Wechsel zu Tolino Media

Wer meine Beiträge auf Facebook und Instagram der letzten Zeit mitverfolgt hat, wird wissen, dass ich einen schweren Schritt unternommen habe. Ich habe neobooks den Rücken gekehrt und mich letztlich für Tolino Media entschieden. Was zu dieser Entscheidung geführt hat, möchte ich euch in diesem Blogartikel erklären. So trivial ist das nämlich nicht und leicht fiel mir nach meinen letzten Erfahrungen mit neobooks die Entscheidung auch nicht.

  • Transparenz in der Honorar-Berechnung
  • Zügige Abrechnung (vom Vormonat)
  • Auslieferung an die großen Onlineshops
  • Belieferung von Onleihe und Flat-Rate-Plattform
  • Pflichtexemplar für die DNB
  • Übersichtliches und modernes Dashboard
  • Höhere Marge

Transparenz in der Honorar-Berechnung

Dieser Punkt war mir besonders wichtig, alleine schon, weil ich wissen will, wie viel ich neben den normalen Verkäufen theoretisch verdienen kann, da ja nicht nur Onlineshops als Vertriebsweg auswählbar sind. Bei neobooks gibt es diese Möglichkeiten zwar auch, aber sie halten sich sehr damit zurück, wie das Honorar für den Autor berechnet wird. Das ist bei Tolino-Media anders. Ich kann sogar anhand von Rechenbeispielen genau nachvollziehen, wie sich meine Marge berechnet. Der Support bei neobooks ist auf mehrmaliges Nachfragen nur schwer dazu in der Lage und wimmelt einen gerne ab.

Zügige Abrechnung

Hier lässt sich Tolino Media nicht lange bitten. Genau wie bei Amazon, wird für den jeweiligen Vormonat abgerechnet. Kein Wunder, ist Amazon ja der direkte Konkurrent oder wie man auf dem Markt diplomatisch sagt „Mitbewerber“.

Ich erhalte also die Abrechnung für Dezember schon im Januar und nicht wie bei anderen Distributoren (neobooks oder bookrix) erst im Februar. Natürlich gibt es auch eine Auszahlungsgrenze (20,- €) aber die ist in Ordnung, weil relativ schnell zu erreichen.

Auslieferung an die großen Onlineshops

Genau um die geht es mir. Sie bilden in der Summe ein doch recht großes Stück vom Marktkuchen, auch wenn Amazon als gewaltiger Riese dagegen steht. Ausklammern kann man Amazon von der Belieferung nicht, weil … ihr habt es vielleicht schon erraten … Amazon von Tolino Media nicht beliefert wird. Der Konzern ist schließlich der Konkurr … äh … größte Mitbewerber auf dem Buchmarkt. Ist doch klar, dass der nicht beliefert wird. Das kann ich aber nach wie vor selbst erledigen. Zu den belieferten Onlineshops zählen dagegen:

  • Thalia
  • Weltbild
  • Hugendubel
  • Bücher.de
  • eBook.de
  • Osiander.de
  • Mayersche
  • meine Buchhandlung

Kobo ist leider nicht aufgezählt, aber der Onlineshop bietet Autoren die Möglichkeit an, ihn selbst zu beliefern. Ob ich das auch noch angehe, wird sich zeigen. Ich bin mit der Aufstellung oben erst einmal ganz zufrieden.

Belieferung von Onleihe und Flat-Rate-Plattform

Ja, ihr lest richtig. Es sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zum besseren Verständnis habe ich euch den passenden Textauszug aus den FAQ bei Tolino-Media kopiert. Dort findet ihr auch ein transparentes Rechenbeispiel. Das Autorenhonorar ist bei gleichbleibendem Verkaufspreis nur minimal kleiner, weil noch eine gesonderte Gebühr abgezogen wird.

Wählen Sie auf der Vertriebskanalseite die Bibliotheksoption aus, stellen Sie Ihr Buch der Onleihe der Firma DiviBib zur Verfügung (www.onleihe.net). Büchereien im In- und Ausland können für ihre digitale Bibliothek, die sie ihren Kunden anbieten, bei der Onleihe Exemplare eines Titels einkaufen (ein sogenannter Lizenzkauf). Hat eine örtliche Bücherei oder Bibliothek eine Lizenz eines Titels erworben, kann das eBook fortan von den Kunden der Bibliothek ausgeliehen werden.
Der Ausleihvorgang ist vergleichbar mit dem Ausleihen eines gedruckten Buchs: Möchte eine Bibliothek ein Buch beispielsweise fünfmal gleichzeitig zur Ausleihe anbieten, muss das Buch auch fünfmal zum Ausleihen in der Bibliothek vorhanden sein. Auf eure eBooks übertragen bedeutet das, dass die Bibliothek entsprechend auch fünf Lizenzen eines eBooks erwerben muss.

(Quelle: https://www.tolino-media.de/hilfe/faq/#was-ist-die-onleihe-divibib-ekz-und-was-gibt-es-bei-der-auslieferung-zu-beachten)

Skoobe dürfte einigen ein Begriff sein. Es ist eine Plattform, die nach dem klassischen Flat-Rate-Modell aufgebaut ist, ähnlich wie Kindle Unlimited von Amazon. Wer es genauer wissen möchte, auch hinsichtlich der Preisgestaltung, darf nachstehenden Link gerne benutzen. https://www.tolino-media.de/hilfe/FAQ/#was-ist-skoobe-und-was-gibt-es-bei-der-auslieferung-zu-beachten

Pflichtexemplar für die DNB

Die Ablieferung des Pflichtexemplars ist ein großer Pluspunkt, auch dass man sich aktiv dafür entscheiden muss, damit Tolino-Media sofort von sich aus handelt. Bei neobooks und Co. bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sie das von sich aus machen oder erst reagieren, wenn die DNB sich regt.

Ein Manko hat das Ganze aber trotzdem. Dieser Vorgang ist nur 1x möglich. Wird ein eBook öfters aktualisiert, dann erhält die DNB keine weiteren Exemplare, nach der in Auftrag gegebenen Übermittlung des Pflichtexemplars. Aber das ist kein Weltuntergang. Jeder Autor kann das auch manuell übernehmen. Wie das abläuft, erklärt die DNB auf Anfrage.

Übersichtliches und modernes Dashboard

Das bekommt man natürlich nur zu Gesicht, wenn man sich registriert und einloggt. Ich kann es jedem nur empfehlen, zumal damit keinerlei Pflichten oder Kosten verbunden sind. Schaut es euch selbst an. Ich bin von der Aufmachung sehr angetan. Sie verspricht höchste Transparenz auf einen Blick, nicht zu vergleichen mit der von neobooks oder bookrix, wo ich mich ebenfalls im Hintergrund vor kurzem rumgetrieben habe, um mir einen Überblick zu verschaffen.

Höhere Marge

Dieser Punkt sowie keine Vertragslaufzeit, keine anfallenden Kosten und das jederzeit Änderungen am ebook möglich sind, sind für mich neben der Transparenz sehr wichtige Entscheidungsgründe gewesen. Dadurch, dass Tolino Media die großen Shops vorrangig bedient, hängt niemand mehr dazwischen, wenn es um die Abrechnung geht. Das ist bei neobooks anders gewesen. Dort konnte man entweder Amazon oder Tolino Media von einer Belieferung ausschließen.

Das bedeutet im Klartext: Neobooks liefert die eBooks an Tolino Media (wenn nicht ausgeschlossen) und von dort gelangen sie in die angeschlossenen Onlineshops. Jedem sollte klar sein, dass Tolino Media sich bei Erlösen vorab auch bedient, den Rest an neobooks weiter leitet und dann noch einmal 30% einbehalten werden und die letzten 70% an den Autor gehen. Diese Vorgehensweise schmälert natürlich das Autoren-Honorar. Ergo habe ich bei realisierten Verkäufen durch Tolino Media automatisch mehr Geld in der Tasche.

Allerdings sollte man genau hinsehen, ab wann man bei Tolino Media auch die 70% Erlös bekommt, mit der sie werben. Da verhält es sich ähnlich wie bei Amazon. Titel mit einem VK von unter 2,99 € bringen dem Autor nur 40% Erlös ein, bei Amazon sind es sogar bloß 35%. Hier sieht man sehr schön, dass Tolino Media seinen Mitbewerber Amazon stark im Auge behält. Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen und denken, sie hätten abgekupfert. Hinter Tolino Media steht eine eigene Strategie, die sich besonders im Ranking der belieferten Shops zeigt. Machen wir einmal einen kurzen Ausflug dorthin. Ist zwar gerade nicht mein vorrangiges Thema, aber es passt durchaus hierhin.

Das Ranking-System von Thalia und Co.

Jeder weiß, dass die großen Onlineshops vor allem Verlagstitel verkaufen und die stehen in der Gesellschaft sehr oft noch für Qualität, obwohl auch die in den letzten Jahren mehr und mehr nachgelassen hat. Bei Thalia z. B. gibt es eine Kategorie namens Self-Publishing (nach Genre unterteilt) nur für SP-Titel. Das erhöht die Sichtbarkeit für Selfpublisher, so deren Aussage. Oberflächlich betrachtet mag das genau den gegenteiligen Anschein erwecken. Nicht gerade wenige Autoren fühlen sich in die hinterste Ecke geschoben. So einfach ist das aber auch wieder nicht.

Werfen wir mal einen Blick auf die Mechanismen, die das Ranking bei Thalia und Co. bereithält. Einen ausführlichen Beitrag dazu findet ihr hier (https://blog.tolino-media.de/2020/01/bestseller-listen-und-trenddaten-ein-ueberblick/). Der Punkt auf den es ankommt ist der Umsatz. Amazon dagegen gewichtet nach Absatz und einigen anderen Faktoren. Das bedeutet:

Je teurer ein Buch ist, umso mehr Umsatz (Cash/Kohle/Zaster) kommt dabei herum.

So kann ein teures Buch bei Thalia und Co. trotzdem oben im Ranking stehen, wenn es nicht so oft verkauft wird, als ein deutlich günstigeres Buch. Letzteres überholt erst, wenn die Verkäufe den Umsatz des zum Vergleich stehenden teuren Buches toppen oder die anderen Einflussfaktoren begünstigend einwirken.

Jetzt sind die eBooks von Verlagen fast immer genauso teuer wie ihre Print-Ausgabe. Es dürfte wohl einleuchten, weshalb das so ist, wobei das nicht der einzige Grund ist, aber doch ein entscheidender. Auf diesem Weg sichern sich Verlage die Verkäufe, weil sie noch immer über ein deutlich positiveres Emage verfügen als Selfpublisher, welches zwar seit Jahren steigt, aber es herrscht noch ein spürbares Ungleichgewicht zu Lasten der SPler vor.

Genau dieser Knackpunkt sorgt dafür, dass SP-Titel im direkten Wettbewerb bei den Tolino-Media-Shops schlechter abschneiden. In ihrer eigenen Kategorie sind sie jedoch unter sich und auch Kunden wissen, was diese Kategorie „Selfpublisher“ für sie bereithält. Gezieltes Suchen ist hier das Stichwort.

Es ist in meinen Augen ein wohlgemeinter Kompromiss, der aber leider nicht die gleiche Qualität mit sich bringt, wie es bei Amazon der Fall ist. Aber hinsichtlich der Ranking-Mechanismen das beste, was machbar war, schätze ich. Wer diese Spielregeln kennt, kann überlegen, sie für sich zu nutzen, sie in sein Marketing einbauen.

Was also müsste man tun, um das Ranking für sich zu nutzen?

Das Problem ist die Preisgestaltung vieler Selfpublisher. Wir alle kennen die Strategie mit 99 ct Titeln auf den Markt vorzustoßen, um sich Sichtbarkeit zu verschaffen. Im Marketing ist diese Vorstoß-Taktik ein alter Hut, aber auf Amazon zuweilen sehr erfolgsbehaftet, im Gegensatz zu den Tolino-Media-Shops. Woran das liegt, wisst ihr ja nun. Da hilft dann auch nicht mehr die Kategorie „Self-Publisher“, weil auch dort das Rankingsystem nach Umsatz gewichtet. Teurere SP-Titel haben also die Nase vor den 99 ct Titeln ihrer Kategorie vorne, müssen aber im Shop noch immer mit Verlagstiteln konkurrieren.

So entsteht ein Teufelskreis, den man jedoch durchbrechen kann, indem man seine eigenen Preise anhebt.

Klingt so simpel, hat aber auch wieder gravierende Auswirkungen. Im Marketing gilt nämlich:

Steigt der Preis, schwinden die Kunden.
Sinkt der Preis, kommen die Kunden.

Hier ist eine ausgefeilte Marketing-Strategie (abgestimmt auf USP, Qualität, Zielgruppe usw.) mitunter das A und O und selbst dann gibt es keine Garantie auf Erfolg. Es wird jeder Selfpublisher für sich herausfinden müssen, was besser passt: Amazon mit seiner KU und der Möglichkeit auf den All-Star-Bonus oder Tolino Media mit seiner Marktfülle (was Amazon ohne KDP select ja nicht ausschließt) und einer sehr wahrscheinlich anders gelagerten Kundschaft und Skoobe sowie die Onleihe als Gegenstück zur KU.

Ich bin in der glücklichen Lage auf beides nicht verzichten zu müssen. Während meine Sammelbände weiterhin bei Amazon in der KU zu finden sind, werden die Episoden-Titel meiner Highfantasy-Serie über Tolino Media vertrieben werden und sind nebenbei auch ganz normal bei Amazon erhältlich. Zudem nutze ich Skoobe, was mir erlaubt, auch meine Episoden im Flat-Rate-Modell anzubieten, nur halt an anderer Front. Ob mir die Onleihe etwas einbringt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Immerhin sind es hier Bibliotheken die Lizenzen einkaufen und die sind zumeist noch konservativer eingestellt als der gewöhnliche Buchhandel.

Den von mir in die Wege geleiteten Spagat schafft bei Weitem nicht jeder und auch ich muss zusehen, ob das auf Dauer den gewünschten Erfolg einbringt. Aber meine Zielgruppe ist klein und ich möchte sie nicht künstlich schmälern, indem ich mich ausschließlich an Amazon binde.

Die Zeit wird zeigen, ob die Entscheidung richtig war. Wenn Interesse besteht, werde ich gerne den einen oder anderen Erfahrungsbericht zur Zusammenarbeit mit Tolino Media verfassen.