Arbeitsprobe: Buchsatz

Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass der Begriff Buchsatz geläufig ist. Wenn das nicht der Fall ist, verweise ich auf eine ausführliche Erklärung an dieser Stelle. Ausgehend davon beginne ich mit meiner Darstellung auch am eigentlichen Buchinhalt, dem Text, der Geschichte des Autors. Als Beispiel dient mir ein weiteres Mal der Blindtext, der mir zur Erläuterung meiner Arbeitsweise für das Lektorat und Korrektorat vorlag.


Das Setzen mittels Layoutprogramm

Für den Buchsatz verwende ich den Publisher von Microsoft. Der Publisher ist ein Layoutprogramm und deutlich besser geeignet für das Setzen eines Textes als das Texterstellungsprogramm MS Word. Mit den richtigen Einstellungen lässt sich die Registerhaltigkeit der Zeilen für den ganzen Buchblock definieren. Meine Vorlage sieht so aus: 

Zu sehen ist die Gestaltungsvorlage einer Doppelseite im Buch mit den sog. Basislinien (horizontal verlaufend). An ihnen richtet sich der spätere Text aus. Die Basislinien orientieren sich an der Schriftgröße und deren Zeilenabstand. Ist diese Einstellung erst einmal getätigt, zieht sie sich durch das ganze Dokument. (Anmerkung: Die Rautensymbole sind Platzhalter für die fortlaufende Seitenzahl).

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Sobald der Text in diese Vorlage eingepasst ist, beginnt die Arbeit. Das nebenstehende Bild zeigt die Ausgangslage. Voreingestellt sind die Schriftart Palatino Linotype, Schriftgröße 10 für den Text und Schriftgröße 14 für die Überschrift als Kapitelanfang.  Gewählt habe ich Palatino Linotype, da diese Schrift sehr häufig in belletristischen Büchern vorkommt. Sie zählt zu den Serifenschriften und besitzt eine gefällige Spationierung.

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Auf dem ersten flüchtigen Blick lässt sich nicht viel am Text bemängeln. Doch das ändert sich, wenn wir genauer hinsehen, was bei einem Leser der Fall ist, sobald er die Geschichte liest. Im Folgenden Bild sind alle Fehltritte farbig markiert. Rot steht hierbei für die Silbentrennung, Blau für die Textlücken und Gelb für Schusterjungen, Hurenkinder und Fliegenschiss. Zur besseren Darstellung sind die Basislinien ausgeblendet.

Leider ist der Text schon recht optimal. Aber es sind dennoch einige Mängel ersichtlich. Seite 2 ist nach Beginn des Kapitels nicht vollständig beschrieben. Daher sind 7 Silbentrennungen meiner Meinung nach das Höchste der Gefühle. Schöner wäre es, wenn sich die Anzahl reduzieren ließe. Besonders störend wirkt die Silbentrennung in der ersten Zeile. Aber der Text sieht nicht danach aus, als könnte man das ohne größere Konsequenzen lösen. Ein Initial wäre eine Maßnahme, sofern der Arbeitsauftrag dazu entsprechend lautet.

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Wenn der Autor Veränderungen am Text, bis auf Synonyme oder Füllwörter, ausgeschlossen hat, dann sind mir hier die Hände gebunden. Das Ziehen der ersten Silbe in die nächste Zeile hätte eine Lücke zur Folge. Je nachdem wie groß die sein wird, gilt es abzuwägen, was günstiger für den Text ist. Denn wie man an den blauen Markierungen erkennt, sind Textlücken alles andere als schön und der Schusterjunge (gelbe Markierung) trägt nicht gerade zur Verbesserung des Textbildes bei.

Das Ergebnis für Seite 2 sieht demnach wie folgt aus. Ich habe mich für das Eliminieren der ersten Silbentrennung entschieden. Wie schon zu erwarten war, entsteht so zwischen den Wörtern ein wenig mehr Platz. Da aber auf derselben Seite, alle anderen Textlücken wunderbar behoben werden konnten, ist es ein Kompromiss und bleibt so stehen. Nebenbei fällt auf, dass die Silbentrennungen sinniger ausfallen und weniger geworden sind. Wer genau hinsieht, wird zwei Füllwörter vermissen. Sie waren hinderlich für den Buchsatz und ihr Fehlen verändert den Sinngehalt des Textes nicht. Auch das gehört zur Arbeit des Setzens.

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Solche Änderungen bedingen allerdings die Erlaubnis des Autors, wie bereits weiter oben erwähnt. Zu guter Letzt ist auch der Schusterjunge verschwunden. An dieser Textpassage war es möglich, den Absatz zu streichen und das Problem ist gelöst. So einfach ist das nicht immer. Es kommt sehr auf den Text an.

Die optische Verbesserung von Seite 2 hat allerdings Seite 3 in Mitleidenschaft gezogen. Es sind viele Textlücken entstanden. Daneben fällt noch eine weitere Sache auf, die Wortwiederholung „Text“ in zwei direkt aufeinander folgenden Zeilen. Das geht gar nicht und sollte nur in Form eines Kompromisses zugelassen werden. Die Anzahl der Silbentrennung dagegen ist in Ordnung.

Wie zu erkennen ist, habe ich einen neuen Absatz eingefügt, passenderweise so, dass kein Hurenkind dabei herausgekommen ist (grüne Markierung). Der Grund waren die Textlücken. Sie haben sich mit anderen Mitteln leider nicht ganz schließen lassen und dieses Vorgehen brachte den gewünschten Effekt. Alle anderen Lücken ließen sich problemlos bearbeiten und die Anzahl der Silbentrennungen ist unverändert geblieben.

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Schlusswort

Beim Setzen wird von Absatz zu Absatz und Seite zu Seite gearbeitet.  Das Ergebnis solch einer Arbeit ist ein PDF, wie es für den Druck des Buchblockes in Druckereien benötigt wird. 

Ich hoffe, der kleine Exkurs in das Setzen eines Textes war nicht bloß interessant. Wenn ich Dich von meiner Vorgehensweise überzeugen konnte und Du jemanden brauchen, der Deinen Text in Form bringt, darfst Du gerne auf mich zukommen.