Rike Gimpt (4)

Lange hat es gedauert, bis ich nun endlich dazu gekommen bin, ein neues Tutorial auf die Beine zu stellen. Letztes Jahr wollte ich schon so einiges zeigen, angefangen damit, wie man isometrische Berge zeichnet, Flüsse gleichmäßig hinbekommt und vieles mehr. Doch das alles braucht Zeit und die ist nun für eines der vorgesehenen Tutorials gekommen.

Heute zeige ich euch die Vorgehensweise beim Zeichnen von isometrischen Bergen, damit ihr ein ähnliches Ergebnis erzielen könnt wie im nachstehenden Bild. Damit seid ihr dann einen Schritt weiter, wenn ihr das Ziel habt, ebenfalls eine schicke Karte eurer Welt zu zeichnen.

Was wird benötigt?

Wie früher auch so bin ich noch immer mit GIMP unterwegs und nutze inzwischen auch ein Grafiktablet. Es muss nichts außergewöhnliches sein, ist jedoch im Gegensatz zur Maus eine echte Erleichterung. Ihr seht schon, es wird digital gearbeitet und ich setze das Grundverständnis von GIMP bzw. anderen Layer basierten Grafikprogrammen voraus. Wer nicht digital arbeiten mag, sollte dennoch am Ball bleiben, denn die gleich vorgestellten Zeichentechniken lassen sich auch gut auf Stift und Papier übertragen.

Schritt 1

Zunächst einmal braucht ihr eine Vorlage. Meine hat die Maße 1080 x 1080 px und eine Auflösung von 350 dpi. Das hat auch einen Grund. Mit dem quadratischen Maß erfülle ich schon die Bedingungen bei Instagram, um meine Bilder zu posten, während die genannte Auflösung eine Grundeinstellung in meinem Programm ist. So komme ich nie in die Verlegenheit, eine Grafik (z. B. Cover) anzufertigen, die später für den Druck vorgesehen ist, aber qualitativ minderwertig. Das wäre richtig übel, da 350 dpi (mindestens 300 dpi) schon sein sollten bei Farbdrucken dieser Art. Natürlich sind solche Grafiken dann auch recht groß, doch das interessiert an dieser Stelle nicht.

Die erste Ebene eurer Vorlage füllt ihr mit einer ansprechenden Farbe, die auch ein altes Pergament haben sollte oder kopiert euch gleiche eine Pergamentvorlage hinein. Die meisten Karten werden auf solchen Untergründen gezeichnet. Erhältlich sind sie auf verschiedenen Portalen, achtet aber darauf, dass ihr keine Lizenzrechte bei der Benutzung verletzt.

Schritt 2

Als nächstes brauchen wir eine weitere Ebene, eine durchsichtige, die über dem Pergament liegt. Jetzt wählen wir aus dem Werkzeugkasten den Pinsel aus. Ich habe mich für den Hardness 075 mit der Größe 10 entschieden, dazu die Farbe Schwarz. Herauskommen soll jetzt eine Skizze wie in diesem Bild. Keine Sorge, das sieht schwerer aus, als es in Wirklichkeit ist. Es gibt zwei Methoden, wie man das hinbekommen kann.

Methode 1

Die rote Linie verdeutlicht den Verlauf des Bergrückens. Jemand mit besonders viel Vorstellungskraft braucht den einfach nur hinzuzeichnen und ergänzt den Rest um die Hangseiten (graue Linien). Auf diese Weise zu zeichnen geht schnell. Eine zackige Linie mehr braucht es als Einstieg nicht. Meine Methode ist das allerdings nicht. Ich scheitere immer wieder an den Hangseiten, sie werden im Endergebnis nicht, wie ich mir die Berge vorstelle. Optisch ergeben sich große stets Unterschiede zu meiner obigen Skizze und damit meiner Vorstellung. Es gibt viele Kartenkünstler, die damit vortreffliche Landschaften entwerfen. Ich bewundere ihre Karten, aber ich werde trotzdem damit nicht warm. Es ist eben nicht meine Art zu zeichnen.

Methode 2

Wer wie ich die Positionierung verschiedener Berge vor dem geistigen Augen hat, fährt mit dieser Methode wohl am besten. Ich skizziere mir gedanklich oder auf einer separaten Ebene meist einen groben Verlauf (z. B. Kurve oder Linie) und merke mir vor, ob es sich an den einzelnen Stellen um einen hohen oder niedrigen Bergrücken handelt. Dann gehe ich hin und zeichne diese Hütchen (grüne Linien). Als nächstes sind die zackigen Verbindungslinien dran. Hier braucht es ein bisschen Gefühl und Übung im Handgelenk, egal ob ihr nun mit Stift und Papier oder Grafiktablet arbeitet. Bei letzterem solltet ihr einen angenehmen Zoom berücksichtigen. Ich bevorzuge bei dieser speziellen Arbeit einen von ca. 100%. Bei Karten mit weit größeren Abmaßen über 3000 px waren es aber auch schon 300%.

Für die Hangseiten könnt ihr wahlweise auch einen etwas dünneren Pinsel nehmen. Ich habe in diesem Fall darauf verzichtet, da es mir um die Methodik geht. Die Linien der Hänge müssen auch nicht durchgezeichnet werden, können stückelig sein, wie an einigen Stellen zu erkennen. Sie erfüllen zwei Funktionen. Zum einen zeigen sie den Verlauf der Hangseite und dessen Steigung, zum anderen sind sie genau wie der Bergrücken eine Kante. Was das bedeutet sehen wir jetzt, wenn es darum geht, die Berge plastisch zu gestalten, zu schattieren.

Lichteinfall

Jetzt geht es ans Eingemachte. Einerseits braucht ihr ein gutes Vorstellungsvermögen und andererseits müsst ihr die ganze Zeit auf den Lichteinfall achten. Diesen gilt es zunächst einmal festzulegen. Meiner ist im nebenstehenden Bild eingezeichnet. Wo sich nun die jeweilige Schattenseite befindet, verraten euch die Kanten der Berge, also der Rücken und die Linien der Berghänge. Alles rechts davon ist dunkler als die linke Seite, jedenfalls in meinem Beispiel.

Grundieren

Für mich ist es einfacher, wenn ich alle Flächen im Vorfeld grundiere. Das geschieht auf einer separaten durchsichtigen Ebene, die über meiner Skizze angeordnet ist. Zudem stelle ich den Ebenenmodus nun auf „Überlagern“. Das ist wichtig, weil sonst dieser Trick nicht funktioniert. Anschließend stelle ich meinen Pinsel auf eine angenehme Größe ein, bei der ich so wenig wie möglich über die Kanten zeichne und stelle die Deckkraft der Farbe Schwarz auf ca. 5-8%. Die Deckkraft kann variieren, je nachdem wie ihr euren Untergrund gewählt habt. Pergamentstrukturen können da großen Einfluss drauf haben. Wenn ich mit dem Grundieren fertig bin, sollte sich die Farbe ein wenig, aber doch sichtbar von der Untergrundfarbe abheben. So wie im obigen Bild.

Schatten und Lichtpunkte

Jetzt setzen wir die richtigen Schatten und erstellen dafür eine weitere durchsichtige Ebene und stellen den Ebenenmodus wie gehabt auf „Überlagern“. Mit 5-8% Schwarz werden jetzt die Flächen weiter verdunkelt, wo kein Licht hinkommt. Bei jeder Kante stellt sich also die Frage, wo trifft das Licht auf, wo ist der Schatten am stärksten. Wie ihr schon gemerkt habt, vervielfältigt sich der Effekt zweier Ebenen im Modus „Überlagern“ drastisch. Jedes Mal wenn der Pinsel auf einer Fläche sein 5%iges Schwarz verteilt wird es dunkler. Je nach Größe der Fläche muss auch die Pinselgröße angepasst werden.

Wo Schatten herrscht gibt es auch hellere Bereich, die wir ebenfalls herausarbeiten müssen. Hierzu stellen wir auf die Farbe Weiß um und setzen die Deckkraft auf 1%, richtig niedrig, weil Weiß einen viel stärkeren Effekt erzielt. Wir wechseln auf die erste Ebene, wo die Grundierung liegt und orientieren uns. Wo ist der Lichteinfall am stärksten? Genau, an den Bergspitzen der Licht zugewandten Seite. Also wird dort als erstes angesetzt.

So sollte das Ergebnis dann ungefähr aussehen. Aber das ist noch nicht alles. Das Feintuning liegt in der Ausarbeitung von den Übergängen, wo Licht und Schatten aufeinandertreffen. Hier ist ein gutes Auge gefragt. Selbst auf der Schattenseite kann es an höheren Bereichen bzw. der untersten Hangbereiche zu einer Aufhellung kommen. Also wird auf der zweiten Schattierungsebene – es liegen ja zwei Ebenen im Modus „Überlagern“ übereinander – auch mit Weiß herumgemalt. Im stetigen Wechsel zwischen beiden Ebenen und der jeweiligen Auswahl zwischen Weiß und Schwarz könnt ihr die Details und Übergänge von Licht zu Schatten richtig gut herausarbeiten, sodass ihr am Ende vielleicht so ein Bild erhaltet:

Ich hoffe, euch hat der Einblick gefallen und ihr könnt mit dem Tutorial etwas anfangen. Wann ein weiteres folgt, kann ich noch nicht sagen, auch nicht, welches Thema es haben wird. Aber wenn ihr mir folgt, auf Facebook oder Instagram, dann werdet ihr es sicher nicht verpassen.

Viel spaß noch.

Eure Rike

Veröffentlicht in Gimp