung der Basislinien in beiden Fällen komplett unformatiert. Zudem ist die Absatzkontrolle deaktiviert, die Schusterjungen und Hurenkindern vermeiden soll. Die eingeblendeten Absatzmarken sollen zudem zeigen, dass nirgendwo eine Zeile unterschlagen wurde.

Publisher (4)

Word (3)

Wie man sieht, ergibt sich je nach Programm eine durchaus unterschiedliche Bearbeitungssituation. Im Publisher wird der Text homogener dargestellt als in Word und von vorneherein registerhaltig. Bei Word hapert es da ja schon an der ersten Seite. Sie schließt nicht bündig ab. Je nach Arbeitsvorgabe kann das durchaus zu einem Problem werden. Doch das ist nicht Gegenstand dieses Blogbeitrages.

Der große Vorteil dieser homogeneren Textdarstellung ist der, dass oft kleine Eingriffe genügen, um das Problem zu lösen, und dadurch der Arbeitsaufwand gering gehalten wird. Da sich aber jede Änderung auf den Text danach auswirkt, kann es in beiden Programmen zu unschönen Überraschungen kommen oder zur kompletten Lösung des Problems. Das lässt sich meist vorher nicht sagen und ist stark von der Länge des zu bearbeitenden Absatzes und von der Länge der Worte in einer Zeile abhängig.

Fakt hingegen ist die Verfügbarkeit der Bearbeitungstools, die sich in beiden Programmen ähneln. Sie sind beim Publisher sehr leicht und vor allem dauerhaft darstellbar, während ich bei Word jedes Mal herumklicken muss, um auch nur die kleinste Änderung herbeizuführen, abgesehen von Silbentrennungen und des Umschreiben des Textes. Der Publisher erspart mir so also Zeit und auch Nerven.

Publisher (5)

Word (4)

Schlusswort

Meine Empfehlung für den Buchsatz lautet: Layoutsoftware. Dabei ist es egal, ob es der MS Publisher oder ein anderes Layoutprogramm ist, solange es nur für diese Arbeiten konzipiert wurde. Man erreicht mit keinem Schreibprogramm der Welt die gleiche Qualität für den Buchsatz. Bestenfalls kann man sich dieser Qualität annähern, doch hierfür muss man sein Schreibprogramm sehr gut kennen und wissen, wie sich die einzelnen Formatierungen und Tools sinnvoll einsetzen lassen. Ich stelle immer wieder fest, dass es daran am meisten mangelt. Das ist in sofern interessant, als dass immer wieder vor der Einarbeitung in ein Layoutprogramm zurückgeschreckt wird. Erstens muss man sein Handwerkszeug kennen, um es bestmöglich einzusetzen. Dabei helfen Formatvorlagen, wie sie z. B. von BOD für den Buchsatz bereitgestellt werden, eher wenig weiter, wenn der Nutzer im Umgang mit Word nicht ausreichend versiert ist. Zweitens ist die Qualität des Ergebnisses auf lange Sicht die bessere Entscheidung.

Wer beides nicht realisieren kann oder möchte, dem bleibt entweder nur ein Schnellschuss mit hohen qualitativen Abstrichen, die die (potentiellen) Leser womöglich entsprechend negativ quittieren, oder aber die Arbeit einem Profi zu überlassen. Die Entscheidung trifft wie immer jeder für sich alleine.

Ich hoffe, ich konnte mit dieser Blogreihe einen kleinen verständlichen Einblick in das Thema Buchsatz gewähren.