Was ist der Buchsatz?

Was ein Lektorat oder ein Korrektorat ist, bedarf seltener einer Erklärung als die Erwähnung des Buchsatzes. Alleine das Wort wirft bei vielen Fragen auf. Also klären wir dessen Bedeutung und den Zusammenhang zum Buchaufbau.


Der Buchsatz beginnt beim Buchaufbau

Unter dem Buchsatz versteht man das Layout des Werkes zwischen den Buchdeckeln – dem Cover auf  Vorder- und Rückseite. Dabei unterscheidet man zwischen dem groben Buchaufbau und der feineren Darstellung des darin abgelegten Textes. Zum Aufbau gehören:

  • Titelei (Schmutztitel, Vakatseite(n),
  • Titelblatt und Impressum)
  • Inhaltsverzeichnis
  • Text
  • Anhang

Bei der Titelei kann es zu Abweichungen des verlagsgeprägten Aufbaus (siehe Aufzählung) kommen. Es können – aber müssen nicht – mehrere Vakatseiten verwendet werden. Sie dienen der Platzierung von Widmung, Vorwort usw.

Bei der Titelei kann es zu Abweichungen des verlagsgeprägten Aufbaus (siehe Aufzählung) kommen. Es können – aber müssen nicht – mehrere Vakatseiten verwendet werden. Sie dienen der Platzierung von Widmung, Vorwort usw.

Dagegen ist das Impressum ein gesetzlich vorgeschriebenes Element (§5 TMG). Das Gesetz regelt jedoch nicht dessen Platzierung. Es ist also legitim, das Impressum auch ans Ende des Buches in den Anhang zu setzen.

Das Inhaltsverzeichnis ist in der Belletristik nicht zwingend notwendig, es erleichtert jedoch dem Leser die Orientierung und wird am besten nachfolgend zur Titelseite platziert. Bis zu Beginn des ersten Kapitels, das stets auf einer ungeraden Seite anfängt, tragen die Seiten davor keine Seitenzahl.  Man sagt auch, sie besitzen keine Paginierung oder sind nicht paginiert. Trotzdem werden sie gezählt, sodass mit der ersten Seite des ersten Kapitels die Paginierung nicht mit Null beginnt.

Im Anhang finden sich dagegen meist Quellenangaben, Werbung (siehe Belletristik), ein Nachwort usw. 


Das Herzstück eines Buches

Im Vergleich zum eigentlichen Text sind Titelei und Anhang weniger aufwendig in der Arbeit. Um den Text in eine ansprechende Leseform zu bringen, bedarf es mehr als der einfachen Formatierung von Schriftgröße, Zeilenabstand und Platzierung des Textes auf einer Seite. Achtgeben muss man auf folgende Faktoren:

  • Passende Schriftart und -größe
  • Zeilenabstand
  • Textlücken
  • Registerhaltigkeit der Zeilen, bündig abschließend/spiegelgleich
  • Vermeidung von Formatierungsfehlern, wie
    • Unvorteilhafte Seitenränder
    • Falsche Ausrichtung vom Text, richtig wäre der Blocksatz
    • Eingerückte erste Zeile eines jeden Absatzes; Ausnahme ist der erste Absatz eines neuen Kapitels
    • Keine Leerzeilen zwischen unterschiedlichen Absätzen
    • Hurenkinder
    • Schusterjungen
    • Fliegenschiss
    • Mehrfach aufeinanderfolgende Leerzeichen
    • Fehlende Leerzeichen
    • falsch verwendete Punkte, z. B. drei aufeinanderfolgend als Auslassungszeichen
    • Anzahl und Art von Silbentrennungen
    • Gleichmäßig bündig abschließender Text auf den Seiten; Ausnahme ist die letzte Seite eines Kapitels

Wie anhand der Aufzählung zu sehen ist, gibt es sehr viele Fallstricke und das sind noch nicht einmal alle, über die man beim Setzen eines Buches stolpern kann. Es ist eine Arbeit, die noch immer per Hand ausgeführt wird, zwar mit Unterstützung verschiedenster Programme, aber eben nicht automatisch. Zudem ist sie je nach Buchumfang durchaus zeitaufwendig. Es lohnt sich jedoch, diesen Arbeitsschritt akkurat auszuführen oder ausführen zu lassen. Das Ergebnis ist, bei Beachtung aller Faktoren fürs Setzen, hoch professionell und kann mit Verlagsbüchern konkurrieren.

Ich selbst arbeite mit einem Layoutprogramm. Man kann – die Betonung liegt auf kann – auch mit MS Word (findet rege Benutzung beim Schreiben von Manuskripten) einen Buchsatz hinbekommen. Doch dafür muss man das Programm sehr gut kennen. Allerdings wird man hier an irgendwelchen Stellen des Setzens immer Abzüge hinnehmen müssen oder es müssen komplizierte bzw. verworrene Einstellungen vorgenommen werden, um denselben Effekt wie in einem Layoutprogramm zu erzeugen. 


Das Arbeiten am Buchsatz ist nicht trivial!

Sehr wichtig ist die Registerhaltigkeit von Zeilen. Registerhaltig bedeutet, dass die Zeilen deckungsgleich auf der Vorder- und Rückseite einer jeden Buchseite sein müssen. So beginnt der Text stets auf der gleichen Höhe und schließt bündig unten auf der Seite ab. Ausgenommen sind hierbei nur die Kapitelüberschrift und die letzte Seite eines jeden Kapitels.

Ein immer wiederkehrendes Ärgernis, das man mit einer einzigen Einstellung eben nicht loswerden kann, sind Hurenkinder, Schusterjungen und der Fliegenschiss. Sie sind typografische Fehltritte erster Ordnung und entlarven neben den genauso häufig auftretenden Textlücken den Anfänger unter den Selfpublishern. 

Nicht selten ist die Behebung dieser Fehler umfangreich und gleich ein ganzes Kapitel betroffen. Eine große Textlücke ist behoben und erzeugt als Folge einen oder gleich mehrere der oben genannten drei Fehltritte. Dann werden Sätze verschoben, Worte ausgetauscht, die Spationierung verändert und Absätze zusammen oder auseinandergezogen – wo es passend erscheint – u. v. m. Am Ende soll ein akzeptables Ergebnis stehen. 

Das kann zu einer sehr zeitraubenden Arbeit ausarten. Man stelle sich vor, ein Kapitel umfasst 20 Taschenbuchseiten und auf jeder taucht mindestens ein Fliegenschiss, Hurenkind oder Schusterjunge auf. Daraus kann schnell mehr als eine 1 stündige Mission werden. Dass der Aufwand sich lohnt, ist anhand von verlagsnahen Ergebnissen unbestritten. Jedem der diese Arbeit nicht liegt, sollte sie im Interesse eines professionellen Auftretens in kundige Hände übergeben. 


Ein Gedanke zu “Was ist der Buchsatz?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.