Welche Schrift ist geeignet?

Eine essentielle Frage, wenn es daran geht, ein Buch zu setzen. Der ganze Satz steht und fällt mit einer Antwort darauf. Aber auch Schriftgröße und Zeilenabstand sind eng mit dieser Entscheidungsfrage verknüpft. Gemeinsam bilden diese drei Komponenten ein hoffentlich ansehnliches Textbild. Bevor ich anhand eines Blindtextes einige Beispiele anführe, möchte ich kurz aufzählen, worauf es bei der Auswahl der richtigen Schrift in der Belletristik ankommt.

Serifen

Serifen erkennt man an den Linien am Buchstabenende, die quer zur Grundausrichtung verlaufen, z. B. hier beim T. Sie haben die Eigenschaft, das Auge beim Lesen unbewusst zu führen, weshalb sie auf diese Weise den Lesefluss begünstigen. Das ist ein sehr hilfreiches Element in der Belletristik, denn nichts ist schlimmer für den Leser, als aus dem Lesefluss gerissen zu werden. Natürlich gibt es noch mehr Möglichkeiten, die den Lesefluss unterbrechen, aber mit Serifenschriften lässt sich dieser eine Stolperstein schon einmal aus dem Weg räumen.

Kursivschrift

Nicht immer verfügt eine Schrift auch über ein in kursiv gestaltetes Pendant. Hiermit ist nicht einfach die Formatierung „kursiv“ gemeint, die in allen Textverarbeitungsprogrammen standardmäßig enthalten ist (siehe z. B. Word oder Papyrus). Diese Funktion sorgt nur dafür, dass Buchstaben schräg gestellt werden. Schriften, die also nicht über eine eigene Kursivschrift verfügen, sehen in dieser Formatierung oftmals unschön aus. Es gibt wenige Gründe in der Belletristik, die Kursivschrift anzuwenden, aber sobald das geschieht, ist sie eine echte Bereicherung, weil sie sich natürlich liest, elegant aussieht und nicht wie der schiefe Turm von Pisa. Manchmal gilt es aber auch einfach abzuwägen, ob der Nutzen einer integrierten Kursivschrift ausreicht, eine ansonsten andere Wahl ohne Kursivschrift zu verwerfen, die jedoch für den Text an sich besser geeignet ist.

Textunterstützend

Eine Schrift sollte immer so gewählt sein, dass sie den Text sich entfalten lässt, ohne selbst im Vordergrund zu stehen. Es gibt wunderschön verschnörkelte und verspielte Schriften. Leider lenken sie ab einem gewissen Grad der künstlerischen Darbietung vom Lesen ab. Aus dem Grund sind solche Schriften, gerne auch serifenlose, eher für Überschriften geeignet, sofern sie zum Genre passen. Im Genre Romance wird damit gerne gespielt, ebenso mit sehr aufwendig dargestellten Initialen, das sind die übergroßen Buchstaben am Anfang eines Kapitels. Sie werden auch Schmuckinitialen genannt.

Auswahl klassischer Serifenschriften in der Belletristik

Nachstehend sind die Schriften Palatino Linotype, Georgia, Garamont, Goudy Old Style im Vergleich zueinander und auch zur immer noch oft verwendeten Times New Roman dargestellt. Letzteres ist übrigens ein No-Go, aber sie erfreut sich anscheinend noch großer Beliebtheit unter eher unerfahrenen Selfpublishern. Der Grund mag darin liegen, dass diese Schrift sehr eng gefasst ist und sich daher auch überaus gut für den Zeitungsdruck eignet, wofür sie ursprünglich mal entworfen wurde. Wenig beanspruchter Platz spart Seiten und die kosten Geld. Die Rechnung ist simpel, geht jedoch zu Lasten der Lesbarkeit. Times New Roman ist zwar eine Serifenschrift, aber durch ihre sehr eng stehenden Buchstaben unschön fürs lange Lesen. Kurz gesagt: Times New Roman ermüdet die Augen. Die anderen ausgewählten Schriften sind auf jeden Fall ausladender, aber mit dem richtigen Buchsatz lässt sich hier viel herausholen, ohne dabei den Lesefluss anzugreifen oder hohe Kosten in Form von vielen Seiten zu produzieren.

Kommen wir nun zu den Schriftbeispielen anhand eines Blindtextes (Quelle: https://www.lustigonline.de/blindtext/).

Wie bei diesen Beispielen zu sehen ist, unterscheidet sich das Schriftbild grundlegend und verdeutlicht zugleich das Zusammenspiel von Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand. Je nach Wahl der Schrift müssen die letzten beiden Komponenten des Schriftbildes noch angepasst werden.

Garamont ist mit ihren 11pt zu klein für einen Druck und es müsste auch noch der Zeilenabstand vergrößert werden, auf schätzungsweise 1,2 oder 1,3 bei einer Schriftgröße von 11pt.

Georgia dagegen sähe in Schriftgröße 10pt besser aus. Den Zeilenabstand könnte man so lassen bzw. minimal vergrößern. Auch Palatino Linotype eignet sich für den Druck in Schriftgröße 10pt, aber auch in 10,5 oder maximal 11. Sehr positiv im Hinblick auf die Kursivschrift fallen Garamont und Goudy Old Style auf. Hier sieht man, dass sie nicht nur kursiv gestellt werden. Bis auf Times New Roman eignen sich aber auch die anderen Schriften noch für die Nutzung dieser Formatierung.

Ich hoffe, der Einblick in das Zusammenspiel von Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand war interessant, lehrreich und hat das Verständnis für den Buchsatz ein bisschen verbessert. Denn die Klärung der Frage, Welche Schrift ist geeignet?, bildet das Grundgerüst für den Buchsatz, ohne das die Layout bestimmenden Faktoren wie Format, Seitenränder und Bundsteg nicht auskommen und das anschließende Feintuning nicht anlaufen kann.