Wie viel Realität ist in Fantasy enthalten?

Manchmal ist es schon beängstigend, wie viel von der einen Sache in der anderen enthalten ist, sogar gänzlich unbeabsichtigt. Niemals hätte ich gedacht, dass ausgerechnet meine Geschichten, die fernab jeglicher Realität spielen, doch so nah dran sein können. Es gibt nicht einmal Menschen in meiner Romanwelt und die ist auch noch durchdrungen von Magie.

Aber der Reihe nach.

Ich bin Fantasy-Fan durch und durch, seien es Bücher, Spiele oder Filme. Als Kind bin ich in andere Welten abgetaucht und habe mir das Interesse dafür bis heute bewahrt. Ich bin ein Entdecker & Abenteurer. Wen wundert es also, dass meine Geschichten in der Fantasy angesiedelt sind und genau dieses Interesse wiedergeben? Niemanden, mich am allerwenigsten. Das Subgenre Highfantasy ist mir von allen sogar das liebste.

Fantasy kennt keine Grenzen. Es ist also alles möglich, alles erlaubt.

Beim „Erschaffen“ und „Niederschreiben“ halte ich mich nur an den Grundsatz: Es muss nachvollziehbar sein. Auf dieser Basis entsteht mein Regelwerk, das sich quer durch meine Geschichten zieht und das ich dem Leser, so gut es geht, transparent darlege.

Mein Erstling – die Episoden um die Handlung „Im Schatten des Jaotar“ – ist bereits ein paar Jährchen alt, ebenso die Folge-Episoden zum Abschnitt „Die schwarzen Steine“. Und die ersten beiden Episoden der weitergesponnenen Handlung „Das Bündnis der Fünf“ sind 2019 bzw. Frühjahr 2020 erschienen. Sie erzählen von dem Abenteuer zweier junger Manori, Angehörige eines Naturvolkes. Aus heiterem Himmel bricht eine unbekannte Krankheit über sie herein und mehrere Bestien machen ihnen das Leben schwer.

Trotz aller fantastischer Elemente lässt sich ein Bezug zu unserer Realität, zu unserer Lage in der Corona-Zeit herstellen, der mir bis vor kurzem nicht wirklich aufgefallen ist. Vielleicht wollte mir diese Parallele auch nicht auffallen, doch das hat sich irgendwie geändert. Ich kann nicht einmal sagen, wodurch oder wann. Plötzlich war die Verknüpfung da.

Tauschen wir die unbekannte Krankheit gegen unser pandemisches Virus aus und die Bestien gegen ein anti-demokratischen Übels, hätten wir beinahe das Grundkonzept unserer Situation.

In der Geschichte ziehen meine mutigen Helden aus, um die Bestien zu bekämpfen, aber haben diese “Krankheit“ leider mit auf ihrer Reise. Wie sich rausstellen wird, ist es keine typische Krankheit, aber sie gefährdet den Zusammenhalt, stellt jeden einzelnen auf die Probe. Lichtblicke hier sind Freundschaften, Mitgefühl, Selbstdiziplin und den Mut, das zu tun, was getan werden muss, um die eigenen Leute zu schützen. Aber es geht auch um Verluste, Kämpfe/Schlachten, Abschiede, Konsequenzen, verschiedene Meinungen, um Schwäche und Angst und auch um die Versuchung, eine Abkürzung nehmen zu wollen, die allerdings ins Verderben führt.

Na, kommt euch da einiges von bekannt vor? Mir schon. Auf der einen Seite macht es mir Angst, auf der anderen Seite gibt es aber auch Anlass auf Hoffnung. Ich bin mir nur noch nicht im Klaren darüber, wie die Gewichtung aus meiner Perspektive aussieht. Anders sieht es mit dem Ende meiner Geschichte aus. Ich kenne es in groben Zügen, die Feinheiten ergeben sich noch, soll heißen, die letzte Episode befindet sich derzeit in Arbeit.

Wenn jetzt eine Fee zu mir käme – und ich glaube nicht an Feen – und mir einen Wunsch offerieren würde, wüsste ich, woran ich den Ausgang unserer Lage orientieren lassen würde. Es wäre nicht exakt 1:1; immerhin schreibe ich Fantasy und inzwischen sollte klar sein, dass ich mich in meinen Geschichten eigentlich fernab jeder Realität bewege. Falls es auch hier eine klitzekleine Parallele gäbe, würde mich das ein bisschen zuversichtlicher in die Zukunft blicken lassen, denn in unserer Realität wartet noch ein Haufen anderer Probleme auf uns, die uns Menschen das Genick für immer brechen können.

Und? Wie viel Realität steck in deiner Fantasy-Geschichte?