Wann ist es Zeit für das Lektorat?

Die Frage stellen sich wohl so einige Autoren. Tatsächlich ist sie aber nicht ganz so leicht zu beantworten. Für gewöhnlich sagt man: Sobald das Manuskript fertig geschrieben ist. Allerdings existiert ein riesengroßer Unterschied zwischen einfach heruntergeschrieben und korrigiert geschrieben.

Jeder Autor arbeitet anders. Einige nutzen ihren Flow und sind innerhalb weniger Wochen mit einem 300 Seiten Taschenbuch fertig, während andere deutlich langsamer sind, immer mal wieder das bisher Geschriebene gegenlesen und korrigieren. Fakt ist: Beim gewöhnlichen Herunterschreiben ist ein Manuskript gespickt von Fehlern aller Art. Da kann der Autor noch so aufgepasst haben. Genau diese Manuskripte gehören jetzt noch nicht ins Lektorat.

Wieso denn nicht? Wozu sind Lektoren und Korrektoren sonst da?

Nun, Lektoren und auch Korrektoren sind zwar dafür da, Texte rundzuschleifen und Fehler auszumerzen. Aber je mehr Arbeit auf sie zukommt, umso höher sind Zeit- und Arbeitsaufwand, was sich später in den Kosten niederschlägt. Jeder Autor ist daher gut beraten, selbst sattelfest in Rechtschreibung, Grammatik und Co. zu sein.

Wozu braucht es dann noch einen Lektor/Korrektor? Da kann ich es auch gleich selber machen!

Das ist zu einfach gedacht. Nach einer gewissen Zeit wird man textblind. Sogar Lektoren/Korrektoren passiert das nach dem x. ten Mal Durchlesen desselben Manuskripts. Schuld ist die Funktionsweise unseres Gehirns, das man hin und wieder zwar mit ein paar Kniffen austricksen kann, jedoch nicht immer und überall. Unser Gehirn hat eine sog. Autokorrektur, die sich auf das Auge überträgt. Unwillentlich überlesen wir daher Fehler oder können sogar einen Text mit haufenweise verdrehten Buchstaben noch entziffern, solange bestimmte Schlüsselpositionen unverändert mit dem richtigen Buchstaben besetzt sind. Natürlich leidet dann der Lesefluss, das Lesen ermüdet und nervt auf jeden Fall mit der Zeit. Aus diesen und anderen Gründen ist es daher angeraten, Texte so fehlerfrei wie nur möglich zu gestalten. Das gilt für inhaltliche und formelle Fehler.

Daher ist es auch für Autoren unerlässlich, so sauber zu arbeiten, wie es für sie machbar ist. Vor Textblindheit ist keine Seite geschützt, aber ein hohes Maß an Sorgfalt beim Schreiben ist einer der Grundsteine für ein gutes Werk. Abgesehen davon wird sich sauberes Schreiben auch am Geldbeutel bemerkbar machen.

Zudem erleichtert es die Arbeit des Lektors ungemein, wenn er nicht an jedem 2. Satz wegen irgendwelchen Unstimmigkeiten oder Fehlern hängenbleibt. Manuskripte, die von Anfang an fehlerfreier sind als andere, kosten nicht nur weniger, sie sind auch bei weitem schneller abgearbeitet. Und das – liebe Autoren – erlaubt es euch, eine Veröffentlichung vielleicht vorzuziehen oder auch kurzfristig beim Lektor eures Vertrauens anzufragen, ob er/sie denn Zeit für euch hat.

In jedem Fall gilt aber: Lasst vorher eine Probearbeit machen, egal ob für ein Lektorat oder Korrektorat.